Keuchhusten

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Zusammenfassung
Keuchhusten ist eine akute Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Bordetella pertussis ausgelöst wird. Sie wird durch Tröpfcheninfektion übertragen.

Was ist Keuchhusten?

Keuchhusten ist eine bakterielle Infektion, die  besonders für Neugeborene und Säuglinge gefährlich ist. Bei erstmaligem Kontakt mit dem Keuchhusten-Erreger werden 70 bis 80 Prozent der nicht Geimpften infiziert. Die Infektion löst Krampfhusten mit kurzen Hustenstößen aus, die von tiefer, ziehender und keuchender Einatmung begleitet wird. Bei Säuglingen führt Keuchhusten zu Erstickungsanfällen und drohendem Atemstillstand, auch Krämpfe sind möglich. Nach dem ersten Lebensjahr ist Keuchhusten keine lebensbedrohliche Erkrankung mehr. Eine häufige Komplikation bei Kleinkindern und Erwachsenen ist eine Lungenentzündung.

 

Wie entsteht Keuchhusten?

Durch eine Ansteckung mit dem Bakterium Bordetella pertussis. Grundsätzlich kann jeder Mensch Keuchhusten bekommen, meist erkranken jedoch Säuglinge, Babys sowie Kinder bis zum sechsten Lebensjahr daran.

 

Wie erkenne ich Keuchhusten?

Keuchhusten kündigt sich mit Beschwerden wie Schnupfen, leichtem Fieber und einer Bindeentzündung der Augen an. In dieser Phase ist Keuchhusten noch nicht diagnostizierbar, aber schon höchst ansteckend. Der Husten geht nach ein bis zwei Wochen in einen Reizhusten über, der in Anfällen auftritt.

Meist nachts wird der Erkrankte von heftigen Hustenattacken mit erstickungsartigen Hustenstößen gequält. Während der Zeit des Hustens ist kein Einatmen möglich, dadurch kommt es zu akuter Atemnot. Es bildet sich zäher glasiger Schleim, die Kinder erbrechen. Durch den starken Druck beim Husten können kleine Blutungen in den Bindehäuten der Augen auftreten.

Säuglinge, die noch nicht so gut husten können, japsen kläglich und strecken die Zunge heraus. Sie können auch blau anlaufen und sind dann in Lebensgefahr!

Bei Erwachsenen führt der Keuchhusten nicht zu Erstickungsanfällen wie bei Kindern. In der ersten Phase verläuft er wie ein grippaler Infekt mit leichtem Fieber, Schnupfen und trockenem Reizhusten. Während dieser Zeit ist die Ansteckungsgefahr am höchsten, die Übertragung passiert infolge von ausgehusteten Tröpfchen. Erst im weiteren Verlauf kommt es zu quälendem wochenlangem Husten, der mitunter Erbrechen oder Harnabgang zur Folge hat.

Keuchhusten bei den Erwachsenen ist wieder im Vormarsch, besonders ab 50 Jahren ist ein Wiederaufflammen der Erkrankung zu beobachten. Personen mit einer chronischen Lungenerkrankung (COPD, Asthma….) wird dringend zu einer Schutzimpfung geraten.

Auch Großeltern sollten sich generell impfen lassen: Oft sind Erwachsene „nur“ Virusträger von Keuchhusten, sie können ohne selbst zu erkranken, Säuglinge anstecken.

 

Wie erfolgt die Diagnose von Keuchhusten?

Der Arzt kann Abstriche über Nase und Mund nehmen, im Labor werden die Erreger identifiziert.

 

Wie wird Keuchhusten behandelt?

Säuglinge und Kleinkinder sollten zur Behandlung sofort in ein Krankenhaus eingewiesen werden, wo der Schleim abgesaugt wird. Ältere Kinder erhalten Antibiotika, die aber nur in sehr frühen Stadien wirksam sind und den Ausbruch der Erkrankung selbst nicht verhindern. Sie mildern die Beschwerden und verkürzen die Krankheitsdauer um einige Tage. Kinder ab zwei Jahren können meist zu Hause versorgt werden. Während eines Hustenanfalls sollte das Kind in aufrechte Position gebracht und der Kopf leicht nach vorne übergebeugt werden.

