Mundgeruch (Halitosis, Foetor ex orte)

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Zusammenfassung
Als Mundgeruch bezeichnet man den unangenehmen Geruch des Atems, zu dem es durch mit der Atemluft freigesetzten flüchtigen, zumeist organischen Verbindungen kommt.

Wie entsteht Halitosis?

Unter Mundgeruch (Halitosis) versteht man schlecht riechenden Atem, zu dem es aufgrund flüchtiger, meist organischer Verbindungen (z.B. Schwefelverbindungen, Stickstoffverbindungen, Fettsäuren, Azeton) kommt, die sich mit der ausgeatmeten Luft vermischen.

Mundgeruch entsteht durch die bakterielle Zersetzung organischer Substanzen (Nahrungsreste, Speichel, Gewebeteilchen). Die meisten dieser Bakterien, nämlich 60 bis 80 Prozent, siedeln sich am hinteren Zungenrücken an. Zumeist (in etwa neun von zehn Fällen) entsteht Mundgeruch lokal in der Mundhöhle, seltener im Nasen-Rachen-Raum. Mundgeruch kann aber auch durch andere Erkrankungen des Körpers – also systemisch – bedingt sein, zum Beispiel bei Nieren-, Leberkrankungen und anderen Leiden.

Von 100 Personen sind rund sechs von chronischer Halitosis betroffen. Gelegentlich von Mundgeruch betroffen ist etwa jeder vierte. Nimmt man auch leichten Mundgeruch dazu, so kommt er bei ungefähr jedem zweiten gelegentlich vor.

 

Was sind die Ursachen für Mundgeruch?

Ursachen, im Mundbereich liegend:

  • ŸMängel bei der Mundhygiene (Essensrückstände, Karies)
  • Zahnfleischentzündungen (Gingivitis, Paradontose): eine meist bakteriell – aufgrund von Zahnbelag und Zahnstein – verursachte Entzündung des marginalen Zahnfleisches.
  • Entzündungen des Zahnhalte-Apparates (Parodontitis): tiefer gehende Zahnfleischentzündungen, die auf den knöchernen Anteil des Zahnhalte-Apparates übergreifen können.
  • Chronische Mandelentzündung
  • Infektionen der Mundhöhle oder der Mundschleimhaut
  • Infektionen des Nasen-Rachen-Raumes
  • Trockener Mund (z.B. durch nächtliche Mundatmung)
  • Selten: Bösartiger Tumor

Systemische (den gesamten Organismus betreffende) Ursachen:

  • ŸLebererkrankungen
  • Nierenerkrankungen
  • Magen- Darm-Erkrankung, Störung der Darmflora
  • Alkoholkonsum, Rauchen, bestimmte Medikamente, ernährungsbedingte Ursachen (z.B. auch längeres Fasten)
  • Diabetes mellitus
  • Lungenentzündung
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung („Raucherlunge“)
  • in Zenker-Divertikel (am Schlund)
  • Zwerchfellbruch (Hiatushernie)

 

Wie erfolgt die Diagnose von Halitosis?

Bei sich selbst kann man Mundgeruch kaum feststellen, da der Geruchssinn hauptsächlich auf Veränderungen reagiert.

Eigener Mundgeruch kann einerseits unbemerkt bleiben, andererseits kommt es gar nicht selten vor, dass sich der eigene Verdacht, Mundgeruch zu haben, objektiv nicht bestätigt. Die Möglichkeiten eines Selbsttests sind also nur eingeschränkt zu empfehlen. Eine Fremdbeurteilung ist aus oben genannten Gründen verlässlicher. Als organoleptische Untersuchung bezeichnet man hier die Untersuchung mittels Sensorik ohne weitere Hilfsmittel.

Am verlässlichsten sind Atemmessgeräte (Halimeter), welche die Konzentration der Schwefelverbindungen (Gaschromatographie) messen. Vor einer Messung mit dem Halimeter sollte man sich an bestimmte Vorgaben halten, wie den Verzicht auf Knoblauch, Zwiebel oder die Verwendung von Mundsprays, also alles, was den natürlichen Geruch des Atems überdecken könnte. Eine Behandlung mit Antibiotika sollte bereits vier Wochen zurückliegen. Es gibt Zahnarztpraxen, die eigene „Mundgeruch-Sprechstunden“ anbieten.

Von diesen diagnostischen Verfahren abzugrenzen ist der Atemgastest, über den man Laktoseintoleranz, Alkoholkonzentration der Atemluft sowie das Helicobacter pylori nachweisen kann.

 

Was kann ich gegen Mundgeruch tun?

An erster Stelle steht eine gründliche Mundhygiene. Neben dem regelmäßigen Zähneputzen sollte auch die Zungenreinigung – besonders die des Zungenrückens – nicht zu kurz kommen. Eine Reinigung der Zahnzwischenräume und des Mundrachens kann zusätzlich Abhilfe schaffen. Häufigerer Austausch der Zahnbürste verhindert, dass man neuerlich bereits entfernte Bakterien in den Mundraum einschleppt.

Antibakterielle Mundwässer helfen zwar gegen die sogenannten anaeroben Bakterien (anaerob, weil sie ohne Sauerstoff auskommen), welche die Verursacher des Mundgeruchs sind, doch bei dauerhafter Anwendung können sie die Mundflora und die nützlicheren aeroben Bakterien (diese benötigen Sauerstoff) zerstören.

Alternativ können natürliche Mittel eingesetzt werden, wie Spülungen mit Salbei, Minze und ähnlichen Substanzen. Blattgrün – auch Chlorophyll genannt – kann ebenso bei der Beseitigung von Mundgeruch helfen. Kaugummis und Bonbons regen die Speichelproduktion an und überdecken kurzfristig unangenehmen Mundgeruch. Xylitol anstatt Zucker kann dabei gegen die verursachenden Bakterien eingesetzt werden. Viel Trinken, z.B. Schwarztee mit seinen Polyphenolen reduziert das Bakterienwachstum.

Wie wird Mundgeruch behandelt?

Spätestens wenn die genannten Maßnahmen nichts bewirken – oder bei Verdacht auf eine Erkrankung – sollten auch andere mögliche Ursachen abgeklärt werden, sei es im Hals-, Nasen-, Ohren-Bereich oder in den verschiedenen in Frage kommenden Organen. Der Zustand von Zähnen und Zahnfleisch sollte durch den Zahnarzt abgeklärt werden. Ohne die fachgerechte Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung sind reine Hygienemaßnahmen nicht ausreichend.

 

Weitere Informationen:

Redaktion: Mag. Alexandra Wimmer

Fachliche Freigabe: Dr. Joachim Huber, Facharzt für Interne Medizin in Wien