Tinnitus (Tinnitus aurium, Ohrgeräusch)

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Zusammenfassung
Tinnitus ist die Wahrnehmung eines Geräuschs ohne äußere Quelle, wie z.B. eines Pfeifens oder Klingelns, das nur vom Betroffenen hörbar ist.

Was ist Tinnitus?

Ein Ohrgeräusch, z.B. ein Pfeifen oder Klingeln, Brummen, Rauschen oder Zischen, das nur vom Betroffenen über ein Ohr oder auch über beide Ohren wahrnehmbar ist, wird als Tinnitus bezeichnet. Ein Tinnitus tritt bei fast Jedem irgendwann im Lauf des Lebens auf, am häufigsten nach dem 40. Lebensjahr. Oft verschwindet das Geräusch nach einigen Wochen von selbst wieder. Dauerhaft betroffen sind etwa zehn Prozent der Österreicher, davon leidet ein Prozent an starkem Tinnitus, der die Lebensqualität wesentlich einschränkt. Frauen und Männer sind gleich häufig betroffen. Tinnitus ist zumeist keine eigenständige Erkrankung, sondern das Symptom einer Erkrankung. Die Behandlung richtet sich nach den Ursachen.

 

Wie entsteht Tinnitus?

Für Tinnitus gibt es verschiedene Ursachen. Auf der Grundlage dieser Ursachen wird zwischen zwei Arten von Tinnitus unterschieden: Dem weitaus häufigsten subjektiven Tinnitus und dem seltenen objektiven Tinnitus, bei dem der Körper Geräusche erzeugt, die Schallwellen aussenden und daher mit dem Stethoskop auch vom Arzt hörbar sind.

Häufige Ursachen für den subjektiven Tinnitus sind:

  • Schäden im Bereich des Innenohrs, die auf ein Knalltrauma, z.B. bei der Silvesterknallerei oder wenn in der Nähe ein Schuss abgegeben wird, zurückgehen.
  • Schäden im Innenohr, die auf ein akutes Schalltrauma zurückgehen, wie nach einem lauten Konzert, oder auf ein chronisches Schalltrauma, das z.B. entsteht, wenn am Arbeitsplatz permanent großer Lärm herrscht.
  • Tinnitus kann entstehen, wenn sich im Gehörgang ein Ohrschmalzpropfen gebildet hat.
  • Eine Entzündung im Ohr führt mitunter ebenfalls zu einem solchen Ohrgeräusch.
  • Ein Hörsturz kann Tinnitus verursachen.
  • Durchblutungsstörungen im Innenohr können die Ursache sein.
  • Eine Erkrankung, bei der das Innenohr verknöchert, die sogenannte Otosklerose, kann Tinnitus auslösen.
  • Morbus Menière, eine Erkrankung des Innenohrs, die mit Schwindelanfällen verbunden ist, zählt ebenfalls zu den Verursachern.
  • Die Einnahme von bestimmten Medikamenten kann Tinnitus als Nebenwirkung bedingen.
  • Stress oder andere psychische Belastungen können dazu führen, dass die Informationsweiterleitung zwischen Ohr, Hörnerv und Hörzentrum im Gehirn gestört ist und Tinnitus entsteht oder als belastend empfunden wird.

Zu den Ursachen für den objektiven Tinnitus zählen z.B.:

  • Verspannungen der Muskeln im Ohr, der Gaumen- oder Kiefergelenkmuskulatur. Diese können zu Muskelzuckungen führen, die sich durch ein Klicken im Ohr äußern, die als Tinnitus wahrgenommen werden.
  • Kiefergelenkprobleme, die bewirken, dass Gelenkflächen beim Öffnen und Schließen des Mundes hörbar aneinander reiben und wie ein Ohrgeräusch empfunden werden.
  • Verengungen oder andere Fehlbildungen der Blutgefäße im Ohrbereich, die dazu führen, dass sich analog zur Pulsfrequenz ein Geräusch bemerkbar macht.

 

Wie erkenne ich Tinnitus?

