Schlaganfall (Insult, Apoplex)

© Fotolia - Kirsty Pargeter

Zusammenfassung
Der Schlaganfall ist eine plötzlich („schlagartig“) auftretende Funktionsstörung des Gehirns, verbunden mit neurologischen Ausfällen.

Was ist ein Schlaganfall?

Der Schlaganfall (Insult) ist eine plötzlich („schlagartig“) auftretende Funktionsstörung des Gehirns, verbunden mit unterschiedlichen stark ausgeprägten neurologischen Ausfällen. In den meisten Fällen führt dabei eine Durchblutungsstörung des Gehirns zum Auftreten eines sogenannten ischämischen Schlaganfalles. Es handelt sich dabei um den Verschluss einer (Hals)Schlagader mit nachfolgender Minderdurchblutung des Gehirns. Seltener kommt es durch das Aufplatzen einer Schlagader zu einer Gehirnblutung und in der weiteren Folge zu einem sogenannten hämorrhagischen Schlaganfall.

 

Wie häufig sind Schlaganfälle?

Jährlich erleiden rund 20.000 Personen in Österreich einen Schlaganfall. Ein Schlaganfall ist somit eine häufige, auch lebensbedrohliche und oft mit bleibender Behinderung assoziierte Krankheit. Schlagartig, wie schon der Name sagt, ändern sich die Lebenssituation und die Lebensperspektive für den Betroffenen und für die Angehörigen.
 Etwa ein Drittel aller Schlaganfallpatienten muss mit einer eingeschränkten Selbständigkeit rechnen, ein Drittel erlangt die Selbständigkeit mit mehr oder weniger großen Einschränkungen zurück. Nur ein Drittel wird wieder völlig gesund. Entsprechend hoch sind die Behandlungs- und Folgekosten für das Gesundheitswesen durch Schlaganfälle. Einige Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind nicht zu beeinflussen. Dazu zählen das Geschlecht, ein höheres Lebensalter sowie eine genetische Disposition (Veranlagung). Männer haben im Vergleich zu Frauen ein um 19 % erhöhtes Schlaganfallrisiko. Mit zunehmendem Lebensalter kommt es ebenfalls zu einem deutlichen Anstieg des Risikos. Nach dem 55. Lebensjahr erhöht sich das Schlaganfallsrisiko alle zehn Jahre um 50 %.

 

Was sind die typischen Symptome eines Schlaganfalls?

Nicht selten gehen einem Schlaganfall flüchtige Ausfälle wie Sehstörungen (Amaurosis fugax), Sprachstörung (Aphasie), Gefühlsstörungen oder Schwäche einer Körperhälfte oder Extremität schon Wochen bis Tage vorher voraus. Obwohl die folgende Differenzierung als überholt gilt, spricht man von einer sogenannten TIA (transitorisch ischämische Attacke), wenn sich diese Störung innerhalb von 24 Stunden wieder vollständig zurückbildet. Bei Andauern der Symptome über 24 Stunden hinaus bis maximal drei Wochen, handelt es sich um einen sogenannten PRIND (prolongiert reversibles neurologisches Defizit). Beim manifesten Schlaganfall kommt es häufig zu schweren Funktionsdefiziten mit bleibender Invalidität des Betroffenen.

 

Wie stellen die Ärzte die Diagnose bei einem Schlaganfall?

Neben der klinischen Untersuchung, EKG, Bestimmen von Laborwerten (Blutzucker und Cholesterin) führt eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) zur Diagnose Schlaganfall.

 

Wie wird ein Schlaganfall behandelt?

Entscheidend ist die möglichst rasche Behandlung an einer spezialisierten Abteilung, einer sogenannten Stroke-Unit. In Österreich sind 40 solcher Stroke-Units (Schwerpunktkrankenhäuser) geplant, von den bereits 34 umgesetzt wurden. Die Sterblichkeit beim Schlaganfall ist damit auf unter 10 % gesunken. Nach Diagnosestellung werden je nach Ursache des Schlaganfalles die notwendigen Behandlungsschritte wie zum Beispiel eine sogenannte Lysetherapie (Auflösung von Blutgerinnseln) oder manchmal eine Karotisendarterektomie (Karotis-TEA, Ausschälung der eingeengten Halsschlagader) eingeleitet.

Häufig bedürfen Patienten nach einem Schlaganfall einer längeren und aufwändigen Rehabilitation in einem spezialisierten Rehazentrum. Durch das Zusammenspiel von Neurologen, Kardiologen, Angiologen, Gefäßchirurgen und interventioneller Radiologie, versucht man die bleibenden Einschränkungen nach einem Schlaganfall zu minimieren.

 

Kann man einem Schlaganfall vorbeugen?

Die Schlaganfallvorbeugung besteht aus einem „gesunden“ Lebensstil mit Nichtrauchen,  ausreichender Bewegung, dem Vermeiden von Übergewicht und ausgewogener Ernährung. Ein erhöhter Blutdruck (Hypertonus) oder Blutzucker (Diabetes mellitus) sowie Herzerkrankungen (besonders Rhythmusstörungen), die Verhütung mittels Pille und eine Hormonersatztherapie stellen besondere Risikofaktoren dar. Hier sollte gemeinsam mit dem Arzt die Gefährdung bestimmt und festgestellte Risikofaktoren möglichst vermieden werden. Neben der Verhinderung eines ersten Schlaganfalls (Primärprävention) stellt auch die Sekundärprävention – die Prophylaxe weiterer Schlaganfälle – eine wichtige Maßnahme dar. Immerhin erleiden 40 % der Patienten nach einem Insult innerhalb der nächsten 5 Jahre einen weiteren Schlaganfall.

 

Weitere Informationen

Hessinger M., Klein E., Kreuzig W., Pabst E., Tiesenhausen K.: Schlaganfall. Wien 2012

Cover400_Schlaganfall zum Buch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Redaktion: Mag. Michael Hlatky

Fachliche Freigabe: Univ.-Prof. Dr. Kurt Tiesenhausen, Medizinische Universität Graz, Gefäßchirurgie