Tätowierungen: Was Tattoos gefährlich macht

© panthermedia.net / Jörg Rammer

Tätowierungen liegen voll im Trend. Doch die Stiche und Farben haben es in sich: Entzündungen, Infektionen und vor allem allergische Reaktionen zählen zu den Gesundheitsrisiken, die den dauerhaften Körperschmuck begleiten können. Sie lassen sich nur bedingt vermeiden. Und auch die Entfernung von Tattoos ist alles andere als risikolos.

Einst nur von bestimmten Menschengruppen wie Seefahrern oder Häftlingen angewendet und gesellschaftlich eher missbilligt sind Tätowierungen heute – so manchem Promi sei Dank – längst salonfähig und erfreuen sich vor allem bei jungen Menschen großer Beliebtheit. Was viele, die dem Trend folgen, gerne ausblenden: Die Bilder, die unter die Haut gehen, bedeuten auch ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsrisiko. Vor allem dann, wenn sie wenig fachgerecht gestochen werden. Und: Wer an den schmerzvoll erworbenen Kunstwerken später keinen Gefallen mehr findet, wird sie – wenn überhaupt – nur schwer und ebenso komplikationsträchtig wieder los.

Altes Kulturhandwerk

In die Haut eingestochene Farbmuster sind keine Erfindung der Neuzeit. Sogar schon an manchen Mumien sind sie aufzufinden. Allerdings variiert ihre Bedeutung in Abhängigkeit vom Kulturkreis, in dem sie angefertigt werden. So können sie z.B. die Lebens- oder Familiengeschichte ihrer Träger erzählen, Stammessymbole darstellen oder magischen Wert (z.B. als Schutz) besitzen. In unseren Breiten dienen sie heute als Zeichen der Zugehörigkeit zu bestimmten Menschen oder Vereinen, Symbole für gewisse Weltanschauungen oder sind schlichtweg modischer Körperschmuck.

Risikofaktor Nr. 1: die Farben

Schon allein der wohl elementarste Bestandteil jeder Tätowierung, die Tattoo-Tinten, können – z.B. aufgrund während des Herstellungsprozesses entstehender Verunreinigungen – schädlich wirken. In einigen schwarzen Farben befinden sich beispielsweise potenziell krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). In bunten Tinten können Azofarbstoffe vorkommen, die im Organismus zu aromatischen Aminen zerfallen, die ebenfalls kanzerogen wirken. Cadmiumsalze in manchen gelben Tinten wiederum lösen bei Sonnenbestrahlung gerne starke Hautreizungen aus. Dass beständig neue Farben (z.B. im Dunkeln leuchtende Neonfarben) mit verschiedensten Inhaltsstoffen entwickelt werden, macht die Sache auch nicht einfacher.

Vor allem aber besitzen Tattoo-Tinten, ihre Trägersubstanzen und Konservierungsstoffe allergenes (allergieauslösendes) Potenzial. So enthalten viele Farben Nickel, einen der häufigsten Verursacher von Kontaktallergien. Ein weiteres Problem: Selbst gegen nicht als schädlich geltende Tinten wehrt sich das Immunsystem, handelt es sich dabei doch um Fremdkörper.

Häufig kommt es nach dem Tätowiervorgang zu lokalen Beschwerden wie Juckreiz, Schwellungen, Blutungen oder Krustenbildung. Manchmal entwickeln sich aber auch infolge von Fremdkörperreaktionen dauerhaftere Knötchen oder sensible Hautstellen. Gelegentlich treten Allgemeinsymptome wie Schwindel, Abgeschlagenheit und Fieber auf. Überdies bleiben die Farben nicht an den Stellen, wo sie eingestochen werden, sondern breiten sich im Organismus aus, zeigen Untersuchungen an in der Nähe von Tattoos liegenden Lymphknoten. Wenn auch bis dato ungeklärt bleibt, wo überall hin.

