Fußfehlstellungen: Was hilft bei Spitz-, Senk-, Plattfuß und Co.?

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Fußfehlstellungen wie Spreiz-, Knick- oder Plattfüße können weitgehend beschwerdefrei bestehen. Aber auch Probleme bereiten. Dann helfen meist orthopädietechnische Hilfsmittel wie etwa Schuheinlagen. Operationen zu ihrer Korrektur sind nur eher selten nötig.

Sie tragen uns ein Leben lang und halten vielen Anforderungen stand – unsere Füße. Sogar, wenn sie fehlgeformt sind, d.h. in ihrem Längs- und/oder Quergewölbe bzw. ihrer Zehen- oder Fersenstellung nicht stimmen. Wie solche Fehlstellungen zustande kommen? Durch (berufliche, sportliche, gewichtsmäßige) Überlastung, nicht fußgerechtes Schuhwerk, bestimmte Krankheiten oder schlicht und einfach Vererbung.

Der Fuß: ein besonderes Konstrukt

Jeder gesunde Fuß (lat.: pes) besteht aus Zehen, Ballen, Sohle, Ferse und Rist. Sein Innenleben umfasst Knochen, Gelenke, Muskeln, Bänder sowie Blutgefäße und Nerven. Sehnen, Bänder und Muskeln setzen so am Fußskelett an und spannen es, dass die Knochen eine Kuppel bilden, eine besondere architektonische Struktur mit Längs- und Quergewölbe. Dieses komplexe Gebilde sorgt für die nötige Stabilität und zugleich Beweglichkeit, um das Stehen und Laufen zu gewährleisten. Der Bodenkontakt gesunder Füße beschränkt sich dabei normalerweise auf definierte Stellen, wobei der Großzehenballen, die Ferse und der Kleinzehenballen die Hauptlast tragen. Erworbene oder angeborene Fehlstellungen verändern die Architektur der Füße und damit die Verteilung der Belastung. Das kann zu Beschwerden und Funktionseinbußen führen.

Was dem Fußgerüst schadet

Als Auslöser von Fußbeschwerden oder gar Fußfehlstellungen gelten

•    eine (meist angeborene) Bindegewebsschwäche
•    Übergewicht und Bewegungsarmut
•    das Tragen nicht fußgerechter (z.B. hochhackiger, spitz zulaufender) Schuhe
•    entzündliche (z.B. rheumatische) Erkrankungen und Infektionen
•    angeborene Fehlbildungen (oft durch Zwangshaltung im Mutterleib)
•    Muskellähmungen, Knochenkrankheiten oder Traumata

Die dadurch bedingte Überlastung des sonst das Fußgewölbe stützenden Fuß-Halteapparates (Bänder, Muskeln) führt zu einer veränderten Kraftübertragung beim Laufen oder Stehen mit unzureichender Stoßdämpfung am Fußgewölbe. Das fördert degenerative Prozesse (Abnutzungserscheinungen) – auch am sonstigen Bewegungsapparat, v.a. am Rücken und an den Knien.

Häufige Fußfehlstellungen

Spreizfuß (Pes transversoplanus): Infolge eines Absackens des Quergewölbes driften die Mittelfußknochen auseinander und der Vorfuß (Gesamtheit der Zehen) verbreitert sich. Durch das Tiefertreten des 2. bis 4. Mittelfußknochens kommt es zur Verlagerung der Hauptbelastungspunkte und Überlastung der Fußunterseite mit vermehrter Schwielen- und Hühneraugenbildung sowie zur Verformung der Großzehe (Verdrängung nach außen), woraus sich oft ein Hallux valgus entwickelt, während sich die kleine Zehe nach innen dreht. Die anderen Zehen werden zusammengedrückt und verformen sich u.U. zu Hammer- (digitus malleus, maximale Beugung des Zehenendgelenks) bzw. Krallenzehen (digitus flexus, Klauenzehe, Überstreckung des Grundgelenks bei gebeugtem Mittel- und Zehenendgelenk). Oft ist der Spreizfuß kombiniert mit anderen Fußfehlstellungen (Hohlfuß, Knick-Plattfuß).

Senkfuß/Knickfuß/Knick-Senk-Fuß: Senkt sich nicht nur das Längsgewölbe (Senkfuß), sondern knickt gleichzeitig der Fuß nach außen und dreht sich die Ferse nach innen (Knickfuß, Pes valgus), handelt es sich um einen Knick-Senkfuß (Pes plano-valgus), der auch fließend in einen Plattfuß (Knick-Senkfuß + Plattfuß = Pes planovalgus et transversus) übergehen kann. Ein Knickfuß bei Kindern reguliert sich oft bis zum Schulalter von selbst. Bleibt er bis ins Erwachsenenalter erhalten, besteht Behandlungsbedürftigkeit. Ein Senk-, Knick- oder Knick-Senk-Fuß kann beschwerdefrei sein, aber auch belastungsabhängige Schmerzen an der Fußsohle und eine rasche Ermüdbarkeit der Füße mit Wadenkrämpfen verursachen. Die Fußfehlstellung begünstigt die Entwicklung von X- oder O-Beinen sowie Kniebeschwerden.

