Osteoporose: immer öfter auch Männersache

© panthermedia.net, Sebastian Kaulitzki

Osteoporose (Knochenschwund) ist eine Krankheit älterer Frauen. Aber nicht ausschließlich. Denn: Auch viele Männer büßen mit der Zeit Knochendichte ein. Und selbst manche jüngeren Menschen verlieren schon Knochenmasse. Tendenz steigend.

Rund 700.000 ÖsterreicherInnen leiden an Knochenschwund oder einem hohen Risiko dafür. Davon betroffen sind vorwiegend Frauen nach dem Wechsel. Männer haben zumeist größere und damit belastbarere Knochen, was bei ihnen eine Osteoporose in der Regel in geringerem Ausmaß und später eintreten lässt. Verschiedene Umstände können aber dazu führen, dass die Krankheit auch beim starken Geschlecht rascher bzw. stärker in Erscheinung tritt. Oder auch schon bei jüngeren Frauen.

Nimmt das Alter zu, nimmt die Knochendichte ab

Das ist ein natürlicher Prozess, der sich nur bedingt beeinflussen lässt und beide Geschlechter betrifft. Jedoch in unterschiedlichem Ausmaß. Überschreiten Österreicherinnen das 80. Lebensjahr, leiden rund zwei Drittel an einem Verlust an Knochenmasse. Ihre männlichen Altersgenossen bleiben davon zwar nicht ganz verschont, aber im Verhältnis 1:3. Da die Lebenserwartung stetig steigt, wird sich die Erkrankung in Zukunft – auch beim starken Geschlecht – vermehrt bemerkbar machen. Mit entsprechenden Folgen wie z.B. einer Zunahme von Hüftfrakturen, Wirbelkörpereinbrüchen usw.

Osteoporose beim Mann: eine Frage des Typs

Die häufigste Form des Knochenschwunds, die primäre Osteoporose vom Typ I, die auf einem Mangel an Östrogenen, d.h. weiblichen Hormonen beruht, ist natürlicherweise keine Ursache für einen Knochendichteverlust beim Mann. Allerdings beeinflussen nicht nur bei Frauen Geschlechtshormone den Knochenstoffwechsel. Auch das männliche Testosteron ist für den Erhalt des Knochengerüsts wichtig. Männer durchlaufen zwar keinen so abrupten Abfall des Hormonspiegels wie Frauen im Wechsel. Dennoch sinkt auch bei ihnen in der zweiten Lebenshälfte – langsam, aber doch und mit einer großen individuellen Schwankungsbreite – die Testosteronproduktion. In der Folge werden zumindest bei einem Teil betagter Männer die Knochen brüchig. Gleiches passiert, wenn z.B. durch eine Schädigung der Hoden oder der Hirnanhangsdrüse, die die Hormonausschüttung reguliert, die Testosteronausschüttung beeinträchtigt (Hypogonadismus, Unterfunktion der Keimdrüsen) wird.

Bei den beiden anderen Formen der Osteoporose liegen die Geschlechter in etwa gleichauf. Da ist zum einen die primäre Osteoporose vom Typ II, die infolge natürlicher Alterungsprozesse der Knochen in den letzten Lebensjahrzehnten eintritt, weshalb sie auch als senile Osteoporose bezeichnet wird.

Zum anderen können einige Krankheiten oder Medikamente einen Knochenschwund nach sich ziehen. Dann spricht man von einer sekundären Osteoporose. Zu ihren Auslösern zählen u.a. eine Schilddrüsen- oder Nebennierenrinden-Überfunktion, Immobilität infolge langer Bettlägerigkeit, bestimmte hormonproduzierende Tumore und Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, die mit einer mangelhaften Nährstoffaufnahme einhergehen. Außerdem längerfristig eingenommene Cortison-Präparate, Antiandrogene (Hemmstoffe männlicher Hormone), Zytostatika (Chemotherapie bei Krebs), Antiepileptika, Antikoagulantien (Hemmer der Blutgerinnung), Immunsuppressiva (Unterdrücker von Abwehrreaktionen), etc.