Risikofaktor 2: das Stechen

Damit Tätowierungen Bestand haben, genügt es nicht, Farben in die – ständig abschilfernde – Oberhaut einzubringen, sondern müssen in die mittlere Hautschicht, die Dermis, gestochen werden. Das bedeutet das Setzen von vielen Perforationen (= Wunden) – und damit unzähligen Gelegenheiten, die Haut zu schädigen, entzünden oder mit Bakterien (z.B. Streptokokken), Viren (z.B. Hepatitis, HIV, Herpes) oder Pilzen zu infizieren. Wenn es dem Tätowierer an handwerklichem Geschick fehlt und vor allem, wenn er unter unhygienischen Bedingungen arbeitet, wird so aus dem erhofften trendigen Hautschmuck schnell eine Quelle von Komplikationen und Schmerzen. Nicht zuletzt deshalb ist die Ausübung des Tätowierens in Österreich gesetzlich an die Erlangung eines Gewerbescheins gebunden, für den eine adäquate Ausbildung oder entsprechende Fachkenntnisse nachzuweisen sind. Zudem müssen Tätowierer hygienische Standards einhalten und ihren Kunden eine umfassende Beratung sowie Nachbehandlung bieten. Vorgaben, die nicht von jedem Tattoo-Studio eingehalten werden, wie ein Test des Verbrauchermagazins Konsument zeigt.

Risikofaktor 3: die körperliche Verfassung

Grundsätzlich sollten sich auch kerngesunde Menschen gut überlegen, ob sie sich diesen schmerzhaften, komplikationsträchtigen und lebenslang bleibende Spuren hinterlassenden Eingriff namens Tätowierung mit einer Heilungszeit von bis zu einem Dreivierteljahr wirklich antun möchten. Für kranke Menschen aber kommen Tattoos von vorneherein höchstens bedingt in Frage. Wer unter einer Erkrankung des Immunsystems, Hepatitis (Leberentzündung), Blutgerinnungsstörung, Geschlechtskrankheit, einem fieberhaften Infekt, Ekzem, Herzleiden, Diabetes, offenen Wunden oder einer bekannten Allergie (Nickel!) leidet, das Abwehrsystem unterdrückende Medikamente einnimmt oder schwanger ist, sollte davon auf jeden Fall Abstand nehmen. Sonst drohen Komplikationen wie etwa Wundheilungsstörungen.

Wie und in welchem Ausmaß Tattoos schaden, darüber fehlt es an aussagekräftigen Langzeitstudien. Einigen Berichten zufolge soll es z.B. zumindest in Einzelfällen zur Entwicklung gutartiger Hauttumore gekommen sein. Zudem kann es sich schwierig gestalten, auf tätowierter Haut Gewächse (z.B. harmloses Muttermal oder bösartiges Melanom?) zu beurteilen.

Wie man Gesundheitsrisiken eindämmt

Trotz aller Gefahren und möglicher unliebsamer Konsequenzen (z.B. ev. Nachteile in der beruflichen Karriere) immer noch motiviert, sich ein dauerhaftes Körperbild zu leisten? Vielleicht auch schon ein Motiv im Sinn, das ein hoffentlich begnadeter Stechkünstler auf bzw. in die Haut zaubern soll? Dann ist es gut, Ratschläge von Konsumentenschützern zu beherzigen, die helfen sollen, gesundheitliche Gefahren beim Tätowieren hintanzuhalten. Sie empfehlen, auf Folgendes zu achten:

