Zungenbrennen: wenn es im Mund schmerzt und sticht

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Zungenbrennen – allein oder in Kombination mit unangenehmen Empfindungen der Mundschleimhaut – ist ein weit verbreitetes quälendes Symptom, dessen Ursache häufig unentdeckt bleibt und bei dem oft sichtbare Veränderungen fehlen. Eine Herausforderung für Patienten und Mediziner.

Als Zungenbrennen (Glossodynie, burning mouth syndrome, chronisches orales Schmerzsyndrom) bezeichnet man Missempfindungen wie ein Brennen, dumpfer Schmerz, Stechen, Jucken, Kribbeln oder Gefühl des Wundseins, die sich auf die Zunge (meist an den Zungenrändern und der Zungenspitze, seltener am Zungengrund) oder auch die Schleimhaut der Wangen, des Gaumens oder der Lippen erstrecken. Eventuell kombiniert mit Geschmackstörungen, einem pelzigen Gefühl, Mundgeruch und Mundtrockenheit oder einem vermehrten Speichelfluss. Selten lässt sich der Grund dafür an der Zunge bzw. Mundschleimhaut erkennen, weil diese oft unverändert bleibt. Manchmal finden fachärztliche Untersuchungen (z.B. Labor, Zahnarzt) die Ursache. Viel häufiger aber bleibt der Auslöser im Dunkeln. Das meist langwierige und oft rätselhafte Problem quält vor allem Menschen in der zweiten Lebenshälfte und da besonders Frauen.

Die Ursachen eines Zungenbrennens reichen von unbekannt über harmlos, psychisch bedingt, Auswirkung einer Gesundheitsstörung bis hin zum Anzeichen einer ernsthaften Erkrankung.

Glossodynie-Auslöser innerhalb der Mundhöhle

In der Mundhöhle sorgen bestimmte Mikroorganismen für die Abwehr schädlicher Einflüsse. Wird diese Mundflora – z.B. durch Chemikalien wie zu aggressive Zahnpasten, zu intensiver Gebrauch von Mundwässern – gestört, können sich Fäulniskeime ansiedeln und zu Beschwerden wie Zungenbrennen führen.

Auch ein Pilzbefall der Mundhöhle (Soor) kann eine Glossodynie verursachen. Festgestellt wird er per Entnahme eines Abstrichs, der mikroskopisch untersucht wird. Die Behandlung besteht in der Einnahme eines Antimykotikums (Pilzmittel) und der Einhaltung einer zuckerfreien Diät sowie, wenn eine Zahnprothese getragen wird, deren spezielle Reinigung beim Zahnarzt. Pilzfeindlich wirkt auch der Genuss von Bärlauch, Knoblauch, Zwiebeln und frischen Küchenkräutern.

Mechanische Reize im Mundraum, die zu Missempfindungen an der Zunge und Mundschleimhaut führen können, sind Fehlbelastungen durch Zahn- oder Kieferfehlstellungen, kariöse Stellen an den Zähnen, Zahnstein, scharfrandige Zahnkanten, Zahnspangen, nicht passgenaue Zahnfüllungen (z.B. überstehende Füllungsränder) oder ein schlecht sitzender Zahnersatz (z.B. abstehende Kronenränder, drückende Zahnprothese). Abhilfe schaffen Korrekturen durch den Zahnarzt oder Kieferorthopäden.

Auch Allergien oder Unverträglichkeitsreaktionen auf Materialien von Zahnfüllungen oder Inhaltsstoffe von Kosmetika (Lippenstift, Lipgloss) können ein Zungenbrennen bewirken – auch erst Monate oder gar Jahre nach der erstmaligen Verwendung der Substanzen. Allergietests bzw. eine Multielementanalyse des Speichels helfen bei der Diagnosefindung.

Sichtbare und zugleich harmlose Veränderungen der Zunge, die eine Glossodynie auslösen können, vermutlich weil sie Bakterien und Pilzen einen guten Nährboden bieten, sind

  • die Landkartenzunge (Lingua geographica), unterschiedlich große, glatte, hellrote Flecken mit weißem Rand auf der Zungenoberfläche unbekannter Ursache.
  • die Faltenzunge (Lingua plicata), eine zentrale Längsfurche oder symmetrische Einkerbungen und Erhebungen im vorderen und mittleren Zungenteil, die familiär gehäuft vorkommen.

Weitere mögliche Auslöser eines Zungenbrennens sind Gingivitiden (Zahnfleischentzündungen), eine Prothesenstomatitis (Mundschleimhautentzündung nach Einsetzen eines herausnehmbaren Zahnersatzes) oder der Kontakt der Mundschleimhaut mit bestimmten Nahrungsmitteln (z.B. Zimt) oder Tabak. Ebenso, wenn auch eher selten, ein Zungen- oder Mundschleimhautkrebs.

Glossodynie-Auslöser außerhalb der Mundhöhle

Hier spannt sich der Bogen von Ernährungsstörungen über körperliche Erkrankungen, der Einnahme bestimmter Medikamente bis hin zu psychischen Faktoren.

