Reflexzonenmassage: Fuß oder Hand kneten – innere Organe heilen
© wildworx - Fotolia.com Innere Organe kommunizieren mit bestimmten Hautregionen. Daher lassen sie sich auch über die Haut behandeln. Zum Beispiel mit Reflexzonenmassagen. Wie das funktioniert? Durch Drücken, Streichen oder Reiben von Hautzonen, die dem jeweils gestörten oder erkrankten Organ entsprechen. Am häufigsten an den Füßen (Fußreflexzonenmassage) oder Händen (Handreflexzonenmassage).
Als Reflexzone bezeichnet man einen Hautbereich, der mit einem bestimmten inneren Organ bzw. einem anderen Körperteil in Verbindung steht, also diesen quasi widerspiegelt (“Hautprojektion des Organs“). Demnach bilden sich auch gesundheitliche Störungen am jeweiligen Organ in den ihm zugehörigen Reflexzonen ab. Und lassen sich somit durch Behandlungen (z.B. Salben, Massagegriffe, Injektionen, Wärmeanwendungen) dieser Hautareale beeinflussen. Darauf stützt sich auch die Reflexzonenmassage. Sie dient der Aufspürung und Linderung von Beschwerden durch gezielte Stimulation unterschiedlicher Regionen der Körperoberfläche. Am bekanntesten und bestgenutzten für Reflexzonenmassagen sind die Hand- und vor allem die Fußreflexzonen.
Reflexzonensysteme als “Gesundheitslandkarten“
Dass innere Strukturen Bezug haben zu Bezirken auf der Haut und den Schleimhäuten wurde auf mehrfachen Wegen herausgefunden. Etwa durch versuchsweises Verätzen der Nasenschleimhaut mit Kokain vor gut hundert Jahren, was bei mehreren Patientinnen langjährige Unterleibsbeschwerden zum Verschwinden gebracht hat. Oder die zufällige Entdeckung der heilsamen Wirkung bestimmter Griffe am unteren Rücken bei Durchblutungsstörungen der Beine durch eine Physiotherapeutin – die Bindegewebsmassage war geboren, heute fixer Bestandteil der Ausbildung von Physiotherapeuten und Masseuren.
Sie fußt auf der Existenz sogenannter – wissenschaftlich anerkannter – Dermatome (Head´sche Zonen). Das sind definierte Hautabschnitte, die – ebenso wie bestimmte Organe – von Nervenfasern bestimmter Rückenmarkswurzeln autonom versorgt werden (Segmente), weshalb sie mit diesen Organen korrespondieren. So kommt es z.B., dass krankhafte Prozesse in der Zwerchfellgegend Schmerzen an der linken Schulter verursachen können (“übertragener Schmerz“). Daneben gibt es zahlreiche weitere Reflexzonensysteme (“somatotopische“ Systeme) z.B. am Rücken, Schädel, Ohr, Gaumen oder Anus, die aber nur zum Teil nachgewiesen werden konnten. Anerkannte wissenschaftliche Belege für die langfristige Wirksamkeit der therapeutischen Nutzung von Reflexzonen stehen bislang so gut wie gänzlich aus.
Zu den Reflexzonen nutzenden Methoden gehören neben diversen Arten von Reflexzonenmassagen wie Muskelreflexzonen-, Bindegewebs-, Kolon (Dickdarm)- und Periost (Knochenhaut)-Massagen auch die Neuraltherapie, transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS), TCM (Zungendiagnostik, Akupressur, Akupunktur, Aurikulotherapie etc.), Kälte- und Wärmeanwendungen, Shiatsu sowie die – allerdings nur für die Krankheitserkennung nutzbare – Iris- und Antlitzdiagnostik.
Fußreflexzonenmassage
Vor dem Beginn einer Fußreflexzonenmassage betrachtet der Masseur die Füße und tastet sie ab, um Veränderungen wie etwa Schwellungen, Druckstellen, Hautverhärtungen oder eine von der Norm abweichende Fußform sowie die Hauttemperatur und Schweißbildung zu erfassen. Schon allein die Beschaffenheit und Stellung der Zehen soll wichtige Angaben über organische Schwächen und seelisch-geistige Qualitäten ihres Trägers liefern. Seine Reaktionen auf das systematische Abtasten seiner Fußsohlen durch den Masseur geben Auskunft darüber, welche Organe belastet oder gar erkrankt sind. So repräsentiert z.B. ein bestimmtes Areal an der Großzehe das Gehirn, ein Gebiet am Großzehenballen die Schilddrüse und die Fersenmitte die Keimdrüsen (Eierstöcke, Hoden).
