Krank in der Schwangerschaft: Welche Arzneimittel sind erlaubt?

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Ein Weg, ungeborenen Kindern vermeidbare Behinderungen zu ersparen ist, potenziell schädliche Substanzen zu meiden. Also auch viele Medikamente. Gesundheitliche Beschwerden und Infektionen machen aber auch vor Schwangeren nicht halt. Dann heißt es gut zwischen Nutzen und Risiko abzuwägen.

Schnupfen, Kopfschmerzen, Fieberblasen u.v.a.m. – von solchen Beschwerden bleiben auch Schwangere nicht verschont. Spätestens seit der Contergan-Affäre (Schlaf- und Beruhigungsmittel mit dem Wirkstoff Thalidomid, das schwere Schäden an ungeborenen Kindern verursacht) in den 1960er-Jahren aber ist allgemein bekannt, dass Medikamente dem Nachwuchs schaden können. Brauchen werdende Mütter nun Arzneien zur Bekämpfung sehr unangenehmer oder ernster Symptome, ist die Auswahl an geeigneten, d.h. für die Leibesfrucht bekannt verträglichen Präparaten begrenzt. Manche Mittel wirken sich auch nur in bestimmten Phasen der Schwangerschaft negativ aus (z.B. zu Beginn), in anderen nicht. Jedenfalls ist es nie verkehrt, mit dem behandelnden Arzt Rücksprache zu halten, ist die Einnahme einer Medizin erforderlich. Ohne Angst, eine Frage könnte zu banal sein.

Medikamente in der Schwangerschaft: Allgemeines

Es stimmt schon. Mit Medikamenten sollte während einer Schwangerschaft sparsam und bedacht umgegangen werden. Jede Verabreichung bedarf einer ärztlichen Kontrolle und strikten Nutzen-Risiko Abwägung. In ihrer Wirkung und allfälligen Nebenwirkungen gut untersuchten Arzneien mit nur einer Wirksubstanz (Monotherapie) ist der Vorzug zu geben. Bei ihrer Dosierung gilt: so niedrig wie möglich, aber so hoch wie nötig.

Nun finden die umwälzendsten und störanfälligsten Entwicklungen (z.B. Bildung der Organe) des Embryos in den ersten drei Monaten statt – in einer Zeit, wo so manche Frau noch gar nicht ahnt, schwanger zu sein. Deshalb sollte bei Bestehen chronischer Krankheiten fruchtbarer Frauen nach Möglichkeit bereits vor Eintritt einer Gravidität (Schwangerschaft) die Wahl auf Präparate fallen, die für Ungeborene gefahrlos sind. Allerdings folgt eine Schädigung des Embryos durch Medikamenteneinnahme in der dritten und vierten Schwangerschaftswoche häufig dem “Alles-oder-nichts-Prinzip“. Das bedeutet: Ist sie umfangreich genug, kommt es zu einem frühen (oft unbemerkten) Abort. Ist sie das nicht, regeneriert sich das Kind wieder und entwickelt keine Anomalien.

Unbedenkliche Medikamente

Das Arzneimittelverzeichnis umfasst tausende von Präparaten. Hinzu kommen unzählige pflanzliche Arzneien bzw. Heilkräuter. Trotzdem lautet die Devise: Arzneien in der Schwangerschaft nur, wenn es unbedingt erforderlich ist. Doch warum können nicht auch Schwangere die Segnungen der modernen Pharmazie in größerem Ausmaß so ohne Weiteres nutzen?

Ein wesentlicher Grund für diesen Umstand liegt darin, dass kaum aussagekräftige systematische Untersuchungen existieren, die eindeutig belegen, dass diese oder jene Substanz auf Ungeborene teratogen (fruchtschädigend, Fehlbildungen hervorrufend) wirkt oder nicht. Schließlich ist es ethisch nicht vertretbar, noch nicht auf dem Markt befindliche Medikamente an gebärfähigen oder gar schwangeren Frauen zu erproben.

So gründen sich die Kenntnisse darüber, ob eine Medizin als in der Schwangerschaft unbedenklich gelten kann, auf längerfristigen Beobachtungen und Erfahrungen. Hier eine kleine Übersicht, bei welchen Mitteln eine Schwangere sich auf der sicheren Seite fühlen darf:

Antibiotika: Da bakterielle Infektionen sowohl die werdende Mutter als auch ihr Kind gefährden können, dürfen sie nicht unbehandelt bleiben. Dazu eignen sich bestimmte Gruppen von Antibiotika (Penicilline, Cephalosporine, Makrolide), die auch während einer Gravidität eingenommen werden dürfen.

