Alzheimer-Krankheit: Mit Tests Demenz erkennen

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Glücklich ist, wer vergisst… heißt es in der Johann Strauß Operette “ die Fledermaus“. Tatsächlich verursacht Gedächtnisschwund aber eher Angst, könnte doch eine Demenz dahinter stecken. Ob wirklich ein Morbus Alzheimer im Gange ist, verraten u.a. bestimmte Tests.

Mal ganz ehrlich: Ertappen Sie sich hin und wieder dabei, dass Ihnen ein geläufiger Begriff partout nicht einfallen will? Sind Sie sich manchmal ganz sicher, einen Gegenstand an einem bestimmten Ort verwahrt zu haben und finden ihn dann doch woanders? Oder gehören Sie überhaupt zu den Schusseligen, die immer wieder Schlüssel oder andere Dinge verlegen? Fallen der Umgebung solche Missgeschicke auf, witzelt sie gerne: „Na, Alzheimer?“ Nicht jeder, der mit Erinnerungslücken kämpft, kann darüber lachen. Zählt doch inzwischen zum Allgemeinwissen, dass die Alzheimer-Demenz eine bislang unheilbare Krankheit darstellt, die mit fortschreitendem Gedächtnisschwund einhergeht. Grund genug, sich bei – gefühlter oder tatsächlicher – zunehmender Vergesslichkeit zu fragen: Noch normal oder schon Zeichen einer Demenz?

Nun ist die Alzheimer-Krankheit längst nicht die einzig mögliche Ursache von Gedächtnisstörungen. Abgesehen davon, dass – vor allem im Alter – ein gewisses Maß an Vergesslichkeit einfach zum Leben gehört, gibt es eine Reihe von Erkrankungen, die die Merkfähigkeit beeinträchtigen. Beispielsweise Depressionen. Wie aber lässt sich erkennen, ob eine Alzheimer-Demenz der Grund ist für eine nachlassende Gedächtnisleistung? Und wer stellt das mit welchen Methoden fest?

Alzheimer-Krankheit erkennen

Besteht der Verdacht, Gedächtnislücken könnten Ausdruck einer Demenz sein, ist die richtige Anlaufstelle ein Facharzt für Neurologie oder ein Demenz-Diagnosezentrum/eine Gedächtnisambulanz . Dort wird für die Diagnosestellung ein sogenanntes neuropsychologisches Profil erstellt, das eine Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte), Verhaltensbeobachtung und Tests beinhaltet. Von Bedeutung dabei ist auch eine Fremdanamnese (Beobachtungen von Angehörigen oder auch Bekannten). Ein bewährtes Verfahren in der Alzheimer-Diagnostik bildet der Mini-Mental-Status-Test (MMST). Ihn und ein paar andere psychometrische Tests zur Beurteilung der Gedächtnisleistung, die auf eine Alzheimer Erkrankung hinweisen können, stellen wir Ihnen hier näher vor.

Vor jedem Test muss sichergestellt werden, dass der Testkandidat über ein ausreichendes Hör- und Sehvermögen verfügt, um den Anweisungen des Untersuchers folgen zu können. Letzterer sollte zudem dafür sorgen, dass während des Tests keine Störungen vorkommen und möglichst einfühlsam vorgehen. Ergibt ein solcher Test einen Hinweis darauf, dass eine Demenz vorliegt, sind weitere Untersuchungen (z.B. eine Computertomographie) angesagt.

Mini-Mental-Status-Test

Dieser 1975 entwickelte Schnelltest erfasst kognitive Störungen. Er dient als zuverlässiges Hilfsmittel sowohl zur Erstbeurteilung als auch Verlaufskontrolle einer Demenz. Die dabei gestellten Aufgaben prüfen die Fertigkeiten Merkfähigkeit, Erinnerungsvermögen, zeitliche und räumliche Orientierung, Aufmerksamkeit, Rechenfähigkeit, Sprache und Sprachverständnis, Lesen, Schreiben und Zeichnen. Dabei handelt es sich um praxisnahe, für kognitiv unbeeinträchtigte Personen problemlos bewältigbare Anforderungen wie das Wiederholen bzw. Merken von drei einfachen Wörtern, einfache Rechenaufgaben, die Frage nach dem aktuellen Aufenthaltsort (Staat, Bundesland etc.) und der aktuellen Zeit (Datum, Jahreszeit etc.), das Nachsprechen bzw. Schreiben eines Satzes, das Benennen bzw. Abzeichnen eines Objekts sowie die Ausführung einer einfachen praktischen Aufgabe und eines dreiteiligen Befehls (z.B. „ein Blatt Papier aufheben, es falten und auf den Tisch legen“). Der Test dauert rund 15 Minuten und wird in Form eines Interviews zwischen Arzt und Patient durchgeführt. Jede korrekt gelöste Aufgabe wird mit einem Punkt bewertet. Die insgesamt maximale erreichbare Punktezahl ist 30. Bei unter 20 Punkten kann man von einer Demenz ausgehen. Weniger als 10 Punkte sprechen für eine schwere Demenz.

