Rückenfeinde: Was dem Rücken schadet

© panthermedia.net / Olaf von Lieres

Moderne Bequemlichkeiten fordern ihren Tribut: Sitzende Berufe, Fast Food und ein dichtes Verkehrsnetz führen zu Bewegungsmangel und Übergewicht. Leidtragender ist in vielen Fällen der Rücken, der mit Schmerzen auf die unnatürliche Lebensweise antwortet. Doch auch physische und/oder psychische Überlastungen wie Extremsport, Stress oder Depressionen tun ihm gar nicht gut.

Erst stundenlanges Sitzen im Büro bzw. in der Schule, dann vor dem Computer oder Fernseher, dazwischen “passive Bewegung“ im Lift, Auto, Bus oder in der Bahn. Dazu bequeme und reichliche Kalorienzufuhr in der Kantine oder aus unterwegs erworbenen Fast Food- und Fertigprodukten sowie süßen Softdrinks. All diese scheinbaren Annehmlichkeiten haben ihren Preis: Sie gehen auf Kosten der Gesundheit. Denn Menschen sind nicht dazu gemacht, ein Leben als Bewegungsmuffel zu fristen. Das macht vielen ihr Rücken klar, der infolge mangelnder körperlicher Aktivitäten und einseitiger Belastungen oft schon bei geringen Anforderungen an seine Grenzen kommt und schmerzt.

Rückensünde Nr. 1: Bewegungsarmut

Bewegungsmangel ist der alltägliche Begleiter unzähliger Menschen, die im Laufe ihrer beruflichen Karriere zigtausende Stunden sitzend verbringen. Oft auch noch in für den Rücken ungünstiger (z.B. krampfhaft gerader) Haltung sowie – stressbedingt – ohne notwendige Pausen und ohne Bewegungsmöglichkeiten zu nutzen. Ist ja auch alles so automatisiert, dass zwecks Kommunikation immer weniger persönliche Kontakte erforderlich sind. Somit entfallen viele Wege. E-Mails, Anrufe und Videokonferenzen erfüllen schließlich denselben Zweck. Bequem und zeitsparend.

Streck- und Lockerungsübungen zwischendurch, die vor Verspannungen und Schmerzen durch die Vielsitzerei schützen sollen? Fehlanzeige! Die meisten denken nicht daran, kennen sie nicht oder genieren sich, sie durchzuführen. Zudem wird fälschlicherweise Sitzen von vielen als entspannend und rückenschonend angesehen. Das Gegenteil ist der Fall. Bewegungsmangel bewirkt nämlich Muskelverspannungen. Die Gelenkkapseln lockern sich, Bänder werden überdehnt, die Krümmung der Wirbelsäule nimmt zu. Darunter leiden die Wirbelgelenke und die Bandscheiben, auf denen vor allem beim zu weit nach vorne gebeugten Sitzen ein deutlich höherer Druck lastet als z.B. beim Stehen. Das Rückgrat entwickelt vorzeitig Verschleißerscheinungen. Und schmerzt. Wer darauf nun mit Bettruhe reagiert, gießt aber Öl ins Feuer. Denn Schonung verstärkt die Muskelverspannungen und damit die Schmerzen. Übrigens: Auch ergonomische Büromöbel allein können das Manko an Bewegung nicht wettmachen und lassen ev. sogar die Muskulatur passiv werden anstatt aktives Sitzen (= häufiger Wechsel der Sitzposition) zu fördern.

Wie bei so vielen anderen Dingen des Lebens auch liegt in puncto Bewegung das Optimum in der berühmt-berüchtigten goldenen Mitte. Denn auch wer es mit dem Sport allzu sehr übertreibt, potenziell rückenschädliche Sportarten (z.B. Tennis) ausübt oder die richtige Technik einer Bewegungsform nicht beherrscht, kann an seinem Rücken Raubbau treiben. Ähnlich wirken eine schlechte Körperhaltung, einseitige Bewegungsabläufe und falsches Heben oder Tragen von Lasten, was zu einem Verschleiß der Wirbel, zu Arthrosen oder auch Bandscheibenvorfällen führt. Rückenprobleme entstehen gern auch bei Untrainierten, die sich plötzlich ungewohnten Belastungen (z.B. Kisten schleppen beim Umzug) aussetzen.

Ins Reich der Märchen gehört hingegen die oft geäußerte Annahme, Kälte erzeuge Rückenschmerzen. Dass die im Winter häufiger auftreten, liegt viel öfter daran, dass Minustemperaturen und kürzeres Tageslicht dazu verleiten, auch kurze Strecken fahrend statt gehend zurückzulegen und es sich lieber auf der Couch gemütlich zu machen als zu sporteln. Es ist also auch hier wieder mal der Bewegungsmangel, der dem Rücken schadet.

Rückensünde Nr. 2: Übergewicht

Zu viele Kilos belasten das Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel, die Gelenke und den Rücken. Oft machen sie auch träge und schaden so dem Rücken gleich doppelt. Das überflüssige Gewicht zieht die Bandscheiben in Mitleidenschaft. Bandscheibenrisse bis hin zu -vorfällen sind eine häufige Folge.

