Burn Out: Bankrotterklärung der Seele

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Wächst Ihnen alles über den Kopf?
Fühlen Sie sich ausgelaugt und haben an nichts mehr so recht Freude? Dann leiden Sie womöglich an einem Burn Out Syndrom.

Auch in unseren Breiten macht sich ein Phänomen breit, das zwar nicht neu ist, aber immer mehr Menschen betrifft. Burn Out nennt sich der durch chronische psychische Überforderung ausgelöste Zustand, der Männer und Frauen sämtlicher Gesellschaftsschichten, Altersklassen und Professionen heimsucht.

Wenn die Seele nicht mehr kann

Es beginnt meist schleichend mit Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, Lustlosigkeit, dauernder Müdigkeit, Schlaf- und Konzentrationsstörungen. Im weiteren Verlauf stellen sich eine geringe Frustrationstoleranz mit Impulsivität und daraus resultierender erhöhter Unfallgefahr ein. Außerdem Schuldgefühle, Gleichgültigkeit und Zynismus, Hilf- und Hoffnungslosigkeit, oft auch der Missbrauch von Genussgiften bzw. ein gestörtes Essverhalten. Letztlich kann sich eine Depression entwickeln. Häufig gesellen sich zu den seelischen bzw. sozialen Auffälligkeiten körperliche Symptome wie Kopf-, Muskel- oder Rückenschmerzen, Verdauungs- oder Herz-Kreislauf-Beschwerden u.a.m.

Ursachen: Eigen- und Fremdfaktoren

Es ist kein Geheimnis, dass Menschen unterschiedlich belastbar sind. Während der Eine z.B. trotz Stressberuf, Krankheit und Großfamilie gut klarkommt, geht dem Anderen bereits bei einem Halbtagsjob oder sogar ohne Beschäftigung die Luft aus. Burn Out hat also nur begrenzt mit äußeren Belastungen zu tun, weshalb es gerne bagatellisiert oder als Simulantentum abgetan wird. Was aber bestimmt, dass sich ein Burn Out entwickelt?

Wie das Wort Burn (engl.: brennen)  schon vermuten lässt, geht es darum, für etwas zu brennen. Und genau das kennzeichnet Burn Out gefährdete Menschen. Sie engagieren sich bis zum Exzess, streben nach Perfektion, können weder rechtzeitig Nein sagen noch Grenzen setzen und wollen es allen recht machen. Selbst fühlen sie sich dabei permanent überfordert, büßen immer mehr an Leistungsfähigkeit ein und sehen sich schließlich als Versager. Anfangs versuchen sie noch, ihr misslungenes Erfolgsstreben durch erhöhte Anstrengungen zu kompensieren. Später, wenn sie merken, dass noch so viel Fleiß und Ehrgeiz nicht fruchten und sie aufgrund der Überforderung zunehmend Fehler machen, folgt oft die Resignation, meist verbunden mit sozialem Rückzug. Eine normale Bewältigung des Alltags wird immer weniger möglich. Bis schließlich “nichts mehr geht“. Dann ist aus dem Brennen ein Ausbrennen geworden.

Dass eine bestimmte Persönlichkeitsstruktur das Risiko einer Burn Out Entstehung begünstigt, ist aber nur die halbe Wahrheit. In der modernen Konsumgesellschaft und der immer rauer werdenden Arbeitswelt mit ihrem “ Schneller, Höher, Stärker“ existieren durchaus Umstände, die ein Ausbrennen herausfordern. Stark zunehmende Arbeitsbelastung in Kombination mit mangelnder Wertschätzung der Arbeitsleistung beispielsweise.

Bin ich Burn Out gefährdet?

Mal lustlos ins Büro zu gehen oder müde zu sein, macht noch kein Burn Out Syndrom. Doch angesichts des vielschichtigen Beschwerdebildes ist es nicht immer leicht, (rechtzeitig) zu erkennen, wann sich ein Burn Out anbahnt. Bestimmte Merkmale deuten aber auf die Möglichkeit einer Burn Out Entwicklung hin und lassen sich z.B. in speziellen Tests erfragen.

Work Life Balance (wieder) herstellen

Die Vielfalt der Symptome führt dazu, dass es keine Burn Out spezifische Standardtherapie gibt. Deshalb muss sich die Behandlung an den jeweiligen Beschwerden und persönlichen Umständen der Betroffenen orientieren und in jedem Fall möglichst frühzeitig zum Arzt (Burn-Out-Syndrom) bzw. Psychologen oder Psychotherapeuten führen. Letztendlich geht es – unabhängig von den Methoden (z.B. Zeitmanagement, Entspannungstechniken wie Progressive Muskelrelaxation oder autogenes Training, Psychotherapie, Analyse der Berufssituation usw.) –  bei der Therapie immer darum, eine bessere Balance zwischen Stress und Erholung zu erreichen. Dieses Gleichgewicht ist – neben einer gesunden Lebensweise mit richtiger Ernährung, regelmäßiger Bewegung und ausreichend Schlaf – auch essenziell, will man einem Burn Out vorbeugen. Im Sinne eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen einerseits Arbeit, Dienst und Karriere, andererseits Familie, Sozialkontakten, Freizeit und Hobbies.