Schönheitschirurgie: Schönheitskorrekturen als Glücksgarantie?

© panthermedia.net / Piotr Marcinski

Glaubt man Hochglanzmagazinen, Werbeplakaten und Soaps, gehört die Welt einzig und allein makellos schönen und jungen Menschen. Nur sie haben scheinbar immer Erfolg und machen traumhafte Karrieren. Zudem liegen ihnen scharenweise begehrenswerte Partner zu Füßen. Das schürt bei Normalos den Wunsch, zu diesen Auserwählten zu gehören und lässt die Schönheitschirurgie (plastisch-ästhetische Chirurgie) boomen. Ein bedenklicher Trend.

Die meisten Frauen sind mit ihrem Aussehen unzufrieden. Etliche Männer auch. Um dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen sind viele Frauen bereit, allerlei Torturen auf sich zu nehmen. Immer mehr Männer tun es ihnen gleich. Gilt ein makelloses Aussehen doch als Garant für Glück und Erfolg. Tatsächlich können gezielte und gelungene Korrekturen mehr Selbstsicherheit bringen und damit positiv auf Innenleben und Außenwelt wirken. Was noch so kunstfertige Eingriffe aber nicht schaffen: tiefgreifende Selbstzweifel oder sogar eine gestörte Selbstwahrnehmung zu beseitigen und das Erreichen von Lebenszielen (z.B. den Erhalt einer Partnerschaft) erzwingen. Deshalb sollte jeder Schönheitsoperation ein eingehender Check der Motive dafür vorangehen. Ebenso wichtig ist die Wahl des Chirurgen, damit möglichst nichts schief geht. Und die Vergegenwärtigung, welche Risiken es birgt, sich zwecks Selbstoptimierung unters Skalpell zu legen.

Wunsch nach Schönheitskorrektur: Motive

Untersuchungen von Frauen zu ihren Motiven für einen kosmetisch-chirurgischen Eingriff zeigen vier Faktoren, die hier eine bedeutende Rolle spielen: in erster Linie eine Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, aber auch der Wunsch nach Korrektur eines bestimmten Makels (z.B. Höckernase), Erfahrungen mit sozialer Stigmatisierung (z.B. Hänseleien in der Kindheit) und in den Medien präsentierte Vorbilder. So unrealistisch, weil intensiv mit Bildbearbeitungsprogrammen usw. bearbeitet und geschönt letztere auch sind.

Ein elementarer Beweggrund für Schönheitskorrekturen ist, dem Alter, das Wangen, Brüste und andere Körperteile zunehmend der Schwerkraft folgen lässt, ein Schnippchen zu schlagen. Das erklärt jedoch nicht, warum immer jüngere Menschen (mit elterlichem Einverständnis dürfen das auch Jugendliche) sich unters Messer legen. Zum Beispiel Frauen zwischen 18 und 30 Jahren, die in unseren Breiten etwa ein Drittel der Kundinnen von Schönheitschirurgen ausmachen (häufigste Op.: Brustvergrößerung). Ebenso steigt die Zahl der Vertreter des starken Geschlechts, die ästhetische Korrekturen in Anspruch nehmen (häufigste Op.: Lidstraffung).

Warum ein vermeintlich perfektes Aussehen und der damit verbundene Trend zu chirurgischen Schönheitskorrekturen anscheinend auch für junge Menschen immer wichtiger wird, erklären Soziologen mit der Individualisierung in den Industrieländern, die traditionelle Bindungen (Familie, Wohnort, Berufsgruppe etc.) zunehmend zur Auflösung bringt, sodass lediglich das Aussehen als Signal der eigenen Identität verbleibt. Da im Zuge dieser gesellschaftlichen Prozesse auch Partnerschaften oft nicht mehr lebenslang halten, ist Partnersuche für viele mehrmals ein Thema im Leben. Der Natur “nachzuhelfen“ soll dann die Chancen auf dem Heiratsmarkt erhöhen.

