Gesundheitsrisiko Rauchen: wie der blaue Dunst schadet

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Der Griff zum Glimmstängel hat meist fatale Folgen, denn Zigaretten und andere Tabakwaren sind voll mit Giftstoffen. Unter dem Nikotin, Kohlenmonoxid, den Kohlenwasserstoffverbindungen, Schwermetallen und anderen schädlichen Bestandteilen des Tabakrauchs leiden vor allem die Lunge, Blutgefäße und Nerven, aber auch andere Organe. Das zeigt sich oft erst nach Jahren. Dann, wenn die negativen Folgen des Rauchens wie z.B. COPD, Arteriosklerose oder Krebs kaum noch rückgängig zu machen sind.

Ihre erste Zigarette konsumieren die meisten Raucher bereits in jungen Jahren, obwohl die in der Regel nicht schmeckt. Trotzdem beginnt damit oft eine langjährige Raucherkarriere. Denn sind es anfangs noch Neugierde, der Reiz des Verbotenen oder ein Zugehörigkeitsgefühl zu einer Clique, die Jugendliche zum Glimmstängel greifen lässt, entwickelt sich dabei – je nach Veranlagung unterschiedlich rasch – allmählich eine Nikotinsucht, von der viele nur schwer oder auch gar nicht wieder loskommen. Zum Leidwesen ihrer Atemwege, Blutgefäße, Blase und anderen Organe mehr. Bis hin zur Entstehung diverser Krebsarten. Bis hin zum Tod, denn jährlich sterben an den Folgen des “Pofelns“ Millionen von Menschen. Und das, obwohl die Risiken des Rauchens allgemein bekannt sind und sogar auf Zigarettenpackungen angeführt werden. Offenbar schreckt das viele Raucher kaum von ihrem gesundheitsschädlichen Tun ab. Doch was ist denn nun so schlimm am “blauen Dunst“?

Giftiges Gemisch Tabakrauch

Rauchen wird gern auch als Nikotinabusus, also als Missbrauch von Nikotin zur Befriedigung einer Nikotinabhängigkeit (Nikotinsucht) bezeichnet. Das ist insofern irreführend, als Nikotin gar nicht ohne potenzielle Gesundheitsschädlichkeit konsumiert werden kann, auch nicht in geringer Menge. Denn das nach dem französischen Diplomaten und Gelehrten Jean Nicot, der im 16. Jahrhundert den Tabak in Europa eingeführt haben soll, benannte Nikotin ist ein starkes Gift, eigentlich ein Insektizid. Es greift das gesamte Gefäß- und Nervensystem an, beschleunigt den Herzschlag, senkt die Körpertemperatur, verengt die Blutgefäße und beeinträchtigt so die Durchblutung sowie hebt den Blutdruck. Mit schwerwiegenden Folgen wie einer chronischen Bronchitis, COPD, Arteriosklerose, einem Lungenemphysem oder auch Krebs. Zudem führt es zu einem Anstieg von Neurotransmittern (Botenstoffe im Nervensystem) und Hormonen wie etwa Noradrenalin, Dopamin und Endorphinen (“Glückshormone“). Das Fatale am Nikotin: Es ist eine Allround-Droge mit unspezifischen Wirkungen, d.h. es entspannt und hemmt, stimuliert und stresst aber zugleich. Und vor allem: Es ist nicht nur toxisch, es macht auch noch süchtig.

Neben dem sattsam bekannten Nikotin enthält Tabakrauch aber auch Kohlenmonoxid, verschiedene, die Lunge schwarz verfärbende Teerstoffe sowie mehr als 4000 weitere chemische Substanzen, von denen viele imstande sind, Krebs zu erzeugen (Karzinogenität) und/oder die Erbsubstanz zu verändern (Mutagenität), auch wenn einige ihre schädlichen Wirkungen erst nach der Verbrennung entwickeln. Darunter finden sich N-Nitrosoverbindungen, polyzyklische und aromatische Kohlenwasserstoffverbindungen wie z.B. Formaldehyd oder Blausäure und Schwermetalle wie z.B. Cadmium und Blei. Ein Teil der Inhaltsstoffe einer Zigarette dringt beim Inhalieren tief in die Lunge ein, wird dort – in individuell unterschiedlichem Ausmaß – eingelagert oder abgebaut und verteilt sich im ganzen Organismus. Besonders gefährlich ist Zigarettenkonsum mit gleichzeitigem Alkoholgenuss, weil dann der Alkohol als organisches Lösungsmittel fungiert, der den Körper die Karzinogene aus dem Tabak schneller aufnehmen lässt.

