Sterilität: warum Männer ungewollt kinderlos bleiben
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Wavebreak Media Ltd Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr, sagt Wilhelm Busch. Nur ein schwacher Trost für Männer, die sich Kinder wünschen, aber keine zeugen können. Für eine solche männliche Sterilität (Unfruchtbarkeit, Infertilität, Zeugungsunfähigkeit) gibt es zahlreiche Ursachen.
Nachwuchs bekommen gehört zu den elementaren Bedürfnissen aller Lebewesen, so auch der Menschen. Anders wäre ja auch der Fortbestand unserer Spezies in Gefahr. Doch bei vielen Paaren will es mit dem Kinderkriegen nicht so recht klappen. Die Ursachen dafür liegen teilweise bei der Frau, teilweise beim Mann und zum Teil bei beiden. Deshalb ist es bei unerfülltem Kinderwunsch immer wichtig, dass sich auch verhinderte Väter untersuchen lassen.
Was heißt unfruchtbar?
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Sterilität (Unfruchtbarkeit, Infertilität) so: Trotz regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr stellt sich innerhalb eines Jahres keine Schwangerschaft ein. Das ist in Österreich bei etwa jedem siebentem Paar der Fall. Die Ursachen dafür sind körperlicher und/oder psychischer und/oder sozialer Natur.
Unfruchtbarkeit führt zwar nicht direkt zu körperlichen Symptomen, häufig aber zu psychischen Folgen wie Phasen des Schocks und der Verzweiflung, der Verneinung und des nicht wahr haben Wollens sowie gegenseitigen Schuldzuweisungen der Partner. Schlimmstenfalls auch zu einem sozialen Rückzug und Depressionen, einem lädierten Selbstwertgefühl, einer Kränkung in der eigenen Weiblichkeit bzw. Männlichkeit und Partnerschaftsproblemen, wenn die Beziehung zu sehr auf die Erfüllung des Kinderwunsches ausgerichtet wird.
Körperliche Ursachen der Infertilität
Beeinträchtigungen der Samenqualität, eine verminderte Erektionsfähigkeit (erektile Dysfunktion), krankhafte Veränderungen im Genitalbereich, Infektionen, Hormonstörungen oder auch bestimmte Allgemeinerkrankungen bzw. deren Therapien sowie genetische oder immunologische Anomalien können die Fruchtbarkeit vorübergehend oder dauerhaft einschränken (Subfertilität) oder lahm legen (Infertilität):
Verminderte Samenqualität: Sie stellt die häufigste Ursache für männliche Unfruchtbarkeit dar und bedeutet, dass die Spermien (Samenfäden, Samenzellen) in zu geringer Zahl vorhanden und/oder nur eingeschränkt beweglich und/oder nicht normal aussehend sind. Neben der Spermienreifung kann auch der Spermientransport (z.B. bei Erkrankungen der Samenleiter) gestört sein.
Erkrankungen des Urogenitaltraktes: Hier spielen v.a. Krankheiten, die die Produktionsstätte der Spermien, d.h. die Hoden betreffen, eine bedeutende Rolle. Dazu zählen
- ein Kryptorchismus (Maldescensus testis, Hodenhochstand): verzögerte oder ausbleibende Wanderung des Hodens vom Bauchraum in den Hodensack, die im ersten Lebensjahr korrigiert werden sollte. Sonst drohen Unfruchtbarkeit und die Entstehung von Tumoren.
- eine Unterentwicklung oder angeborene Fehlbildungen
- eine Hodenentzündung (Orchitis)
- Durchblutungsstörungen
- eine Varikozele (Krampfadern im Hodensack)
- eine Hodentorsion (Drehung des Hodens im Hodensack)
- Verletzungen der Hoden und Samenleiter (z.B. bei einer Leistenbruch-Operation)
- ein Hodentumor (Seminom)
Außerdem können die Fertilität beeinflussen
- eine Entzündung (Prostatitis) und andere Erkrankungen der Vorsteherdrüse, die – zusammen mit dem Sekret aus den Samenbläschen – die Samenflüssigkeit bildet, die sehr wichtig ist für die Funktion und Beweglichkeit der Spermien.
- Krankheiten der Nebenhoden, Samenleiter oder Harnröhre wie z.B. eine Epididymitis (Nebenhodenentzündung), ein Samenleiter-Verschluss, eine Harnröhren-Entzündung (Urethritis), -Verletzung oder -Fehlbildung oder ein Harnröhren-Verschluss.
Infektionen: Vor allem die Kinderkrankheit Mumps sowie Geschlechtskrankheiten (z.B. Gonorrhoe) gehen oft mit entzündlichen Veränderungen des Hodens einher und können so die Fertilität mindern.
Hormonstörungen: In erster Linie verringert ein Mangel am männlichen Hormon Testosteron – z.B. im Rahmen einer primären Leydig-Zell-Insuffizienz (Funktionsstörung der Testosteron erzeugenden Zellen im Hoden) – die Spermienproduktion. Doch auch andere Hormonstörungen – z.B. im Zuge von Schilddrüsen-, Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen – beeinflussen die Fruchtbarkeit. Wie etwa eine Hyperprolaktinämie (erhöhter Blutspiegel des Hypophysenhormons Prolaktin).
Krankheiten: Schwere Erkrankungen wie z.B. Krebsleiden können sich auch auf die Zeugungsfähigkeit auswirken, ebenso ihre Behandlungen wie die Chemo- oder Strahlentherapie. Krankheiten wie das Erbleiden zystische Fibrose (Mukoviszidose) beeinflussen die Zusammensetzung der Körpersäfte (Folge: Zähigkeit) und damit auch der Samenflüssigkeit.
