Vegan leben: vegan schön

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Wer Fleisch, Fisch, Eier, Milch und Honig von seinem Speiseplan streicht, ist lange noch kein echter Veganer. Denn Veganismus als Lebenseinstellung fordert ein, sämtliche von Tieren stammende Produkte möglichst aus seinem Alltag zu verbannen. Auch im Badezimmer. Denn dort lauern z.B. beim Schminken Läuse auf den Lippen.

Veganismus verlangt mehr als nur fleischlos zu essen. Nämlich den Verzicht auf tierische Erzeugnisse jeglicher Art. Bei der Nahrung, bei der Kleidung, beim Mobiliar und auch bei der Körperpflege. Den “Lohn“ dafür sieht man im Spiegel: zarte Haut, geschmeidiges Haar, ein jugendlicheres Aussehen, eine schlankere Linie u.a.m., schwärmen die VerfechterInnen veganer Kost und Kosmetik. Auch wenn solche positiven Effekte nicht der einzige und wichtigste Grund sein sollten, sich dieser tier- und umweltfreundlichen Lebens- und Ernährungsweise anzuschließen, motivieren sie doch, vegan zu bleiben. Bevor man nun mit veganer Körperpflege loslegen kann heißt es allerdings, sich zunächst über die Inhaltsstoffe von Körperpflegeprodukten und Kosmetika zu informieren.

Tierisch schön?

„Wer schön sein will, muss leiden“ – dieser Satz trifft oft weniger auf die Konsumenten von Pflege- und Schönheitsprodukten zu als auf die tierischen Lieferanten so mancher Bestandteile von Lotionen, Nagellacken, Lippenstiften und Co. Wie etwa die Vierbeiner und Vögel, die Hufe, Hörner und Federn lassen müssen, um Kollagen daraus zu gewinnen, das in Cremes eingearbeitet wird, die auch in höherem Alter für eine glatte Haut sorgen sollen. Für andere Inhaltsstoffe wie das z.B. in Bodylotions vorkommende Allantoin (Abbauprodukt der Harnsäure im Eiweißstoffwechsel von Säugetieren) oder das aus Ei, Leber oder Milch gewonnene Biotin (Vitamin B7, Vitamin H), das zahlreichen Shampoos und Cremes ihre Konsistenz verleiht, wird weniger geworben.

Dafür zunehmend für Naturkosmetik, die, wenn schon bio, aber durchaus nicht vegan sein muss. So findet man in so manchen als ökologisch bezeichneten Lippenstiften und Wimperntuschen oft Bienenwachs, das die Tierchen in speziellen Drüsen produzieren, um damit die Waben abzudichten, in denen der Nachwuchs aufgezogen sowie Pollen und Honig gespeichert werden. Das Wachs wird den Waben vom Imker mittels Schleuderverfahren unsanft entrissen.

Oder der meist von Tieren stammende Farbstoff Karminrot alias E120, auch als “Naturfarbstoff” oder “echtes Karmin” bezeichnet, der das Rot in den Lippenstiften intensivieren soll. Zwecks seiner Gewinnung werden weibliche Cochenille-Läuse zermahlen und/oder ausgekocht.

Selbst in Produkten, wo man es nicht vermuten würde, steckt manchmal Tierisches. Etwa das aus Fischschuppen stammende Guanin (Nukleinbase in der Erbsubstanz) in Nagellacken.

Aus Bezeichnungen von Substanzen allein kann man jedenfalls nicht immer (eindeutig) schließen, ob es sich um einen Stoff tierischer Herkunft handelt oder nicht. So würde man wohl bei der Milchsäure vermuten, sie müsse unbedingt aus der Milch kommen. Dort ist sie auch tatsächlich enthalten, wird aber ebenso aus Lactobacillus-Arten (Bakterien) gewonnen oder synthetisch hergestellt und ist in diesem Fall vegan. Ebenso irreführend ist z.B. der Name Kakaobutter, handelt es sich dabei doch um das – natürlich vegane – Fett der Kakaonuss, auch wenn wir sonst unter dem Begriff Butter eher ein tierisches Erzeugnis verstehen.

Wer überlegt, sich zu einem veganen Leben zu bekennen, aber nun stundenlanges Recherchieren fürchtet, nur um herauszufinden, ob sich in seinem Shampoo oder Duschgel nicht vielleicht doch tierische Substanzen verstecken, kann sich die Mühe sparen. Denn die Vegane Gesellschaft Österreich bietet mit ihren “Vegan Buddies“ (erfahrene Veganer) ein umfangreiches Informationsservice zum Thema vegan leben.

