Stuhlinkontinenz

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Zusammenfassung
Von einer Stuhlinkontinenz spricht man, wenn der Patient nicht in der Lage ist, Stuhl willkürlich und mit Sicherheit zurückzuhalten, sondern ihn ungewollt und unkontrolliert verliert.

Was sind die Ursachen einer Stuhlinkontinenz?

Rund fünf Prozent der berufstätigen Bevölkerung sind unfähig, Stuhl zurückzuhalten bzw. ihn gezielt an einem bestimmten Ort oder zu einem bestimmten Zeitpunkt abzusetzen. Am häufigsten tritt dieses Problem in höherem Alter auf, doch Studien zeigen, dass sich ein beträchtlicher Teil der Betroffenen noch im arbeitsfähigen Alter befindet. Das Verhältnis von Frauen zu Männern beträgt 9 : 1.

Die Ursachen einer Stuhlinkontinenz können mannigfaltig sein. Die häufigsten sind:

  • Schließmuskeldefekt: meist nach schweren Geburten, seltener nach Operationen.
  • Schließmuskelschwäche: Sie ist zumeist die Folge einer schwachen Beckenbodenmuskulatur, etwa nach mehreren Geburten. Aber auch jahrelange Verstopfung mit Pressen beim Stuhlgang kann den Beckenboden in Mitleidenschaft ziehen. Außerdem können Wirbelsäulenprobleme die Nerven am Anus schädigen.
  • Operationen, bei denen der Mastdarm ganz oder teilweise entfernt wird.
  • Durchfall: Dieser kann sich aufgrund chronischer Darmerkrankungen oder einer Nahrungsmittelunverträglichkeit einstellen. Der ständig flüssige Stuhl kann nicht zurückgehalten werden.
  • Neurologische Erkrankungen wie Bandscheibenvorfälle, Multiple Sklerose, Schlaganfall oder Demenz (dabei nimmt man nicht wahr, dass man auf die Toilette muss).
  • Muskelerkrankungen wie Myopathien.
  • Chronische Darmentzündungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa.
  • Rektumprolaps, also ein Vorstülpen des Mastdarms nach außen.

 

Welche Folgen kann Stuhlinkontinenz haben?

Die Betroffenen schämen sich, ziehen sich zurück, brechen soziale Kontakte ab, das Problem wird verheimlicht und tabuisiert. Außerdem können Partnerschaftsprobleme, Depressionen oder Komplexe die Folge sein. Daher ist es umso wichtiger, rechtzeitig einen Arzt zu konsultieren.

 

Wie wird eine Stuhlinkontinenz diagnostiziert?

Ganz wesentlich ist eine gründliche Anamnese, also das Gespräch des Arztes mit dem Patienten (etwa über Häufigkeit und Dauer des Symptoms, über die Konsistenz des Stuhls, die etwaige Einnahme von Abführmitteln etc.). Ebenfalls wichtig ist eine Inspektion (so kann etwa ein weit geöffneter Anus ein Hinweis auf eine Verletzung des Schließmuskels sein) sowie eine Tastuntersuchung des Afters. So kann die Spannung des Schließmuskels ermittelt werden. Die Diagnose stellt ein Facharzt für Chirurgie mit Spezialisierung auf diesem Gebiet.

 

Wie wird Stuhlinkontinenz behandelt?

So vielfältig wie die Ursachen sein können, so vielseitig sind auch die Möglichkeiten der Behandlung einer Stuhlinkontinenz. Etwa 70 Prozent der Patienten werden durch konservative Therapie wieder kontinent. Medikamente verlangsamen die Tätigkeit des Darmes, auch Durchfälle werden vermieden. Gezieltes Beckenbodentraining oder die Elektrostimulation der Beckenbodenmuskulatur können ebenfalls sehr hilfreich sein. Bei 15 bis 20 Prozent der Betroffenen ist eine Operation notwendig.

 

Kann man einer Stuhlinkontinenz vorbeugen?

Bei schwacher Beckenbodenmuskulatur hilft deren gezielte Stärkung durch regelmäßige Beckenbodengymnastik. Eine ballaststoffreiche Ernährung, Verzicht auf blähungsfördernde Speisen sowie Bewegung begünstigen einen regelmäßigen Stuhlgang.

 

Weitere Informationen

Informationen über Beratungsstellen, Zentren oder Veranstaltungen unter www.kontinenzgesellschaft.at (das ist die Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreichs) oder unter der Hotline 0810 / 100 455  (zum Ortstarif)

Redaktion: Mag. Wolfgang Bauer

Fachliche Freigabe: Univ.-Prof. Dr. Max Wunderlich, Facharzt für Chirurgie, Zweiter Vorsitzender der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreichs