Hernien: Chirurgie verhindert Komplikationen

©panthermedia.net, Cseh Ioan

Wenn die Bauchdecke stellenweise nicht straff genug ist, kann dort eine Hernie (Weichteilbruch) entstehen. Dann hilft oft nur noch eine Operation.

Bei einer Hernie treten Eingeweide mitsamt des zugehörigen Peritoneums (Bauchfell), das den sogenannten Bruchsack bildet, durch eine Bruchpforte, d.h. eine Lücke in der Bauchwand (äußerer Bruch) oder im Inneren (z.B. Zwerchfell, Bauchfelltasche; innerer Bruch).

Bestimmte anatomische Strukturen wie etwa der Nabel, der Leistenkanal oder auch Narben bilden Schwachstellen, durch die leichter Innereien gelangen können. Da beim starken Geschlecht die Samenstränge (Samenleiter, Gefäße und Nerven) über die beiden Leistenkanäle in den Hodensack verlaufen, bestehen hier zwei natürliche Verbindungen vom Bauchraum nach außen. Neben der Tatsache, dass Männer öfter (beruflich) schwer schleppen, erklärt das, warum sie viel häufiger unter (Leisten-)Brüchen leiden.

Weichteilbrüche können angeboren (Hernia congenita) oder erworben (Hernia acquisita) sein. Ursachen sind von Geburt an vorhandene unvollständige Verschlüsse oder durch Operationen hervorgerufene Instabilitäten der Bauchwand bzw. ein erhöhter Druck im Bauchraum, z.B. bei Betätigen der Bauchpresse (Anspannung der Bauchmuskeln, z.B. beim Husten, Heben von Lasten oder Pressen), der die Eingeweide an Öffnungen der Bauchwand drückt. Abhängig von der Größe der Bruchpforte können sich unterschiedliche Organe bzw. Teile davon nach außen stülpen. In den meisten Fällen enthält der Bruchsack Darmschlingen.

Je nach Lokalisation unterscheidet man im Wesentlichen zwischen einer

  • Hernia inguinalis (Inguinalhernie, Leistenbruch): Sie ist bei beiden Geschlechtern die häufigste Bruchform, denn in der Leiste verläuft bei Männern der Samenstrang, bei Frauen das Mutterband. An dieser natürlichen Schwachstelle kann ein mit Darmteilen gefüllter Bruchsack entstehen und in den Leistenkanal rutschen.
  • Hernia scrotalis (Skrotalhernie, Hodenbruch): Hier wandert der Bruchsack entlang des Samenstrangs bzw. Mutterbandes hinunter bis in den Hodensack bzw. die großen Schamlippen.
  • Hernia femoralis (Hernia cruralis, Femoralhernie, Cruralhernie, Schenkelbruch): Diese vorwiegend bei Frauen auftretende Hernie hat als Bruchpforte den Schenkelkanal zwischen Leistenband und Beckenknochen und lässt sich unter dem Leistenband am Oberschenkel ertasten.
  • Hernia umbilicalis (Umbilikalhernie, Nabelbruch): Diese zweithäufigste Bruchform betrifft v.a. Neugeborene und stark Übergewichtige.
  • Hernia epigastrica: Sie entsteht in der Bauchmittellinie, im Bereich zwischen den geraden Bauchmuskeln.
  • Hernia diaphragmatica (Zwerchfellbruch): Bei diesem inneren Bruch wölbt sich der Bruchsack in den Brustkorb. Eine Zwerchfellhernie entsteht zumeist auf der linken Seite, denn rechts grenzt die Leber ans Zwerchfell und stützt es. In der Mehrzahl handelt es sich dabei um eine Hiatushernie (Bruch am Hiatus ösophageus, der Durchtrittsstelle der Speiseröhre) mit teilweiser oder gänzlicher Verlagerung des Magens vom Bauch- in den Brustraum.
  • Hernia cicatricea (Narbenhernie): Jede Operation geht mit der Bildung einer oder mehrerer Narben einher, was Schwachstellen in der Bauchwand schafft, durch die Hernien treten können.

Kennzeichen Beule

Kleinere Brüche bleiben oft beschwerdelos. Symptomatische Hernien erzeugen ein Druckgefühl, stechende oder ziehende Schmerzen an der Bruchstelle, v.a. bei Anspannung der Bauchmuskulatur (Tragen schwerer Gegenstände etc.). Reizungen des Bauchfells können einen Dauerschmerz, Stuhlunregelmäßigkeiten (Verstopfung, Durchfall), Blut im Stuhl, Übelkeit und Erbrechen, ein allgemeines Krankheitsgefühl und eine herabgesetzte Leistungsfähigkeit, manchmal auch Schwindel oder sogar eine Neigung zur Ohnmacht auslösen.

Sofern es sich nicht um eine innere Hernie handelt, tritt ein Weichteilbruch in der Regel als Vorwölbung zutage. Wenn nicht, hilft ein Pressen oder Husten im Stehen, um Hernien sicht- und tastbar zu machen. Beim Abhören eines Bruches mit dem Stethoskop können sich Darmgeräusche bemerkbar machen. Lage und Inhalt des Bruchsacks zeigen sich im Ultraschall. Gegebenenfalls beseitigen Röntgenaufnahmen oder eine Computertomografie etwaige diagnostische Unklarheiten. Zur Erkennung innerer Brüche kann eine Laparoskopie erforderlich sein.

Gefahr: Einklemmung

Normalerweise gleiten Hernien durch die Bruchpforte und dann wieder retour. Es kann jedoch vorkommen, dass ein erhöhter abdomineller Druck die Bruchpforte stark aufweitet, sodass leicht Eingeweide in diesen Kanal rutschen, dann aber kaum mehr in ihre ursprüngliche Lage zurückkehren können, weil sich bei Nachlassen des Drucks die Lücke verengt und sie einklemmt (Inkarzeration). Als Konsequenz dieser Komplikation droht z.B. ein Darmverschluss oder infolge der unterbrochenen Blutzufuhr eine Nekrose (Absterben) der eingeklemmten Darmwand oder auch deren Perforation (Durchbruch) mit Entleerung von Darminhalt in die Bauchhöhle und konsekutiver Peritonitis (Bauchfellentzündung). Eine inkarzerierte Hernie ist ein Notfall, der sofort ärztlich versorgt werden muss.

Therapie: Operation

Viele Hernien gleiten anfangs von selbst wieder zurück an ihren Ursprung oder lassen sich vom Arzt dorthin reponieren (zurückschieben), aber Bruchpforten schließen sich nicht von selbst. Eher noch haben sie die Tendenz, sich zu erweitern und mehr Inhalt aufzunehmen. Das erhöht das Risiko einer Einklemmung. Um einen Bruchkanal dauerhaft zu schließen bzw. zu sichern, stehen – je nach Ort und Ausmaß der Hernie – unterschiedliche Operationsmethoden (z.B. Leistenbruch: Op. nach Lichtenstein, Op. nach Shouldice), die zum Teil auch in lokaler Betäubung durchgeführt werden können, zur Verfügung. Sie können offen oder endoskopisch (Bauchspiegelung, Laparoskopie, z.B. TAPP, TEP) erfolgen. Um Rezidive (erneutes Auftreten) einer Hernie zu verhindern, implantiert bei manchen dieser Eingriffe der Chirurg ein Kunststoffnetz.

 

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