Schönheitschirurgie: mit Skalpell und Silikon zu “perfekter Weiblichkeit“

© panthermedia.net / CandyBox Images

Ein makelloser Körper ist wohl der Traum vieler Frauen. Den wollen sich immer mehr Vertreterinnen des schönen Geschlechts mit Hilfe der plastischen Chirurgie erfüllen. Ganz oben auf der Wunschliste steht dabei ein attraktiver Busen. Das Streben nach Perfektion macht aber inzwischen unseligerweise auch vor dem Intimbereich nicht Halt.

Hat Mutter Natur ”gepatzt” und keine wohlgeformten Brüste mitgegeben oder entspricht die Oberweite nicht dem begehrten Umfang, weiß die plastische Chirurgie Rat. Sie vergrößert einen zu klein geratenen Busen (Brustvergrößerung, Mammaaugmentation) oder verkleinert einen zu üppigen (Brustverkleinerung, Brustreduktion, Mammareduktion), strafft und modelliert ihn. Der Trend zu Brustkorrekturen hält – von Promis vorgelebt – ungebrochen an. Anscheinend genügt es aber so mancher Frau nicht, ”nur” an sichtbaren Körperteilen Idealmaße zu besitzen. So macht sich in den letzten Jahren vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten her kommend, die sogenannte Intimchirurgie breit – operative Verfahren zur angeblichen Verschönerung und Verjüngung der äußeren weiblichen Genitalien mit fragwürdigem Wert.

Brustvergrößerung: straffe Brüste mit Silikon & Co.

Eine Mammaaugmentation ist meist ein rein kosmetischer, d.h. medizinisch nicht notwendiger Eingriff, der v.a. der Hebung des Selbstwertgefühls dient. Welche weibliche Busengröße als schön empfunden wird, variiert – sowohl bei Frauen als auch Männern – individuell, wobei Körpergröße, Statur, Gewicht, Haltung, Muskulatur und die Art der jeweiligen Frau ihren Busen zu präsentieren mitbestimmen, wie ihre Brüste im Verhältnis zu ihrem Körper wirken. Neben der subjektiven Einschätzung, eine zu geringe Oberweite aufzuweisen, geben bestimmte Veränderungen Anlass zu einer Brustvergrößerung: eine Mamma-Aplasie (anlagebedingt fehlendes Brustdrüsengewebe), Mamma-Hypoplasie (Mikromastie, anlagebedingt zu kleine Brüste), Mamma-Involution (Brustschrumpfung nach Schwangerschaft oder Stillzeit) oder Mamma-Ptose (Mastoptose, Brusterschlaffung, altersbedingt oder nach Gewichtsverlust) sowie unterschiedlich große (Asymmetrie) oder anlagebedingt fehlgeformte Brüste (z.B. Schlauchbrüste) und ein Brustaufbau nach Brustkrebs oder Brustverletzungen.

Im Prinzip können Brustvergrößerungen mit körpereigenem Gewebe (sehr aufwändig) oder mit künstlichem Material erfolgen. In den meisten Fällen werden Brustimplantate – möglichst aus qualitativ hochwertigem (CE-Kennzeichnung) – Silikongel (”Silikonkissen”) in der individuell passenden, vorher vereinbarten Größe eingesetzt. Sie können rund oder tropfenförmig sein, besitzen eine glatte (weichere, “gefühlsechtere”) oder texturierte (aufgeraute) Oberfläche. Allerdings: Platzt ein Silikonimplantat, kann das ins Gewebe gelangte Material Komplikationen verursachen. Diese Gefahr verringert sich bei Verwendung von hochvernetztem, kohäsivem Silikongel statt dünnflüssigem. Eine Alternative stellen Implantate aus Kochsalzlösung dar. Sie sind zwar ungefährlich, fühlen sich aber unnatürlicher an und ihr Volumen nimmt mit der Zeit ab (Deflation), sodass sie gluckern können. Andere Implantate bestehen aus Hydrogel, aus denen jedoch trotz intakter Hülle Füllmaterial austritt und Gewebsflüssigkeit in die Implantate eintritt, sodass sich ihre Größe verändert.