Ist eine Infektion überstanden, kann es trotzdem wieder zu einer Ansteckung mit den Erregern kommen. Auch um schwere Spätfolgen wie Mittelohrentzündung oder Lungenentzündung zu vermeiden, wird die Impfung dringend empfohlen.

 

Wie kann ich Keuchhusten vorbeugen?

Mit Hilfe einer Impfung. Im Rahmen der kostenlosen 6-fach-Kinderschutzimpfung wird die Pertussisimpfung (PEA) im 3., 5. und 12. (bis 14.) Lebensmonat verabreicht. Wegen des häufigen Vorkommens von Keuchhusten und des schweren Verlaufs im Säuglingsalter sollte unmittelbar nach Vollendung des 2. Lebensmonats mit dem Impfen begonnen werden.
Im Schulkindalter wird die Kombinationsimpfung Pertussis, Diphtherie, Tetanus und Polio im 7. bis 9. Lebensjahr wiederholt.
Für Erwachsene sollte ab dem 19. Lebensjahr bis zum 60. Lebensjahr eine Auffrischungsimpfung mit Pertussis als Kombinations-Impfstoff mit Diphtherie (d), Tetanus (T), und Polio (IPV) alle 10 Jahre und ab dem 60. Lebensjahr alle 5 Jahre erfolgen. 2015 wurden in Österreich 569 Pertussisfälle gemeldet. Auffällig ist vor allem eine deutliche Zunahme von Erkrankungen im Erwachsenenalter, wobei die Altersgruppe der 40 bis 45 Jährigen besonders betroffen ist.

Viele Studien weisen Erwachsene als Infektionsquelle für Neugeborene in den ersten Lebenswochen aus. Daher sollten besonders Familienmitglieder die Impfung gegebenenfalls auffrischen lassen.
Neugeborene und Babys haben gegen Keuchhusten keine angeborene Immunität, eine Impfung ist aber erst ab dem dritten Lebensmonat möglich. Eine Schutzimpfung, welche die Mutter in ihrer Kindheit erhalten hat, bietet keinen Schutz für das Neugeborene. Da weltweit Pertussisfälle bei Säuglingen vor dem 3. Monat zunehmen, wird Frauen, die die Keuchhusten-Schutzimpfung vor der Schwangerschaft nicht aufgefrischt haben, eine Diphtherie-Tetanus-Pertussisimpfung während der 27. bis 36. Schwangerschaftswoche empfohlen. Dadurch ist dann das Neugeborene die ersten drei Monate ausreichend vor den Pertussis-Erregern geschützt.

 

Wann sollte ich einen Arzt bei Keuchhusten aufsuchen?

Wenn Säuglinge unter schweren Hustenanfällen mit Atemnot leiden bzw. bei Erstickungsgefahr bitte sofort die Rettung rufen! Bei Verdacht auf Keuchhusten sollte das Kind unverzüglich in ärztliche Behandlung.

 

Welche Hausmittel gibt es bei Keuchhusten?

Feuchte Luft (mittels Luftbefeuchter oder nassen Handtüchern) dämpft den Hustenreiz. Wichtig ist es, das Kind bei den Hustenanfällen zu beruhigen und zu trösten.

 

Weitere Informationen:

Voitl P.: Kinderkrankheiten von A bis Z. Wien 2012

Cover400_KinderkrankheitenAbisZ zum Buch

 

 

Impfplan Österreich 2016, Version 2, Juli 2016

http://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/2/8/1/CH1100/CMS1452867487477/impfplan.pdf

Elisabeth Gerstendorfer: Petussis. In: Österreichische Ärztezeitung, 11/21012

 

Redaktion: Nathalie Auman

Fachliche Freigabe: DDr. Peter Voitl, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde
Additiv-Facharzt für Kinderkardiologie – Kinderpulmologie – Neonatologie, http://www.kinderarzt.at