Verhütung

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Zusammenfassung
Verhütung dient der Vermeidung einer ungewollten Schwangerschaft, dies kann auf verschiedenem Weg geschehen, die Zuverlässigkeit ist ebenfalls sehr unterschiedlich.

Was ist Verhütung?

Bei der Verhütung handelt es sich um Maßnahmen, die gesetzt werden, um eine ungewollte Schwangerschaft zu vermeiden. Es gibt dazu viele Mittel und Methoden, deren Praktikabilität und Zuverlässigkeit sehr unterschiedlich sind.

 

Wie funktioniert Verhütung?

Eine ungewollte Schwangerschaft kann durch hormonelle, mechanische, chemische, natürliche und operative Maßnahmen oder eine Kombination aus mehreren Mitteln und Methoden verhindert werden:

 

Hormonell und hormonell-mechanisch

  • „Pille“: Jede „Pille“ (orale Kontrazeptiva) enthält künstlich hergestellte weibliche Sexualhormone (Östrogene, Gestagene – oft in Kombination) in unterschiedlichen Zusammensetzungen. Die Hormone verhindern den Eisprung, verdicken den Schleim im Gebärmutterhalskanal und hemmen das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut, wodurch sich befruchtete Eizellen nicht einnisten können. Auf drei Wochen der täglichen Einnahme folgt eine Woche Pause oder die Einnahme von Zucker-Pillen ohne hormonelle Inhaltsstoffe, damit die gewohnte tägliche Einnahme nicht unterbrochen werden muss. Während dieser Zeit kommt es zur Menstruationsblutung. Vorausgesetzt, sie wird korrekt eingenommen, schützt die Pille durch ihre Mehrfachwirkung sehr sicher vor einer Schwangerschaft. Sie kann jedoch unangenehme Nebenwirkungen haben, wie eine Gewichtszunahme oder die Entstehung von Hautunreinheiten. Je älter die Frau ist, desto größer ist außerdem das Risiko, durch die Pille eine Thrombose zu bekommen. Für Raucherinnen ist das Thromboserisiko zusätzlich erhöht.
  • Hormonpflaster: Das Hormonpflaster wird außen auf die Haut aufgeklebt. Über die Haut werden dann Hormone in derselben Zusammensetzung und derselben Wirkungsweise wie sie in der „Pille“ stecken, direkt in den Blutkreislauf geschleust, wodurch u.a. der Verdauungstrakt unbelastet bleibt. Das Pflaster bleibt drei Wochen auf der Haut. Nachdem es abgezogen ist, kommt es zur Menstruation, nach einer Woche wird ein neues Pflaster aufgeklebt. Die möglichen Nebenwirkungen gleichen jener der „Pille“.
  • Vaginalring: Der Vaginalring wird in die Scheide eingeführt und auf den Muttermund gesetzt. Dort gibt er drei Wochen lang einen pillenähnlichen Hormonmix in den Blutkreislauf ab, der genauso wirkt, wie jener in der „Pille“ und auch ähnliche Nebenwirkungen haben kann. Nach drei Wochen wird der Ring entfernt, es kommt zur Blutung, nach einer Woche wird er durch einen neuen Ring ersetzt.
  • 3-Monatsspritze: Die 3-Monatsspritze enthält nur das Gelbkörperhormon Gestagen. Sobald es in die Haut injiziert wird, durchläuft es den Blutkreislauf. Es hemmt die Eizellreifung, den Eisprung und das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut, wodurch eine Schwangerschaft verhindert wird. Die Menstruation bleibt während der drei Monate aus. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen eine Gewichtszunahme, Schmier-, Zwischen- und auch Dauerblutungen.
  • Depotstäbchen: Die vier Zentimeter langen und zwei Millimeter dünnen Stäbchen aus Kunststoff werden an der Innenseite des Oberarms unter die Haut implantiert und geben das Gelbkörperhormon Gestagen für bis zu drei Jahre in den Blutkreislauf ab. Die Stäbchen wirken wie die 3-Monatsspritze und können dieselben Nebenwirkungen haben.
  • Minipille: Die Minipille wird wie die „Pille“ täglich eingenommen, nur ohne Pause. Sie enthält das Gelbkörperhormon Gestagen, wodurch sie genauso wirkt und die gleichen Nebenwirkungen haben kann, wie die Depotstäbchen und die 3-Monatsspritze.
  • Hormonspirale: Die Hormonspirale wird über den Muttermund in die Gebärmutter eingeführt und kann dort fünf Jahre bleiben. Schwangerschaften verhindert sie mechanisch durch ihre Präsenz und zusätzlich durch die kontinuierliche Abgabe von Gestagen. Dieses hemmt die Gebärmutterschleimhaut im Wachstum, was zur Folge hat, dass sich Eizellen nicht mehr einnisten können und die Menstruationsblutung schwächer wird, manchmal sogar ganz ausbleibt. Die Hormonspirale ist sehr sicher, Nebenwirkungen gibt es kaum. Das Einführen der Spirale kann allerdings schmerzhaft sein, obwohl es während der Regelblutung erfolgt, wo sich der Muttermund öffnet und leichter passierbar ist. Manche Frauen stört der Gedanke, einen Fremdkörper in sich zu tragen.