Demenz-Detektions-Test

Der Demenz-Detektions-Test (DemTect) eignet sich zur Früherkennung von Gedächtnisstörungen und besteht aus fünf Teilen: Zehn vorgelesene Worte sollen wiederholt werden. Zahlen sind als Zahlwörter und Zahlwörter als Zahlen zu schreiben. Im Supermarkt erhältliche Dinge sind in einer Minute zu nennen. Zahlenfolgen sollen in umgekehrter Reihenfolge aufgesagt werden und schließlich sind die anfangs genannten zehn Begriffe nochmals zu wiederholen. Mit einer Umrechnungstabelle erfolgt die Auswertung, unter Berücksichtigung des Alters (jünger oder älter als 60 Jahre) und Addition der erreichten Punktezahl aus den Testteilen zum Gesamtergebnis. So ergibt sich die Beurteilung “altersgemäße Leistung“ oder “leichte kognitive Beeinträchtigung“ oder “Demenz-Verdacht“.

TFDD: Demenz oder Depression?

Der Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung (TFDD) soll helfen, zwischen einer depressionsbedingten Pseudodemenz und einer tatsächlichen Demenz zu unterscheiden. Dementsprechend besteht er aus einem Demenz- und einem Depressionsteil. Der TFDD verläuft in neun Stufen. Zu den Aufgaben zählen z.B. Wortlisten sofort und zeitlich verzögert zu wiederholen, Anweisungen für bestimmte aufeinander folgende Bewegungen auszuführen und der Uhrentest, bei dem die Testperson in einen vorgegebenen Kreis die zwölf Ziffern einer Uhr und die Stellung der Zeiger einer vorgegebenen Uhrzeit einzeichnen soll. Für die Beurteilung wird eine zehnstufige Skala verwendet, die anhand einer Fremd- und einer Selbstbeurteilung die Gemütslage einschätzt – von “ausgeglichen“ bis “schwer depressiv“. Wird im Demenzteil eine Gesamtpunktezahl von weniger als 35 (maximal mögliche Punktezahl: 50) erreicht, spricht das für eine Demenz. Ein Ergebnis von mehr als acht Punkten im Depressionsteil (maximal mögliche Punktezahl: 20) deutet auf eine Depression hin.

Warum eine rechtzeitige Abklärung wichtig ist

Der Gang zum Neurologen, noch dazu zur Überprüfung des geistigen Zustandes, kostet viele Menschen Überwindung. Dennoch sollte sich niemand scheuen, ihn anzutreten, denn auch wenn das Ergebnis der Untersuchungen Alzheimer-Demenz lautet und diese derzeit noch nicht geheilt werden kann, ist eine möglichst frühzeitige Abklärung wichtig, um ehebaldigst mit einer adäquaten medikamentösen Therapie zu beginnen. Sie kann zumindest das Fortschreiten der Erkrankung verzögern und wirkt am besten am Krankheitsbeginn.

Alzheimer verhindern?

Nochmal Glück gehabt und die Tests haben keinen Hinweis auf eine Demenz ergeben? Aber die Angst, irgendwann eine zu entwickeln, ist geblieben? Und die Frage, ob und wie sie sich verhindern lässt? Gleich vorweg: Der wesentlichste Umstand, der die Entstehung einer Demenz begünstigt, lässt sich nicht vermeiden, denn der lautet schlicht Alter. Ebenfalls unabwendbar ist eine erbliche Veranlagung für die Alzheimer-Krankheit, wie sie in manchen Fällen vorliegt.

Davon abgesehen gibt es jedoch eine Reihe beeinflussbarer Faktoren, die im Verdacht stehen, die Erkrankung zu fördern. Dazu zählen Nikotin- und Alkoholmissbrauch, ebenso Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, ein zu hoher Cholesterinspiegel, Depressionen und bei Frauen ein zu niedriger Östrogenspiegel. Im Wesentlichen also Fragen des Lebensstils. Und damit zum Großteil änderbare Gegebenheiten. So soll bis ins hohe Alter erhaltene körperliche und geistige Fitness das Risiko für Alzheimer um bis zu einem Drittel senken können. Als zur Vorbeugung von Morbus Alzheimer geeignet nennen Wissenschaftler das Spielen eines Musikinstruments und Tanzen, in geringerem Ausmaß auch Lesen oder Rätselraten. Zudem die Ernährung. Wie bei vielen anderen Krankheiten auch kann es sich also lohnen, gesund zu leben.

 

Weiter führende Links:

Mini Mental Status Test
DemTect
Demenz-Detektions-Test 
TFDD
Alzheimer-Vorbeugung 

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Alzheimer Demenz
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