Da Übergewicht in der Regel durch ungesunde Kost (zu viel Kalorien, zu viel Zucker und Weißmehl, zu viel Fett) zustande kommt, fehlt es hier oft an für die Knochen wichtigen Vitalstoffen wie z.B. Kalzium oder Vitamin D. Zudem gibt es einige Substanzen wie etwa Alkohol oder Fette, die die Bildung bzw. Aufnahme von aktivem Vitamin D behindern können. Darunter leidet wiederum der Rücken, der infolge des Nährstoff- und Bewegungsmangels Gefahr läuft, eine Osteoporose zu entwickeln.

Ebenso wichtig für einen gesunden Rücken ist es, ausreichend – d.h. täglich eineinhalb bis zwei Liter Flüssigkeit (Wasser, Mineralwasser, ungesüßter Tee, verdünnter Fruchtsaft) – zu trinken, um die Elastizität der Bandscheiben und anderer Strukturen zu erhalten.

Rückensünde Nr. 3: Rauchen

Dass Rauchen der Gesundheit abträglich ist, gehört inzwischen zum Allgemeinwissen. Dass die Glimmstängel außer der Lunge auch dem Rücken schaden können, nicht. Nun beweist eine deutsche großangelegte Studie zum Thema “Zusammenhang zwischen Rauchen und Rückenschmerzen“, dass aktive und ehemalige Raucher eine höhere Wahrscheinlichkeit besitzen, an chronischen Rückenschmerzen zu erkranken als Nichtraucher, wobei es anscheinend keine Rolle spielt, ab welchem Alter und ob täglich oder nur gelegentlich geraucht wird. Allerdings lässt die Untersuchung offen, ob Rauchen chronische Rückenschmerzen verursacht oder ob chronisch Rückengeplagte eher zwecks Problembewältigung zur Zigarette greifen.

Erklärt wird das Phänomen durch die Tatsache, dass Nikotin die Entstehung arteriosklerotischer Veränderungen in den Blutgefäßen fördert, sie dadurch verengt und so die Durchblutung und damit Nährstoffversorgung der Knochen und Bandscheiben verschlechtert. Darunter kann auch die Knochendichte leiden. Zudem soll der blaue Dunst die Entstehung einer Spinalkanalstenose (Wirbelkanal-Verengung) begünstigen.

Rückensünde Nr. 4: seelische Nöte

Kummer und Sorgen wirken sich nicht nur auf die Psyche negativ aus. Auch der Körper laboriert an Misslichkeiten wie chronischer Unzufriedenheit, Über- oder Unterforderung sowie schlimmen Ereignissen wie dem Verlust eines geliebten Menschen oder Arbeitslosigkeit. Davon bleibt der Rücken nicht verschont. Wer nicht nur seelisch die Schultern hängen lässt sondern auch körperlich, nimmt eine ungünstige Haltung ein, die Verspannungen hervorruft und die wieder erzeugen Rückenschmerzen. Dadurch entsteht Angst, die die Schmerzen verstärkt. Das drückt auf das Gemüt und fördert die Entwicklung depressiver Verstimmungen, die nun ihrerseits wieder dazu verleiten, die Beschwerden überzubewerten und sich übermäßig zu schonen, was wiederum die Beschwerden intensiviert usw., usf.

Wenn seelische Nöte zu Rückenschmerzen führen und vice versa, bleibt davon auch der Geist nicht unberührt, beweisen Untersuchungen der psychologischen Fakultät der Universität Umea in Schweden: Rücken- oder Nackenschmerzen beeinträchtigen das Kurz- und Langzeitgedächtnis, die Aufnahme mündlicher Informationen sowie die Fähigkeit zur Problemlösung. Offenbar beanspruchen Rückenleiden so viel Aufmerksamkeit, dass die Funktionsfähigkeit des Gehirns darunter leidet und der natürliche mentale Alterungsprozess rascher voranschreitet.

Was den Rücken sonst noch beleidigt

Wie man sich bettet, so liegt – der Rücken. Und der mag weder zu harte Matratzen noch zu weiche. Denn erstere geben kaum nach und passen sich der Wirbelsäule nicht an, wodurch Hohlräume im Lendenwirbelbereich entstehen und deshalb die Rückenmuskeln Haltearbeit leisten müssen, weil das Rückgrat nicht gestützt wird. Das führt zu Muskelverspannungen, Schlafstörungen und chronischen Rückenschmerzen. Eine zu weiche Unterlage wiederum ist nicht imstande, den Rücken genügend zu stabilisieren. Das kann Fehlhaltungen, Verspannungen und chronische Rückenschmerzen verursachen.

So manches Mal liegt der Grund für chronische Rückenbeschwerden aber auch an einem anderen Ort, als man vermuten würde. Etwa in der Mundregion, wenn Fehlstellungen und -funktionen der Zähne und/oder Kiefer oder zu hoch stehende Zahnfüllungen vorliegen und eine sogenannte craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) bewirken, die vielfältige Symptome zeigt. Auch Muskelverspannungen an Hals oder Nacken sowie Rückenschmerzen.

 

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