Männerkrankheiten: Wo das starke Geschlecht seine Schwachstellen hat
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Monkeybusiness Images Erbmasse, Anatomie u.a.m. sorgen dafür, dass Männer unter einigen Krankheiten entweder ausschließlich oder häufiger und schwerer leiden als Frauen. Und auch sonst ist Mann sein der Gesundheit nicht immer zuträglich. Hier finden Sie Näheres zum Thema Männerkrankheiten.
Schon allein das Y-Chromosom in ihrem Erbgut beschert manchen Männern gesundheitliche Nachteile. Und die Organe, die einen Knaben respektive Mann als solchen erkennen lassen, entwickeln sich auch nicht immer so, wie sie sollten oder entpuppen sich als Ort geschlechtsspezifischer Erkrankungen. Selbst von altersbedingten Beschwerden bleiben die Herren der Schöpfung letztendlich nicht verschont. Das starke Geschlecht hat es also (gesundheitlich) nicht leicht.
Erbleiden: Y-Chromosom als Handicap
Die Gonosomen (Geschlechtschromosomen) bestimmen das genetische (XX = weiblich, XY = männlich) und zumeist auch das phänotypische (Erscheinungsbild) Geschlecht eines Menschen. Auf ihnen befinden sich diverse Erbanlagen, wobei die Frauen klar im Vorteil sind. Denn sie verfügen durch die doppelte Ausstattung mit X-Chromosomen über die Chance, krankheitsauslösende Gene auf einem Gonosom durch gesunde Gene auf dem anderen zu kompensieren. Das vermag das männliche Y-Chromosom nicht, da es außer der sex-determining region (SRY), die im Mutterleib die Entwicklung von Hoden beim Ungeborenen bewirkt, kaum Erbanlagen aufweist. Genau dieser Unterschied macht es aus, ob bzw. wie eine Reihe von Krankheiten mit sogenanntem X-chromosomal rezessivem Erbgang in Erscheinung treten. Kurz gesagt: Diese Erkrankungen betreffen nur oder überwiegend Männer, da ihr Y-Chromosom dem defekten Erbgut auf dem zugehörigen X-Chromosom nicht Paroli bieten kann.
Ein verbreitetes Erbleiden dieser Art ist die Bluterkrankheit (Hämophilie). Dabei bewirkt ein verändertes Gen auf dem X-Chromosom, dass ein für die Hämostase (Blutgerinnung) erforderlicher Gerinnungsfaktor nicht oder in ungenügend aktiver Form produziert wird. Abhängig von der Schwere des Mangels kommt es in verschiedenem Ausmaß zu Blutungen – nach außen oder auch in verschiedene Gewebe. Frauen mit einem solchen defekten Gen zeigen in der Regel keine oder höchstens milde Symptome, sind aber Konduktorinnen (Überträgerinnen), die das Gen und damit die Hämophilie an ihre Söhne weitergeben können.
Eine weitere X-chromosomal rezessive Erbkrankheit ist die Muskeldystrophie Typ Duchenne (DMD), bei der es infolge der fehlenden Bildung der Substanz Dystrophin zu einem Muskelschwund und daher einer Muskelschwäche kommt, die sich allmählich in den ersten sechs Lebensjahren – zunächst am Beckengürtel und den Oberschenkeln, später auch an den oberen Extremitäten, schließlich an der Atemmuskulatur und am Herzen – bemerkbar macht.
Ein anderer vorwiegend Männer betreffender genetisch bedingter Symptomenkomplex ist das Martin-Bell-Syndrom (Fragile-X-Syndrom, Frax-Syndrom, FXS). Das mit dem Alter zunehmende geistige Entwicklungsdefizit mit Sprachstörungen und Hyperaktivität im Kindesalter äußert sich auch in physiognomischen Veränderungen wie einem langen Gesicht mit großem Kinn und abstehenden Ohren sowie vergrößerten Hoden.
Weitere hauptsächlich beim männlichen Geschlecht auftretende Anomalien mit weniger gravierenden Auswirkungen sind Farbsehstörungen (Farbsinnstörungen), die sich in einer Farbenschwachsichtigkeit (manche Farben werden weniger gut wahrgenommen als andere) oder Farbenblindheit (komplett: Achromasie, Wahrnehmung nur einer Farbe: Monochromasie, Schwierigkeiten beim Unterscheiden von zwei Farben: Dichromasie) äußern. Häufigstes und bekanntestes Beispiel einer Dichromasie ist die Rot-Grün-Blindheit. Viel seltener kommt es zu Blau-Gelb-Störungen.
Männliche Anatomie als Schwachstelle
Für die Produktion der männlichen Hormone und Samenzellen sind die Hoden zuständig. Sie kommen aus dem Bauchraum, von wo sie spätestens Ende des ersten Lebensjahres in den Hodensack abgestiegen sein sollten. Das klappt nicht immer. Dann spricht man von einem Hodenhochstand (Maldescensus testis). Die Ursachen sind entweder anatomischer (z.B. Verlegung des Leistenkanals), hormoneller oder entwicklungsgemäßer (z.B. Frühgeburt) Natur. Schafft es ein Hoden nicht, von selbst herabzuwandern, muss mit Hormongaben oder operativ nachgeholfen werden. Andernfalls drohen Unfruchtbarkeit und Hodenkrebs.
Selbst wenn die Hoden am ihnen zugedachten Platz liegen, muss noch nicht alles in Ordnung sein, denn Bakterien oder Viren (Mumps!) können sie entzünden (Orchitis) und die Fertilität (Fruchtbarkeit) beeinträchtigen. Abgesehen davon kann sich – z.B. infolge eines unvollständigen inneren Verschlusses der Bauchwand, einer Orchitis oder eines Tumors – Flüssigkeit im Hodensack ansammeln und einen Wasserbruch (Hydrozele) verursachen.
Der Leistenkanal, durch den der Samenstrang zum Hoden verläuft, bildet insofern eine bleibende anatomische Schwachstelle, als diese Verbindung zur Bauchhöhle der Entwicklung einer Inguinalhernie (Leistenbruch: Verlagerung von inneren Organen bzw. –teilen in den Leistenkanal) Vorschub leistet.
Auch Männer “kommen in die Jahre“
Wechseljahre sind keine allein weibliche Angelegenheit. Auch Männer bleiben nicht von Hormonmangelerscheinungen, Knochenschwund und Leistungseinbußen verschont. Allerdings kommt es beim starken Geschlecht ab etwa dem 40. Bis 45. Lebensjahr zu einer nur allmählichen Verringerung der Produktion von Testosteron, sodass unliebsame Folgen wie z.B. ein Nachlassen der Libido meist erst später auftreten, wenn der Hormonspiegel zu tief liegt. Mediziner nennen diesen Zustand – in Analogie zur weiblichen Menopause – Andropause oder Klimakterium virile. Die Symptome treten nicht bei jedem Mann im selben Umfang und Ausmaß auf. Sie ähneln den Beschwerden, die Frauen in diesem Lebensabschnitt erfahren: Erschöpfung, Reizbarkeit, depressive Verstimmungen, Schweißausbrüche, Kopf- oder Rückenschmerzen, trockene Schleimhäute, Haarausfall und Veränderungen im Sexualleben. Hinzu kommt eine hormonell bedingte Vergrößerung der Prostata, im Volksmund uncharmant Altmännerkrankheit genannt.
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Datum: 12. November 2013
Kategorien: Männergesundheit