Abgesehen davon verringert Alkohol die Erzeugung des männlichen Hormons und fördert so die Entstehung einer Osteoporose. Zu reichlicher Alkoholgenuss hat aber noch einen anderen Effekt: Alkohol greift in den Vitamin-D-Stoffwechsel ein und leistet auf diese Art einem Knochenschwund Vorschub.

Männliche Osteoporose: verkanntes Alarmsignal Knochenbruch

Wiederholte Knochenbrüche im Alter treten besonders dann auf, wenn eine Osteoporose vorliegt. Deshalb erscheint es nur zu einleuchtend, dass bei Männern, die infolge eines leichten Sturzes einen Knochenbruch erleiden, genauso wahrscheinlich ein Knochenschwund den Hintergrund des Geschehens bildet wie bei Frauen in derselben Situation. Dennoch zeigt eine langjährige australische Studie (Jacqueline R. Center, University of New South Wales in Sydney) an 1700 Männern und 2245 Frauen über 60 Jahren: Dieses alarmierende Anzeichen einer verminderten Knochendichte wird beim starken Geschlecht häufig von Ärzten nicht als solches wahrgenommen.

Anscheinend hat sich also immer noch in vielen Köpfen festgesetzt, dass “Osteoporose weiblich ist“, woraus für das starke Geschlecht gleich noch ein weiterer Nachteil resultiert: Es gibt nicht allzu viel Studienmaterial zur Behandlung der Osteoporose bei Männern.

Warum auch junge Menschen unter Knochenschwund leiden

Nikotin, Diäten und Essstörungen (Magersucht) sind nur einige Gründe, warum heutzutage bereits ziemlich viele jüngere Menschen eine verminderte Knochendichte aufweisen. Eine besorgniserregende Entwicklung, denn die Zusammensetzung der Knochenmasse lässt sich in späterem Alter kaum mehr ändern und der Knochenschwund kann neben Schmerzen und Brüchen auch zu Invalidität führen.

Ein weiterer Osteoporose fördernder Faktor ist Bewegungsmangel, denn das Knochengerüst braucht Anreize, um stabil zu bleiben. Doch auch zu viel Sport kann schaden. So führt intensiver Leistungssport u.U. zu Hormonstörungen beim weiblichen Geschlecht, samt negativen Auswirkungen auf den Knochenstoffwechsel. Überhaupt spielen bei Frauen schon in der Jugend Hormone eine entscheidende Rolle in Bezug auf die Knochendichte. Im Nachteil dabei sind Mädchen mit spät einsetzender Menarche (erste Regelblutung) und Frauen mit früher Menopause.

Tritt eine Osteoporose bei Frauen im gebärfähigen Alter ein, kann die Behandlung problematisch werden, weil entsprechende Medikamente sich kaum für Schwangere eignen. Eine Schwangerschaft selbst kann aber auch zum “Knochenräuber“ werden. Vor allem dann, wenn bereits davor ein Kalzium- und/oder Vitamin-D-Defizit bestanden hat. Und/oder die Schwangere längere Zeit Bettruhe einhalten oder Cortison nehmen muss. Zur Verhinderung einer solchen schwangerschaftsassoziierten Osteoporose empfehlen Experten die Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels in der Anfangszeit der Gravidität und gegebenenfalls Vitamin-D-Gabe. Außerdem die Erfassung von Risikofaktoren (z.B. familiäre Belastung) für einen verfrühten Knochenschwund bei jungen Frauen, etwa durch Gynäkologen, um rechtzeitig Knochendichtemessungen zu veranlassen und gegebenenfalls gegenzusteuern.

Altersunabhängig, daher auch in jungen Jahren kann eine sekundäre Osteoporose, z.B. infolge diverser Krankheiten (z.B. chronische Darmentzündungen) auftreten.

 

Weiter führender Link:
Bone Resorption and Osteoporotic Fractures in Elderly Men

Links zu unserem Lexikon:
Knochendichte
Osteoporose
Vitamin D
Calcium

Zum Thema Männergesundheit haben wir auch noch diese Ratgeber für Sie:

Gendermedizin: Auch Männer sind manchmal im Nachteil
Männerkrankheiten: Wo das starke Geschlecht seine Schwachstellen hat
Männergesundheit: Warum sind Männer Vorsorgemuffel?
Erektile Dysfunktion: Streikt die Seele, leider die Manneskraft