Aloe Vera: gesund und schön mithilfe der Wüstenlilie
© Lukas Gojda - Fotolia.com Schon die legendäre ägyptische Königin Kleopatra soll sich mithilfe der Aloe Vera für den römischen Feldherrn Julius Cäsar unwiderstehlich gemacht haben. Heute erlebt die Wüstenlilie einen ungeahnten Boom – als Kosmetikum ebenso wie als Naturheil- und Nahrungsergänzungsmittel u.a.m. Sie mobilisiert nämlich die Abwehrkräfte und fördert die Zellregeneration. Das kommt der Wundheilung und Verdauung sowie dem Zustand der Haut zugute. Der Schönheit sowieso.
Zahlreiche Funde aus verschiedenen Kulturen (z.B. Ägypter, Sumerer, Mayas) bestätigen: Die Aloe Vera ist ein schon seit Jahrtausenden bekanntes und überaus geschätztes Naturheilmittel, wovon auch so manche ihrer Beinamen zeugen wie Königin der Heilpflanzen, Pflanze der hundert Wunder, das mexikanische Sábila (die Wissende) oder aus der Himalaya-Region stammende Kumari (die lebende Göttin). Arabien ist die ursprüngliche Heimat und Namensgeberin der “Aloe“, was übersetzt “bitter“ bedeutet. So schmeckt nämlich die Schicht zwischen der Blattaußenwand und dem heilsamen Gel im Blattinneren der Pflanze. Heute wird die Aloe Vera in vielen trockenen und warmen Gebieten in der Karibik, Afrika, Lateinamerika, Australien, Indien, im Süden der USA, Mittelmeerraum und auf den kanarischen Inseln als Zier- und Heilpflanze kultiviert. Wild wächst sie bevorzugt in Wüstenlandschaften, weshalb sie auch Wüstenlilie genannt wird. Außer unter ihrem wissenschaftlichen Namen Aloe Vera kennt man Aloe-Arten auch unter Aloe barbadensis, Aloe perfoliata, Aloe vulgaris, Aloe indica, Aloe chinensis, Aloe capensis, Aloe ferox, Barbados Aloe, Curacao-Aloe, Socotrine Aloe, Venezuela-Aloe oder Zanzibar Aloe.
Kaktusähnliche Wüstenpflanze
Die eher unauffällige Aloe Vera gehört – genauso wie Zwiebel und Knoblauch – zu den Liliengewächsen, erinnert an eine Kaktuspflanze. Mit ihren rosettenartig direkt aus dem Boden wachsenden, von einer fast lederartigen Wachsschicht umhüllten bis zu 20 Blättern, die bis zu 50 cm lang und bis zu 7 cm breit werden und am Rand derb gezähnt sind, sieht sie aus wie eine Agave. Die dicken, fleischigen, dreischichtig (dicke Blattrinde – dickflüssiger Saft – Blattmark mit Gel) aufgebauten Blätter schützen das kostbare Innere, das Gel, vor schädlichen Umwelteinflüssen wie z.B. Austrocknung. Ihr bitterer Geschmack bewahrt die Pflanze vor Fressfeinden und Schädlingsbefall.
Bei günstigen Umgebungsbedingungen treibt die Aloe Vera, die einen sandigen, gut entwässerten Boden braucht, einen Stängel aus, an dem sich in dichten Trauben stehende – je nach Aloe-Art gelbe bis orange-rote, schmale Blüten entwickeln, wobei die verschiedenen Stadien – Knospen, voll ausgebildete und verwelkte Blüten – gleichzeitig vorhanden sind. Ihre Nährstoffe bildet die Pflanze selbst und sie speichert das zu ihrem Überleben notwendige Wasser. Es gibt sie in etwa 300 Arten, wovon die “Aloe Vera barbadensis Miller“ als die wirkungsvollste gilt.
Die Aloe lässt sich auch im Sommer in heimischen Gärten bzw. weil sie vor Frost geschützt werden muss, im Winter zuhause im Topf anpflanzen. Sind die Blätter groß genug, kann man sie bei Bedarf ernten. Wobei man gleich nach dem Abschneiden den darin enthaltenen gelben Saft herauslaufen lassen sollte, weil er das Harz mit dem stark reizenden Aloin enthält.
