Melisse: Melissengeist & Co. bringen Entspannung und Schlaf

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Wenn Stress und Hektik regieren, kennt Mutter Natur ein Heilkraut, das im Gegensatz zu vielen herkömmlichen Beruhigungsmitteln nicht abhängig macht: die Melisse. Sie beseitigt Unruhe und Schlafstörungen. Und noch manch andere unangenehmen Zustände.

Die Melisse stammt aus dem Mittelmeerraum, war aber bereits im Mittelalter in jedem Klostergarten zu finden, für so unentbehrlich wurden ihre Heilkräfte gehalten. Und die zeigen sich vor allem bei Nervosität, Reizbarkeit und Schlafstörungen.

Der Melissenstrauch wächst in dichten, bis zu 80 Zentimeter hohen Büscheln mit sehr miteinander verästelten Zweigen und vielen kleinen weißen bis gelblichen, zweilippigen Blüten (Blütezeit: Juni bis August), die nach Zitrone riechen. Jede Blüte besitzt vier Staubblätter und eine nach oben gekrümmte Kronröhre. Die gegenständig angeordneten, an den Rändern grob gezackten, fein behaarten, oben sattgrünen, nach unten zu heller werdenden Blätter ähneln Brennnesselblättern. Die zur Familie der Lippenblütler gehörende Pflanze bevorzugt sonnige Plätze, ist sonst aber recht anspruchslos und wächst in vielen Gärten.

Einst universelle Heilkräfte

Abgesehen von der beruhigenden Wirkung schreibt die Pflanzenheilkunde der Melissa officinalis, wie das Heilkraut mit wissenschaftlichem Namen heißt,  anregende, antibakterielle, aufmunternde, entspannende, krampflösende, kühlende, schmerzstillende, schweißtreibende, pilz- und virenhemmende Effekte zu.

Dementsprechend zählen zumindest in der Volksmedizin zu ihren Anwendungsgebieten Angstzustände, Appetitlosigkeit, Asthma, Augenringe, Blähungen, Blutergüsse, Bronchitiden, Erkältungen, Fieber, Geschwüre, Gicht, Grippe, nervöse Herzbeschwerden, Husten, Insektenstiche, Ischialgien, Kopfschmerzen, Lippen-Herpes, Magenkrämpfe und andere Magenleiden, Menstruationsbeschwerden, Migräne, Milchstau, Neuralgien, Ohrenschmerzen, Quetschungen, Reizbarkeit, Rheuma, Schlafstörungen, Sodbrennen, Unruhe, Unterleibskrankheiten, Wechseljahrbeschwerden, Wunden und Zahnschmerzen.

Der zitronenähnliche Duft der an Nektar reichen Melisse (Melissa heißt übrigens so viel wie Biene) und ihre – ehemaligen sowie jetzigen – Verwendungen finden Niederschlag in ihren zahlreichen Volksnamen wie Bienenfang, Bienenkraut, Bienensaug, Citronelle, Citronenmelisse, Darmgichtkraut, Englische Brennessel, Englische Melisse, Frauenkraut, Frauenwohl, Gartenmelisse, Hasenohr, Herbstkraut, Herzbrot, Herzkraut, Herztrost, Honigblum(e), Immenblatt, Imme(n)chrut, Ivenblatt, Limonikraut, Mutterkraut, Mutterwurz, Nervenkräutel, Pfaffenkraut, Riechnessel, Salatkräutle, Spanischer Salbei, Wanzenkraut, Zahnwehkraut, Zitronenkraut, Zitronella und Zitronen-Melisse.

Heute hauptsächlich sanftes Beruhigungsmittel

Die Melisse wirkt krampflösend und beruhigend, was sie zu einem probaten Mittel gegen Unruhe,  Angstzustände, Schlafstörungen und Stress, aber auch Magen-Darm-Beschwerden (z.B. “nervöser“ Magen) und Schwangerschaftsübelkeit macht, denn sie verfügt zusätzlich über antibakterielle Eigenschaften und ihre Bitterstoffe regen die Verdauung an und lindern Blähungen. Zudem mildert sie Kopfschmerzen und leichte depressive Verstimmungen. Die im Melissenextrakt enthaltenen Phenolcarbonsäuren (Gerbstoffe) hemmen Herpesviren.

Heilkundlichen Gebrauch finden hauptsächlich die Blätter der Melisse, die ätherisches Öl u.a. mit Substanzen wie Citral, Geranial, Neral und Citronellal (verantwortlich für den zitrusartigen Duft) sowie beta-Caryophyllen und sogenannte Lamiaceengerbstoffe wie Rosmarinsäure und Kaffeesäure enthalten. Sie werden v.a. zu Tees und Teemischungen verarbeitet. Auch der angenehme Duft getrockneter Melisse (z.B. in Duftlampen) sowie Bäder mit Melissenblättern wirken beruhigend aufs Gemüt.

Äußerlich angewendet bessert Melissentee Hautunreinheiten und fette Haut, als Umschlag oder Kompresse (mit Melissentee getränktes Baumwolltuch, auf die betroffene Stelle gelegt) auch Geschwüre, Beulen, Blutergüsse, Insektenstiche, Nervenentzündungen und Milchstau bei stillenden Müttern.

Melissenöl bzw. –tinktur – aufgetragen und sanft einmassiert – hilft bei Zahn-, Ohr- und Kopfschmerzen sowie Migräne. Der Bekämpfung von Lippenherpes (Fieberblasen) dient Creme mit Melissenextrakt. Die Bläschen heilen schneller ab und vermehren sich nicht weiter.

Die Klostermelisse (besonders wirkstoffreich, aus streng kontrolliertem Anbau stammend) ist ein Hauptbestandteil des allseits bekannten Melissengeists, der von der Klosterfrau Maria Clementine Martin entwickelt wurde. Er besteht aus hochkonzentrierten Extrakten von dreizehn Heilkräutern. Seine Herstellung erfordert eine sorgfältige Trocknung der Pflanzen, deren Zerkleinerung, Versetzung mit Alkohol und vorsichtige Destillation. Die ätherischen Öle bekämpfen Erkältungsviren und fördern entspannten Schlaf. Melissengeist soll aber auch bei Verdauungsstörungen, rheumatischen Beschwerden, Prellungen, Glieder- und Kopfschmerzen helfen.
Vielleicht für die Zukunft bedeutsam sind recht aktuelle britische wissenschaftliche Untersuchungen, die dafür sprechen, dass die Melisse die Gehirnleistung verstärkt. Das könnte Demenzkranken Hilfe  bieten.

Melisse als Küchenkraut

Melissenblätter würzen Salate und exotische Gerichte (z.B. als Ersatz für Zitronengras) und verleihen Tees ein erfrischendes Aroma.

Kann Melisse auch schaden?

Melisse ist im Allgemeinen gut verträglich. Lediglich bei therapiebedürftigen Erkrankungen der Schilddrüse sollten Zubereitungen der Heilpflanze nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt angewendet werden. Zudem kann der Gebrauch hoher Dosen von Melissenpräparaten die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen.

 

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