Künstliche Befruchtung: auf Umwegen zum Wunschbaby

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Will es mit dem Kinderkriegen nicht klappen, verhilft oft die moderne Reproduktionsmedizin mit Verfahren wie Hormonbehandlung, Insemination und In-vitro-Fertilisation zum ersehnten Nachwuchs. Doch selbst die ausgefeiltesten Techniken der assistierten Befruchtung können dafür nicht hundertprozentig garantieren.

Unerfüllter Kinderwunsch, d.h. Sterilität ist ein Problem, das vielen Menschen schwer auf der Seele lastet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Sterilität (Unfruchtbarkeit, Infertilität) als Zustand, wenn sich bei regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr innerhalb eines Jahres keine Schwangerschaft einstellt. Das ist in Österreich bei etwa jedem siebentem Paar der Fall. Die Ursache für die ungewollte Kinderlosigkeit kann beim Mann, bei der Frau oder bei beiden liegen. Wird sie gefunden, gilt es, sie – wenn möglich – zu beseitigen.

Kann auf natürlichem Wege kein Kind gezeugt werden, hilft in vielen Fällen die moderne Reproduktionsmedizin (Fortpflanzungsmedizin) Mutter Natur auf die Sprünge, um Paaren den Babywunsch doch noch zu erfüllen. Nicht alle Methoden (z.B. Leihmutterschaft) sind in Österreich erlaubt. Einige Verfahren der künstlichen (nicht nur aufgrund natürlichen Geschlechtsverkehrs stattfindenden) Befruchtung aber schon: die Hormonbehandlung, Insemination und In-vitro-Fertilisation bzw. Kombinationen dieser Therapien.

Insemination: Spermien auf Vordermann bringen

Vorausgesetzt die Frau besitzt durchgängige Eileiter, kann im Falle einer nur mäßig eingeschränkten Fruchtbarkeit ihres Partners (z.B. etwas verminderte Spermienzahl, verringerte Zahl schnell beweglicher Spermien, Unmöglichkeit, einen normalen Geschlechtsverkehr durchzuführen) die Chance auf Nachwuchs verbessert werden, indem sein per Masturbation gewonnener, im Labor speziell aufbereiteter Samen künstlich per Katheter (dünner flexibler Kunststoffschlauch) in den weiblichen Genitaltrakt eingebracht wird (homologe Insemination = Übertragung des Samens des eigenen Partners in den weiblichen Genitaltrakt). Das verkürzt den Weg der Spermien zur befruchtungsbereiten Eizelle, denn die Samenzellen werden entweder in den Gebärmutterhals (Intracervicale Insemination, ICI), die Gebärmutterhöhle (Intrauterine Insemination, IUI) oder den Eileiter (Intratubale Insemination, ITI) gespritzt. Können die Spermien nicht auf natürlichem Weg nach außen gelangen, z.B. weil die Samenleiter verlegt sind, besteht die Möglichkeit, für eine Insemination Samenzellen per Punktion direkt aus dem Hoden (TESE) oder Nebenhoden (MESA) zu gewinnen. Eine homologe IUI oder ITI macht auch Sinn, wenn im Bereich des Gebärmutterhalses krankhafte Veränderungen vorliegen.

Ist der Samen des Partners nicht imstande, eine Fortpflanzung zu gewährleisten, bleibt als Ausweg, Spermien eines Samenspenders (Donor) für die Insemination zu nutzen (heterologe Insemination). Damit muss der Partner aber ebenso wie die Frau einverstanden sein und die Entscheidung, alle elterlichen Rechte und Pflichten für das so entstandene Kind zu übernehmen, in rechtsgültiger Form (Notariatsakt) kundtun. Bei der Spenderauswahl finden Wünsche hinsichtlich Eigenschaften wie z.B. Haar- und Augenfarbe des Donors Berücksichtigung. Um ein ev. Infektionsrisiko bei einer heterologen Insemination hintanzuhalten, werden Samenspenden auf HIV, Hepatitis, Syphilis u.a.m. getestet. Auch nach Chromosomenanomalien und veränderten Genen, die bestimmte Erbkrankheiten (z.B. Mukoviszidose) auslösen, kann in einem genetischen Labor gefahndet werden.