Schmerzmittel und Fiebersenker: Sowohl zur medikamentösen Schmerzlinderung als auch Fiebersenkung ist Paracetamol der Vorzug zu geben. Bis zur 27. Schwangerschaftswoche ist die Gabe nichtsteroidaler Antirheumatika (NSARs) wie Diclofenac oder Ibuprofen möglich, bei sehr starken Schmerzen – unter ärztlicher Kontrolle – auch Opioide (z.B. Codein). Ab etwa der 27. Schwangerschaftswoche können NSARs (z.B. Acetylsalicylsäure wie etwa in Aspirin) eine vorzeitige Umstellung des fetalen Kreislaufes (zu früher Verschluss des Ductus arteriosus Botalli = Verbindungsgang zwischen Aorta und Lungenarterie, mögliche Folgen: Herzschwäche, -versagen) verursachen.

Gegen eine Migräne ist die Einnahme von Sumatriptan erlaubt, zur Anfallsprophylaxe z.B. Metoprolol. Ebenfalls wirksam gegen Schmerzen sind nicht zu heiße Entspannungsbäder, Massagen oder Physiotherapie. Gegen Fieber helfen feuchtkalte Wadenwickel und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (z.B. kühlender Pfefferminztee).

Nasentropfen und -sprays: Ist die Nase verlegt, sodass man nur schlecht Luft bekommt, sind Nasentropfen oder -sprays auf Meersalzbasis ratsam. Bezüglich der Anwendung abschwellender Nasentropfen in der Schwangerschaft gibt es keine systematischen Untersuchungen, allerdings auch keine zwingenden Hinweise auf Schädlichkeit. .

Zudem ist es bei Infektionen der Atemwege wichtig, ausreichend Flüssigkeit zu trinken und sich einer hohen Luftfeuchtigkeit auszusetzen (Luftbefeuchter, Aufhängen feuchter Tücher). Inhalationen mit Emsersalz sowie das Lutschen von Menthol- oder Eukalyptus-Bonbons schadet auch während der Schwangerschaft nicht.

Hustenmittel: Quälender nächtlicher Husten darf nach Rücksprache mit dem Arzt vorübergehend mit codeinhaltigen Hustenmitteln therapiert werden.

Abführmittel: Die hormonelle Umstellung und auf den Darm drückende vergrößerte Gebärmutter in der Schwangerschaft haben oft Verstopfungen zur Folge. Dann ist es am besten, die Verdauung mit natürlichen Mitteln anzuregen – durch die Zufuhr von reichlich Flüssigkeit (Wasser), falls nötig Füll- und Quellstoffen (z.B. Leinsamen, Weizenkleie), bei Bedarf auch Lactulose, die osmotisch wirkt.

Antiallergika und –asthmatika: Bekannt verträgliche Allergiemittel sind Antihistaminika wie Clemastin oder Dimetinden sowie Chromoglycin-haltige Präparate.

Unbehandeltes Asthma kann sowohl die werdende Mutter als auch ihr Kind gefährden und Schwangerschaftskomplikationen hervorrufen. Glücklicherweise dürfen viele Asthmamittel wie z.B. inhalierbare Kortisonpräparate auch in der Schwangerschaft angewendet werden.

Antiherpetica & Antimykotika: Aciclovir-haltige Cremes helfen gegen Lippenherpes (Fieberblasen). Nystatin oder Clotrimazol enthaltende Cremes gegen Pilzbefall.

Alternativmedizin als Ausweg?

Hausmittel (z.B. Halswickel bei Halsschmerzen) oder Homöopathika können in vielen Fällen eine brauchbare Alternative zu chemischen Keulen darstellen. Doch das Attribut “pflanzlich“ ist nicht unbedingt gleichzusetzen mit ungefährlich. Denn auch natürliche Substanzen (z.B. Kräuter) können unerwünschte Wirkungen (z.B. Wehen auslösen oder hemmen) entfalten sowie Allergien hervorrufen. So ist beispielsweise bei Zubereitungen z.B. mit Beifuß, Süßholz, Sennesblättern, Birken- oder Bärentraubenblättern u.a.m. Vorsicht geboten.

Als ebenfalls nicht unbedenklich für Schwangere gelten Arzneien (z.B. Tees) der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), da sie verschiedene, nicht untersuchte (manchmal auch für Ungeborene gefährliche) Substanzen in schwankender Menge enthalten können. Anders verhält es sich mit einer weiteren Methode der TCM, der Akupunktur, die eine gute Therapieoption z.B. bei Schwangerschafts-Kreuzschmerzen ist.

 

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Embryonaltoxikologie (Medikamentenverträglichkeit bei werdenden Müttern) 

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