Männergesundheit: Warum sind Männer Vorsorgemuffel?

©panthermedia.net, Kurhan

Männer sind kränker und sterben früher als Frauen. Dennoch beharren so manche Vertreter des starken Geschlechts darauf, nur ja keine Schwäche zu zeigen. Offenbar bleibt deshalb Gesundheitsvorsorge für (zu) viele immer noch ein Fremdwort.

Sie erleiden häufiger Verkehrsunfälle, haben öfter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sind selbstmordgefährdeter und sterben im Schnitt um fast sechs Jahre früher als Frauen. Trotzdem ist Gesundheitsvorsorge für viele Männer hierzulande kein Thema. Obwohl die Gesundenuntersuchung, die jeder Erwachsene in Österreich jährlich kostenlos in Anspruch nehmen kann, nachweislich zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes und Erhöhung der Lebenserwartung beiträgt.

Auch sonst gehen Männer mit ihrer Gesundheit nicht gerade vorbildlich um. Geschieht diese Selbstvernachlässigung aus Feigheit, Scham, Ignoranz oder schlicht Sorglosigkeit?

Nun, einerseits fühlen sich Männer oft gesünder als Frauen, auch wenn sie das nicht sind. Vielleicht weil sie glauben, unbedingt “funktionieren“ zu müssen. Andererseits hat sich bis heute vielerorts eine Vorstellung von Männlichkeit gehalten, die – frei nach dem Motto: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ – schon von Knaben verlangt, nicht wehleidig und kein “Weichei“ zu sein. Aufgrund dieser falschen Härte zu sich selbst suchen Männer, haben sie Beschwerden, seltener und (bis zu Jahre) später einen Arzt auf als Frauen. Die Folgen können fatal sein. Nicht nur dass sie sich dann häufig bereits in einem fortgeschrittenen, u.U. schwieriger oder kaum mehr therapierbaren Krankheitsstadium befinden, unterliegen sie einer höheren Wahrscheinlichkeit, Komplikationen zu entwickeln und zum medizinischen Notfall zu werden.

Arztflucht wegen Hemmungen

Ein weiterer Grund, warum viele Männer ärztlichen Beistand gerne meiden ist: Sie haben nie gelernt, über Befindlichkeiten oder gar Befürchtungen zu sprechen und werten “die Jammerei“ – oft auch vor der Partnerin oder Freunden – als Schwäche oder Peinlichkeit. Die Angst, belächelt zu werden oder auch Scham über Intimes zu sprechen geht dann so weit, dass auch ernstzunehmende Symptome bagatellisiert werden. Beispielsweise Blutbeimengungen im Stuhl einfach mit “wahrscheinlich nur Hämorrhoiden“ abgetan werden, statt einen Darmkrebs ausschließen zu lassen.

Um Ausreden ist das starke Geschlecht jedenfalls nicht verlegen, geht es darum, den “Weißmänteln“ aus dem Weg zu gehen. Viel Arbeit, Stress und ein voller Terminkalender, Skepsis gegenüber Medikamentenwirkungen u.v.a.m. sind schuld daran, dass man(n) partout keine Zeit für die Gesundheit hat. Nicht selten machen deshalb Frauen einfach Arzt- oder Ambulanztermine für ihre Männer oder erwachsenen Söhne aus, weil diese sich nicht dazu durchringen können.

(Sterbens)krank durch versäumte Vorsorge

Welche schlimmen Folgen dieses männliche Gesundheitsverhalten haben kann, zeigt eine von der österreichischen Krebshilfe publizierte Studie: Trotz der Ansicht, Krebs sei heilbar, sofern er früh erkannt wird, gehen lediglich rund vier Prozent der Männer zu Vorsorgeuntersuchungen. Nur eine der Folgen: Männer erkranken etwa gleich häufig an einem Melanom (Hautkrebs) wie Frauen, weisen aber eine viermal so hohe Wahrscheinlichkeit auf, daran zu sterben, weil sie (zu) spät oder gar nicht zum Arzt gehen. Unterlassene Vorsorgeuntersuchungen sind aber nur ein Aspekt der männlichen gesundheitlichen Vernachlässigung. Ein anderer ist fehlende Compliance (Einhaltung, Befolgung) bezüglich ärztlicher Empfehlungen. So nimmt z.B. nur ein Viertel der Hypertoniker Medikamente gegen den Bluthochdruck. Einen dritten Faktor stellen gesundheitsfeindliche Lebensgewohnheiten dar.

