Zoophilie, Nekrophilie und Fetischismus: pervers oder nur außergewöhnlich?

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Manchmal muss jemand oder etwas anderes als (nur) ein erotisch ebenbürtiger Sexualpartner vorhanden sein, damit jemand Lust empfinden kann. Bei der Zoophilie sind es Tiere, bei der Nekrophilie Tote und beim Fetischismus Gegenstände. Nicht alle dieser Störungen der sexuellen Präferenz sind harmloser Natur.

Sexualität kennt viele Spielarten. Welche als “normal“ gelten und von der jeweiligen Gesellschaft akzeptiert werden, unterliegt laufend epochalen und kulturellen Schwankungen. Von der allgemeinen Akzeptanz abweichende Vorlieben alias Paraphilien, sexuelle Deviationen, Störungen der sexuellen Präferenz oder auch – veraltet und abwertend – Perversionen, sind zum Teil harmloser Natur, d.h. sie schädigen niemanden. Andere aber verletzen die seelische oder auch körperliche Integrität mehr oder minder freiwillig Beteiligter und können somit rechtlich geahndet werden. Bei manchen Paraphilien weicht v.a. das “Objekt der Begierde“ von der Normalität ab. Wie etwa bei der Zoophilie (Sodomie), wo es Tiere sind, bei der Nekrophilie, wo es sich um Tote handelt oder beim Fetischismus, wo es auch Gegenstände sein können.

Zoophilie: Tiere als Sexualobjekte

Als Zoophilie (gr.: zoon = Tier, philein = lieben) bezeichnet man sexuelle Handlungen an Tieren zwecks menschlicher Lustbefriedigung. Ein früher dafür gebräuchlicher Begriff lautet Sodomie. Er geht auf den gemeinsam mit der Stadt Gomorrah wegen seiner Sündhaftigkeit vernichteten biblischen Ort Sodom zurück, wobei dessen Bewohner angeblich keine sexuellen Kontakte zu Tieren pflegten, sondern gleichgeschlechtliche. So wurde “Sodomie“ zum Synonym für alle “widernatürlichen“ sexuellen Gepflogenheiten wie z.B. Oral- oder Analverkehr, mit Bedeutungswandel im Laufe der Zeit.

Der Lustgewinn durch Zoophilie umfasst eine große Bandbreite an Praktiken:

  • Sodomie-Pornographie
  • Mixoscopia bestialis: lustvolles Zusehen bei sodomistischen Handlungen
  • Zoo-Nekrophilie: sexuelle Kontakte mit toten Tieren
  • Oral-, Anal- oder Vaginalverkehr mit Tieren
  • Tier-Fetischismus
  • Zoo-Sadismus: Quälen (z.B. Fesselungen) von Tieren während des Sexualakts, ihre genitale Verstümmelung oder sexuell gefärbte Tötung
  • larvierter Masochismus: sexuelle Erregung durch Beobachten und sich Identifizieren mit gequälten (z.B. gezüchtigten) Tieren

Opfer dieser zum Teil als Tierliebe missverstandenen sexuellen Deviation sind in unseren Breiten vorwiegend Hunde (anhänglich, abrichtbar) und Pferde, seltener auch Ziegen, Rinder, Schafe oder Esel. Im asiatischen Raum zudem Hühner, Fische, Mäuse und kleine Schlangen, wobei deren Befreiungsversuche und teilweise selbst noch ihre Todeszuckungen zur erotischen Stimulation dienen. In unserer Kultur zumindest offiziell weitgehend verfemt, wenn auch heimlich praktiziert, und von Tierschutzorganisationen – da es einem sich Vergreifen an wehrlosen Lebewesen bzw. deren Missbrauch als “Sexspielzeug“ entspricht – als Tierquälerei verurteilt, wird Zoophilie in anderen Kulturkreisen nicht geahndet, sondern teilweise sogar gebilligt (z.B. Einrichtung von Tierbordellen).

Wie häufig sexuelle Handlungen an Tieren stattfinden, bleibt unbekannt, da sie in der Regel nicht öffentlich geschehen und sich Sodomisten nur bei außerordentlichem Leidensdruck oder aus ihrer Neigung erwachsenden (z.B. rechtlichen) Konflikten in Behandlung begeben, wo sie erfasst werden können. Vermutlich gibt es hier eine hohe Dunkelziffer (Zahl unerkannter Fälle). Ebenso existieren keine verlässlichen Daten über die Natur (z.B. Alter, Geschlecht) der Personen, die sich an Tieren sexuell befriedigen (frühere, inzwischen widerlegte Annahme: Intelligenzminderung als Bedingung). Zoophilie dürfte jedoch in allen Altersklassen (Beginn oft schon in der Pubertät), Bildungs- und Gesellschaftsschichten auftreten. Auch die Ursache dieses Treibens ist bis dato ungeklärt und wird gern als Ersatzhandlung (“Gelegenheits- oder Not-Zoophilie“) interpretiert, z.B. wenn kein menschlicher Sexualpartner zur Verfügung steht. Eine ausschließliche erotische sexuelle Orientierung hin zu Tieren scheint eher selten vorzukommen.

Zoophilie birgt auch einige Gefahren. Für Menschen die, verletzt (z.B. bei Oralbefriedigung gebissen) zu werden. Für Tiere, verletzt bis getötet zu werden. Bei hohem Leidensdruck des Betroffenen, (drohenden) Schäden für Tiere oder rechtlichen Konsequenzen sollte die Neigung mittels Psychotherapie behandelt werden.