Plattfuß (Pes planus): Ursache ist eine Skelettentwicklungsstörung, die zu einer Abflachung des Fußgewölbes führt, das eingesunken erscheint, wodurch Ferse und Vorfuß zum Fußaußenrand abzukippen drohen. Ein Plattfuß verursacht zumeist kaum Beschwerden, erzeugt aber eine stärkere Haftung des Fußes am Boden. Ist er angeboren (Pes planus congenitus, kongenitaler Plattfuß, Talus verticalis, Schaukelfuß, Tintenlöscherfuß), findet er sich oft auch bei Blutsverwandten, kann mit anderen Fehlbildungen (z.B. Klumpfuß, Hüftluxation, offener Rücken) vergesellschaftet sein und – nicht operativ korrigiert – eine beeinträchtigte Gehfähigkeit nach sich ziehen. Ist er erworben, lässt er sich zumeist auf eine Überlastung des Halteapparates, seltener auf Rheuma, Arthrosen oder neuromuskuläre Erkrankungen zurückführen oder entwickelt sich aus einem Knick-Senk-Fuß.

Hohlfuß (Pes excavatus, Pes cavus): Bei ihm ist das Längsgewölbe stark überhöht (gegenteiliges Erscheinungsbild zum Plattfuß). Das Körpergewicht lastet insbesondere auf dem Vorfuß, was dort Schmerzen, eine Schwielen- und Hühneraugenbildung sowie Klauen- oder Krallenstellung der Zehen und einen Hallux valgus verursachen kann. Die in Steil- und Supinationsstellung (innerer Fußrand hebt sich) befindliche Ferse bedingt eine Überlastung der Bänder im Bereich des Sprunggelenks. Vor- und Rückfuß sind gegeneinander abgeknickt. Der Gang wird stampfend, unelastisch und unsicher. Der Fuß knickt gern um, sodass daraus Verstauchungen oder Stürze resultieren. Ist ein Hohlfuß nicht angeboren, sondern tritt im Erwachsenenalter neu auf, kann das ein Zeichen für eine Nervenkrankheit (z.B. Friedreich-Ataxie, amyotrophische Lateralsklerose, Rückenmarkstumor) sein. Auch bestimmte Muskelkrankheiten und Lähmungen begünstigen die Entstehung eines Hohlfußes

Klumpfuß (Pes equinovarus, Pes equinovarus excavatus et adductus): Diese allein oder zusammen mit anderen Fehlbildungen auftretende Fußfehlstellung geht meist auf die Einnahme bestimmter Arzneimittel während der Schwangerschaft, einen Platzmangel, Abschnürungen oder eine zu geringe Fruchtwassermenge im Mutterleib zurück. Faktoren, die vermutlich zu einer nicht regelrechten Muskel- und Bindegewebsausbildung, einem Muskelungleichgewicht und veränderten Knochenwachstum führen. Der daraus resultierende Klumpfuß stellt eine Kombination aus Hohl-, Spitz- (Steilstellung im oberen Sprunggelenk), Sichel- und Rückfuß nach innen dar. In der Folge erfolgt das Laufen auf dem Außenrand des Fußes. Bei besonders starker Ausprägung richtet sich sogar die Fußsohle nach oben.

Spitzfuß (Pes equinus, Pferdefuß): Ein angeborener Spitzfuß ist das Resultat von Zwangshaltungen im Mutterleib, einer angeborenen Knieluxation oder eines unterentwickelten Unterschenkelknochens, manchmal auch Begleiterscheinung eines Klumpfußes. Ein erworbener Spitzfuß entsteht infolge einer Wadenmuskelverkürzung, etwa im Rahmen neurologischer Störungen, Muskellähmungen, Verletzungen, einer Bluterkrankheit, manchmal auch bei langer Bettlägerigkeit u.a.m. Typisch für ihn ist, dass sich die Ferse nicht auf den Boden aufsetzen lässt, was ein Abrollen beim Gehen und Laufen auf dem Hacken verunmöglicht. Diese unnatürliche Gangart zwingt dazu, die Knie mehr anzuheben, damit die Zehen nicht auf dem Boden schleifen (“Hahnentritt“). Die Fehlstellung wirkt sich auf den ganzen Körper aus (z.B. Wirbelsäulenverkrümmung).