Natürlich kann man auch selbst mit natürlichen Mitteln für schöne Haut, Haare und Nägel sorgen. Viele davon findet man im Küchenschrank und muss sie sich quasi nur mehr “in die Haare schmieren“. Oder auf die Haut. Hier ein paar Beispiele:

Rezepte für vegane Haarpflege

Haar braucht typgerechte Pflege – trockenes eine andere als fettes oder brüchiges. Dem trägt auch vegane Kosmetik Rechnung: Trockenes Haar etwa freut sich über eine Kleiekur: Ein aufgekochter Brei aus Kleie (Getreidemahlprodukt) und Wasser wird auf die Kopfhaut aufgetragen, einwirken gelassen und dann ausgespült. Anschließend wird Klettenwurzelöl in die Haare und Kopfhaut einmassiert.

Fettiges Haar mag weder Seifen, die die Talgdrüsen anregen, noch stark alkoholhaltige Mittel zum Entfetten. Hierzu leistet Borax, in lauwarmem Wasser gelöst (1 TL auf 2 l Wasser), bessere Dienste. Ebenso warmer Kamillentee oder auch zimmerwarmes Bier. Letzteres wirkt auch gleich der Schuppenbildung entgegen. Keine Bange, der Biergeruch verflüchtigt sich beim Trocknen wieder.

Die Struktur von brüchigem Haar wiederum profitiert von einem gut verrührten Gemisch aus im Wasserbad erwärmtem Carnaubawachs (aus den Blättern der brasilianischen Carnaubapalme), Glyzerin und Mandelöl. Mit den Fingerspitzen auf die Kopfhaut aufgebracht und den Handflächen ins Haar gestrichen.

Für strahlenden Glanz sorgt bei dunklem Haar etwas Essig im Wasser zum letzten Spülen nach der Haarwäsche, bei blondem Haar Weißwein. Eine hellere Tönung verspricht eine Spülung mit Kamillentee, eine Intensivierung jedweder Haarfarbe Bier im letzten Spülwasser.

Rezepte für vegane Hautpflege

Auch die Haut benötigt typgerechte Pflege. Trockene Gesichtshaut etwa, die Seife und kalkhaltiges Wasser verabscheut, gedeiht bei einer Pflege mit Mandel- oder Rosenöl, Gesichtsmasken aus stimulierendem und reinigendem Weißwein sowie dem täglichen Eincremen mit Fettcreme.

Bei fettiger Haut hingegen dienen zum Reinigen in 40%igem Alkohol oder Kampferextrakt getränkte Wattebäusche, zur Pflege aufgelegte Gurkenscheiben und Gesichtsmasken mit Rotwein.

Unreine Haut wiederum klärt sich durch Kamillendampfbäder, Waschen mit Schwefelseife und lauwarmem Wasser, Abtrocknen mit Wegwerfpapiertüchern oder kochfesten Mikrofasertüchern und regelmäßige Peelings mit Mandelkleie.

Zwei- bis dreimal die Woche die gereinigte Gesichtshaut mit einer Mischung aus einem guten Sesam-, Oliven- oder Kokosöl und ein paar Tropfen Teebaumöl oder einem Mix aus Distel-, Rizinus- und Jojobaöl etwa eine halbe Stunde lang massieren, dann die Öle mit einem heiß-feuchten Waschlappen abnehmen und die Haut eincremen hilft gegen Pickel. Heiße und kalte Gesichtsbäder mit anschließendem Abtupfen der Haut mit Zitronensaft beugt Mitessern vor. Gegen Hautunreinheiten und große Poren wirkt auch mit Wasser verdünnter Zitronensaft oder milder Apfelessig.

Für ein schönes frisches Hautbild sorgt ein sanft einmassiertes Peeling mit Kaffeesud. Samtig- weiche Haut im Gesicht versprechen Avocado-Masken, vom Hals abwärts Bäder mit Zusätzen wie Haferkleie, Backpulver, Kartoffelstärkemehl oder einer Mischung aus Weizen- und Roggenmehl. Danach muss man sich aber gut abduschen.

Rezepte für vegane Fingernagelpflege

Auch Fingernägel wollen regelmäßig gepflegt, d.h. brüchige beispielsweise mit Sheabutter eingecremt, weiche mit Bädern in Rizinusöl und etwas Zitronensaft gekräftigt, beide mit täglich eingenommener Kieselerde und Kalzium gestärkt werden.

 

Weiterführender Link:
Vegane Gesellschaft Österreich: Buddy

 

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