Hepatitis A, B, C

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Zusammenfassung
Eine Leberentzündung (Hepatitis) wird durch verschiedene Virentypen ausgelöst; gegen Hepatitis A und B gibt es eine vorbeugende Impfung, bei Hepatitis C nicht.

Wie entsteht Hepatitis A?

Hepatitis ist eine Entzündung der Leber, die in erster Linie durch Viren hervorgerufen wird. Häufig kommt es zu einer Hepatitis A, B oder C. Seltener treten Hepatitis D oder E auf. Fallweise kann auch eine Fehlregulation des Immunsystems zu einer Hepatitis führen (Autoimmunhepatitis).

Die Hepatitis A ist eine der häufigsten Reiseerkrankungen. Das Hepatitis-A-Virus (HVA, Picornavirus-Familie) wird vor allem in Ländern mit schlechten hygienischen Bedingungen durch Schmierinfektion übertragen (beispielsweise durch Kot/Urin, Kontakt über Hände, bei Speisen über Mund). Für eine Ansteckung genügt es schon, Toilettenspülungen, Türgriffe oder Handtücher anzugreifen, die mit dem Erreger verunreinigt sind.

Oft erfolgt eine Infektion auch durch verunreinigtes Trinkwasser bzw. Säfte, roh verzehrte oder ungenügend gekochte Nahrungsmittel, ein erhöhtes Risiko bilden auch fäkaliengedüngtes, nur mangelhaft gewaschenes Gemüse (z.B. Salat oder Rohkost) und der Konsum von Meeresfrüchten wie Muscheln oder Austern.

Der Erreger ist in Südostasien, in Afrika, in Lateinamerika, in Russland, im Vorderen Orient, aber auch in Südeuropa, besonders in Ländern des Mittelmeerraums, stark verbreitet, häufig stecken sich Touristen in diesen Ländern an.

Hepatitis A führt zu einer akuten Gelbsuchterkrankung, nicht jedoch zu einer dauerhaften Schädigung der Leber. Es gibt eine Vorsorgeimpfung.

 

Wie entsteht Hepatitis B?

Bei einer Hepatitis-B-Infektion (HBV, Hepadna-Virusfamilie) kommt es zu einer akuten Leberentzündung, die in den meisten Fällen (95 %) komplett ausheilt. In seltenen Fällen heilt die Infektion jedoch nicht aus, sie wird chronisch. Nach Jahren fortlaufender Entzündung vernarbt die Leber, Folgen können Leberschrumpfung (Leberzirrhose) und Leberkrebs sein.

Das Hepatitis-B-Virus ist 100-mal ansteckender als das HI-Virus, Auslöser der Immunschwächeerkrankung AIDS. In Österreich werden jährlich bis zu 1.500 Menschen mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert, rund 42.000 Menschen tragen den Hepatitis-B-Erreger in sich. Die Übertragung des Hepatitis-B-Virus erfolgt über Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma, Scheidensekret und Speichel. Es kann also z.B. bei Geschlechtsverkehr, bei Tätowierungen unter unhygienischen Bedingungen, durch infizierte Blutprodukte bzw. Injektionsnadeln übertragen werden.

Infizierte Mütter können ihre Babys bei der Geburt mit dem Virus anstecken, hier kann die Neugeborenen-Impfung gegensteuern.

Hepatitis-B-Viren sind bis zu sieben Tagen außerhalb des Körpers ansteckend, daher ist die Ansteckungsgefahr auch bei gemeinsam benutzten Zahnbürsten, Rasierklingen oder Nagelscheren gegeben.

Wie gegen Hepatitis A, so kann man sich auch gegen Hepatitis B mittels Impfung schützen.

 

Wie entsteht Hepatitis C?

An Hepatitis C (Flavivirus, RNA-Virus) können Menschen aller Altersgruppen unabhängig von Geschlecht oder sozialem Status bei Kontakt bei Blutprodukten erkranken. Auch bei Piercings bzw. Tätowierungen kann das Virus über mit Blut verunreinigte Instrumente übertragen werden. Hierzulande sind rund 40.000 Menschen mit Hepatitis C infiziert.