Gesunder Lebensstil: nichts für “richtige“ Männer?

Schon allein die Optik verrät es: Viele Österreicher halten wenig von ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung, dafür umso mehr von geistigen Getränken. Das Resultat zeigt sich auf der Waage bzw. am wachsenden “Wohlstandsbäuchlein“: So sind 45 Prozent der österreichischen Männer übergewichtig, ein Drittel davon krankhaft fettleibig. Das erklärt sich v.a. aus ihren Essgewohnheiten: Sie verzehren schneller und größere Mengen als Frauen, außerdem mehr Fleisch. Ein Teil nimmt noch dazu mehr als die empfohlene Höchstmenge an Alkohol zu sich. Da bleiben Ernährungs-Know-how, Kalorienbewusstsein und langsames Genießen auf der Strecke. Noch dazu macht rund die Hälfte der Männer zu wenig bis gar keinen Sport.

Tabuthema Psyche

Besonders haarig wird es für das starke Geschlecht, wenn es um seelische Leiden geht, etwa Depressionen, Angst- oder Essstörungen. Da fehlt dann oft jede Einsicht, professionelle Hilfe in Anspruch beim Psychologen oder Psychotherapeuten nehmen zu sollen. Diese Erkrankungen werden zwar häufiger bei Frauen diagnostiziert, was jedoch neben der mangelnden männlichen Erkenntnis der eigenen Therapiebedürftigkeit wohl an zwei weiteren Gegebenheiten liegt: Erstens stehen bei diesen Krankheiten bei Männern teilweise andere Symptome im Vordergrund – bei Depressionen sind das z.B. Aggressionen und/oder Drogenmissbrauch. Zweitens sind ÄrztInnen immer noch geneigt, auf gleiche Art beschriebenen psychischen Symptomen eher eine organische Diagnose zuzuordnen, sofern sie ein Mann äußert, während sie bei Frauen eher einen psychosomatischen Hintergrund in Betracht ziehen.

Warum Vorsorge gerade für Männer so wichtig ist

Hierfür gibt es viele Gründe. Hier nur zwei, die es allein schon rechtfertigen, dass das starke Geschlecht mehr auf sich schaut: Männer sind von nicht geschlechtsspezifischen Erkrankungen wie Herz-Kreislaufleiden, Leberzirrhose und Lungenkrebs überproportional häufig betroffen. Sieben von acht Männern weisen mindestens einen Risikofaktor für eine Herzerkrankung oder einen Schlaganfall auf.

Only for men: der Androcheck

Was für die Frauen die jährliche Kontrolle beim Gynäkologen ist, sollte für Männer der regelmäßige Gang zum Urologen bzw. Andrologen (altgriech.: andros = Mann) sein. Er befasst sich mit Erkrankungen des männlichen Fortpflanzungssystems und deren Vorbeugung. Ein Service, das vor allem Männer in der zweiten Lebenshälfte benötigen, da sich dann die Prostata vergrößert und deshalb oft Schwierigkeiten beim Wasserlassen verursacht. Aber auch für junge Männer ist der Androcheck sinnvoll, tritt bei ihnen doch gehäuft Hodenkrebs auf. Der ist übrigens zu einem sehr hohen Prozent heilbar, wird er rechtzeitig erkannt.

Dieser spezielle Check für den Mann umfasst Blut-, Harn- und Tastuntersuchungen, im Bedarfsfall auch weiterführende Tests (z.B. Ultraschall, Hormonanalysen).

 

Weiter führende Links:
Androcheck-Folder
Vorsorgeuntersuchungen
International Society of Men’s Health 
Männergesundheit
Krebs ist auch Männersache

Link zu unserem Lexikon:
Prostata Vergrößerung

Zum Thema Männergesundheit haben wir auch noch diese Ratgeber für Sie:
Gendermedizin: Auch Männer sind manchmal im Nachteil
Männerkrankheiten: Wo das starke Geschlecht seine Schwachstellen hat
Erektile Dysfunktion: Streikt die Seele, leider die Manneskraft
Osteoporose: immer öfter auch Männersache