Mutter-Kind-Pass: Gesundheitsvorsorge für Schwangere und Kinder
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Monkeybusiness Images Schwangerschaft ist keine Krankheit. Aber eine Zeit mit gesundheitlichen Risiken für die künftige Mutter und das werdende Leben. Die lassen sich aber mithilfe der im Mutter-Kind-Pass vorgeschriebenen Untersuchungen minimieren. Hier finden Sie Näheres zu diesem Vorsorgeprogramm.
Kündigt sich eine Schwangerschaft an, heißt das für die werdende Mutter: Ab nun trägt sie die Verantwortung für (mindestens) zwei Menschen. Dem kommenden freudigen Ereignis gehen nämlich neun Monate voran, in denen der Schwangeren und ihrer Leibesfrucht allerlei gesundheitliche Gefahren drohen, die es nach Möglichkeit abzuwenden gilt. Diesem Zweck dient der Mutter-Kind-Pass (MKP), den der Frauenarzt ausstellt, sobald er eine Gravidität (Schwangerschaft) feststellt. Im MKP werden bestimmte Untersuchungsgänge während der Schwangerschaft und den ersten Lebensjahren des Kindes dokumentiert, die nicht nur der Gesundheitsvorsorge bzw. frühzeitigen Erkennung und Behandlung von Störungen dienen, sondern gleichzeitig eine unabdingbare Voraussetzung für den Bezug des vollen Kinderbetreuungsgeldes bilden.
Das MKP-Untersuchungsprogramm
Es beinhaltet diverse Checks, die innerhalb bestimmter Schwangerschaftswochen (SSW) absolviert werden müssen. Dazu gehören vor der Geburt gynäkologische sowie Blut- und Ultraschall-Untersuchungen. Nach der Niederkunft stehen zehn Pflichtuntersuchungen des Kindes inklusive orthopädischer, Hals-Nasen-Ohren- und Augen-Tests auf dem Programm. Darüber hinaus bietet der Mutter-Kind-Pass weitere kostenlose Vorsorgeuntersuchungen bis zum 62. Lebensmonat an.
Erste Mutter-Kind-Pass-Untersuchung
Sie erfolgt bis spätestens zum Ende der 16. Schwangerschaftswoche und umfasst
- eine ausführliche Anamnese (Erhebung der medizinischen Vorgeschichte): Erfragt wird neben Vorerkrankungen und Operationen, bestehenden Leiden, Medikamenteneinnahme und Lebensgewohnheiten (z.B. Nikotin-, Alkohol, Drogenkonsum, Ernährung), früheren Schwangerschaften/Geburten/Fehlgeburten/Abbrüchen der erste Tag der letzten Menstruation (Monatsblutung) zwecks Bestimmung des Geburtstermins. Ebenso thematisiert werden Wünsche bezüglich Ort und Methode der Geburt zur rechtzeitigen Anmeldung beim jeweiligen Krankenhaus bzw. bei der erkorenen Hebamme. Zudem sollte eine Aufklärung bezüglich Möglichkeiten der Pränataldiagnostik stattfinden.
- eine gründliche geburtshilfliche Untersuchung mit Begutachtung des äußeren Genitales, der Vagina, des Muttermundes (inkl. Krebsabstrich) und der Brüste. Zusätzlich wird das Körpergewicht erhoben sowie der Blutdruck, Puls und Bauchumfang gemessen und ein Harnbefund erstellt.
- eine Blutuntersuchung zur Kontrolle des Eisen- bzw. Hämoglobin- und Hämatokrit-Wertes sowie Antikörpern gegen für den Fetus bedrohlichen Infektionen wie Röteln, Toxoplasmose, Syphilis und HIV, außerdem zur Feststellung der Blutgruppe und des Rhesus-Faktors.
- eine Ultraschall-Untersuchung im Zeitraum zwischen der 8. und zur 12. SSW. Sie dient der Lokalisation der Schwangerschaft (Sitz des Embryos in der Gebärmutter), Beurteilung der Entwicklung der Leibesfrucht sowie Entdeckung einer allfälligen Mehrlingsschwangerschaft.
