Erektile Dysfunktion: Streikt die Seele, leidet die Manneskraft

© panthermedia.net, Dunca Daniel

Wenn das starke Geschlecht nicht mehr seinen Mann stehen kann, stecken dahinter oft Krankheiten oder Medikamente. Zum Teil aber sind psychische Ursachen (mit)schuld an der erektilen Dysfunktion (ED, Impotenz). Dann hilft ein “Seelenklempner“ weiter.

Lust und Begehren beginnen – nicht im Unterleib, wie manche meinen, sondern im Gehirn. Dort sorgt eine Region des Zwischenhirns, der sogenannte Hypothalamus dafür, dass entsprechende Reize – z.B. Phantasien, ein optisch ansprechendes Gegenüber oder Berührungen – in Nervensignale umgewandelt werden, die dann zu sexueller Erregung, d.h. bei Männern zu einer Erektion führen. Hormone dienen als Übermittler der Antworten des Hypothalamus auf die Reize – z.B. das Bindungshormon Oxytozin, das beim Orgasmus freigesetzt wird. Zusätzlich steuert das in den Hirnarealen Nucleus accumbens und Nucleus caudatus ansässige Belohnungssystem mit Botenstoffen wie dem Dopamin Lust und Motivation.

Der Hypothalamus ist gleichzeitig aber auch zuständig für Reaktionen auf negative Empfindungen wie z.B. Angst. Er sorgt in als Bedrohungen eingestuften Situationen für die Ausschüttung von Stresshormonen (z.B. Adrenalin) aus den Nebennieren. So verwundert es nicht, dass seelische Beeinträchtigungen wie Frustrationen, Sorgen, Hemmungen und vor allem Ängste die Libido (sexuelles Verlangen) blockieren können. Als Folge lösen sexuelle Reize oft nicht die gewünschten körperlichen Reaktionen aus. Da die Verursacher der Potenzprobleme dann nicht körperlicher Natur sind, spricht man von einer  psychogenen (seelisch bedingten) erektilen Dysfunktion.

Potenzstörung durch Unerfahrenheit

Gerade jungen Männern fehlt es eher selten an gesundheitlichen Voraussetzungen für ein erfülltes Liebesleben. Woran es viel eher krankt, ist ein Mangel an Erfahrung und so manches Mal auch an Selbstbewusstsein. Dann kann bereits ein “verpatztes“ erstes Mal die Weichen stellen für – sich schlimmstenfalls immer wieder bewahrheitende – Versagensängste.

Partnerschaftsprobleme als Lustkiller

Lebt Mann schließlich in einer festen Partnerschaft, ist dennoch längst nicht für immer alles geritzt. Denn auch wenn es zunächst gut klappt im Bett, gibt es eine Reihe von potenziellen Störfaktoren, die das im Laufe der Zeit ändern können. Oft liegt es an einem Mangel an Kommunikation hinsichtlich gegenseitiger Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen, dass die Erotik auf der Strecke bleibt. Oder die Kommunikation geschieht auf negative Art, z.B. in Form ständiger Nörgelei oder dauernder Kritik, was wohl niemand antörnend findet.

Zu befriedigenden sexuellen Erlebnissen gehört in der Regel aber auch ein gewisses Maß an Nähe und Zeit füreinander, ebenso gemeinsame Aktivitäten. Fehlt es daran, lässt häufig die  Zuneigung füreinander nach. Inklusive der Lust.

Besteht keine Einigkeit hinsichtlich Heirats- oder Kinderwunsch bzw. Aufgabenverteilung in der Partnerschaft, können sich solche schwerwiegenden Differenzen in Bezug auf die Lebensplanung bzw. –gestaltung ebenfalls negativ auf die Manneskraft auswirken.

Außereheliche bzw. Nebenbeziehungen der Partnerin schmälern gern das männliche Selbstbewusstsein und Stehvermögen. Eifersucht tut das ihre dazu.

Auch körperliche oder psychische Veränderungen der Partnerin – etwa im Rahmen einer Krankheit – können Potenzprobleme auslösen.

Was das Begehren besonders gerne zum Schwinden bringt, sind Routine, Langeweile und zu sehr festgefahrene Rituale – im Alltag und vor allem im Bett.

Impotent infolge Alltagssorgen

Erotik braucht Anreize, Zeit zum Genießen und eine gewisse innere Entspanntheit. Ist Mann zu sehr gestresst oder hat den Kopf zu voll mit beruflichen (z.B. Angst um den Arbeitsplatz, Mobbing) und/oder finanziellen Problemen, fördert das nicht gerade seine Potenz.

Seelisch krank = sexuell gestört?

Neben seelischen Problemen wie Versagensängsten, unrealistischen Erwartungen, traumatischen sexuellen Erfahrungen oder Unklarheiten in der sexuellen Orientierung (hetero-, homo- oder bisexuell?) können auch psychische Erkrankungen den Sexualtrieb beeinträchtigen. So sind Erektionsprobleme – neben Schlaf- und Appetitstörungen –  ein häufiges und typisches Symptom bei Depressionen. Das lässt sich jedoch nicht generalisieren. Es gibt auch Männer, die in sehr negativen Gefühlssituationen sexuell aktiv bleiben.

Erektile Dysfunktion: manchmal Komponente einer organischen Störung

Potenzprobleme – egal welcher Natur – lassen kaum einen Mann kalt. Auch wenn sie zunächst auf einem körperlichen Gebrechen beruhen, gesellen sich u.U. auch seelische Faktoren (z.B. Versagensängste) hinzu, die die Situation zusätzlich erschweren.

Therapie: seelischer Beistand

Primärer Ansprechpartner für Potenzprobleme ist der Urologe bzw. Androloge. Er fahndet nach organischen und medikamentösen Ursachen der erektilen Dysfunktion. Bleibt die Suche ergebnislos, kann Mann davon ausgehen, dass psychische Ursachen dahinter stecken. Dann ist die Inanspruchnahme eines Sexualmediziners, Sexual- oder Paartherapeuten angesagt. Ein Gang, der vielen Vertretern des starken Geschlechts nicht leicht fällt, aber als Lohn die Wiederkehr eines befriedigenden bzw. Verbesserung des Sexuallebens verspricht.

Bildet eine Depression oder andere psychische Krankheit die Ursache der ED, ist zunächst eine fachlich kompetente Stabilisierung des Seelenlebens durch Psychotherapie erforderlich. Gegebenenfalls unterstützt durch vom Facharzt für Psychiatrie verschriebene Medikamente (z.B. Antidepressiva, Anxiolytika), wobei der Arzt darauf achten sollte, dass die Psychopharmaka nicht ihrerseits die sexuellen Aktivitäten bremsen. Andernfalls sollte ein Präparatewechsel in Erwägung gezogen werden.

 

 

Link zu unserem Ratgeber:
Sexualprobleme

Link zu unserem Lexikon:
Erektile Dysfunktion

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