Damit die Insemination zum optimalen Zeitpunkt, d.h. beim weiblichen Eisprung geschieht, können die Follikelreifung und der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut durch Hormongaben stimuliert und per Ultraschall kontrolliert sowie die Ovulation (Eisprung) medikamentös (HCG) angeregt werden. Die Erfolgschancen für eine auf die Art zustande gekommene Schwangerschaft liegen bei maximal 20 Prozent, wobei Frischsamen öfter ”fruchtet” als aufgetauter und das Alter der Frau mitentscheidet.

In-vitro-Fertilisation: Befruchtung im Glas

Bei dieser außerhalb des Mutterleibs stattfindenden Zeugung (Reagenzglasbefruchtung, IVF) werden – meist nach einer hormonellen Stimulation der Eierstöcke – unter Ultraschallkontrolle per Punktion (transvaginal oder via Bauchspiegelung) Eizellen entnommen. In einem Gefäß (“Reagenzglas”) mit Nährlösung werden sie mit den Spermien des Ehemannes zwecks Befruchtung vermischt und in einen Brutschrank verbracht. Von den so entstandenen Embryonen werden am zweiten bis fünften Tag nach der Eizellentnahme mittels Katheter ein bis drei unter Ultraschallsicht in die Gebärmutter übertragen (Embryotransfer), dann deren Einnistung in die Gebärmutterschleimhaut (Nidation, Implantation) hormonell (Gelbkörperhormon, HCG) unterstützt. Im Idealfall resultiert daraus eine Schwangerschaft. Sind mehr als für den Embryotransfer vorgesehene qualitativ entsprechende Embryonen vorhanden, kann man diese für spätere IVFs kryokonservieren (in flüssigem Stickstoff einfrieren).

Der zur Verhinderung einer Überstimulation ärztlich überwachten hormonellen Anregung der Eierstöcke (z.B. mit FSH, LH) zwecks gleichzeitiger Reifung mehrerer Follikel (Eibläschen) und damit befruchtungsfähiger Eizellen geht in der Regel eine sogenannte Downregulation voran. Bestimmte Hormonpräparate (GnRH-Agonisten oder –Antagonisten) legen dabei die körpereigene Hormonausschüttung der Frau lahm und verhindern so einen vorzeitigen Eisprung. Die regelrechte Wirkung der anschließend verabreichten stimulierenden Hormone wird mit einem Zyklusmonitoring, d.h. regelmäßigen Labor- und Ultraschallkontrollen (Hormonspiegel, Follikelgröße und –zahl, Gebärmutterschleimhaut,) überprüft und die Hormondosis ggf. angepasst. Sind schließlich genügend Follikel vorhanden, beendet eine HCG- oder GnRH-Agonisten-Injektion zur Auslösung des Eisprungs die Hormontherapie. Seltener können die Hormongaben unterbleiben und die IVF findet im Rahmen des natürlichen Monatszyklus statt (Natural Cycle IVF).

IVF: eingeschränkte Nutzbarkeit – begrenzte Erfolgschancen

Um eine IVF als Methode der Kinderwunscherfüllung in Anspruch zu nehmen, bedarf es einiger gesetzlich geregelter Voraussetzungen. Die wichtigsten lauten:

  • Die geplante Maßnahme muss Aussicht auf Erfolg versprechen. Daraus folgt, dass sich die von den Krankenkassen übernommenen IVF–Behandlungen auf maximal vier reduzieren, da danach die Erfolgsrate deutlich sinkt.
  • Das Paar muss verheiratet sein und die Frau darf ihr 40. Lebensjahr nicht vollendet haben.
  • Es dürfen nur Ei- und Samenzellen von den Ehepartnern verwendet werden.
  • Es muss eine Beratung über die medizinischen, psychischen und sozialen Aspekte der IVF durch einen Arzt stattfinden, der die Behandlung nicht selbst durchführt.
  • Die IVF darf nur nur durch entsprechend ermächtigte Ärzte oder unter Aufsicht derselben erfolgen und sollte möglichst ambulant geschehen.
  • Ein negativer HIV-Status beider Partner sowie eine Rötelnimmunität der Frau muss bestehen.
  • Eine IVF ist nur dann indiziert, wenn eine Eileiterschädigung nicht operativ behebbar ist.
  • Nach einer Geburt ergibt sich ein Anspruch auf eine erneute Behandlung

