Winterdepression (SAD): Kalt macht traurig

Gerade im Winter fühlen sich viele Menschen kraftlos und unausgeglichen. Doch warum ist das so? Und was kann man gegen eine Winterdepression oder den Winter Blues tun?

Müde, schlapp und schlecht gelaunt – so reagieren viele Menschen auf die kalte Jahreszeit mit ihren kurzen Tagen und langen Nächten. Dafür verantwortlich zeichnet der Mangel an natürlichem Tageslicht. Er lässt die Zirbeldrüse, die an der Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt ist, vermehrt das Schlaf fördernde Hormon Melatonin ausschütten. Zusätzlich verringert er die Produktion des Neurotransmitters Serotonin, der die Stimmungslage positiv beeinflusst. Folgen: Der Energiepegel sinkt, das Schlafbedürfnis steigt.

Nur „Winter Blues“ oder schon SAD?

Führen die morgendliche Müdigkeit und Unausgeglichenheit nicht zu schweren Beeinträchtigungen der Lebensqualität, spricht man vom Winter Blues (auch: subsyndromale SAD, s-SAD). Gesellen sich aber eine merkbar gedrückte Stimmungslage und Antriebslosigkeit, ein gesteigerter Appetit (meist Heißhunger auf – Serotonin lieferndes – Süßes) sowie eine Vernachlässigung der eigenen Belange und Sozialkontakte hinzu, liegt der Verdacht nahe, dass sich eine saisonal abhängige Depression (SAD, saisonal affective disorder, auch: Winterdepression, Herbst-Winter-Depression) eingestellt hat. Sie wirkt sich negativ auf das Familien- und Arbeitsleben aus und kann schlimmstenfalls dazu führen, dass die Betroffenen es nicht mehr schaffen, ihren normalen Alltag zu bewältigen.

Typisch für die SAD ist ihr wiederkehrendes Auftreten in aufeinanderfolgenden Wintern sowie ihre regional unterschiedliche Häufung (z.B. vermehrtes Vorkommen in Skandinavien, kaum Auftreten in den Mittelmeerländern). Sie befällt Frauen deutlich häufiger als Männer, aber auch manche Kinder und Jugendliche bleiben davon nicht verschont. Fünf Prozent der österreichischen Bevölkerung leiden – oft jahrelang unerkannt – unter dieser Erkrankung.

Ob es sich lediglich um ein vorübergehendes Stimmungstief, bereits um eine saisonale oder gar um eine andere Form von Depression handelt, sollte jedenfalls ärztlich abgeklärt werden. Können mittels entsprechender Untersuchungen Medikamente (z.B. bestimmte Blutdrucksenker), internistische (z.B. Schilddrüsenunterfunktion) sowie andere neurologische/psychiatrische (z.B. Demenz) Erkrankungen als Auslöser der belastenden Freudlosigkeit ausgeschlossen werden, helfen spezielle Fragebögen, die depressiven Symptome richtig einzuordnen. Geeignete Ansprechpartner für die Diagnostik und Therapie von Depressionen sind Fachärzte für Psychiatrie und Fachärzte für Neurologie.

Was hilft bei SAD?

Da Lichtmangel ursächlich an der SAD beteiligt ist, kann eine „künstliche Verlängerung des Tages“ durch die Lichttherapie (Bright-Light-Therapy – BLT) helfen. Dabei sitzt der Patient vor Sonnenauf- und nach Sonnenuntergang eine bestimmte Zeit lang (abhängig von der Beleuchtungsstärke halbe Stunde bis Stunde) vor einer so genannten Tageslichtlampe.

Liegt eine schwerer ausgeprägte Depression vor, kann zusätzlich eine medikamentöse Therapie erforderlich werden. Zum Einsatz kommen Antidepressiva, z.B. selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI).

Als dritte Therapiesäule dient die Psychotherapie.

Strategien gegen die Melancholie

Einfache Maßnahmen zur Stimmungsaufhellung wirken, wenn lediglich ein milder Winter Blues vorliegt. Sie unterstützen aber auch die ärztlichen bzw. psychotherapeutischen Behandlungen bei Depressionen:

  • Wenn Dunkelheit zu Trübsinn führt und Licht zu Wohlbefinden, was liegt dann näher als so viel natürliches Tageslicht zu tanken wie nur möglich? Ideal ist es – und zwar auch bei bedecktem Himmel! – draußen Sport zu treiben. Langlaufen, Nordic Walking, aber auch schon längere Spaziergänge aktivieren nicht nur den Kreislauf, sondern auch die Seele.
  • Ein gut strukturierter Tagesablauf hilft der außer Takt geratenen inneren Uhr, ihren Rhythmus wiederzufinden.
  • Sich selbst Gutes tun (z.B. eine Massage oder ein Wellnessbad genießen) und Sozialkontakte pflegen wirkt negativen Gedanken entgegen.