Neben dem verwendeten Implantatmaterial unterscheiden sich die Operationsmethoden in der Schnitttechnik (Schnitt in der Brustumschlagsfalte, Achselhöhle oder am Brustwarzenrand, selten über den Bauchnabel) und Platzierung der Implantate (auf oder unter dem Brustmuskel). Datum der Operation, Größe und Form der Implantate sowie verwendete Operationstechnik werden im Implantatpass, den jede behandelte Frau nach dem Eingriff erhält, vermerkt. Postoperativ können Hautverfärbungen, Schwellungen, Blutergüsse, Schmerzen und Empfindungsstörungen auftreten, die meist bald wieder verschwinden.

Nach der Mammaaugmentation unterstützt ein mehrere Wochen zu tragender, spezieller BH den Heilungsverlauf, indem er dafür sorgt, dass sich die Brüste möglichst wenig bewegen und gut gepolstert sind. Etwaige Komplikationen einer Brustvergrößerung sind neben allgemeinen Operationsrisiken wie Blutungen, Infektionen, Wundheilungsstörungen, Gewebsnekrosen (absterbendes Gewebe) und Narbenwucherungen Stillprobleme. Vor allem aber die Entwicklung einer sogenannten Kapselfibrose, bei der infolge einer Reaktion auf das eingesetzte körperfremde Material der Organismus das Implantat mit einer Bindegewebshülle ummantelt, die sich verdicken, verhärten und schrumpfen kann, sodass es zu Schmerzen, einer Implantatverlagerung und Brustverformung kommen kann. Das macht oft weitere chirurgische Eingriffe (Implantatentfernung, Bruststraffung, selten Brustamputation) erforderlich.

Zum Zeitpunkt der Operation sollte das Körperwachstum abgeschlossen sein. Nicht ratsam ist eine Mammaaugmentation bei bestehenden Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Wundheilungs- oder Blutgerinnungsstörungen sowie einer verminderten Blutzufuhr zum Brustdrüsengewebe. Existiert ein familiäres Brustkrebsrisiko, sollte eine Brustvergrößerung gut überlegt werden, da Implantate etwaige Veränderungen des Brustdrüsengewebes in Röntgenaufnahmen schlechter erkennen lassen.

Brustverkleinerung: Entlastung für Körper und Seele

So begehrenswert große Brüste vielen erscheinen mögen, sie können auch zur Last werden. Vor allem wenn sie Rückenprobleme und Haltungsschäden sowie ein Einschneiden der BH-Träger oder Hautausschläge in den Unterbrustfalten verursachen. Auch seelisch kann eine Mamma-Hypertrophie belasten – etwa wenn die üppigen Brüste Alltagsaktivitäten (z.B. Sport) behindern oder ungebührliche Aufmerksamkeit erregen. Eine dem jeweiligen Körper angepasste Brustverkleinerung zielt darauf ab, solche nachteiligen Folgen zu verhindern. Deshalb übernehmen unter bestimmten Umständen die Krankenkassen die Kosten für den Eingriff.

Kurz vor einer Mammareduktion zeichnet der Arzt mit Linien an der stehenden Patientin an, wo die Schnittführung bei der Operation verlaufen soll und macht Fotos für den Vorher-Nachher-Vergleich. Zwecks Brustverkleinerung gibt es in der plastischen Chirurgie unterschiedliche Operationstechniken, die nach der Form des verwendeten Schnittes als T-, L-, i- (Lejour-) und O- (Benelli-) Methode bezeichnet werden. Die Wahl der Technik richtet sich nach Form und Größe der Brüste. Nach der Operation kommt es vorübergehend zu Wundschmerzen, Schwellungen und Blutergüssen. Während der Heilungszeit muss rund um die Uhr ein Stütz-BH getragen werden und ist körperliche Schonung angesagt. Arm- oder Brustmuskeln belastende Sportarten (z.B. Tennis, Golf) sind tabu, ebenso Sauna- und Solariumbesuche sowie Flugreisen. Brustreduktionen unterliegen ähnlichen Risiken wie jeder andere chirurgische Eingriff (Blutungen, Infektionen, Blutgerinnselbildung etc.). Zusätzlich kann die Brustwarze, die bei der Operation meist versetzt wird, gefühllos bleiben.