Die beliebtesten Eingriffe (in Österreich geschätzte 40.000 pro Jahr) sind übrigens Bauchdeckenstraffungen, Fettabsaugungen, Brustverkleinerungen und –straffungen. Wobei inzwischen kaum eine Körperregion vom Wunsch nach Verschönerung verschont bleibt. Bis hin zu kosmetischer Genitalchirurgie (z.B. Schamlippenverkleinerung).

Motive: noch gesund oder schon krankhaft?

Auch Menschen mit gesundem Selbstbewusstsein können bei ihrem Äußeren Merkmale besitzen, die sie als Schwachstellen empfinden. Das können scheinbar zu große Füße sein, zu kleine Brüste, zu üppige Hüften, eine schiefe Nase etc. etc. Die Umwelt nimmt diese Merkmale oft anders wahr als ihre Träger, denn Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Menschen mit ausgeprägtem Selbstvertrauen lösen das Dilemma, indem sie sich trotz des empfundenen Makels akzeptieren und nicht vom Leben abhalten lassen. Andere sorgen dafür, dass der vermeintliche Schönheitsfehler korrigiert wird und sind dann zufrieden. Das gelingt Personen mit einer Körperdysmorphen Störung (eingebildete Hässlichkeit, body dysmorphic disorder) nicht. In ihrem Fall ist der Wunsch nach Schönheitskorrekturen Ausdruck einer schwerwiegenden seelischen Störung. Die Erkrankung führt zu einer übermäßigen Beschäftigung mit einem eingebildeten körperlichen Makel und damit so starken Hemmungen und Lebenseinschränkungen, dass daraus eine soziale Isolation und Unfähigkeit alltäglichen Anforderungen nachzukommen resultieren kann. Als entstellt erlebt werden vorrangig die Haut, Haare, Nase, Augen, Beine, bei Frauen die Brüste und bei Männern die Brustmuskeln. Behebt ein Schönheitschirurg den “Fehler“ bedeutet das oft nicht das Ende des Leidens, denn Menschen mit einer Körperdysmorphen Störung sind fast immer unzufrieden mit dem Resultat der Operation, egal wie virtuos sie ausgeführt wurde. Stattdessen kann sich die Problematik verlagern: Nach der Korrektur des ursprünglich als hässlich erlebten Körperteils wird plötzlich ein anderer Körperteil als entstellt angesehen und die Prozedur beginnt von neuem.

Zweifel an gesunden Motiven für eine ins Auge gefasste Schönheitsoperation (korrekter: plastisch-ästhetische Chirurgie) sollten aufkommen, wenn man

  • sein Aussehen häufig mit dem anderer vergleicht bzw. andere oft mustert.
  • sein Aussehen immer wieder im Spiegel prüft oder im Gegenteil den Blick in den Spiegel tunlichst meidet.
  • glaubt, einen oder mehrere vermeintliche Schönheitsfehler unbedingt und nachhaltig tarnen zu müssen, z.B. mit Kleidung, Make-up, bestimmten Körperhaltungen usw.
  • nach Bestätigung bei anderen für den imaginierten Makel sucht und sich ärgert, wenn sie nicht darauf einsteigen.
  • sich intensiv ums Äußere kümmert, z.B. mit ständigem Kämmen, oftmaligem Schminken etc.
  • dem als unattraktiv empfundenen Körperteil viel Aufmerksamkeit schenkt, viel über ihn liest oder ihn oft abmisst.
  • ständig Diät hält oder exzessiv Sport treibt.
  • mit Medikamenten “nachhilft“, um attraktiver zu werden (z.B. Anabolika zum Muskelaufbau).
  • Situationen (z.B. Schwimmbad) meidet, in denen andere den vorgeblichen Makel sehen könnten bzw. sich seinetwegen in Gesellschaft unsicher bewegt.