Bei Tinnitus ist z.B. ein Pfeifen, Klingeln, Brummen, Rauschen oder Zischen wahrnehmbar, das auf keine äußere Schallquelle zurückgeht und daher von anderen Personen nicht hörbar ist. Das Geräusch kann phasenweise oder dauerhaft über ein Ohr oder beide Ohren und in verschiedenen oder immer gleich bleibenden Lautstärken und Tonhöhen wahrnehmbar sein.

 

Wie erfolgt die Diagnose von Tinnitus?

Tinnitus wird im Wesentlichen durch ein Arzt-Patient-Gespräch diagnostiziert, bei dem der Arzt z.B. erfragt, wann das Geräusch aufgetreten ist, wie es sich anhört, ob es phasenweise besteht oder dauerhaft etc. Auf dieses Gespräch folgt meist eine Hals-Nasen-Ohren-Untersuchung, die u.a. eine Begutachtung des Ohrinneren und einen Hörtest umfasst und dazu dient, mögliche Ursachen für das Ohrgeräusch zu erkennen. Weitere Untersuchungen können nötig werden, etwa um abzuklären, ob der Tinnitus auf Kiefergelenkprobleme zurückgeht.

 

Wie wird Tinnitus behandelt?

Die Art der Behandlung von Tinnitus richtet sich nach den Ursachen und zielt darauf ab, die zugrunde liegenden Probleme bzw. Erkrankungen auszuheilen. Bei der häufigsten Ursache, den Schäden im Ohr, z.B. nach einem Knall- oder Schalltrauma, haben sich Substanzen bewährt, welche die Durchblutung des Innenohrs fördern. Geht das Geräusch auf Entzündungen zurück, helfen entzündungshemmende Mittel, Pfropfen von Ohrschmalz werden bei einer professionellen Ohrenreinigung beseitigt. Ist eine Otosklerose die Ursache für den Tinnitus, kann eine Operation helfen.

Starker Tinnitus, der den Betroffenen das Leben schwer macht, wird auch mit Antiepileptika behandelt, welche die Reizschwelle senken, wodurch das Geräusch weniger laut zu hören ist, sowie gegebenenfalls mit stimmungsaufhellenden Medikamenten und/oder einer Psychotherapie bzw. Tinnitus-Retraining-Therapie, bei der unter anderem über Ohrgeräte Geräusche hörbar gemacht werden, die nicht lauter, aber angenehmer als der Tinnitus sind. Das führt dazu, dass der unangenehme Tinnitus nach einiger Zeit nicht mehr wahrnehmbar ist.

 

Welche alternativen Behandlungsmethoden gibt es?

Betroffene mit starkem, dauerhaftem Tinnitus, der mit medikamentöser oder chirurgischer Behandlung nicht in den Griff zu kriegen ist, berichten über Behandlungserfolge mit verschiedenen Klangtherapien. Wissenschaftlich bewiesen ist deren Wirkung aber nicht.

 

Wie verläuft Tinnitus?

Tinnitus kann nach dem akuten Auftreten auch ohne Behandlung nach einiger Zeit von selbst wieder verschwinden. Besteht er chronisch, also länger als drei Monate, und ist das Geräusch stark wahrnehmbar, zieht der Tinnitus oft eine Reihe von Folgeerkrankungen nach sich. Dazu zählen z.B. Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindel, bei sehr starkem Tinnitus auch Angststörungen und Depressionen, die ihrerseits den Tinnitus verschlimmern können.

 

Wann sollte ich einen Arzt bei Tinnitus aufsuchen?

Wenn man ein- bis zweimal pro Woche ein paar Stunden lang ein Geräusch hört, ist das völlig normal. Sobald die Beschwerden öfter auftreten, länger andauern und/oder als belastend empfunden werden, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

 

Weitere Informationen:

www.oetl.at
Website der Österreichischen Tinnitusliga ÖTL

 

Redaktion: Mag. Sabine Stehrer

Fachliche Freigabe: Prim. Univ. Prof. Dr. Christian Walch, Leiter der Abteilung für Hals- Nasen- und Ohrenkrankheiten am LKH Leoben