Nierenversagen (Niereninsuffizienz, Urämie, Harnvergiftung)

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Zusammenfassung
Unter Nierenversagen (Niereninsuffizienz) versteht man einerseits die Verschlechterung, andererseits den Ausfall der Nierenfunktion.

Was ist ein Nierenversagen?

Arbeiten die Nieren nicht mehr vollständig oder stellen ihre Funktion komplett ein, spricht man von einem Nierenversagen. Man unterscheidet zwei zeitliche Verlaufsformen, nämlich das chronische und akute Nierenversagen, wobei in beiden Fällen die Urinproduktion weiterhin erhalten bleibt oder sogar steigt.

Nierenerkrankungen sind ein schleichender, über Jahre oder Jahrzehnte voranschreitender schmerzloser Krankheitsprozess. Der völlige Ausfall der Nierenfunktion bedeutet biologisch das Ende des Lebens. Die Nieren liegen paarig angelegt rechts und links der unteren Brust- und Lendenwirbelsäule. Beide Nieren werden täglich von mehr als 1.500 Liter sauerstoffreichem Blut durchströmt. Daraus filtern die Nierenkörperchen täglich mehr als 180 Liter „Primärharn“ aus dem Blut. Die Aufgabe der Niere ist die Ausscheidung der bei den Stoffwechselvorgängen entstehenden Körperschlacken und der mit der Nahrung aufgenommenen Stoffe. Sie dient der Aufrechterhaltung des Wasser-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalts und produziert lebenswichtige Hormone, wie zum Beispiel Vitamin D für die Knochen oder Erythropoietin für die Bildung von roten Blutkörperchen. Die Nieren sind auch sehr wichtig für die Blutdruckregulation. Die schwerste Form der „Harnvergiftung“ – der Ansammlung von nicht ausgeschiedenen Stoffen im Blut – bezeichnet man als Urämie.

 

Wie entsteht ein Nierenversagen?

Ein Nierenversagen hat unterschiedliche Gründe:

  • Es kann eine genetische Veranlagung vorliegen.
  • Abwehrreaktionen richten sich gegen körpereigene Zellen.
  • Folge einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus),
  • deutliches Übergewicht,
  • hoher Blutdruck (Hypertonie),
  • Gefäßverkalkung (Arteriosklerose),
  • häufige Nierenbeckenentzündungen belasten das Nierengewebe,
  • Langzeitmedikation mit Schmerzmitteln,
  • die Gabe starker Antibiotika.

 

Wie erkenne ich ein Nierenversagen?

Die Erstsymptome einer Nierenschädigung, die zu einer Niereninsuffizienz führen, sind vermehrtes Wasserlassen, eine Blutdruckerhöhung und Wassereinlagerung im Gewebe (Ödeme). Erst bei rund 2/3 Ausfall der gesamten Nierenfunktion, machen sich die ersten Zeichen einer Nierenschädigung bemerkbar. Häufig wird über Müdigkeit und Juckreiz geklagt. Die Haut verfärbt sich graugelblich. Blutarmut stellt sich ein. Je nach dem Grad der Einschränkung der Nierenfunktion treten die körperlichen Symptome in verschiedenem Ausmaß und Ausprägung auf.

 

Wie erfolgt die Diagnose eines Nierenversagens?

Die Abklärung erfolgt durch einen Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunktfach Nephrologie über eine Bestimmung verschiedener Blutparameter. Dabei werden im Blut Harnstoff, Kreatinin, Harnsäure, die Elektrolyte Natrium, Kalium und Kalzium, das Serumphosphat und verschiedene Entzündungsparameter bestimmt. Nach einer speziellen Formel wird dann die sogenannte glomeruläre Filtrationsrate (GFR) berechnet und daraus das vorliegende Stadium der Niereninsuffizienz (Nierenfunktionsstörung) ermittelt. Diese Skala reicht vom Stadium 1 (Schädigung mit normaler oder erhöhter Filtrationsrate) bis zum Stadium 5, dem Nierenversagen und der Notwendigkeit der Dialyse (siehe dort).

 

Wie wird Nierenversagen behandelt?