Treffen mehrere der genannten Punkte zu, sollte psychologisch geklärt werden, ob eine Störung der Körperwahrnehmung vorliegt. Ist dem so, lautet die richtige Behandlung nicht Schönheitsoperation, sondern Psychotherapie. Ein schwieriges Unterfangen, dem in der Regel uneinsichtigen Betroffenen das klarzumachen. Doch auch wenn keine Störung vorliegt, sollte sich jeder Interessent an Schönheitschirurgie die Frage stellen (und ehrlich beantworten), was genau ihn an seinem Körper stört, was genau geändert werden soll und insbesondere warum (für sich selbst, den Partner, die Karriere, um wie früher auszusehen…). Und gleich noch eine weitere: ob er eine ev. misslungene Operation finanziell, vor allem aber seelisch verkraften kann.

Arztwahl: Qualitätskriterien

Wer einen echten oder vermeintlichen Schönheitsfehler operativ korrigieren lassen will, braucht hierzu einen Arzt und sucht dann – durchaus nachvollziehbar – meist einen Schönheitschirurgen. Was viele nicht wissen: Der Begriff “Schönheitschirurg“ (desgleichen: “kosmetischer Chirurg“/“ ästhetischer Chirurg“) ist kein geschützter Titel und “Schönheitschirurgie“ (ebenso: “kosmetische Chirurgie“)  kein definiertes Fachgebiet, sodass diese Bezeichnungen keinen Hinweis auf die Ausbildung und Qualität eines Arztes liefern. Konkret bedeutet das, dass alle Ärzte, die sich dazu berufen fühlen, Hand anlegen dürfen. Anderes verspricht der Titel “Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie“. Er garantiert hierzulande, dass nach Studienabschluss eine spezifische sechsjährige Ausbildung absolviert wurde, während der der Arzt unter Anleitung und unter Beachtung gültiger Qualitätsstandards eine Mindestanzahl an bestimmten Operationen durchführen muss und die mit der Facharztprüfung endet.

Außer darauf zu achten, dass der Operateur den Facharzttitel für plastische und ästhetische Chirurgie besitzt sollte man vor dem Eingriff in Erfahrung bringen, wie oft dieser von ihm durchgeführt wurde, worüber seriöse Mediziner bereitwillig Auskunft geben. Im Beratungsgespräch sollte der Arzt mit dem Interessenten die Motive zur Operation klären und besprechen, ob das gewünschte Ziel realistisch machbar ist. Ebenso die Kosten (inklusive detaillierter Kostenvoranschlag), eventuelle (auch psychische) Nebenwirkungen, Risiken und die Wirkungsdauer (Brustimplantate müssen z.B. in gewissen Abständen erneuert werden) sowie Nachbehandlung (z.B. Dauer des Heilungsprozesses). Am besten gönnt man sich danach ein paar Tage Bedenkzeit, in denen man mit einer Vertrauensperson nochmals das Für und Wider der Operation durchspricht, bevor man sich entscheidet. Ohne sich drängen zu lassen.

Schönheitschirurgie: Risiken

Abgesehen davon, dass das Ergebnis der Operation vielleicht nicht den Erwartungen entspricht und die Kosten für kosmetische Korrekturen in der Regel nicht von den Krankenkassen getragen werden zählen wie bei jedem chirurgischen Eingriff zu den möglichen Komplikationen Infektionen, Blutungen, Narbenwucherungen und Thrombosen. Darüber hinaus drohen – auch wenn kein Behandlungsfehler vorliegt – bleibende Nervenschäden (z.B. an Gesichtsnerven, Brustwarzen), Abstoßungsreaktionen auf körperfremde Implantate oder das Absterben von Gewebeteilen. Dann können Nachbesserungen notwendig werden. Die Rate an notwendigen Nachbesserungen hängt u.a. vom jeweiligen Eingriff ab (z.B. häufig bei Fettabsaugungen, selten bei Lidkorrekturen).

OP missglückt – was nun?

Wer mit dem Ergebnis einer Operation unzufrieden ist, kann sich bei der Fachgesellschaft für Plastische, Ästhethische und Rekonstruktive Chirurgie kostenlos fachlich kompetenten Rat und Hilfe holen. Die Hotline Nummer 0820 820 600 gewährleistet Informationen und Anmeldungen zu der kostenlosen Beratung inklusive Zusendung des Antragsformulars für das Service.

 

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