  • Information: Vor dem Eingriff muss der Tätowierer eine ausführliche Beratung durchführen. Darüber, was er machen wird, inklusive Aufklärung, was dabei passieren kann (z.B. oben genannte lokale Beschwerden) bzw. wie bei Komplikationen vorzugehen ist. Unerlässlich ist es, dass er nach Allergien und Erkrankungen fragt und erläutert, bei welchen Krankheiten eine Tätowierung nicht zu vertreten ist. Außerdem auch über die Wundheilungsdauer spricht und Möglichkeiten, ein Tattoo wieder loszuwerden, Dass er das alles getan hat, sollte er am besten per Unterschrift bestätigen lassen. Minderjährige unter 14 Jahren dürfen hierzulande laut Gesetz gar nicht tätowiert werden, 14- bis 18-Jährige nur mit dem Einverständnis der Eltern.
    Seine handwerklichen Qualitäten beweist ein Tattoo-Künstler am besten anhand seiner Werke (gerade, saubere Linien, gleichmäßige Farbgebung, gut ausgeführte Schattierungen) – auf Fotos oder besser noch an bereits behandelten Kunden.
    Die verwendeten Farben sollten sämtliche Inhaltsstoffe, Name und Anschrift des Herstellers, Chargennummer sowie das Mindesthaltbarkeitsdatum und Angaben zur Haltbarkeit nach dem Öffnen zu erkennen geben. Man sollte darauf bestehen, dass die Farben für das kommende Tattoo frisch angemischt werden.
  • Hygiene: Im Tattoo-Studio müssen hygienische Verhältnisse herrschen und sauber gearbeitet werden. Das erfordert einen separaten speziellen Arbeitsraum für die Tätowierung, in dem weder gegessen, getrunken noch geraucht wird. Mit abwischbaren Oberflächen und Liegen sowie frischen Einwegtüchern. Und unbedingt (!) einem Sterilisationsgerät, mit dem die Instrumente immer wieder neu desinfiziert werden. Die Verwendung keimfreier Einmal-Nadeln bzw. -Tätowier-Bestecke (Alternative: Tätowier-Besteck, das im Sterilisator keimfrei gemacht wurde), Einmal-Farbtuben und -Packungen fürs Wasser zum Verdünnen der Farben versteht sich (hoffentlich) von selbst. Vor seiner Arbeit soll der Tätowierer seine Hände waschen und desinfizieren, beim Stechen der Tattoos sterile Einweg-Handschuhe tragen. Wichtig ist auch, dass er die Körperregion, die er tätowieren wird, vorher gründlich säubert.
  • Nachsorge: Nach der Sitzung sollte der Tätowierer Wundsalbe auf die tätowierte Stelle auftragen, über das weitere Vorgehen (Versorgung der Wunde, keine Sonnenbäder, kein Aufenthalt in Saunas oder Swimmingpools etc.) beraten oder auch idealerweise diese Informationen schriftlich mitgeben (Merkblatt).

Das Tattoo gefällt nicht mehr – was  nun?

Wenn die “Jugendsünde“ weg soll, weil sie der Karriere schadet, die ewige mit einem Namens-Tattoo des/der Angebeteten besiegelte Liebe doch nicht für immer gehalten hat oder das Motiv des Körperschmucks aus der Mode gekommen ist, trachten die Träger von Tätowierungen danach, sie wieder loszuwerden. Das kann zeit- und kostenintensiv werden. Und schmerzvoll.

Tattoos lassen sich auf zwei Arten entfernen respektive zum Verblassen bringen: mit Chemie oder mit Laser. Die chemische Methode bedient sich Lösungen mit 40-prozentiger L(+)-Milchsäure, die unter die Haut gespritzt werden. Die Substanz gilt als haut- und schleimhautreizend und verursacht schlimmstenfalls schwere Entzündungen der Haut mit Narbenbildung. Nicht hygienisch genug ausgeführt u.U. auch Infektionen.

Bei der Lasertechnik (meist mehrere Sitzungen nötig) spalten in ihrer Wellenlänge den jeweiligen Farbpigmenten angepasste Laserstrahlen die Farbpartikel auf, wobei die so entstehenden chemischen Verbindungen möglicherweise gesundheitsschädlich sind. Zudem hängt der Erfolg der Tattoo-Entfernung von dessen Farben (meist zufriedenstellend: schwarz, am schwierigsten: bunt) ab. Zurückbleiben können Farbreste bzw. Pigmentstörungen, Änderungen der Hautstruktur oder auch Narben.

 

Weiter führende Links:
Konsument: Tattoo- und Piercingstudios im Beratungstest
Tätowiermittelverordnung 2014

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Piercings: Körperschmuck mit Gesundheitsrisiko