Fetischismus: Gegenstände als Sexualobjekte

Unter Fetischismus (portug.: feitiço = Zauber) versteht man die sexuelle Fixierung auf Gegenstände. Der Begriff feitiço wurde im 15. Jahrhundert von portugiesischen Forschungsreisenden für Kultfiguren afrikanischer Eingeborener verwendet. Im erotischen Kontext bedeutet “Fetisch“ ein beliebiges unbelebtes Objekt, auf das jemand sein sexuelles Interesse richtet, wobei dieses im Extremfall sogar den Geschlechtsakt überflüssig machen kann.

Bei Fetischen handelt es sich zumeist um bestimmte Kleidungsstücke (z.B. Schuhe, Unterwäsche, Strapse, Strümpfe, Handschuhe, Uniformen) oder Materialien (z.B. Leder, Gummi, Pelz, Latex, Samt), die mit dem weiblichen Körper identifiziert werden. Manchmal auch Accessoires (z.B. Haarbürsten, Schmuck, Taschentücher). Oder auch menschliche Körperteile (z.B. Füße, Gesäß). Wobei viele Fetischisten unentwegt nach neuen Exemplaren suchen und sich zu Sammlern der Objekte entwickeln. Beim sogenannten fetischistischen Transvestitismus bezieht der Fetischist seinen Lustgewinn aus dem Tragen von Kleidungsstücken des anderen Geschlechts. “Negative“ Fetischisten wiederum fühlen sich von nicht mehr vorhandenen Gliedern (Amelotatismus, Amputismus) angezogen.

Ausgelebt wird der übrigens fast ausschließlich bei Männern vorkommende Fetischismus auf verschiedene Weise: durch Berühren, Tragen oder Beriechen der Fetische, eventuelles Masturbieren dabei oder durch Benutzung der Fetische von den Sexualpartnern (z.B. Anziehen von Lack-Leder-Stiefeln) beim Geschlechtsverkehr. Nur dann sind Fetischisten in der Lage, sexuelle Handlungen auszuführen oder einen Orgasmus zu erleben. Gelegentlich entscheidet auch eine bestimmte Eigenschaft des Fetischs wie z.B. seine Konsistenz, Farbe oder ein durch ihn verursachtes Geräusch (z.B. Klappern hochhackiger Schuhe) darüber, ob eine sexuelle Erregung stattfindet.

Dass Fetischen, also Gegenständen eine geheimnisvolle Macht zugeschrieben wird, liegt meist an frühen sexuellen Erfahrungen in der Kindheit. Nur selten aber artet Fetischismus derart aus, dass allein diese Ersatzobjekte zu sexueller Befriedigung führen und der Partner in erotischer Hinsicht bedeutungslos wird, was Partnerschaftsprobleme nach sich ziehen kann. Fetischismus kann auch Schuldgefühle oder Depressionen hervorrufen, manchmal auch Delikte (z.B. Diebstahl begehrter Fetische) herausfordern. Dann ist eine Psychotherapie angebracht. Eine gelegentliche Nutzung bestimmter Gegenstände zur Luststeigerung hingegen wird als “normal“ und nicht behandlungsbedürftig angesehen.

Nekrophilie: Tote als Sexualobjekte

Nekrophilie (griech.: nekros = Tod, philein = lieben) heißt eine seltene, vorwiegend bei Männern auftretende Paraphilie, bei der sexuelle Handlungen an Toten oder mit Leichenteilen dem Lustgewinn dienen. Es gibt aber auch eine nichtsexuelle Nekrophilie, eine Charakter-Deformation, die ihre Träger dazu bewegt, sich in der Nähe von Leichen aufzuhalten, diese anzufassen, in sie hineinzukriechen oder sie zu zerstückeln.

Da sich Gelegenheiten zu (sexuellem) Umgang mit Toten im Wesentlichen nur bestimmten Berufsgruppen wie Totengräbern oder Leichenbeschauern bietet, verfügen Nekrophile außerhalb dieser Sparten kaum über Möglichkeiten, ihre Neigung “unauffällig“ zu befriedigen und müssen befürchten, dass ihr strafrechtlich bedenkliches Tun auffliegt. Um zu Leichen zu kommen, werden in diesem Zusammenhang daher gern Straftaten (Leichenschändung bis hin zum Mord) begangen.

Nekrophilie wird jedoch häufig auch – bei gegenseitigem Einverständnis gesetzlich geduldet – in verschleierter Form ausgelebt, etwa mittels Somnophilie, sexuellen Handlungen an schlafenden oder sich schlafend stellenden oder die Todessituation imitierenden (z.B. im Sarg liegenden), also sich möglichst bewegungs- und reaktionslos verhaltenden Personen (“Scheinleichen“).

Genau das könnte auch die unbewusste Triebfeder für Nekrophilie sein: Aus Angst vor Lebendigkeit und eigener Zerstörung Sexualität mit vollkommen wehrlosen bis zerstörten Objekten (Mischung aus Gegenstand und Lebewesen), die uneingeschränkte Macht über das Geschehen garantieren, wie es Leichen sind. Einige Forscher siedeln deshalb die Nekrophilie im Bereich des Fetischismus an, andere auch in dem des Sadismus.

Die Paraphilie geht oft mit einer Selbst- und Fremdgefährdung einher, weshalb ihre Betreiber in der Regel einer medizinisch-psychologischen Behandlung bedürfen.