Blutspenden selbst ist gänzlich ohne Ansteckungsgefahr. Die Hepatitis-C-Infektion verläuft in ca. 80 % chronisch und führt nach Jahren häufig zur Leberzirrhose.

 

Wie erkenne ich Hepatitis?

Eine Leberentzündung verursacht vielfach keine oder nur geringe Beschwerden (Müdigkeit, Abgeschlagenheit), viele Betroffene bemerken eine Infektion oft jahrelang nicht. Als Virusträger können sie jedoch andere Personen anstecken. Im akuten Stadium wird häufig eine Gelbsucht beobachtet. Nicht selten erfolgt die Diagnose durch eine wegen anderer Gründe erfolgte Blutuntersuchung, die erhöhte Leberwerte anzeigt.

 

Wie erkenne ich Hepatitis A?

Hepatitis A verläuft bei Kindern meist ohne Beschwerden. Bei Erwachsenen treten häufig Zeichen einer akuten Gelbsucht auf, wie dunkler Urin, heller Stuhl, Übelkeit, Durchfall und Fieber. Hepatitis A heilt immer aus, führt daher nicht zu einer dauerhaften Schädigung der Leber.

Die Inkubationszeit des Hepatitis-A-Virus (HAV) beträgt 15 bis 50 Tage, allerdings ist das Virus bereits zwei Wochen bevor die Erkrankung ausbricht, in hohen Konzentrationen im Stuhl nachweisbar. Die Hepatitis A kann akut über mehrere Wochen bis Monate dauern.

 

Wie erkenne ich Hepatitis B?

Beschwerden wie Druck- und Völlegefühl im rechten Oberbauch, Gelbsucht, lehmfarbener Stuhl und bierbrauner Urin können auf eine Infektion hinweisen.

 

Wie erkenne ich Hepatitis C?

Hepatitis C verursacht keine „typischen“ Beschwerden. Sie zeigt oft grippeähnliche Symptome wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Fieber, Gelenkschmerzen oder Übelkeit, eher selten tritt Gelbsucht auf. Es kann oft Jahre bis Jahrzehnte dauern, ehe eine Hepatitis C erkannt wird. Daher entwickelt sich in 80 Prozent aller Fälle ein chronischer Verlauf mit irreparablen Schäden.

 

Wie erfolgt die Diagnose von Hepatitis?

Eine milde Erhöhung der Leberwerte, wie sie etwa im Rahmen einer Gesundenuntersuchung festgestellt wird, wurde früher oft auf Alkoholkonsum oder schlechte Ernährung zurückgeführt. Es kann aber auch eine Virushepatitis der Grund dafür sein.

Mittels Blutbefund lassen sich Antikörper gegen das Hepatitis-A-Virus nachweisen.

Hepatitis B wird durch eine Blutuntersuchung festgestellt. Bei einem Teil der Infizierten kann man im Blut Teile der Hülle des Hepatitis-B-Virus (HBV) nachweisen, die man als HBs-Antigen bezeichnet. Eine direkte Bestimmung der Hepatitis-B-Viren im Blut ist möglich. Auch eine Erhöhung der Leberenzyme kann auf eine HBV-Infektion hinweisen.

Hepatitis C lässt sich eindeutig mit Bluttests diagnostizieren, es werden gegen das Virus gerichtete Antikörper und die Erbsubstanz des Hepatitis-C-Virus (HCV-RNA) entdeckt

 

Wie wird eine Hepatitis-Infektion behandelt?

Bei einer akuten Hepatitis A werden lediglich Symptome wie Fieber oder Übelkeit behandelt, man sollte Alkohol meiden und auch auf bestimmte leberbelastende Medikamente verzichten.

Bei einer chronischen Hepatitis-B-Infektion werden antivirale Medikamente eingesetzt, die die Virusvermehrung hemmen.

Die Mehrzahl aller Patienten mit chronischer Hepatitis C kann mit Hilfe moderner antiviraler Medikamente geheilt werden.

 

Wie verläuft Hepatitis A?

Hepatitis A verläuft in der Regel gutartig, die Beschwerden vergehen nach wenigen Wochen, chronische Verläufe sind nicht bekannt.

 

Wie verläuft Hepatitis B?

