Medikamente richtig anwenden

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Arzneimittel wirken nur dann richtig, wenn sie korrekt angewendet werden. Korrekt angewendet heißt, der Wirkstoff, seine Art der Anwendung, Dosis, der Anwendungszeitpunkt inklusive Abstand zu den Mahlzeiten, manchmal auch noch andere Details müssen stimmen. Medikamente richtig anwenden ist also des Öfteren komplizierter als so mancher denkt.

Eigentlich scheint alles ganz einfach. Man kriegt in der Apotheke eine Packung Tabletten überreicht und weiß, dass man diese schlucken soll. Auf dem Rezept steht auch noch, wie viele und wann, also z.B. 1 – 0 – 0 (= eine morgens). Da kann doch nichts mehr schiefgehen, oder? Weit gefehlt! Viele Patienten sind sich in puncto richtiger Anwendung von Arzneien nicht sicher. Manche lesen im Beipacktext nach. Andere (eine Minderheit) fragen ihren Arzt. Oder ein aufmerksamer Apotheker erkundigt sich beim Aushändigen eines Medikaments, ob dessen Anwendungsmodus bekannt sei, wobei hier aber oft nur der Einnahmezeitpunkt und die Menge gemeint sind. Dementsprechend häufig kommt es zu Fehlern bei der Applikation (lat.: applicare = anwenden, verabreichen) von Heilmitteln. Die Substanz allein bestimmt nämlich nicht, wie effektiv ein Mittel wirkt bzw. ob es überhaupt wirkt.

Punkt 1: es muss das richtige Medikament sein

Zuallererst gilt es natürlich zu klären, welches Medikament überhaupt zur Anwendung kommen soll. Das richtet sich selbstverständlich nach der Art der Beschwerden, persönlichen Verträglichkeit der Substanz und welche anderen Arzneien eventuell noch eingenommen werden, denn nicht alle vertragen sich miteinander.

Auch wichtig ist, in welcher Darreichungsform (z.B. Tablette, Zäpfchen, Spritze) ein Medikament angewendet wird, denn von vielen Arzneimitteln gibt es mehrere Anwendungsarten, wobei nicht jede gleich stark oder lang wirkt. Die Darreichungsform entscheidet über den Anwendungsort. Am häufigsten werden (per)oral (Aufnahme von Stoffen über den Mund) anzuwendende Arzneien wie Tabletten, Kapseln, Pulver, Säfte oder Tropfen genommen. Die Entscheidung über Art der Arznei und deren Darreichungsform trifft bei rezeptpflichtigen Präparaten der Arzt, bei frei erhältlichen oft nur der Patient selbst oder er lässt sich vom Apotheker beraten.

Punkt 2: das Medikament muss auf die richtige Art angewendet werden

Die jeweilige Darreichungsform bestimmt darüber, wie ein Medikament anzuwenden ist, worüber auch die Packungsbeilage bereitwillig Auskunft gibt. Die meisten Tabletten, Pulver und Kapseln beispielsweise sind für die orale Applikation gedacht, sprich sie müssen geschluckt werden. Manche Arzneien (Suppositorien = Zäpfchen, bestimmte Salben) sind rektal (in den Enddarm) oder vaginal (in die Scheide) einzubringen. Andere wie Nasensprays, Ohren- oder Augentropfen in die Nase bzw. Augen bzw. Ohren. Und auch die Haut kann als Transportsystem für medizinische Wirkstoffe (z.B. in Salben oder TTS = transdermales therapeutisches System, also ein Pflaster, z.B. zur Nikotinentwöhnung) dienen. Ebenso die Bronchien bzw. die Lunge (z.B. Inhalationen, Asthma-Sprays).

Soll der Magen-Darm-Trakt umgangen werden, etwa weil dort bestimmte Medikamente verdaut, verstoffwechselt oder gar nicht erst resorbiert werden, ist eine parenterale Applikation (z.B. Injektion oder Infusion) erforderlich. Auch wenn Substanzen möglich nahe an den Wirkungsort gebracht werden sollen, sind häufig Spritzen (z.B. intraartikulär = ins Gelenk) das Mittel der Wahl. Injektionen verabreicht aber – mit einigen Ausnahmen (z.B. Insulin) – in der Regel medizinisches Personal und nicht der Patient.