Zweite Mutter-Kind-Pass-Untersuchung
Sie findet zwischen der 17. und 20. SSW statt und beinhaltet:
- die Besprechung des Blutbefundes
- eine geburtshilfliche Untersuchung wie schon beim ersten MKP-Check
- eine internistische Untersuchung beim Hausarzt oder Facharzt für Innere Medizin
- eine Ultraschall-Untersuchung zur Prüfung der kindlichen Herzaktion, der Fruchtwassermenge und des Sitzes der Plazenta (Mutterkuchen)
Dritte Mutter-Kind-Pass-Untersuchung
Sie passiert in der 25. bis 28. SSW und enthält
- eine Blutuntersuchung mit Bestimmung des Blutbildes, Überprüfung auf Hepatitis B sowie bei Bedarf einer Toxoplasmose-Kontrolluntersuchung.
- einen oralen Glukosetoleranztest (Einnahme einer definierten Zuckerlösung mit anschließender Blutzuckermessung) beim Hausarzt oder Internisten zur rechtzeitigen Erkennung eines für den Fetus schädlichen Schwangerschaftsdiabetes
- eine geburtshilfliche Untersuchung wie bereits in den vorigen Checks
Vierte Mutter-Kind-Pass-Untersuchung
Sie geschieht in der 30. bis 34. SSW und besteht aus
- einer geburtshilflichen Untersuchung wie gehabt
- einer Ultraschall-Untersuchung: Geprüft werden der Plazentasitz sowie das Wachstum, die Herzaktion und Lage (z.B. zwecks Veranlassung einer Drehung des Kindes, sofern dieses sich in einer Beckenendlage statt Schädellage befindet) des Kindes.
Fünfte Mutter-Kind-Pass-Untersuchung
Sie ist für die 35. bis 38. SSW vorgesehen und beinhaltet
- eine geburtshilfliche Untersuchung wie in den vorangegangenen Checks, aber mit besonderem Augenmerk auf die Erhebung eines Vaginalbefundes zur Entdeckung und ggf. Behandlung von aufs Kind während der Geburt übertragbaren Infektionen (z.B. Genitalherpes)
- oft auch eine nochmalige Ultraschalluntersuchung
- eine Besprechung der bevorstehenden Geburt und dazu bestehender Fragen
Zusätzliche Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen
Bei sogenannten Risikoschwangerschaften (höheres Alter der Mutter, bereits erlittene Fehlgeburten etc.), Mehrlingsschwangerschaften oder Komplikationen während der Gravidität werden mehr und engmaschigere als nur die vorgeschriebenen Kontrollen durchgeführt, deren Frequenz und Inhalt mit dem behandelnden Arzt vereinbart werden.
Plus für werdende Mütter: Hebammenberatung
Erst seit relativ kurzer Zeit steht Schwangeren in Österreich ein besonderes Service zur Verfügung: ein kostenloses einstündiges Gespräch mit einer Hebamme in der 18.bis 22.Schwangerschaftswoche. Es dient der Aufklärung über Schwangerschafts- und Geburtsverlauf, Geburtsmethoden, Wochenbett ud Stillen. Außerdem liefert es Informationen zu Auswirkungen des Lebensstils auf das ungeborene Kind im Hinblick auf Ernährung, Bewegung und Genussgifte (Alkohol, Nikotin). Im Rahmen dieser Beratung hat die Schwangere Gelegenheit, etwaige Unklarheiten, Ängste und Sorgen zu besprechen.
Warum Vorsorge so wichtig ist
Der Mutter-Kind-Pass ist ein wirksames und erfolgreiches Instrument zur Gewährleistung eines möglichst sicheren Schwangerschaftsverlaufes bis zur Geburt und Gesundheitsvorsorge für Schwangere und Kinder bis zum Schuleintritt sowie Senkung der Säuglings- und Müttersterblichkeit. Das Untersuchungsprogramm garantiert bis zu einem gewissen Grad die Früherkennung bestimmter Gesundheitsrisiken, Erkrankungen und Entwicklungsstörungen und ermöglicht damit ein rechtzeitiges Gegensteuern.
Weiterführende Links:
Help.gv.at
Bundesministerium für Gesundheit
Link zu unserem Lexikon:
Schwangerschaft
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Datum: 29. März 2014
Kategorien: Frauengesundheit & Schwangerschaft