Die Hepatitis-B-Erkrankung gibt es hauptsächlich als zwei Erkrankungsformen:

  • Die akute Form kann im ersten halben Jahr von selbst ausheilen.
  • Der chronische Verlauf entsteht aus einer nicht ausgeheilten akuten Form, das Virus kann jahrzehntelang im Körper überdauern und die Leber langsam zerstören (Leberzirrhose, Leberzellkarzinom). Wird sie medikamentös behandelt, wird das Fortschreiten der Erkrankung gestoppt.

 

Wie verläuft Hepatitis C?

Hepatitis C wird meist zufällig entdeckt, wenn die Leberwerte im Rahmen einer Routineuntersuchung zu hoch sind. Unbehandelt führt die chronische Hepatitis C bei vielen Patienten zur Entwicklung von Leberzirrhose oder Leberkrebs.

Mit Hilfe einer antiviralen Kombinationstherapie besteht bei Hepatitis C, abhängig von dem beim Patienten vorliegenden Genotyp des Virus, eine Chance von bis zu 90 Prozent, das Virus dauerhaft loszuwerden.

 

Wie kann ich gegen Hepatitis vorbeugen?

Gegen Hepatitis A und B gibt es eine Impfung.

Hepatitis A: Bei Kindern verlaufen die Beschwerden einer Hepatitis A Infektion meist mild, Erwachsene ab 40 Jahren können allerdings schwer erkranken, daher sollten sie sich unbedingt mit einer Impfung vorsorgen. Vielfach stecken Kinder die Erwachsenen an, daher macht es durchaus Sinn, die Kleinen vor Eintritt in den Kindergarten zu impfen.

Generell wird die Impfung gegen Hepatitis A besonders Reisenden in Risikogebiete nahe gelegt, der Impfschutz der Hepatitis-A-Impfung hält ungefähr 20 Jahre an.

Hepatitis B: Eine Impfung gegen Hepatitis B wird vor allem Kindern und Jugendlichen empfohlen, ebenso  erwachsenen Personen in Heil- und Pflegeberufen und Reisenden in Risikogebiete.

Bei Kindern erfolgt nach der Grundimmunisierung mit der kostenlosen 6-fach Impfung im 3., 5. und 12. (-14.) Lebensmonat noch eine kostenlose Auffrischungsimpfung im Schulalter. Nach der Grundimmunisierung für Erwachsene sollte der Impfschutz ebenfalls ein Leben lang gewährleistet sein.

Hepatitis C: Gegen die Hepatitis C gibt es noch keinen Impfstoff, es wird aber intensiv daran geforscht. Die einzige Vorsichtsmaßnahme besteht darin, Blut-zu-Blut-Kontakte mit Infizierten zu vermeiden.

 

Wann sollte ich einen Arzt bei Hepatitis aufsuchen?

Wenn Beschwerden wie Müdigkeit, Muskel- bzw. Gelenkschmerzen, Bauchschmerzen, Druckgefühl im Oberbauch, Fieber, Veränderung in Farbe und evtl. auch Beschaffenheit des Stuhls oder auch Gelbfärbung der Haut bzw. der Augen auftreten, ist ein Arztbesuch angezeigt.

 

Weitere Informationen:

Müller Ch. J., Baumgart G.: Beleidigte Leber. Hepatitis, Zirrhose, Leberkarzinom, Verlagshaus der Ärzte, Wien 2009

Impfplan Österreich 2016, Version 2, Juli 2016

http://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/2/8/1/CH1100/CMS1452867487477/impfplan.pdf

AWMF Leitlinie: Hepatitis-B-Virusinfektion – Prophylaxe, Diagnostik und Therapie, 2011

Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten: Therapie der chronischen Hepatitis C, Addendum zur S3 Leitlinie Februar 2015

http://www.dgvs.de/fileadmin/user_upload/Leitlinien/Therapie_der_chronischen_Hepatitis_C/09.07.2015_Aktuelle_Empfehlung_zur_Therapie_der_chronischen_Hepatitis_C.pdf

Alexandra Angelovski: Therapie der Hepatitis C. Erfolge und Grenzen. In: Österreichische Ärztezeitung, 10/ 2012

 

Redaktion: Mag. Nathalie Auman

Fachliche Freigabe: Univ.-Prof. Dr. Christian J. Müller, Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin III, AKH Wien