Nierenentzündungen: Ursachen, Symptome und Folgen

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Nierenentzündungen entstehen oft schleichend und unbemerkt, haben vielerlei Ursachen und verschiedene Auswirkungen. Schlimmstenfalls münden sie in ein Nierenversagen. Blut- und Harnkontrollen decken sie meist auf. Das sollte geschehen, bevor sie schwerwiegende Folgen nach sich ziehen.

Nierenentzündungen umfassen verschiedene Nierenbereiche, nach denen sie auch benannt werden. Im Wesentlichen unterscheidet man daher drei Formen von Nephritis:

  • die Glomerulonephritis (lat.: glomerulum = kleines Knäuel; griech.: nephros = Niere), eine Entzündung der Nierenkörperchen
  • die interstitielle Nephritis, eine Entzündung des Nierenzwischen- und -bindegewebes
  • die Pyelonephritis, eine Entzündung des Nierenbeckens (griech.: pyelon)

Hier stellen wir Ihnen die beiden erstgenannten Formen von Nierenentzündungen näher vor.

Glomerulonephritis: Ursachen & Symptome

Jede funktionelle Einheit der Niere, genannt Nephron, besteht aus einem Nierenkörperchen (Malphigi-Körperchen), das ein Gefäßknäuel (Glomerulus, Glomerulum) enthält, das harnpflichtige Substanzen aus dem Blut filtert, und einem Nierenkanälchen (Tubulus), an dem Rückresorptions- und Sekretionsvorgänge (z.B. von Elektrolyten wie Natrium, Kalium etc.) stattfinden. Von solchen ”Harnproduktionssystemen” besitzt eine gesunde Niere rund eine Million Exemplare. Entzünden sich die Nierenkörperchen ohne eine zugrundeliegende andere Erkrankung, spricht man von einer primären Glomerulonephritis mit ihren verschiedenen Formen (z.B. Minimal change Glomerulonephritis, membranöse Glomerulonephritis). Es können aber auch bestimmte Grundleiden für eine Nierenentzündung sorgen. Für eine solche sekundäre Glomerulonephritis gibt es vielerlei Ursachen wie

  • Infektionen (z.B. mit Streptokokken, Hepatitis B oder C-Viren, HIV, Toxoplasmen), die infolge einer Immunreaktion auf die Keime zur Bildung von Antikörper-Antigen-Komplexen (Immunkomplexen) führen, die sich in den Glomeruli ablagern und dort durch die Aktivierung weiterer Abwehrstoffe zu einer Entzündung führen
  • Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus)
  • Krebsleiden und genetische Defekte (Alport-Syndrom: Nierenfunktionsverlust, Innenohrschwerhörigkeit, Augenveränderungen)
  • Autoimmunkrankheiten (z.B. systemischer Lupus erythematodes oder Vaskulitiden = Gefäßentzündungen) oder Anomalien des Immunsystems (z.B. Morbus Berger: = IgA-Nephropathie, IgA-Nephritis: vermehrt, aber fehlgebildete IgA-Antikörper oder Löhlein-Herdnephritis = thrombokapilläre Glomerulonephritis: tritt nach länger bestehenden bakteriellen Endokarditiden auf).
  • Medikamente (z.B. Analgetika, Antirheumatika), Drogen (z.B. Heroin) und Vergiftungen (z.B. Quecksilber)

Bei einer Glomerulonephritis können Beschwerden auftreten wie Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Flankenschmerz, Fieber, da die Niere als Blutdruckregulator nachlässt Blutdruckerhöhungen und ev. dadurch bedingte Kopfschmerzen oder Sehstörungen, Kreislaufprobleme, ein trüber oder dunkel verfärbter Urin, eine erhöhte Thromboseneigung und Infektanfälligkeit, reduzierte Harnausscheidung und dadurch bedingte lageunabhängige Ödeme (Wasseransammlungen), v.a. in den Augenlidern und Beinen oder auch in der Lunge, was zu Atemnot führt. Liegt ihr eine Streptokokkeninfektion zugrunde, können sich durch die gebildeten Immunkomplexe bedingte Arthritiden (Gelenkentzündungen) und eine Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut/-klappen) hinzugesellen. Zudem: Bestimmte Formen der Glomerulonephritis bilden die häufigste Ursache für ein chronisches Nierenversagen. Ob und wie rasch eine Nierenentzündung welche Symptome hervorruft, ist sehr unterschiedlich und unterscheidet sich je nach Art der Glomerulonephritis, die folgende Krankheitsbilder bzw. Syndrome umfasst:

  • die asymptomatische (beschwerdefreie) Proteinurie (Eiweiß im Harn) und/oder Hämaturie (Blut im Harn).
  • die akute Glomerulonephritis (postinfektiöse Glomerulonephritis, akutes nephritisches Syndrom): tritt am häufigsten nach Infekten auf.
  • die rasch progrediente (fortschreitende) Glomerulonephritis (RPGN, rapid progressive Glomerulonephritis): hat meist Autoimmunprozesse oder Infekte als Auslöser, führt unbehandelt rasch zum Nierenversagen.
  • das nephrotische Syndrom
  • die chronische Glomerulonephritis (chronisches nephritisches Syndrom, proteinurisches Syndrom): entwickelt sich – oft symptomarm – über Jahre bis Jahrzehnte, kann in eine Niereninsuffizienz münden.