Viele Wirkstoffe – viele Heilwirkungen?
Von den hunderten Inhaltsstoffen verleihen Aminosäuren, ätherische Öle, Anthrachinon- und Anthracenderivate (z.B. Aloin), Enzyme, Polysaccharide (z.B. lebensnotwendiges, langkettiges Kohlenhydrat Acemannan, das Menschen nur bis zur Pubertät produzieren), Fettsäuren, Cholin, Mineralstoffe (Calcium, Kalium, Chlor, Natrium, Magnesium, Eisen, Mangan, Chrom, Kupfer, Zink, Phosphor) und Vitamine (A, B1, B2, B3, B6, B9, B12, C, E) sowie die schmerzstillende Salicylsäure dem zähflüssigen, schleimigen Gel im Blattinneren, das größtenteils aus Wasser besteht, seine Heilwirkungen. Und die lauten: vor allem die Linderung von (auch schlecht heilenden) Wunden, Verbrennungen (auch Sonnenbrand), Hautirritationen und -krankheiten (Akne, Schuppenflechte, Ekzeme, Neurodermitis, Geschwüre, Herpes), Insektenstichen, Juckreiz, Zahnfleischentzündungen, Verdauungsstörungen (z.B. Verstopfung, Sodbrennen, Reizdarm, Reizmagen) und Giftbelastungen sowie eine Stärkung/Regulierung des Immunsystems (daher auch Einsatz bei Aids, Krebs), Förderung der Zellregeneration (z.B. bei Strahlenschäden durch Radiotherapie) und des Enzymhaushalts. Das in die Zellmembranen eingelagerte Acemannan stärkt den Organismus gegen Keimbefall (Pilze, Bakterien, Viren) und stimuliert die Abwehrzellen.
Zur Behandlung von Verbrennungen, Sonnenbrand, Insektenstichen, Hautleiden oder zur Wundheilung wird Aloe Vera als befeuchtendes, entzündungshemmendes, antibakterielles, reizmilderndes und kühlendes Gel auf die Haut aufgetragen, wo es sehr schnell aufgenommen wird. Zur Stärkung des Immunsystems wird Aloe Vera teelöffelweise als Saft eingenommen, zur Bekämpfung einer Verstopfung gibt es apothekenpflichtige Aloe-Vera-Zubereitungen als Abführmittel. In Kosmetika verspricht die Aloe Vera Feuchtigkeit, Regeneration und Anti-Aging.
In Form von Nahrungsergänzungsmitteln bzw. mit Aloe Vera angereicherten Nahrungsmitteln soll die Wüstenlilie Krankheiten wie Verdauungsstörungen, Allergien, Asthma, Pilzerkrankungen, Diabetes, erhöhte Blutfettwerte, Krebs und Aids positiv beeinflussen, das Immunsystem stärken sowie die Darmflora regenerieren. Bei den meisten innerlich angewendeten Aloe-Produkten sind diese Wirkungen jedoch eher gering. Schon allein deshalb, weil die Aloe Vera in Lebensmitteln stark verarbeitet wird. Vorsicht ist geboten, wird einem Aloe-Produkt nachgesagt, dass es gegen Verstopfung hilft, weil es dann vermutlich aggressives Aloe-Harz enthält.
Doch bei aller Euphorie, die Heil-, Kosmetik- und Nahrungsmittelindustrie in den letzten Jahren bezüglich positiven gesundheitlichen Effekten der scheinbaren Wunderpflanze suggerieren, heilende Wirkungen der Aloe Vera konnten am Menschen bislang lediglich bei Hautleiden (z.B. Hautverletzungen, Sonnenbrand) sicher nachgewiesen werden. Und es gibt auch einige Risiken bei ihrem Gebrauch.
Vorsicht: nicht völlig harmlos
Nach der Einnahme von Aloe Vera können sich krampfartige Magen-Darm-Beschwerden einstellen, manchmal auch eine – allerdings unbedenkliche – Rotfärbung des Urins. Zu beachten gilt ferner, dass die Rinde von Aloeblättern das stark abführende Aloin enthält, das bei einer Überdosierung ernste Folgen haben kann wie etwa Blutdruckschwankungen oder Panikattacken, in Kombination mit anderen Bestandteilen angeblich auch eine Bauchspeicheldrüsenentzündung oder ein Nierenversagen. Abgesehen davon, dass die Substanz verdächtigt wird, möglicherweise krebsauslösend zu wirken. Deshalb verbietet sich die Anwendung von Aloeblättern bzw. Pflanzenauszügen daraus bei Darmverschluss, entzündlichen Darmkrankheiten, Bauchschmerzen unbekannter Ursache oder Nierenleiden. Ebenso während der Schwangerschaft oder Stillzeit sowie bei Kindern unter zwölf Jahren.