Vitamin- oder Eisenmangel: Ein Zuwenig an Vitamin B12 (Folgen: Vitamin-B12-Mangelanämie, Hunter-Glossitis: rote, lackartige Veränderungen an der Zungenspitze oder dem Zungenrücken), Folsäure oder Eisen zählt zu den bekanntesten Ursachen des Zungenbrennens, ist leicht – per Blutuntersuchung – feststellbar und – durch Vitamin- oder Eisengabe – gut behebbar. Funktioniert die Vitalstoff-Aufnahme durch den Darm nicht optimal, ist die intramuskuläre Verabreichung eines Vitamin- bzw. Eisenpräparates erforderlich.

Hormondefizit: Der in den Wechseljahren sinkende Östrogenspiegel lässt die Haut und Schleimhäute trocknen werden. Das kann die Mundflora verändern und so ein Brennen in der Mundhöhle verursachen. Behandelt wird ein vom Gynäkologen oder Endokrinologen festgestellter Hormonmangel mit Phytoöstrogenen (pflanzliche hormonähnliche Stoffe) oder einer Hormonersatztherapie (HET)

Therapien: Einige Arzneimittel wie z.B. Blutdrucksenker, Antidepressiva oder Antibiotika können als Nebenwirkung zu Zungenbrennen führen. In diesem Fall ist eine Behandlung mit einem Alternativpräparat überlegenswert. Auch eine Strahlentherapie kann ein chronisches orales Schmerzsyndrom nach sich ziehen.

Chronische Erkrankungen: Einige chronische Krankheiten, die mit Zungenbrennen einhergehen, sind

  • Stoffwechselleiden wie ein Diabetes mellitus, bei dem es häufig auch zu Parästhesien (Missempfindungen) an Armen und Beinen kommt. Blut- und Harnuntersuchungen sichern die Diagnose. Behandelt wird die Zuckerkrankheit mit Diät, einer Gewichtsnormalisierung, oralen Antidiabetika oder Insulinspritzen, was auch gegen das Zungenbrennen wirkt.
  • mit einer verminderten Speichelproduktion und damit Mundtrockenheit verbundene Autoimmunerkrankungen wie z.B. Kollagenosen (z.B. das Sjögren-Syndrom oder die Sklerodermie), die Multiple Sklerose oder die Knötchenflechte (Lichen ruber), feine, grauweiße, netzartige Erhabenheiten an der Mundschleimhaut. Abhilfe schafft die Gabe künstlichen Speichels und adäquate Behandlung der Grundkrankheit.
  • die gastroösophageale Refluxkrankheit, die durch einen Rückstau von Magensaft in die Speiseröhre entsteht, was langfristig deren Schleimhaut schädigt. Eine Magenspiegelung dient der Diagnostik, Lebensstilmodifikationen (keine Genussgifte wie Alkohol oder Nikotin, Schlafen mit erhöhtem Oberkörper, Reduktion von Übergewicht) der Therapie.
  • eine Anämie (Blutarmut) mit begleitender Blässe der Haut und Schleimhäute. Sie zeigt sich im Blutbefund und wird – je nach Ursache – mittels Beseitigung der Blutungsquelle, Vitamin- oder Eisengabe oder auch einer Verabreichung von Bluttransfusionen therapiert.
  • neurologische Leiden wie z.B. Neuralgien der Hirnnerven (z.B. Trigeminusneuralgie).

Psychische Störungen: Stress, Angst oder Depressionen sind oft entweder Auslöser oder Verstärker einer Glossodynie bzw. können ihre Dauer verlängern und Behandlung erschweren.

Zungenbrennen erkennen, behandeln und vorbeugen

Wer unter Missempfindungen im Mundraum leidet, hat häufig eine Odyssee an Arztbesuchen und Untersuchungen vor sich, sofern deren Ursache nicht offensichtlich ist, was sich des Öfteren so gestaltet. Die erste Anlaufstelle ist dann der Zahnarzt, der allfällige Zahnschäden oder schadhaften Zahnersatz korrigiert. Wird er nicht fündig, ist ein Facharzt für Hals, Nasen-, Ohrenkrankheiten zu Rate zu ziehen. Bleiben auch seine Untersuchungen ergebnislos, sollte eine internistische Durchuntersuchung erfolgen, bei Frauen auch ein gynäkologischer Check inklusive Erhebung eines Hormonstatus. Eventuell sind weitere fachärztliche Konsultationen (z.B. Neurologe, Hautarzt) notwendig. Außerdem eine Überprüfung eingenommener Medikamente.

Wird eine fassbare Ursache des Zungenbrennens entdeckt, gilt es, sie nach Möglichkeit zu beseitigen (z.B. kaputte Zähne) oder adäquat zu therapieren. Andernfalls bleiben nur symptomatische Maßnahmen wie

  • Capsaicin-Salbe zum Auftragen am Schmerzort
  • Alpha-Liponsäure
  • lokalanästhetische Mundspüllösungen
  • reichlich trinken

sowie die Fahndung nach und Behandlung von psychischen Störungen beim Psychologen, Psychiater oder Psychotherapeuten.

Vorbeugen lässt sich einer Glossodynie nur begrenzt, etwa durch konsequente Mundpflege mit milden Substanzen und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen zur Vermeidung von Gebissschäden, eine ausgewogene Ernährung zur Verhinderung von Vitaminmangelzuständen und ausreichendes Trinken zur Vorbeugung einer Mundtrockenheit. Außerdem der Verzicht auf Alkohol und Nikotin sowie die Wahrnehmung von Gesundheitsuntersuchungen zur frühzeitigen Entdeckung gesundheitlicher Störungen (z.B. Diabetes).

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Multielementanalyse des Speichels

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