Damit nicht genug, konnten Studien nachweisen, dass Zigarettenhersteller den Glimmstängeln (vermutlich mehr als 600) Substanzen wie z.B. Ammoniak oder Menthol zusetzen, die unter anderem Geschmack und Geruch des Rauchs verändern, aber auch das Suchtverhalten beeinflussen, weil sie bewirken, dass das Nikotin schneller in die Blutbahn und ins Gehirn gelangt.

Welche Schäden Rauchen verursacht

Raucher behaupten gerne, Zigaretten schmecken ihnen. Tatsächlich handelt es sich beim Konsum von Tabakrauch Forschungen zufolge jedoch nicht um Genuss im Sinne einer Stimulierung des Geschmacksinns, wie es delikate Speisen tun, sondern vielmehr um eine Einhaltung des fürs Zufriedenheitsgefühl notwendigen Nikotinspiegels. Selbst der eingefleischteste Tabakkonsument ahnt jedoch spätestens dann, dass sein Tun auch negative Folgen hat, wenn sich Symptome einstellen wie ein (v.a. morgendlicher) Husten mit Auswurf, Attacken von Luftnot oder Herzschmerzen (“Herzstiche“) bei körperlicher Anstrengung oder Schmerzen in den Beinen beim Gehen. Warum? Weil – abhängig von der Dosis Rauchen in allen Bereichen des Körpers Schäden anrichten kann. Es erhöht das Risiko für die Entwicklung bestimmter Krankheiten, kostet Lebensqualität und Lebenszeit.

Da wären zunächst Schleimhautreizungen zu nennen, die Rauchinhaltsstoffe wie z.B. Aldehyde, Phenole oder Ammoniak verursachen können. Dadurch entsteht z.B. eine Gingivitis (Zahnfleischentzündung), chronische Bronchitis oder Gastritis. Und eine Beeinträchtigung des Geruchs- und Geschmackssinns.

Da Nikotin und Co. nachteilig auf die Blutgefäße einwirken, erhöht sich zudem das Risiko für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Leiden wie einer Arteriosklerose (Arterienverkalkung) und Durchblutungsstörungen inklusive Folgekrankheiten wie eine KHK, Herzinfarkte, Schlaganfälle, “Raucherbeine“ (PAVK, periphere arterielle Verschlusskrankheit), Potenzstörungen und Thrombosen (Blutgerinnsel).

Auch die Leistungsfähigkeit leidet unter der Tabaksucht, denn das Kohlenmonoxid im Rauch bindet sich ans Hämoglobin, den in den roten Blutkörperchen sitzenden, für den Sauerstofftransport zuständigen Blutfarbstoff. Und zwar so stark, dass das Gas den Sauerstoff verdrängt, weil seine Affinität zum Hämoglobin deutlich höher ist. Folge: Die Organe werden nicht mehr so effizient mit Sauerstoff versorgt. Rauchen schwächt außerdem das Immunsystem, erhöht damit die Infektanfälligkeit und verzögert die Genesungsphase von Krankheiten. Ebenso wird das Hörvermögen durch den blauen Dunst beeinträchtigt, wie Studien über den Zusammenhang von Rauchen und Schwerhörigkeit nachweisen. Nicht zuletzt kann Rauchen auch die Fruchtbarkeit herabsetzen, indem es die Spermatogenese (Entwicklung der Samenzellen) beeinflusst. Selbst der Schönheit ist Rauchen abträglich, führt etwa zu einer vermehrten Faltenbildung, vorzeitigen Hautalterung und Verschlechterung des Hautbildes.

