Geistig fit bleiben bis ins hohe Alter

© panthermedia.net / Nils Julia Weymann Pfeifer

Lebenslang geistig fit bleiben – das wünschen sich die meisten Menschen. Zum Glück verhält sich das Gehirn wie die Muskulatur, d.h. es braucht Training, um nicht zu verkümmern. Also mentale Beschäftigung. Das lässt sich organisieren. Und kann vermutlich auch gegen die Entwicklung einer Demenz helfen.

Lange leben wollen fast alle. Alt sein aber kaum jemand. Verbinden die meisten doch mit dem Begriff “Alter“ den Verlust körperlicher und geistiger Fähigkeiten. Zugegeben, einige Funktionen wie z.B. das Hör- und Sehvermögen (Altersschwerhörigkeit, Alterssichtigkeit) oder auch das Gedächtnis lassen mit fortschreitenden Jahren nach. Ein Grund aufzugeben ist das jedoch nicht, denn gerade fürs Gehirn gilt: Lebenslanges Training lohnt sich.

Wie funktioniert das Gehirn?

Das Gehirn besitzt eine gewisse Plastizität, d.h. die Fähigkeit, laufend neue Verbindungen zwischen den einzelnen Nervenzellen auszubilden, neues Wissen zu integrieren und Inhalte umzustrukturieren. Mit dem Alter nimmt sie – v.a. bei mangelnder Beanspruchung – ab, was sich als Rückgang der Gedächtnisleistungen (“Altersvergesslichkeit“) manifestieren kann. Das geschieht aber nicht zwangsläufig, denn es gibt eine erfolgreiche Methode, neue Verknüpfungen zwischen den Hirnzellen zu erzeugen und die lautet: den Denkapparat immer wieder vor Herausforderungen stellen, also ihn Neues aufnehmen und verarbeiten lassen.

Rezept gegen geistigen Abbau: Aktiv sein

Um funktionsfähig zu bleiben, braucht das Oberstübchen also neue Eindrücke und neue Inhalte. Etwa Reiseerlebnisse, das Erlernen von Fertigkeiten wie z.B. das Spielen eines Instruments oder die Beherrschung von Fremdsprachen usw. Genau genommen ist das beste Mittel, geistig rege zu bleiben, aber ein rundum aktives Leben – in körperlicher, geistiger und sozialer Hinsicht. Dazu gehören:

Brainfood: Auch das Gehirn bezieht seinen “Kraftstoff“ aus der zugeführten Nahrung und lässt sich somit durch darin enthaltene Substanzen beeinflussen. So legen etwa Untersuchungen nahe, dass eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Vitalstoffen (z.B. Vitamine) Alterungsprozesse aufhalten und Lernvorgänge fördern kann.

Bewegung: Vor allem Ausdauersport regt das Nervenwachstum an und verbessert die Durchblutung des Gehirns.

Pflege von Sozialkontakten: Der Mensch ist als soziales Wesen angelegt und braucht den geistigen und emotionalen Austausch mit anderen. Freunde treffen, mit Nachbarn kommunizieren, mit Bekannten etwas unternehmen oder neue Kontakte knüpfen entspricht geistigem Training und hält mental jung.

Gehirn-Training: Um die grauen Zellen in Schwung zu halten, reicht Kreuzworträtseln allein nicht aus. Das Gehirn braucht verschiedenartige Anregungen, also beispielsweise unterschiedliche Rätselformen (z.B. Zahlen-, Bilder-, Kombinationsrätsel) oder andere Arten von Denksport. Ebenso günstig wirkt der Besuch von Kursen und Fortbildungen. So manche ehrgeizige Senioren beginnen sogar ein (Fernlehr-) Studium.

Aber auch ganz einfache alltagstaugliche Übungen fürs Gedächtnis helfen. Wie z.B. eine Einkaufsliste erstellen, im Supermarkt aber zunächst all das in den Einkaufswagen legen, was man erinnert, notiert zu haben und erst danach anhand der Liste prüfen, ob auch tatsächlich alles Aufgeschriebene im Wagen liegt. Oder sich rund zehn Sekunden lang auf ein Bild konzentrieren, es dann abdecken und möglichst viele Bilddetails erinnern.

