Netzhautverkalkung (altersabhängige Makuladegeneration, AMD)

© Fotolia - bilderzwerg

Zusammenfassung
Bei der Makuladegeneration (AMD) verliert der Punkt des schärfsten Sehens auf der Netzhaut nach und nach seine Funktion.

Was ist eine Makuladegeneration?

Jedes Absterben von Zellen im Bereich des Gelben Flecks (das ist der Punkt des schärfsten Sehens im Auge; lateinisch: Makula) wird Makuladegeneration genannt. Der Gelbe Fleck wird deshalb so bezeichnet, da er durch Einlagerungen von Karotinoiden, dies sind gelbe Farbstoffe wie Lutein, Xanthin oder Betakarotin, gelblich gefärbt ist. Diese Farbstoffe sind Antioxidantien und neutralisieren toxische Sauerstoffradikale.

Es gibt eine trockene Form, die viel häufiger auftritt (85 %) und bei der Zellen und Gefäße absterben, und eine feuchte Form (15 %), bei der zusätzlich Gefäßneubildungen und Flüssigkeitsansammlungen auftreten. Die trockene Form kann jedoch in eine feuchte übergehen. Die Vorstufe sind Drusen. Das sind kleine Ansammlungen von Fetten und Abbauprodukten von Zellen unterhalb der Netzhaut.

Bei der Makuladegeneration sterben die für das scharfe und farbige Sehen zuständigen Zellen in der Netzhautmitte ab. Dadurch verliert die Region des schärfsten Sehens der Netzhaut langsam ihre Funktion. Schwere Sehbehinderungen bis hin zur Erblindung können drohen.

 

Wie entsteht eine Netzhautverkalkung?

Die Makuladegeneration tritt vor allem im höheren Alter auf (daher auch der Begriff). Da zunehmendes Alter mit Gefäßsklerose verbunden sein kann und bei der Makuladegeneration auch die feinen Gefäße der Aderhaut atrophieren (verkalken), nannte man diese Augenerkrankung früher „Netzhautverkalkung“. Die Ursachen dafür sind nicht restlos bekannt, jedoch spielen einzelne Veränderungen, die komplex zusammenwirken, eine Rolle. Es gibt genetische Veränderungen in Proteinen, die gehäuft bei Makuladegeneration zu finden sind. Raucher beispielsweise sind viel öfter davon betroffen. Möglicherweise ist weiters die Summe des Lichtes, das ja auch schädigende Strahlung beinhaltet (z.B. Ultraviolettstrahlen), ein auslösender Kofaktor. Ein Mangel an Mineralstoffen und/oder Vitamin A und Karotinoiden (Vorstufen von Vitamin A), können sich zusätzlich schädigend auswirken.

Selten kommt die Makuladegeneration bereits in der Jugend (juvenile Makuladegeneration) vor. Dann ist sie durch genetische Veränderungen bedingt.

 

Wie erkenne ich eine Makuladegeneration?

Da bei dieser Erkrankung die Rezeptorzellen (Zapfen für das Farbsehen, Stäbchen für das Dämmerungssehen) in der Mitte der Netzhaut nicht mehr funktionieren, werden Buchstaben und Wörter beim Lesen zunehmend schlechter erkennbar. Zuletzt verliert man das Lesevermögen. Bei der feuchten Form kann es anfänglich durch die Flüssigkeitsansammlung (Ödem) in der Netzhaut zu einem Verzerrtsehen kommen. Beispielsweise wird das rechteckige Muster von Fliesen dann wellig und bauchig wahrgenommen. Wenn beim Lesen karierte Gitter verzogen wahrgenommen werden, sind das erste Anzeichen für diese Erkrankung, die vom Augenarzt abgeklärt werden muss.

 

Wie erfolgt bei der Makuladegeneration die Diagnose?

Die Diagnose lässt sich bei einer Untersuchung des Augenhintergrunds durch den Augenarzt mit dem Augenspiegel oder mit Lupen stellen. Um im Rahmen der Erkrankung neu entstandene Blutgefäße zu entdecken, wird ein Farbstoff in die Vene gespritzt und seine Verteilung in der Aderhaut und Netzhaut mittels Video aufgenommen (Angiografie). Eine genaue Analyse der einzelnen Netzhautschichten gelingt mit einem Laserverfahren (optische Kohärenztomografie OCT), mit dem sich sehr genau Drusen, kleine Bläschen, Flüssigkeitsansammlungen und Gefäßmembranen darstellen lassen. Da das Pigmentepithel, das zwischen den Rezeptorzellen und der Aderhaut liegt und für den Abtransport der Abfallprodukte zuständig ist, auch mitbetroffen ist, sieht man die Veränderungen der Pigmentdichte.

 

Wie wird eine Makuladegeneration behandelt?

Bei der trockenen Form der Makuladegeneration kann durch die Einnahme von Kombinationspräparaten, die Mineralstoffe und Karotinoide beinhalten, ein Stillstand oder eine Verzögerung des Verlaufs der Krankheit erreicht werden.

Bei der feuchten Form müssen die Gefäßneubildungen bzw. ihre Membranen zerstört werden. Dies gelingt mit dem Laser, wenn diese Veränderungen nicht genau im Zentrum der Netzhaut liegen, oder andererseits durch die Injektion von Anti-Gefäßwachstumsfaktoren in das Auge (IVOM, intravitreale operative Medikamentenapplikation). Die Wirkung der dabei verwendeten Medikamente, welche die Gefäßneubildung hemmen, hält 4 bis 6 Wochen an, dann muss die Injektion wiederholt werden. Die Injektion erfolgt in Tropfbetäubung und schmerzt nicht.

Eine zusätzliche Hilfe stellen vergrößernde Sehhilfen, wie Lupen, Lupenbrillen oder Fernsehlesegeräte dar. Kantenfiltergläser können störende Blendungen reduzieren.

 

Wie kann ich einer Makuladegeneration vorbeugen?

Eine mögliche Vorbeugung besteht darin, nicht zu rauchen und generell gesund zu leben. Auch das Tragen von Sonnenbrillen bei grellem Sonnenlicht und eine ausgewogene Ernährung können ein Schutzfaktor sein. Sie tragen eventuell dazu bei, keine oder erst später eine milde Form der Makuladegeneration zu bekommen.

 

Wie verläuft die Makuladegeneration?

Die trockene Makuladegeneration kommt manchmal zum Stillstand, lässt sich aber nicht heilen. Die feuchte Makuladegeneration kann man mit Medikamenten hemmen, aber ebenfalls nicht heilen.

 

Wann sollte ich mit einer Makuladegeneration zum Arzt?

Bei ersten Anzeichen einer Sehschwäche sollte raschest möglich ein Arzt zur Abklärung konsultiert werden.

 

Welche Hausmittel gibt es bei Makuladegeneration?

Vitamine (vor allem C und E) und Spurenelemente (Beta-Karotin, Selen, Zink) können die Leiden möglicherweise etwas lindern, entsprechend ist ein höherer Obst- und Gemüsekonsum sicherlich empfehlenswert.

 

Weitere Informationen:

Wedrich A., Faschinger Ch., Schmut O.: Mein Auge. Wien 2010

Cover400_MeinAuge zum Buch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Faschinger C., Schmut O., Faschinger E.: Schau aufs Aug‘! Wien 2014

Cover400_SchauAufsAug zum Buch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Redaktion: Mag. Michael Hlatky

Fachliche Freigabe: Univ.-Prof. Dr. Christoph Faschinger, Universitätsklinik für Augenheilkunde Graz