Punkt 3: das Medikament muss zum richtigen Zeitpunkt angewendet werden

Viele Medikamente erfordern eine regelmäßige Einnahme, manche sogar eine Applikation immer zum selben Zeitpunkt, andere wiederum eine bedarfsweise (z.B. Asthma-Sprays). Darüber informiert die Packungsbeilage bzw. legt oft der Arzt per Rezept fest, wann eine Arznei anzuwenden ist. Denn manche Arzneimittel wirken z.B. am besten morgens, andere eher abends.

Punkt 4: das Medikament muss in der geeigneten Dosierung angewendet werden

Auch darüber entscheidet oft der Arzt und gibt es Hinweise im Beipacktext, wobei die ärztliche Verordnung in begründeten Fällen bewusst vom Dosierungsschema des Herstellers abweichen kann.

Punkt 5: das Medikament muss über den passenden Zeitraum angewendet werden

Wie lange ein Medikament Verwendung finden soll, hängt im Wesentlichen vom Grund ab, warum es überhaupt appliziert wird. Die Palette reicht von einem einmaligen Gebrauch (z.B. Schmerztablette gegen vorübergehendes Kopfweh) bis zur lebenslangen Dauermedikation (z.B. Insulin bei Typ 1-Diabetes). Das ist von Fall zu Fall am besten mit dem Arzt abzuklären.

Punkt 6: das Medikament muss richtig aufbewahrt und gelagert werden

Auch Medikamente unterliegen potenziell schädlichen Umwelteinflüssen wie z.B. Licht, Temperatur oder Feuchtigkeit. Damit die Qualität eines Arzneimittels nicht leidet, sollte es immer sauber und trocken gelagert sowie stets vor Hitze (optimal: bis 25°C), Licht und Staub geschützt werden (siehe Hinweise zur Lagerung und Aufbewahrung im Beipackzettel). Und Arzneien haben ein Verfallsdatum, das meist auf der Packung angegeben wird. Ist es überschritten, darf das Medikament nicht mehr angewendet werden, denn dann verändern sich die Inhaltsstoffe, verlieren ihre Wirkung oder verursachen gar unerwünschte Wirkungen. Abgesehen davon, dass dann der Haftungsanspruch des Herstellers erlischt. Dass ein Arzneimittel verdorben ist, zeigt sich u.U. an Merkmalen wie einem veränderten Geruch, einem Verkleben der Pillen oder Dragees miteinander, Verfärbungen oder Trübungen, einer rissigen Oberfläche oder dem Aufplatzen (z.B. von Dragees).

Von den vielen Applikationsformen haben wir drei häufig anzutreffende ausgewählt, um deren richtige Anwendung näher zu beleuchten:

Richtig einnehmen: Tabletten, Kapseln und Co.

Tabletten, Dragees oder Kapseln mit genügend (mindestens 125 ml) Flüssigkeit (am besten Leitungswasser), aber nicht mit Fruchtsaft (Grapefruit!), Kaffee, Tee, Alkohol oder Milch einnehmen, weil sie sonst in ihrer Wirkung beeinträchtigt werden könnten oder Wechselwirkungen auftreten. Und zwar mit aufrechtem Oberkörper und nicht im Liegen, da sie sonst u.U. in der Speiseröhre hängen bleiben und diese eventuell schädigen. Damit genügend Wirkstoff ins Blut gelangt, unter Beachtung des richtigen Abstands zu den Mahlzeiten, der in der Packungsbeilage angegeben ist (nüchtern = 30 bis 60 Minuten vor der Mahlzeit, vor dem Essen = 30 Minuten vor der Mahlzeit, zum Essen = während der Mahlzeit oder unmittelbar danach, nach dem Essen = siehe Zeitangabe in der Packungsbeilage, unabhängig von der Mahlzeit = zu einem beliebigen Zeitpunkt, egal ob vor, während oder nachher). Brausetabletten wiederum dürfen nicht in heißen Getränken aufgelöst werden, sondern am besten in einem Glas Wasser, das dann auch gleich ausgetrunken wird.

