Gehirnerschütterung: Folgeschäden sind möglich

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Das kann jedem passieren: ein Sturz auf nassem oder glattem Boden. Oder ein Zusammenstoß mit einem Mitspieler beim Sport. Und schon ist es geschehen – Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen treten auf. Alles Anzeichen einer Gehirnerschütterung. Diese häufige Kopfverletzung bleibt im Normalfall folgenlos. Sofern man sie sofort behandelt, d.h. eine Weile absolute Ruhe einhält. Geschieht sie aber zu oft, erleidet das Oberstübchen kaum wieder gut zu machende Schäden. 

Der knöcherne Schädel und der Liquor (Gehirnflüssigkeit) umgeben das Gehirn und schützen es vor Erschütterungen, Stößen und Schlägen. Findet aber eine zu starke stumpfe Gewalteinwirkung statt, z.B. ein Aufschlag des Kopfes mit großer Geschwindigkeit auf einen harten Gegenstand, dann prallt das Gehirn kurz und heftig gegen den Schädelknochen, sodass seine Nervenzellen kurzfristig Funktionsstörungen aufweisen und es zu einer vorübergehenden Bewusstlosigkeit kommen kann. Diesen Zustand nennt man Gehirnerschütterung (Commotio cerebri).

Dabei handelt es sich um ein Schädel-Hirn-Trauma, wenn auch um eines von der leichten Sorte (Grad 1). Da der knöcherne Schädel währenddessen nicht eröffnet wird, gehört die Gehirnerschütterung zu den sogenannten gedeckten Schädel-Hirn-Verletzungen. Folgeschäden sind bei vereinzeltem Auftreten üblicherweise nicht zu erwarten. Wohl aber bei wiederholten Gehirnerschütterungen.

Erwachsene erleiden Gehirnerschütterungen meist infolge von Verkehrs-, Sport- oder Freizeitunfällen, Kinder und Senioren in der Regel durch Stürze auf den Kopf.

Symptome: Anzeichen einer Gehirnerschütterung

Die Beschwerden sind oft gleich nach dem Ereignis da, können aber – vor allem bei Babys und Kleinkindern – mit einer Zeitverzögerung von bis zu 12 Stunden auftreten. Dabei handelt es sich um

  • eine kurze Bewusstlosigkeit (< 15 Minuten) oder eine Benommenheit bis Verwirrtheit
  • Erinnerungslücken bezüglich des Zeitraums kurz vor dem Unfall und während seines Passierens, bis höchstens eine Stunde danach
  • Übelkeit bis hin zum Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Müdigkeit
  • eine Lärm- und Lichtempfindlichkeit
  • Sprach-, Seh- oder Schlafstörungen

Wobei nicht alle auftreten müssen. Und auch nicht alle zeitgleich. Die Symptome klingen meistens nach einigen Tagen von selbst wieder ab. Doch in seltenen Fällen halten sie mehrere Wochen an oder zeigen sich nach einem beschwerdefreien Intervall erneut. Diese Komplikation nennen Mediziner postkommotionelles Syndrom.

Sonderfall wiederholte Gehirnerschütterungen

Während eine einmalige Commotio cerebri kaum gesundheitliche Folgen hinterlässt, können wiederholte Gehirnerschütterungen, wie sie etwa bei manchen Sportarten (z.B. Boxen, American Football, Eishockey, Rodeln) passieren, zu schwerwiegenden Schäden am Gehirn führen. Denn dann kommt es zu Vernarbungen seiner Nervenstränge. Resultat: Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie Stimmungsschwankungen (z.B. Reizbarkeit, Angstzustände) bis hin zu Depressionen.

Oder eine chronisch traumatische Enzephalopathie alias Boxer-Syndrom mit Parkinson-ähnlichen Symptomen, aber auch Verwirrungszustände, ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Demenz und eine gesteigerte Aggressionstendenz gegen andere und sich selbst (z.B. erhöhte Selbstmordrate). Selten stellt sich ein sogenanntes “Second Impact Syndrome“ ein, eine lebensbedrohliche Störung zerebrovaskulärer Autoregulationsprozesse mit nachfolgenden Hirnschwellungen (Gefahr: Einklemmung von Hirnteilen) durch ein weiteres Hirntrauma in der Erholungsphase einer Gehirnerschütterung. Das kann tödlich ausgehen oder bleibende Hirnschäden hinterlassen.

Was tun bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung?

Nach Schlägen oder Stürzen auf den Kopf ist es auf jeden Fall empfehlenswert, ärztlichen Rat einzuholen. Bei Symptomen wie Bewusstlosigkeit oder Orientierungslosigkeit, Verwirrtheit, mehrmaligem Erbrechen, starken Kopfschmerzen, äußeren Kopfverletzungen oder einer Verschlechterung des Zustandes nach anfänglicher Beschwerdefreiheit ist unbedingt eine notärztliche Versorgung notwendig.