Die “verräterischen“ Areale (sind z.B. schmerzempfindlicher und/oder verquollen) werden dann durch Druckausübung, Streichbewegungen, Reiben oder mit anderen Grifftechniken behandelt, was schmerzhaft sein kann, aber die Selbstheilungskräfte des Behandelten aktivieren und via Wechselwirkung über Nervenbahnen, Steigerung der Durchblutung, Ankurbelung von Entgiftungsprozessen und Lösung von Energieblockaden die Organfunktionen normalisieren soll. Die Griffe sind – je nach Erfordernis – anregender bzw. tonisierender (kräftigender) oder abschwächender (z.B. zwecks Linderung akuter Schmerzen) bzw. sedierender (beruhigender, z.B. zwecks Stressabbau) Natur. Eventuell unterstützt werden die heilsamen Effekte durch die Verwendung passender aromatisierter Massageöle.
Die Fußreflexzonenmassage gilt als sogenannte Umstimmungstherapie, d.h. eine Behandlungsmethode zur positiven Beeinflussung von Körperreaktionen oder Anregung des Immunsystems, die v.a. zur Unterstützung der Heilung von chronischen Krankheiten dienlich ist. Das geschieht beispielsweise durch eine Förderung des Lymphabflusses in Armen und Beinen, Lösung von Muskelverspannungen, Schmerzlinderung, Kräftigung der körperlichen Verfassung oder Verbesserung des Schlafs.
Kritiker bezweifeln, dass man tatsächlich jedem Zentimeter der Fußsohle ein bestimmtes Organ zuweisen kann, zumal die Zuordnungen je nach Quelle unterschiedlich ausfallen können. Dennoch schwören viele Patienten auf die zwar wissenschaftlich nicht ausreichend belegt heilsame, auf jeden Fall aber wohltuende und stimulierende Wirkung der Fußreflexzonenmassage und manche Ärzte nutzen sie unterstützend als begleitende Therapie z.B. bei Gelenk- und Wirbelsäulenbeschwerden, Funktionsstörungen von Organen, Kopfschmerzen, Lymphödemen, Hormonstörungen, Erschöpfungszuständen, Wechseljahrsbeschwerden, Multipler Sklerose oder sogar Krebs.
Fußreflexzonenmassagen werden als nahezu nebenwirkungsfrei eingestuft. Allerdings kann es bei zu intensiven Behandlungen zu vegetativen Reaktionen wie Schwitzen, Übelkeit oder – selten – einem Kreislaufkollaps kommen. Trotz der vergleichsweisen Harmlosigkeit sollte man bei bestimmten Gegebenheiten von der Behandlungsmethode von vorneherein Abstand nehmen – etwa bei
- Knochen- oder Gelenkbeschwerden oder offenen Wunden im Bereich der Füße
- einem Pilzbefall, Morbus Sudeck im Stadium I und akuten Venen- oder Lymphgefäßentzündungen der Füße
- akuten Infektionen mit hohem Fieber (Erregung des vegetativen Nervensystems durch die Therapie kann die Beschwerden verstärken)
- Psychosen
- Risikoschwangerschaften
Handreflexzonenmassage
Sich die Hände reiben, was viele Menschen intuitiv tun, bedeutet nicht nur im sprichwörtlichen Sinne sich über etwas Gelungenes freuen zu dürfen, sondern auch in einen besseren energetischen Zustand zu gelangen. Warum? Weil damit Reflexzonen stimuliert werden, die – ebenso wie die an den Füßen oder anderswo – Verbindungen zu inneren Organen haben, auf die diese unbewusste Massage indirekt einwirkt. Das führt zu so positiven Effekten wie einer Schmerzlinderung, Verdauungsförderung oder Konzentrationssteigerung. Reiben ist daher auch ein wichtiger Bestandteil gezielt angewendeter Handreflexzonenmassagen, die ebenso wie Fußreflexzonenmassagen in – je nach den Erfordernissen – anregender oder beruhigender Absicht durchgeführt werden.
Handreflexzonenmassagen kommen z.B. zur Anwendung bei Verdauungsstörungen (Durchfall, Verstopfung etc.), Kopfschmerzen, akuten und chronischen Problemen am Bewegungsapparat (z.B. rheumatische Erkrankungen), Krankheiten des Urogenitaltrakts (z.B. Blasenentzündungen, Menstruationsbeschwerden), Funktionsstörungen der Atemwege (z.B. Erkältungen) und des Herzens, Verspannungszuständen, Nervosität und Unruhe.
Allerdings gibt es auch für Handreflexzonenmassagen einige Einschränkungen. So sollten sie etwa unterbleiben bei lebensbedrohlichen Erkrankungen, Bluthochdruck, bei Venenentzündungen, Hautkrankheiten oder Wunden an der Hand.
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Head´sche Zonen
Fußreflexzonen
Handreflexzonen
Datum: 24. September 2015
Kategorien: Alternativmedizin & Naturheilkunde