So Aloe Vera-Zubereitungen überhaupt als Abführmittel genutzt werden, sollte das nur wenn andere Maßnahmen nicht gefruchtet haben und – wie bei allen anderen Laxantien auch – mit reichlich Flüssigkeitszufuhr und lediglich zeitlich begrenzt geschehen, da es sonst infolge von zu starken Wasser- und Salzverlusten über den Darm wieder zu Verstopfung kommen kann.
Vereinzelt besteht eine Allergie gegen Aloe Vera, was einen Gebrauch der Pflanze verunmöglicht. Auch können die in ihr enthaltenen Anthranoide (z.B. Aloin) mit bestimmten Arzneien wie Diuretika (wassertreibende Mittel), Kortisonpräparaten, Herzglykosiden oder Süßholzwurzelzubereitungen unerwünschte Wechselwirkungen verursachen.
Achtung Kommerz!
Die Aloe Vera ist Bestandteil zahlreicher Erzeugnisse, wobei aber längst nicht alle nennenswerte Mengen des Gels enthalten und der tatsächliche Gehalt sich nicht immer genau eruieren lässt. Das ist bei kosmetischen Produkten nicht weiter tragisch, da z.B. aloehaltige Hautcremes der Hautpflege dienen und von ihnen lediglich eine Verstärkung der feuchtigkeitsspendenden Wirkung zu erwarten ist, aber keine Heileffekte.
Zudem bieten fertige Aloe-Vera-Produkte, selbst wenn sie sich als “ 100 Prozent Aloe Vera“ deklarieren, keine Informationen, ob das Gel getrocknet, als Konzentrat oder zu Pulver verarbeitet beigefügt wurde. Das ist insofern wichtig zu wissen, weil eine Konservierung (Trocknung, Extrahierung in Alkohol) das Gel seiner feuchtigkeitsspendenden Wirkung beraubt. Zusatzstoffe und Konservierungsmittel sollten daher möglichst nicht in Aloe-Produkten vorkommen. Darum empfiehlt es sich, auf das Gütesiegel des International Aloe Science Council (IASC), das die Reinheit und Menge des in jedem Produkt enthaltenen Aloe-Vera-Gels untersucht und Qualitätskriterien festlegt, zu achten.
Wer sichergehen will, dass alle wertvollen Inhaltsstoffe des Aloe-Vera-Gels erhalten bleiben, verwendet am besten ein frisches Aloeblatt, das – kühl gelagert – lange hält, schneidet bei Bedarf einen Teil des Blattes ab und löst – nachdem der gelbe Saft vollständig abgeflossen ist – das Mark vorsichtig heraus. Um es z.B. zum Zweck der äußerlichen Anwendung direkt auf die Haut aufzutragen oder z.B. eine Pflegemaske auf einfache Weise selbst herzustellen. Die Zutaten dafür: je ein Teelöffel Honig und Speisetopfen und ein Aloe Vera Blatt, das geschält und durch ein feines Teesieb gepresst wird, um daraus das Gel zu gewinnen. Das Gel mit dem Honig und Topfen gut verrühren, dick auf die Haut aufgetragen, mindestens zehn Minuten einwirken lassen, dann mit einem Kosmetiktuch entfernen und mit lauwarmem klarem Wasser abspülen. Will man das Gel innerlich anwenden, vermischt man es z.B. mit Obst püriert in Fruchtsäften, rührt es in ein Joghurt oder Müsli ein, mischt es zu einem Obstsalat oder genießt es pur.
Links zu unserem Lexikon:
Aloetinktur
Aloetrockenextrakt
Aloe-vera-Öl in der Duftlampe
Datum: 3. März 2016
Kategorien: Alternativmedizin & Naturheilkunde, Hausmittel