Autoantikörper: Manchmal bekämpft das Abwehrsystem die eigenen Samenzellen mit Hilfe gegen sie gerichteter Antikörper und beraubt sie auf die Art ihrer Funktion. Ganz so, als wären sie fremde Eindringlinge. Warum eine solcherart immunologisch bedingte Unfruchtbarkeit entsteht, ist bislang ungeklärt, scheint aber bei Männern nach einer Vasektomie (Samenleiterunterbindung), die den Eingriff rückgängig machen lassen (Refertilisierungsoperation), häufiger vorzukommen.
Chromosomenanomalien: Manche Veränderungen des Erbgutes gehen mit einer verminderten Fruchtbarkeit einher wie z.B. das Klinefelter-Syndrom (drei Geschlechtschromosomen: XXY)
Andere Ursachen der Sterilität
Geschlechtsorgane, Sexualität und Fruchtbarkeit werden außer von körperlichen Vorgängen von einer Reihe anderer Faktoren beeinflusst wie z.B. Stress, übermäßigem Konsum von Drogen oder Genussgiften (Alkohol, Nikotin, Koffein), Übergewicht, dem Kontakt mit hormonähnlichen Substanzen (z.B. in Kosmetika), Chemikalien, Schwermetallen und anderen Schadstoffen usw.
Spermiogramm: der Samenzellen-Check
Laut WHO sollten in einem Milliliter Ejakulat mindestens 15 Millionen Samenzellen enthalten sein, sich mehr als 32% davon rasch vorwärts bewegen (progressive Motilität) können und mindestens 4% davon normal aussehen. Ob dem so ist, das klärt ein Spermiogramm, eine Analyse des Ejakulats (Samenerguss), die der Androloge durchführt. Hierzu wird ein nach zwei bis sieben Tagen sexueller Enthaltsamkeit (bei kürzerem Abstand sinkt die Zahl der Spermien, bei längerem deren Beweglichkeit) per Masturbation gewonnener Samenerguss in einem sterilen Becher aufgefangen und kurz darauf untersucht.
Bestenfalls findet sich dabei eine Normozoospermie, eine normale Zahl von Spermien mit regelrechter Form und Beweglichkeit. Wenn nicht, können folgende Störungen gefunden werden:
- eine Asthenozoospermie: Die Samenfäden sind nicht ausreichend beweglich.
- eine Teratozoospermie: Viele Spermien sind verformt, sodass sie oft die Eizelle nicht befruchten können.
- eine Oligozoospermie: In der Samenflüssigkeit befindet sich nur eine geringe Zahl von Spermien (weniger als 15 Millionen pro ml).
- eine Kryptozoospermie: Im Ejakulat sind nur vereinzelte Samenzellen (weniger als eine Million pro ml) nachweisbar.
- eine Azoospermie: In der Samenflüssigkeit sind keine Samenzellen vorhanden.
- ein OAT-Syndrom (Oligo-Astheno-Teratozoospermie): Es werden zu wenige (=oligo), zu gering bewegliche (=astheno) und vermehrt fehlgeformte (=terato) Spermien gefunden.
Ein sogenannter MAR- Test (Mixed-Antiglobulin-Reaction) prüft, ob sich Autoantikörper (gegen körpereigene Strukturen gerichtete Antikörper) an den Spermien festsetzen, die dann zu einer Agglutination (Verklumpung) neigen und deshalb nicht die Eizelle erreichen.
Allerdings: Selbst wenn die erhobenen Werte im Normbereich oder darüber liegen, schließt eine uneingeschränkte Samenqualität eine Infertilität nicht aus. Umgekehrt bedeutet eine herabgesetzte Samenqualität nicht in jedem Fall, dass keine Zeugung von Nachwuchs möglich ist. Zudem: Da die Spermienqualität starken Schwankungen unterliegen kann, sollte immer mindestens ein zweiter Check im Abstand von Wochen bis Monaten stattfinden, bevor eine schlechte Samenqualität als Ursache einer Sterilität angeschuldigt wird.
Und dann?
Die Partnerin ist fruchtbar, gesund und fortpflanzungswillig. Die Samenqualität stimmt, Hoden, Prostata und Co. sind laut urologischem Check okay. Mit dem Nachwuchs will es aber trotzdem nicht klappen? Da hilft nur weitere Ursachenforschung wie z.B. eine gründliche internistische Durchuntersuchung zur Auffindung und Behandlung womöglich die Fruchtbarkeit störender Krankheiten wie z.B. Diabetes. Außerdem die Fahndung nach und ggf. Änderung von für die Fertilität ungünstigen Lebensgewohnheiten wie z.B. Rauchen oder Fehlernährung. Nicht zuletzt auch eine Auseinandersetzung mit seinem Innenleben bzw. (unbewussten) Motiven, im Sinne von Fragestellungen wie z.B.: Besteht tatsächlich ein Kinderwunsch oder ist es nur ein Zugeständnis an die Partnerin und/oder Gesellschaft? Wie sehr belastet es mich, wenn ich kinderlos bleibe? Kommen für mich ev. Alternativen (z.B. eine Adoption) in Frage? Bei ihrer Klärung sowie dem Umgang mit dem Problem unerfüllter Kinderwunsch kann eine psychotherapeutische Begleitung helfen.
Weiter führende Links:
Spermiogramm
Österreichische Kinderwunsch-Zentren
Gedicht von Wilhelm Busch: Vater werden ist nicht schwer
Link zu unserem Lexikon:
Erektile Dysfunktion
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Datum: 25. November 2014
Kategorien: Männergesundheit