Glomerulonephritis: Diagnostik & Therapie

Die erhöhte Durchlässigkeit der Wände der Glomeruli bedingt, dass Eiweiße und rote Blutkörperchen durchtreten und im Harn nachweisbar werden (Proteinurie bzw. Hämaturie). Manchmal in so großen Mengen, dass sie als Trübung bzw. rötlichbraune Verfärbung (sichtbare Blutbeimengung, Makrohämaturie) im Urin erkennbar werden. Die Kreatinin-Clearance im 24-Stunden-Sammelurin kann eine verminderte Nierenfunktion zeigen. Daher kommt es im Blut dann – als Ausdruck der eingeschränkten Nierenleistung – zu einem messbaren Anstieg harnpflichtiger Substanzen wie Kreatinin und Harnstoff. Liegt der Nierenerkrankung eine Streptokokkeninfektion zugrunde, ergibt sich ein erhöhter Antistreptolysin-Titer (Antikörpermenge gegen das Bakteriengift). Bei einigen andern Grunderkrankungen treten Autoantikörper auf. Nach einer akuten Glomerulonephritis erfolgen deshalb über mehrere Jahre hinweg regelmäßige Nachuntersuchungen (v.a. Urinkontrollen), um einen eventuell eintretenden chronischen Verlauf frühzeitig zu erfassen und einem irreversiblen Nierenschaden vorzubeugen.

Im Ultraschall zeigen sich vergrößerte Nieren. Eine Feinnadelbiopsie (Entnahme einer Gewebeprobe) mit anschließender histologischer (feingeweblicher) Untersuchung dient der Abgrenzung verschiedener Verlaufsformen und damit der passenden Therapiewahl. Blutdruckmessungen können deutlich bis gefährlich hohe Werte (Blutdruckkrise) ergeben. Hat sich ein Lungenödem eingestellt, ist dieses per Auskultation (Abhören) des Brustkorbs erkennbar und sein Ausmaß durch Röntgenaufnahmen der Lunge bestimmbar.

Unabhängig von der Ursache einer Glomerulonephritis ist körperliche Schonung und in der Akutphase Bettruhe angesagt. Im Übrigen richtet sich die Behandlung nach der zugrundeliegenden Erkrankung und etwaigen Komplikationen der Nierenentzündung. Das bedeutet im Fall einer Streptokokkeninfektion eine Antibiotikagabe, bei auf Immunreaktionen basierenden Nephritiden die Verabreichung von Immunsuppressiva (z.B. Corticoide, Cyclophosphamid), bedarfsweise auch eine Blutfilterung (Plasmapherese, Plasmaseparation). Wasseransammlungen im Gewebe werden mittels Diuretika vorsichtig (sonst Gefahr: Bluteindickung mit konsekutiver Blutgerinnselbildung) ausgeschwemmt, Blutdruckerhöhungen mittels Antihypertensiva eingedämmt. Bei der chronischen Glomerulonephritis beschränken sich die Therapieoptionen auf diätetische Maßnahmen (z.B. eiweißarme Kost, Alkoholkarenz) und die bedarfsweise Gabe von blutdrucksenkenden Medikamenten. Mündet eine Glomerulonephritis in eine Niereninsuffizienz, kommt die Dialyse oder eine Nierentransplantation zum Einsatz.

Interstitielle Nephritis: Ursachen & Symptome

Auch die interstitielle Nephritis (tubulointerstitielle Nephritis, tubulointerstitielle Nierenerkrankung, TIN, interstitielle Nierenentzündung) kann einen akuten oder chronischen Verlauf nehmen, wobei sie meist durch Medikamente (z.B. Antibiotika, Schmerzmittel, bestimmte chinesische Heilkräuter), Infektionen (z.B. Hanta-Virus, Streptokokken, Staphylokokken) oder Systemerkrankungen (z.B. multiples Myelom, Amyloidose, Sarkoidose, systemischer Lupus erythematodes), manchmal auch durch bestimmte Substanzen (z.B. Blei, Cadmium) oder Stoffwechselentgleisungen (z.B. Gicht) oder physikalische Einwirkungen (z.B. Strahlen) verursacht wird.

Das Beschwerdebild der interstitiellen Nephritis gestaltet sich mannigfaltig und reicht von Symptomfreiheir über Funktionsausfälle bis hin zum akuten oder chronischen Nierenversagen. Bei der akuten tubulointerstitiellen Nephritis kann es neben renalen Symptomen zu Fieber, Hautausschlägen und Gelenkschmerzen kommen.

Interstitielle Nephritis: Diagnostik & Therapie

Führt die Erkrankung zu tubulären Funktionsstörungen, zeigt sich das oft im Harnbefund als Hämaturie und Proteinurie oder auch einer vermehrten Ausscheidung von Zucker (Glukosurie), Phosphat (Hyperphosphaturie) oder Aminosäuren (Aminoazidurie). Bei der akuten tubulointerstitiellen Nephritis kann im Blut auch eine Eosinophilie und Erhöhung der IgE gefunden werden.

Die Therapie jeder interstitiellen Nephritis zielt einerseits auf die Beseitigung des Verursachers (z.B. Absetzen der auslösenden Arznei, Hemmung überschießender Immunreaktionen mittels Immunsuppressiva) ab. Andererseits dient sie der Verhinderung einer Verschlechterung der Nierenfunktion.

 

Links zu unserem Lexikon:
Nephrotisches Syndrom
Chronische Niereninsuffizienz
Blut im Urin
Eiweiß im Urin
Kreatinin (Blut)
Harnstoff im Blut

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