Hackenfuß (Pes calcaneus): Auch bei diesem Gegenstück zum Spitzfuß ist bei der kongenitalen Form, die oft mit einer Spontanheilung endet, die häufigste Ursache ein vorgeburtlicher Platzmangel (seltener: Wachstumsdeformitäten mit muskulären Dysbalancen, Hirnschäden, offener Rücken), der zu einer Steilstellung der Ferse, einem Abknicken des Fußes nach oben und einer Drehung der Fußsohle nach außen führt, wodurch der Fuß überdehnt wird und sich ev. sogar der Fußrücken mit dem Unterschenkel in Berührung bringen lässt. Daher ist kein Zehenstand, kaum noch eine Fußstreckung und nur mehr ein Laufen auf der Ferse möglich. Die so entstandene Überdehnung und Überlastung erzeugt Schmerzen und gelegentlich Drucknekrosen. Sie hat Auswirkungen aufs gesamte Skelettsystem. Ein erworbener Hackenfuß ist die Folge eines Ausfalls der Wadenmuskulatur (z.B. bei Achillessehnendurchtrennung).

Sichelfuß (Pes adductus): Hier ist der Vorfuß nach innen verdreht. Die Ferse kann nach innen abknicken, ein Hallux varus (Großzehenabweichung in Richtung Fußinnenrand) sich entwickeln. Dennoch kommt es oft kaum zu Beschwerden. Behandlungsbedürftig ist die Fehlstellung trotzdem. Ein Sichelfuß kann (autosomal rezessiv) vererbt sein oder durch die Bauchlage von Babys mit permanentem Aufbiegen der Zehen bzw. später durch gegenüber den anderen Fußmuskeln überproportional starke Aktivitäten bestimmter Muskeln (Musculus tibialis anterior = Schienbeinmuskel, Musculus adductor hallucis = Großzehenheranzieher) verursacht werden.

Fußfehlstellungen erkennen und behandeln

In der Regel genügt eine Blickdiagnose, um zu erkennen, ob ein Fuß normal geformt ist oder nicht. Das genaue Ausmaß der zugrundeliegenden Veränderungen von Fußfehlstellungen zeigen aber Röntgenaufnahmen. Auch das Gangbild ist per orthopädischer Ganganalyse beurteilbar.

Art und Ausmaß der Veränderungen sowie durch sie verursachte Symptome bestimmen im Wesentlichen, ob und welche Therapie erfolgen soll. Manche Fußfehlstellungen wie z.B. der Spreiz-, Senk-, Knick- oder erworbene Plattfuß sind, sofern sie kaum Symptome verursachen, nicht behandlungsbedürftig. Kommt es aber zu Schmerzen, muss das Fußgewölbe gestützt werden, um eine bessere Belastungsverteilung und damit Entlastung überbeanspruchter Strukturen sowie Stärkung der Fußmuskulatur zu erzielen. Das wird erreicht durch spezielle Schuheinlagen, Barfußlaufen und Krankengymnastik zur aktiven und passiven (Dehnung) Mobilisation der verkürzten Unterschenkelmuskulatur und Zurückbringen des Fußes in seine normale Lage (manuelle Redression). Manchmal wird auch die Anpassung orthopädischer Schuhzurichtungen erforderlich. Bei bestimmten Fußfehlstellungen wie etwa dem Hackenfuß oder einem sich nicht von allein zurückbildenden Spitzfuß versprechen eine (Nacht-)Schiene oder spezielle Lagerungsschale (Kinder) bzw. ein sogenannter redressierender Oberschenkel-Gipsverband (Etappengipsbehandlung: zuerst täglicher, dann wöchentlicher Gipswechsel) oder Unterschenkel-Stehgips, die den Fuß längerfristig stabilisieren und in normaler Position halten, gute Therapieergebnisse.

Bleiben all diese konservativen Therapien aber erfolglos, entwickeln sich heftige Schmerzen oder eine starke Verformung, kann – bei den meisten Fußfehlstellungen allerdings nur selten notwendig – eine operative Korrektur erfolgen, um massive Gelenks- oder Sehnenschäden zu verhindern. Ein chirurgisches Vorgehen empfiehlt sich jedenfalls bei einem sich fixierenden Spitzfuß oder ausgeprägten Klumpfuß. Solche Korrekturen können Umverlagerungen von Muskelzügen, eine Achillessehnenverlängerung oder Arthrodese (Gelenkversteifung) beinhalten.

Sämtliche Maßnahmen sollten unterstützt werden durch das Tragen bequemer, nicht einengender Schuhe, wenn nötig Gewichtsnormalisierung, sportliche Aktivitäten sowie die Behandlung etwaiger der Fußfehlstellung zugrundeliegender Erkrankungen.

 

Weiterführender Link:

Fußfehlstellungen: Bilder

Links zu unserem Lexikon:
Hallux valgus
Arthrose