Da bei Kopfverletzungen immer die Gefahr besteht, dass eine erneute Bewusstlosigkeit oder ein weiterer Sturz mit Verletzungen eintritt, sollte der Verunfallte bis zum Eintreffen des Notarztes in eine Position mit leicht erhöhtem Oberkörper (verringert die Gefahr einer lebensbedrohlichen Hirnblutung), bei Bewusstlosigkeit in stabile Seitenlage (damit ev. Erbrochenes nicht in die Luftwege gelangt) gebracht und nicht allein gelassen werden. Unter regelmäßiger Kontrolle von Atmung, Herzschlag und Puls sowie gegebenenfalls Wiederbelebungsmaßnahmen bzw. einer Wundversorgung.

Diagnose: Gehirnerschütterung oder mehr?

Um zu prüfen, ob eine Gehirnerschütterung vorliegt oder ein schlimmeres Schädel-Hirn-Trauma, erfragt der Arzt den Unfallhergang und die auftretenden Symptome. Anschließend begutachtet er den Allgemeinzustand des Patienten, überprüft seine Reflexe und schaut durch die Pupille auf den Augenhintergrund, um nach Anzeichen für einen erhöhten Druck im Gehirn zu fahnden.

Dann stellt er anhand der Glasgow-Koma-Skala fest, wie schwer das Schädel-Hirn-Trauma ist. Zu diesem Zweck führt er verschiedene Tests durch und vergibt für die Reaktion des Patienten Punkte. So beobachtet er etwa, ob der Patient die Augen öffnet, ob er sich bewegt und ob er ansprechbar ist. Je nach Reaktion sind 3 bis 15 Punkte erreichbar, wobei 13 bis 15 Punkte für ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma, also eine Gehirnerschütterung sprechen, eine geringere Punkteanzahl für ein mittelschweres bis schweres Schädel-Hirn-Trauma (Gehirnprellung bzw. -quetschung).

Mittels Tastuntersuchung, Computertomographie oder Röntgenaufnahmen sind Verletzungen am Schädel oder in der Umgebung (z.B. Halswirbelsäule) feststellbar. Bei unklarem Befund folgt eine Magnetresonanztomographie, die auch kleine Hirngewebsschäden sichtbar macht.

Gegebenenfalls dient eine Elektroenzephalographie (EEG) dazu, etwaige Veränderungen der Hirnaktivität aufzudecken.

Therapie: wie man eine Gehirnerschütterung behandelt

Bei einem leichten Schädel-Hirn-Trauma wie der Gehirnerschütterung bilden sich die Symptome innerhalb weniger Tage von allein zurück, sodass im Regelfall keine spezielle Behandlung erforderlich ist. Doch sollte der Patient für 12 bis 24 Stunden beobachtet werden, um, falls doch Komplikationen eintreten, rasch ärztlich eingreifen zu können. Je nach Allgemeinzustand und Alter des Verunfallten zuhause oder im Spital (z.B. zum Ausschluss schwerer Verletzungen).

In diesem Zeitraum ist absolute Ruhe notwendig, damit sich die verletzten Hirnzellen erholen können. Das heißt, es herrscht ein Lese-, Fernseh-, Computer-, Handyverbot etc. Danach ist für einige Tage Schonung angesagt. Eventuell kann man gegen die Kopfschmerzen und Übelkeit medikamentös vorgehen.

Prävention: einer Gehirnerschütterung vorbeugen

Eine Gehirnerschütterung lässt sich nicht in jedem Fall vermeiden. Schließlich ist niemand davor gefeit, auf nassem Küchenboden oder eisglatter Straße auszurutschen oder beim Sport von einem Ball getroffen zu werden. Auch können sich auf Baustellen oder bei einem heftigen Sturm Gegenstände wie z.B. Äste oder Dachziegel lösen und einem im wahrsten Sinn des Wortes auf den Kopf fallen.

Doch kann man das Risiko für eine Gehirnerschütterung in bestimmten Situationen verringern. Etwa durch Beachtung von Warnschildern oder der Verwendung angemessener Schutzkleidung auf Baustellen. Oder das Tragen eines Schutzhelms bei Sportarten, die mit einer hohen Sturzgefahr verbunden sind wie z.B. Fahrradfahren, Inline-Skaten oder Skifahren. Auch erscheint es ratsam, wenn man sich müde fühlt, nicht zu sporteln, weil dann die Sturzgefahr steigt.