Als schwerwiegende Langzeitfolge des Nikotinabusus, die sich erst nach Jahren bis Jahrzehnten einstellt, drohen verschiedene Krebsarten. Allen voran Lungenkrebs, dessen Häufigkeit mit der täglich gerauchten Zigarettenmenge, der Inhalationstiefe, dem Teergehalt der Zigarettensorte und den Raucherjahren zunimmt. Da beim Tabakkonsum viele Karzinogene auf den Körper einwirken, kommt es besonders entlang der sogenannten Rauchstraße (Mundhöhle, Kehlkopf, Luftröhre, Speiseröhre bis zum Magen) leichter zur Entwicklung bösartiger Tumore. Darüber hinaus zeichnet Rauchen auch für Malignome wie z.B. Blasen, Nieren-, Gebärmutterhals-, Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Leukämien verantwortlich.

Besonders tragische Auswirkungen zeigt Rauchen während der Schwangerschaft. Denn abgesehen von einer erhöhten Rate an Fehl- und Frühgeburten und einem verminderten Geburtsgewicht von Neugeborenen hat Tabakrauch direkte teratogene (die Leibesfrucht schädigende) und mutagene (das Erbgut verändernde) Wirkungen auf Ungeborene. Zudem werden Säuglinge in Raucherhaushalten einem erhöhten Risiko eines plötzlichen Kindstodes (SIDS) ausgesetzt.

Gesellen sich weitere Risikofaktoren wie Übergewicht, übermäßiger Alkoholkonsum oder Bewegungsmangel zum Rauchen dazu, steigt das Risiko für gesundheitsschädigende Folgen des Nikotinabusus.

Warum Raucher dennoch rauchen

Die möglichen unerwünschten gesundheitlichen Folgen des Tabakkonsums sind hinlänglich bekannt. Die Nikotinabhängigkeit kostet – wie andere Süchte auch – reichlich Geld, den Rauchern und der Allgemeinheit, die für die Kosten der Auswirkungen mitbezahlen muss. Viele Raucher möchten mit ihrem Laster – meist aus gesundheitlichen und/oder finanziellen Gründen – auch aufhören, schaffen es aber nicht. Warum eigentlich?

Ein Nikotinabusus lässt sich vorwiegend auf das hohe Suchtpotential des Nikotins zurückführen, das im Gehirn das Verlangen nach Tabakerzeugnissen verursacht, während eine Nikotinabstinenz zu Entzugssymptomen wie Nervosität, Reizbarkeit, Angstzuständen, Konzentrationsstörungen und depressiven Verstimmungen oder auch Gewichtsveränderungen führt. Welch hohes Abhängigkeitspotenzial Nikotin besitzt, zeigt sich in Symptomen mit Suchtcharakter wie

  • dem Zwang, Tabak zu konsumieren
  • einem Kontrollverlust über den Tabakkonsum
  • den Entzugserscheinungen bei ausbleibendem oder unzureichenden Tabakkonsum
  • der Dosissteigerung, um Entzugserscheinungen zu vermeiden
  • einer Vernachlässigung anderer Interessen, nur um rauchen zu können
  • dem fortgesetzten Tabakkonsum trotz nachgewiesener bzw. erlebter schädlicher Folgen

Der Einstieg in die Sucht sowie das Weiterführen des Verhaltens geschieht oft aus sozialen Beweggründen wie einem Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Rauchern oder einer Imageaufbesserung, denn zu rauchen gilt bei Jugendlichen immer noch als “cool“. Zudem fördern emotionale Befindlichkeiten wie Unsicherheit, Einsamkeitsgefühle, Langeweile oder Stress das ”Dranbleiben” am – wenn auch nur kurzfristig entspannenden – Glimmstängel.

 

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Raucherentwöhnung
Chronische Bronchitis
COPD
Periphere Durchblutungsstörungen
Thrombose
Lungenkrebs
Kehlkopfkrebs
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