Hagebutte: heilsame Vitamin-C-Bombe

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Wird es Herbst, sieht man sie schon von weitem leuchten, die roten Früchte der Wildrose. Gerade richtig zur Erkältungssaison, vor der sich viele – oft mit Vitamin C – schützen wollen. Und davon besitzen die köstlichen Hagebutten reichlich.

Ein alter Brauch sagt, man soll zu Weihnachten drei Hagebutten essen. Dann sei man das kommende Jahr vor Krankheiten geschützt. Nun, nur drei dieser kleinen Früchte einmalig verzehren genügt wohl kaum, um Infekte und anderes gesundheitliches Unheil abzuwenden, doch entbehrt diese Sitte nicht eines gewissen Symbolcharakters. Denn was der Genuss von Hagebutten sehr wohl kann ist, einem Vitamin-C-Mangel und damit einer Abwehrschwäche bzw. Infekten vorzubeugen.

Wilde Rose mit wirkungsvollen Früchten

Die Heckenrose (botanisch: Rosa canina, im Volksmund: Wildrose, Zaunrose, Weinrose, Apfelrose, Feldrose, Hainrose, Hindsrose, Wilde Heiderose, Heideröschen, Hagedorn, Schlafdorn, Mariendorn, Hiefenstrauch, Hagrose; mittelhochdeutsch: Hag = Gebüsch) ist die Wildform verschiedenster Zuchtrosen. Sie gedeiht in Europa und Asien – in Hecken, Parks, Gärten, Gebüschen, an Böschungen und Waldrändern, was sich widerspiegelt im Kinderlied “Ein Männlein steht im Walde“:  „….. das Männlein dort auf einem Bein mit seinem roten Mäntelein und seinem schwarzen Käppelein kann nur die Hagebutte sein.“ Sie wird auch Hundsrose genannt, vermutlich weil man früher Bissverletzungen durch tollwütige Hunde mit dem Saft aus ihren Wurzeln behandelt hat.

Bei dieser zu den Rosengewächsen (Rosaceae) gehörenden Pflanze handelt es sich um einen bis zu fünf Meter hoch wachsenden Strauch mit stacheligen Zweigen und rundlichen bis eiförmigen Blättern, der im Hochsommer weiße bis rosarote Blüten mit je fünf herzförmigen Blütenblättern treibt.

Sie beschert uns nicht nur duftende Blumen, sondern auch wohlschmeckende und gesunde, kleine, leuchtend rote Früchte namens Hagebutten (mittelhochdeutsch: Butte = Fässchen, Gefäß; im Volksmund: Hetschepetschen, Dornäpfel, Heimhiffen, Hägen, Hainbutten, Heinzerleins, Hiefen, Hiffen, Hiften, Rosenäpfel, Hetschhiven, Hetscherl, Hiven, Mehlbeere, Rosenbeeren, Wiepel, Wildhips, Butterfässleins, Arschkratzerln) bzw. genau genommen Scheinfrüchte, denn eigentlich sind ihre Nüsschen (Kerne) mit den feinen, mit Widerhaken besetzten Haaren die echten Früchte der Heckenrose. Doch hat es sich eingebürgert, die Hagebutte als Ganzes als Frucht zu betrachten. Die getrockneten roten Beeren erhält man im Handel als Fructus cynosbati, die Kerne als Semen cynosbati. Übrigens: Auch an nicht fachgerecht verschnittenen Edelrosen können sich wilde Triebe bilden, die Hagebutten tragen.

Sammeln sollte man die oft noch den ganzen Winter am Strauch hängenden Hagebutten im September und Oktober, wenn ihre Schalen noch fest und nicht schon matschig sind und bevor sie den ersten Frost abbekommen, denn dann schmeckt ihr sonst süßsaures, vitaminreiches Fruchtfleisch süßer und aromatischer. Von den (bitterlich schmeckenden) Kernen befreit kann man Hagebutten roh verzehren. Oder kernbefreit und geschnitten oder auch unzerkleinert schonend trocknen, z.B. bei minimaler Hitze im Backofen, und dann (monatelang) lagern. Hagebuttenschalen finden getrocknet als Tee Verwendung. Frische Hagebutten werden zu leckerer Marmelade oder köstlichem Mus verarbeitet.

Inhaltsstoffe & Heilwirkungen

In den roten Früchtchen sitzen wichtige Mineralstoffe (z.B. Kalium) und die Vitamine A, B1 und B2, außerdem Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe), Pflanzenfarbstoffe, Fruchtsäuren, Gerbstoffe und Pektin. Vor allem aber reichlich Vitamin C (400 – 500 mg pro 100 g frische Hagebutten), dem die Hauptwirkungen und Einsatzgebiete der Hagebutten zugeschrieben werden. Und die bestehen in

  • einer Stärkung des Immunsystems
  • einer Vorbeugung und Behandlung von Erkältungen und Bronchitiden
  • der Deckung eines erhöhten Vitamin C-Bedarfs bzw. eines Ausgleichs von Vitamin-C-Mangelzuständen (Skorbut)
  • einem leicht harntreibenden Effekt, daher einer Behandlung chronischer Nieren- und Blasenleiden
  • einer Linderung der Frühjahrsmüdigkeit
  • einer Entzündungshemmung bei Wunden und Insektenstichen (Gerbstoffe enthaltender Saft aus den zerquetschten Blüten)

Zudem liefern Studien Hinweise, dass Hagebutten bei Arthrosen (Entzündungshemmung, Knorpelschonung, Verbesserung der Beweglichkeit der Gelenke) und Rückenbeschwerden (Linderung) als ergänzende Therapie helfen können.