Intimchirurgie: risikoreiche Operationen unter der Gürtellinie

Aus den USA schwappt ein Trend nach Europa über, den selbst viele eingefleischte Ästheten bedenklich finden: kosmetisch-chirurgische Eingriffe an den weiblichen Geschlechtsteilen. Bisher wurden Schnitte im Intimbereich nur als medizinisch indizierte Operationen bei bestimmten Erkrankungen (z.B. Krebsleiden) oder in manchen Kulturen meist schon im Kindesalter als weibliche Genitalverstümmelung ausgeführt. Heute lassen in den Industrieländern Frauen freiwillig aus ästhetischen Motiven an ihrer Intimzone herumschnippeln. Ihre bewussten Beweggründe sind das Verlangen, einem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen, ein von ihnen als unästhetisch empfundenes Erscheinungsbild ihres Unterleibs oder auch eine erhoffte Steigerung des sexuellen Lustempfindens. Unbewusst können sich dahinter aber ein mangelndes Selbstwertgefühl, seelische Konflikte, Depressionen oder Sexualstörungen verbergen.

Die häufigsten derartigen Korrekturen sind

  • die Labioplastik (Labioplastie, Schamlippenplastik, Schamlippenkorrektur): Sie dient der Reduktion, Umänderung oder Rekonstruktion der Schamlippen, wobei am häufigsten eine Verkleinerung der inneren Schamlippen begehrt wird, damit sie nicht mehr hervorragen. Zu diesem Zweck wird überschüssiges Gewebe entfernt. Der behandelte Bereich ist danach für einige Tage sehr empfindlich. Begründet wird der Wunsch nach kleineren Labien oft damit, sie würden sich z.B. beim Reiten oder Radfahren wund scheuern oder beim Sex stören, obwohl real selten eine Hypertrophie der Schamlippen vorliegt.
  • die Vaginalverengung: Hierbei erfolgt eine mehrmalige Unterfütterung der Scheide (Eigenfett-Injektionen) mit aufbereitetem körpereigenem Fett, das z.B. vom Po oder Bauch entnommen wird oder eine Muskelstraffung (Vaginoplastie, Kolporrhaphie) und Beckenbodenplastik, wovon v.a. Frauen mit durch mehrere Geburten überdehnter Scheide profitieren sollen.

Daneben gibt es Methoden wie die Klitorisvorhautreduktion (Klitorismantelstraffung, Kliteropexie, Kürzung oder Entfernung der Vorhaut des Kitzlers), Neupositionierung der Klitoris, Fettabsaugung und Straffung des Schamhügels (Pubic Lift) oder G-Punkt-Intensivierung (G-Punkt-Amplifikation, Injektion von körpereigenem Fett oder Hyaluronsäure in den Bereich zwischen Vagina und Harnröhre zur – unbewiesenen – Steigerung der sexuellen Erregbarkeit) sowie die Hymen-Rekonstruktion (Wiederherstellung des Jungfernhäutchens) aus Glaubens- oder kulturellen Gründen z.B. durch Zunähen oder -kleben, künstliche oder Schweinehaut.

Der Nutzen all dieser Eingriffe ist umstritten, mögliche unerwünschte Folgen wie Infektionen, Narben, Verwachsungen oder Schmerzen beim Sex, schlimmstenfalls auch schwere Funktions- und Empfindungsstörungen aber ganz real.