Ebenso wie für die Insemination gilt auch für die IVF: Nicht jeder Versuch führt zu einer Schwangerschaft. Ihre Erfolgsquote liegt bei maximal 40 Prozent. Faktoren, die die Erfolgsaussichten beeinflussen, sind die Ursache der Unfruchtbarkeit, das Alter der Frau (Qualität der Eizellen sinkt mit fortschreitenden Jahren), Stress (z.B. aufgrund der mehrwöchigen und aufwändigen Behandlungen), Grunderkrankungen (Diabetes, Bluthochdruck usw.), Lebensstil (Übergewicht, Nikotin- oder übermäßiger Alkoholkonsum etc.), die Zahl der befruchteten Eizellen etc.

Darüber hinaus ist die IVF nicht ganz risikolos. Neben ev. durch die Hormongaben bedingten Störungen (Bauchschmerzen, Übelkeit, Kurzatmigkeit usw.) kann es im Rahmen der erforderlichen Eizellentnahme – wenn auch selten, da unter Ultraschallkontrolle durchgeführt – zu Verletzungen von Gefäßen, Darm oder Nerven kommen. Es entstehen infolge einer IVF häufiger lebensbedrohliche Eileiterschwangerschaften. Auch die Zahl von Mehrlingsschwangerschaften und damit Frühgeburten ist naturgemäß erhöht.

ICSI, Assisted Hatching & Co.: “Starthilfen” für Keimzellen

Manchmal reicht es nicht aus, den Kontakt von Spermien mit Eizellen zu intensivieren, um die Chancen auf eine Befruchtung zu steigern. Auch hierfür kennt die Fortpflanzungsmedizin Auswege. Ein recht häufiger ist die bei eingeschränkter Samenqualität angewendete Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), bei der unter einem speziellen Mikroskop jeweils ein ausgesuchtes Spermium mit einer Hohlnadel in eine Eizelle eingebracht wird. Damit die Auswahl auf möglichst ”fitte” Samenzellen fällt, kann vor der Durchführung einer ICSI eine Vorselektion mit Hilfe von Hyaluronsäure, die reife (besitzen Hyalonsäure-Rezeptor, d.h. sind höchstwahrscheinlich frei von DNA-Schäden) von unreifen Spermien unterscheiden lässt, stattfinden (PICSI = ”Physiologische” ICSI). Ein weiteres Verfahren zur Auswahl besser geeigneter Samenzellen ist die Intrazytoplasmische Morphologisch Selektierte Spermien Injektion (IMSI). Sie beruht auf einer hochauflösenden mikroskopischen Untersuchung (6000-fache Vergrößerung).

Eine “Schlüpfhilfe“, die bei einer IVF oder ICSI das Einnisten eines Embryos in die Gebärmutterschleimhaut erleichtern will, ist das sogenannte Assisted Hatching (Assisted Laser Hatching, ALH, Embryo-Hatching). Dabei wird die Zona pellucida (Glashaut), eine die Eizelle bzw. den Embryo umgebende feste Hülle, die verhärtet oder zu dick sein kann, eingeritzt bzw. ausgedünnt. Leider kann dabei der Embryo verletzt werden.

Eine Verbesserung der Einnistung verspricht auch die Einnistungsspülung (Seminalplasmainjektion, SPI). Sie nutzt bestimmte Inhaltsstoffe (TGF, Interleukin) des aus der Prostata und den Samenblasen stammenden Seminalplasmas (Samenflüssigkeit ohne Spermien), die immunologische Vorgänge beeinflussen und so Abstoßungsreaktionen verhindern, indem sie eine Immuntoleranz des mütterlichen Organismus gegenüber dem Embryo fördern

 

Weiter führende Links:
Methoden der künstlichen Befruchtung
IVF-Fonds: Hilfe bei unerfülltem Kinderwunsch

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