 

Mechanisch-chemisch

  • Kupferspirale: Die Kupferspirale wird wie die Hormonspirale über den Muttermund in die Gebärmutter eingeführt und kann dort fünf Jahre verbleiben. Schwangerschaften verhindert sie allein durch ihre Präsenz: Neben ihr können sich Eizellen nicht einnisten. Außerdem gibt die Kupferspirale kontinuierlich Kupfer ab, das die Spermien abtötet.
  • Kupferkette: Die Kupferkette wird über den Muttermund in die Gebärmutter eingeführt und dort an der Schleimhaut fixiert. Sie funktioniert nach demselben Prinzip wie die Kupferspirale.
  • Goldspirale: Sie wird wie die Hormon- und Kupferspirale eingesetzt und wirkt ebenfalls durch ihre Präsenz sowie durch die Abgabe von Goldionen, die Spermien töten.

 

Mechanisch

  • Kondom: Über das männliche Glied gezogen, verhindert es, dass beim Samenerguss Spermien in die Gebärmutter gelangen.
  • Pessar: Der Kunststoffdeckel wird in die Scheide eingeführt und auf den Muttermund gesetzt, wodurch Spermien der Weg in die Gebärmutter verwehrt wird.

 

Chemisch

Spermizid-haltige Cremen, Gels oder Zäpfchen, welche die Frau in die Scheide gibt, töten die Spermien ab.

 

Natürlich

  • Temperaturmethode: Die Frau misst jeden Morgen in etwa zur selben Zeit ihre Körpertemperatur. Am Tag des Eisprungs ist die Temperatur höher, die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, ist am größten.
  • Tage zählen: Die Frau trägt den Beginn der Menstruation in den Kalender ein. Um den 14. Tag danach ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen Eisprung hat und schwanger werden kann, am größten. Diese Methode ist sehr unsicher.
  • Verhütungscomputer verwenden: Die Frau gibt ihre Zyklusdaten ein, der Computer berechnet auf der Grundlage der Daten, wann die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, groß ist. Einige Programme beziehen Hormonwerte in die Berechnung ein, die über Teststreifen im Urin ermittelt werden.
  • Coitus interruptus: Der Mann unterbricht den Geschlechtsverkehr kurz vor dem Samenerguss. Diese Methode ist sehr unsicher.

 

Operativ

  • Vasektomie: Beim Mann werden die Samenleiter durchtrennt, wodurch der Samentransport unterbunden wird und der Mann seine Zeugungsfähigkeit verliert. Der kleine Eingriff ist risiko- und nebenwirkungsarm und kann gegebenenfalls rückgängig gemacht werden.
  • Sterilisation: Die Eileiter der Frau werden mit dem Skalpell durchtrennt. Dadurch wird der Transportweg der reifen Eizellen von den Eierstöcken in die Gebärmutter unterbrochen, sodass keine Schwangerschaft mehr stattfinden kann. Die Operation ist nur unter Vollnarkose möglich. Manchmal kann sie rückgängig gemacht werden.
  • Postkoital: Hat ein Geschlechtsverkehr stattgefunden und die Frau fürchtet, schwanger geworden zu sein, kann die sogenannte „Pille danach“ die Schwangerschaft unterbrechen. Durch ihre hohe Konzentration an Hormonen sorgt sie dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut mitsamt der eingenisteten Eizelle abgestoßen wird. Postkoital einsetzbar ist auch die „Spirale danach“: Werden die Hormon, Kupfer- oder Goldspirale in die Gebärmutter eingeführt, kommt es ebenfalls zum Abbruch einer beginnenden Schwangerschaft.

 

Wie sicher sind die einzelnen Verhütungsmethoden?

Keine Verhütungsmethode schützt hundertprozentig vor einer Schwangerschaft. Sehr sicher sind jedoch die Pille und die Spirale sowie die Vasektomie und Sterilisation. Unsicher ist das Kondom, sehr unsicher sind die natürlichen Verhütungsmethoden (Coitus interruptus, Verhütungscomputer verwenden, „Tage zählen“, Temperaturmethode).

 

Woher weiß ich, welche Verhütungsmethode sich für mich eignet?

Über die geeignete Verhütungsmethode spricht man am besten mit einem Gynäkologen oder einem Allgemeinmediziner.

 

Weitere Informationen:

Jugendberatungsstellen

Redaktion: Mag. Sabine Stehrer

Fachliche Freigabe: Univ.-Prof. Dr. Christine Kurz, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde am AKH Wien