Spaß und Freude: Lernen und Trainieren geht – wie vieles andere im Leben – einfach leichter, wenn es Spaß macht. Wenn es den eigenen Neigungen und Vorlieben entspricht. Für Kunstliebhaber mag zum persönlichkeitsgerechten Hirntraining der Besuch von Ausstellungen, Galerien oder Konzerten gehören, für Spielfreudige Karten- oder Brettspiele, für Kommunikative der Besuch von fremdsprachlichen Konversationskursen etc. Hauptsache, es macht Freude.

Vergesslichkeit: Noch normal oder schon krankhaft?

Ab und zu mal etwas zu vergessen ist normal und noch kein Grund zur Beunruhigung. Häufen sich aber die Gedächtnislücken und stört das merkbar den Tagesablauf bzw. wird man von seiner Umgebung wiederholt auf eine zunehmende Vergesslichkeit hin angesprochen, ist es Zeit, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, z.B. beim Neurologen oder in einer Gedächtnisambulanz, um das Problem gezielt angehen zu können. Bei weitem nicht jeder Gedächtnisstörung liegt eine Demenz zugrunde. Oft sind es Stress, Schlafmangel oder Krankheiten wie z.B. Depressionen, die die Merkfähigkeit herabsetzen.

Hirntraining gegen Demenz?

Demenz ist ein Sammelbegriff für Erkrankungen, die mit einem sukzessiven Untergang von Gehirnzellen und damit einem Verlust an geistigen Fähigkeiten, allen voran einer Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung, einhergehen. Die bekannteste davon ist der Morbus Alzheimer. Ob sich das Risiko für die Entwicklung einer Demenz durch kognitives Training vermindern lässt, darüber ist sich die Wissenschaft uneinig. Es gibt aber Hinweise darauf, dass die grauen Zellen auf Trab zu halten nebst einem gesunden Lebensstil vorbeugend wirken kann. Bleibt noch die Frage, wie man das am besten bewerkstelligt.

Darauf haben die Forscher unterschiedliche, zum Teil widersprüchliche Antworten. Eine Tatsache aber bestreitet keiner: Ein optimales Hirntraining soll aus verschiedenen Komponenten bestehen, um alle mentalen Bereiche wie Aufmerksamkeit, Intelligenz, Gedächtnis, Kreativität, Konzentration usw. anzusprechen. Denn eine effektive Schulung des Gehirns erschöpft sich nicht in der bloßen Aneignung von Wissen und Erweiterung der Merkfähigkeit. Vielseitigkeit ist also gefragt. Und die richtige Intensität, um Unter- und Überforderung zu vermeiden. Deshalb muss Denksport dem persönlichen Bildungsstand und den individuellen geistigen Fähigkeiten angepasst sein, soll er erfolgreich sein.

Das Hirn fordern – aber richtig

Beim Training des Oberstübchens verhält es sich wie beim körperlichen Fitnesstraining: Überforderung lässt das Interesse und den Spaß an der Sache schwinden. Unterforderung hingegen bringt nicht den gewünschten Effekt und ist langweilig. Das wissen auch Gedächtnisforscher und Mentalcoaches. Ohne die richtige Technik ist auch geistiges Training eine nur mäßig erfolgversprechende Angelegenheit. So haben Experten Methoden entwickelt, wie man sich z.B. Inhalte besser merkt (Mnemotechnik) oder Sprachen leichter lernt (z.B. Birkenbihl-Methode).

Ob Schach, Puzzle, Sudoku, Merkspiel oder Sprachlektion – wichtig ist auch das “Rundherum“, d.h. die Atmosphäre, in der das Training geistiger Fähigkeiten geschieht. Sie sollte entspannt sein, frei von Leistungszwang und allzu ehrgeizigem Erfolgsdenken. Dafür aber mit ev. notwendigen Utensilien wie Brille oder Hörgerät. Und bedarfsgerechten Pausen, die spätestens dann eingelegt werden sollten, wenn die Konzentration nachlässt. Sie erlauben weitere der Hirnleistung dienliche Aktivitäten wie Sauerstoff tanken in der frischen Luft oder etwas Sport.

Weiter führende Links:
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