Die Behandlung der terminalen (endgültigen) Niereninsuffizienz mittels Dialyse erfolgt ambulant in Dialysezentren bzw. kann auch als Heimdialyse (zumeist Bauchfelldialyse) geschehen. Die Hämodialyse reinigt das Blut außerhalb des Körpers über eine halb durchlässige (semipermeable) Membran von Schlackenstoffen und überschüssiger Flüssigkeit. 12- bis 20-mal wird bei der Hämodialyse das Blut in einer Dialysesitzung außerhalb des Körpers umgewälzt und dabei gereinigt. Die Behandlungsdauer pro Dialysesitzung ist unterschiedlich lange und hängt von der Höhe der Schlackenstoffwerte im Blut und auch von der noch vorhanden Restharnmenge ab. Sie kann zwischen 3 und 6 Stunden (3- bis 4-mal wöchentlich) betragen. In den meisten Fällen schreitet die Nierenfunktionseinschränkung aber weiter fort, sodass auch die Dialysezeit verlängert werden muss.

Bei der Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse) fungiert das Peritoneum (das Bauchfell als dünne Haut, welche die Organe des Bauchraums auskleidet) als körpereigene Austauschmembran. Die Behandlung muss hier täglich durchgeführt werden. Die Patienten führen die Behandlung selbständig und eigenverantwortlich über einen in den Bauchraum eingelegten Katheter durch und sind damit ortsmäßig unabhängiger. Für eine solche Heimbehandlung sind jedoch nur wenige Patienten geeignet, bzw. dazu bereit und/oder gewillt. 3- bis 5-mal pro Tag erfolgt ein Wechsel von 1½  bis 2 Litern Dialyselösung, die nach einer Verweildauer von mehreren Stunden im Bauchraum wieder über den Katheter abgelassen wird. Damit werden die Schlackenstoffe aus dem Körper entfernt. Bei beiden Behandlungsformen muss der Patient zusätzlich laufend Medikamente einnehmen und bestimmte Einschränkungen bei der Ernährung und vor allem beim Trinken akzeptieren.

Um wieder von der Dialyse unabhängig zu werden, erfolgt zumeist nach einiger Zeit eine Nierentransplantation, wobei ein Spenderorgan eines anderen Menschen die Funktion der eigenen Niere übernimmt. Längere Wartezeiten auf eine geeignete Spenderniere werden dabei mittels Dialyse überbrückt. Verliert auch das Spenderorgan wieder seine Filterfunktion, wird erneut auf Dialyse umgestellt. Hämodialysepatienten haben die Möglichkeit, auch während einer Urlaubsreise bei speziellen Kliniken die Blutwäsche durchführen zu lassen, Peritonealdialysepatienten führen auch im Urlaub ihre Behandlung selbstständig durch.

 

Wie kann ich einem Nierenversagen vorbeugen?

Chronisches Nierenversagen ist überwiegend die Folge von Alters- und Zivilisationskrankheiten, die oft mit einer gesünderen Lebensführung hinausgeschoben oder sogar vermieden werden können. Laufende Kontrolle des Blutdruckes, Reduktion des Körpergewichtes, exakte Behandlung des Diabetes mellitus und ein bewusster Umgang mit Schmerzmitteln und anderen Medikamenten verhindern bzw. verzögern das Auftreten einer behandlungsbedürftigen Niereninsuffizienz.

 

Wie verläuft ein Nierenversagen?

Ein Nierenversagen muss mit einer Dialyse behandelt werden, die im weiteren Verlauf zu Beeinträchtigungen von Knochenbildung und Hormonproduktion führen kann, was möglicherweise Folgeerkrankungen nach sich zieht. Ist das Nierengewebe bereits stark geschädigt, ist die Transplantation der Niere das letzte Mittel.

Wird eine Therapie aber konsequent durchgeführt, bewirkt dies bei über 90 % der Betroffenen eine deutliche Lebensverlängerung.

 

Wann sollte ich bei Nierenversagen zum Arzt?

Da Nierenfunktionsstörungen nicht schmerzhaft sind, werden sie häufig erst sehr spät diagnostiziert. Daher sollten Patienten, die bei sich häufigeres Wasserlassen als gewöhnlich, eine Blutdruckerhöhung und/oder Wassereinlagerung im Gewebe feststellen, jedenfalls zu einem Nephrologen zur Abklärung der Ursachen gehen. Je früher Nierenerkrankungen erkannt werden, umso erfolgreicher sind die Behandlungsmöglichkeiten.

 

Welche Hausmittel helfen gegen Nierenversagen?

Präventiv ist ein gesunder Lebenswandel mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung das beste Hausmittel.

 

Weitere Informationen:

Katschnig H., Katschnig B.: Den Jahren Leben geben. Wien

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http://www.nephro.at/

Redaktion: Mag. Michael Hlatky

Fachliche Freigabe: Prim. Dr. Helmut Katschnig, Dialyse-Institut Judenburg