Manchmal ist es erforderlich zwecks Erlangung der passenden Dosis oder um sie leichter schlucken zu können, Tabletten zu teilen (z.B. mit einem Tablettenzerkleinerer aus der Apotheke), sie z.B. zu halbieren oder vierteln, wobei jedes entstandene Stück die gleiche Menge an Arzneistoff haben soll. Das darf jedoch nicht bei allen Tabletten (z.B. Retard-, Depottabletten: sind dazu gedacht, ihren Wirkstoff erst nach und nach in den Körper abzugeben oder Kapseln, deren Hülle für ihre Wirkung wichtig ist) gemacht werden, wobei eine Kerbe in einer Tablette kein zwingendes Zeichen für ihre Teilbarkeit ist.

Richtig einführen: Zäpfchen

Nach gründlichem Händewaschen das Zäpfchen direkt vor der Anwendung aus der Verpackung nehmen und es mit der spitzen Seite voran tief in den After des möglichst zuvor entleerten Darms einführen. Das geht leichter, wenn das Zäpfchen vorher mit den Handflächen ein wenig erwärmt oder ganz kurz in heißes Wasser getaucht wurde. Nicht jedoch mit Creme, Salbe oder Öl, weil sonst die Wirkung des Zäpfchens beeinträchtigt werden könnte. Danach wieder die Hände reinigen. Sollte das Zäpfchen zurückrutschen, es mit der stumpfen Seite voran einführen, um den natürlichen Reflex des Schließmuskels auszulösen, der verhindert, dass das Zäpfchen wieder hinausgleitet.

Richtig einträufeln: Augentropfen

Sich gründlich die Hände waschen, falls vorhanden, Kontaktlinsen herausnehmen und das Fläschchen mit den Augentropfen in die Führungshand (Rechtshänder: rechte Hand, Linkshänder: linke Hand) nehmen. Falls so in der Packungsbeilage angegeben, das Fläschchen vor der Anwendung kräftig schütteln. Dann den Kopf leicht in den Nacken legen, das Augenlid mit dem Zeigefinger der anderen Hand etwas nach unten ziehen, bis es ein wenig wegklafft. Nun nach oben schauen und den Blick auf einen festen Punkt richten, um ein Blinzeln zu unterdrücken. Das Fläschchen möglichst dicht (aber kein direkter Kontakt mit dem Auge, um Verunreinigung der Augentropfen mit Bakterien auszuschließen) über das Auge halten und einen Tropfen in den durch das Herunterziehen des Lids entstandenen Spalt fallen lassen.

Danach für eine halbe Minute die Augen schließen und leicht mit den Augäpfeln rollen, ohne die Augen zuzukneifen oder zu blinzeln. Ein Fingerdruck mit dem Zeigefinger auf den Augenwinkel an der Nase verzögert ein Abfließen der verabreichten Augentropfen über den Tränen-Nasen-Kanal. Sind zwei oder mehr verschiedene Augentropfen einzuträufeln, dann bitte in einem Abstand von mindestens zehn Minuten. Macht die Verabreichung von Augentropfen – etwa infolge einer eingeschränkten Sehkraft oder Feinmotorik (z.B. Zittrigkeit) – große Schwierigkeiten, gibt es dafür spezielle Hilfsmittel (z.B. aufs Auge aufsetzbare Eintröpfelhilfe). Oder vielleicht einen helfenden Angehörigen etc.

Nicht zu vergessen: Jedes Fläschchen Augentropfen darf nur von einer Person benutzt werden, damit es zu keiner Keimübertragung, d.h. Infektion, kommt, ist nach Anbruch nur eine kurze Zeit verwendbar und sollte zudem nach Ablauf der Haltbarkeitsfrist keinesfalls mehr verwendet werden.

 

Weiterführende Links:
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