Naturheilkundler schreiben Hagebuttentee darüber hinaus abführende, cholesterinspiegelsenkende, bei Rheuma, Gicht, Zahnschmerzen und Zahnfleischbluten helfende sowie die Blutbildung unterstützende Effekte zu. Das in Hagebutten enthaltene, an ungesättigten Fettsäuren reiche Öl eignet sich zur Bekämpfung von Falten und Narben. Auch die Bachblütentherapie bedient sich der Heckenrose, wo sie als “Wild Rose“ bei nach Misserfolgen, Erkrankungen oder Enttäuschungen resignierenden Menschen für Hoffnung und Lebensfreude sorgen sowie Zuversicht und Kraft verleihen soll, scheinbar Unabänderliches doch noch zu ändern.

Die Nutzung von Hagebutten zu Heilzwecken ist nicht neu. Schon im Mittelalter verwendete man sie gegen Emesis (Erbrechen), Hämoptoe (Bluthusten) oder die Ruhr. Tee aus ihren getrockneten Kernen, die ätherische Öle, Fruchtsäuren und Vanillin enthalten, fungiert schon lange als Heilmittel bei Blasen-und Gallensteinen, Infektionen der Harnwege und Rheuma sowie als Mittel zur Entsäuerung.

Natürlich wurden der Pflanze auch mythische Kräfte nachgesagt. So war etwa bei den alten Germanen die Hagebutte der Göttin Freya geweiht, damit diese gebärenden Frauen Schutz verleiht. Aus diesem Grund vergruben Hebammen auch nach einer geglückten Niederkunft die Nachgeburt unter einer Hundsrose. Die Neugeborenen sollten ebenfalls von der Pflanzenmagie profitieren. Deshalb war es früher Brauch, das erste Badewasser eines Babys unter einen Rosenbusch zu leeren, damit das Kind gut wächst und schöne rote Backen (= Symbol für Gesundheit) bekommt.

Da die Heckenrose sehr dicht wächst und durch ihre Dornen ungebetene Gäste fernhält, schrieb man ihr auch die Fähigkeit zu, Hexen und böse Geister, aber auch Blitze, Unwetter und anderes Unheil abzuschrecken. Ihre Blütenblätter standen im Ruf, Schutz, Heilung, Harmonie und vor allem Glück zu bringen. Da die Bahn des Planeten Venus die Form einer solchen Blüte in den Himmel malt, brachte man die Heckenrose mit der Liebesgöttin Venus in Verbindung. Nicht zuletzt diente die Rose auch als Orakel: Träumte ein Kranker von ihr, hieß es, er würde bald sterben. Die Hagebutten wiederum galten als Sinnbild für das Weiterleben der Seele nach dem Tod, wohl weil sie den Winter (= Tod) überdauern und bis in den Frühling (= neues Leben) am Strauch verbleiben können. Auf eine Schnur aufgezogen und als Halskette getragen sollten sie die Liebe anziehen, unters Kopfkissen gelegt für guten Schlaf sorgen.

Delikatessen als Gesundheitsboten

Natürlich gibt es auch pharmazeutisch hergestellte Hagebuttenpräparate, z.B. Hagebuttenextrakte. Doch warum Kapseln & Co. schlucken, wenn es auch auf köstlichere Art geht, Gesundes einzunehmen? Wer eine ordentliche Ladung Vitamin C zu sich nehmen soll oder will, ist z.B. mit einem selbstgemachten Hagebuttenmus gut bedient, denn bereits ein Esslöffel davon deckt den Vitamin C-Bedarf eines Erwachsenen. Das Mus lässt sich recht einfach herstellen. Man braucht dafür lediglich möglichst reife Hagebutten, ein wenig Wasser und – zwecks besserer Haltbarkeit – etwas Zitronensaft. Die Hagebutten lässt man mit Wasser bedeckt in einem Topf mit geschlossenem Deckel etwa 20 Minuten leicht köcheln, passiert sie dann (flotte Lotte oder Sieb) und gibt den Zitronensaft hinzu (halbe Zitrone auf ein Kilo Hagebutten). Im Kühlschrank hält sich das Mus einige Tage. Soll es länger haltbar sein, kann man es einfrieren. Oder in hitzefesten Schraubdeckel-Gläsern einkochen.

Beliebt ist auch die Hagebuttenmarmelade, die aber einen deutlich geringeren Vitamin-C-Gehalt aufweist. Um sie zu produzieren muss man allerdings die Kerne entfernen – ein zeitraubendes Unterfangen, das bei Hautkontakt mit den Kernen Juckreiz verursacht, weshalb die Hagebutten als Juckpulver bekannt sind. Gourmets schätzen auch Hagebuttenlikör und harntreibenden Hagebuttenwein. Am häufigsten Verwendung findet aber der Hagebuttentee (2 TL getrocknete Hagebutten mit einer Tasse heißem Wasser aufgießen und nach 10 Minuten abseihen) bzw. Teemischungen mit Hagebutte.

 

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