Haarausfall (Effluvium, Alopezie)

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Zusammenfassung
Von Haarausfall spricht man, wenn über einen längeren Zeitraum mehr als 100 Kopfhaare pro Tag ausfallen.

Was ist Haarausfall?

Der Verlust von bis zu 100 Kopfhaaren pro Tag ist ein physiologisches, ganz normales Phänomen, das durch die verschiedenen Haarwachstumsphasen zustande kommt. Fallen mehr als 100 Haare pro Tag über einen längeren Zeitraum aus, dann kann Haarausfall Symptom für eine körperliche Erkrankung sein. Wird die Ursache nicht beseitigt, schreitet der Haarausfall weiter fort.
Man unterscheidet verschiedene Arten von Haarausfall: Haare können einerseits schütter werden, wenn die Haarwurzeln aus unterschiedlichen Gründen in einer verlängerten Ruhephase bleiben, andererseits können durch hormonelle Einflüsse Haarwurzeln in manchen Regionen verkümmern.
Darüber hinaus unterscheidet man nach dem klinischen Erscheinungsbild

  • kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) an einer oder mehreren Stellen und
  • diffusen Haarausfall, bei dem sich die Haare am gesamten Kopf reduzieren

 

Welche Ursachen hat Haarausfall?

  • Hormonelle Ursachen: Hier ist der weit verbreitete androgenetische Haarausfall (als Reaktion auf männliche Geschlechtshormone) zu nennen. Dieser hormonell-erblich bedingte Haarausfall beginnt manchmal schon im Alter von 18 Jahren – bei den jungen Männern häufig in Form von sogenannten „Geheimratsecken“ –, kann sich mit zunehmenden Alter bis zu einem hufeisenförmigen Kranz ausweiten und betrifft im Alter von 50 Jahren bereits etwa jeden zweiten Mann.

Für diese Form des Haarausfalls wird eine Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegen das Steroidhormon Dihydrotestosteron verantwortlich gemacht. Zuerst wird die Wachstumsphase der Haare gehemmt, später verkümmern die Haarfollikel. Der Hinterkopf ist von dieser Überempfindlichkeit kaum betroffen.

Unter bestimmten hormonellen Einflüssen können auch Frauen unter dem androgenetischen Haarausfall leiden. Frauen reagieren im Unterschied zu den Männern überempfindlich auf die Hormone Dihydroepiandrosteron und Androstendion. Es kommt bei ihnen dadurch zu diffusem Haarausfall, beginnend am Scheitel. Ungefähr ein Drittel der Frauen ist in ihrem Leben davon betroffen, meist beginnend mit den Wechseljahren.

  • Ernährungsbedingte Ursachen (Mangelernährung): Als Nebenerscheinung verschiedener Diäten oder Essstörungen mit Vitamin-, Nährstoff- oder Eisenmangel.
  • Haarausfall infolge von Stress, Traumata.
  • Angeborener oder altersbedingter Haarausfall.
  • Mechanisch bedingter Haarausfall (durch Reibung, Druck und Zug): Lockerung und Haarausfall durch feste Zöpfe.
  • Medikamentöse Ursachen (Chemotherapie, Medikamente zur ADHS-Behandlung, Beta-Blocker, Blutgerinnungshemmmittel, Vitamin-A-Derivate, Kontrazeptiva, Thyreostatika, Cholesterinsenker).
  • Störung der Immunabwehr (Autoimmunreaktion): Die Haare selbst werden dabei als Fremdkörper „erkannt“ und mittels Entzündungsreaktion am Haarfollikel bekämpft. Dieses Geschehen ist meist örtlich und zeitlich begrenzt und die Haarwurzeln können sich wieder regenerieren, manchmal ist der Prozess fortschreitend und es kommt zum Verlust sämtlicher Kopf- und Körperhaare.
  • Haarausfall bei erhöhter Talgproduktion.
  • Haarausfall infolge von Darmerkrankungen.
  • Haarausfall durch Infektionen mit Bakterien, Viren oder Pilzen.
  • Haarausfall bei Kopfhautentzündung und bei Hauterkrankungen (zum Beispiel Schuppenflechte).
  • Haarausfall infolge von Diabetes mellitus.
  • Haarausfall durch Schilddrüsenerkrankungen.
  • Haarausfall durch Prolaktin-Erhöhung.
  • Haarausfall infolge von Verätzungen und chemischen Reizungen.
  • Haarausfall aufgrund einer Vergiftung oder Schwermetallbelastung (Arsen, Thallium).

 

Wie erfolgt die Diagnose bei Haarausfall?

Durch das Zählen der täglich ausfallenden Haare (normalerweise durchschnittlich 60 bis 100) kann man selbst überprüfen, ob man betroffen ist.

Fallen überdurchschnittlich viele Haare aus, verdünnt sich das Haar oder sind kahle Stellen sichtbar, ist eine ärztliche Abklärung anzuraten. Eine gründliche Anamnese (Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Ernährung, Haarpflegemittel) und eine Untersuchung der Kopfhaut können erste Hinweise geben. Die Erhebung von Blutbild, Blutsenkung, Schilddrüsen- und Nierenfunktionsindikatoren, des Hormonstatus, der Eisen-, Zink-, Selen- und Kalziumversorgung, des Immunglobulin-E-Spiegels, der Entzündungsparameter im Blut helfen bei der Ermittlung der Ursache(n).

Mit einem Trichogramm (mikroskopische Untersuchung) können die Haare selbst speziell analysiert werden. Die Kopfhaut kann mittels Biopsie näher untersucht werden.

Krankhafter Haarausfall sollte rechtzeitig behandelt werden, um das Nachwachsen der Haare zu ermöglichen. Schließlich stellt für viele Menschen der Verlust von Haupthaar eine große psychische Belastung dar, die bis hin zur Entwicklung einer Depression führen kann.

 

Wie wird Haarausfall behandelt?

So vielfältig die Ursachen, so unterschiedlich sind die Behandlungsansätze. Liegt dem Haarausfall eine Erkrankung, ein Nährstoffmangel oder auch eine äußere Beanspruchung zugrunde, muss das ursächliche Problem behandelt bzw. behoben werden.

Beim am häufigsten auftretenden androgenetischen Haarausfall können Medikamente helfen, welche die Umwandlung von Testosteron zu Dihydrotestosteron hemmen. Diese Funktion erfüllt der Wirkstoff Finasterid; eine Alternative für die Frau ist zum Beispiel ein Antiandrogen wie Cyproteronacetat.

Äußerlich kann man eine Minoxidillösung auf die Kopfhaut auftragen.

Bei den genannten Mitteln muss circa zwei bis sechs Monate auf eine sichtbare Wirkung gewartet werden und die Behandlung muss meist ein Leben lang fortgeführt werden, damit die neu gewonnenen Haare nicht wieder ausfallen.

Beim hormonell bedingten Effluvium können, falls alle anderen Maßnahmen nicht greifen und der Haarausfall als belastend erlebt wird, die für die Androgen-Wirkung unempfindlichen Haarfollikel des Hinterkopfes auf die kahlen Stellen verpflanzt werden (= Haartransplantation).

 

Weitere Informationen:

Redaktion: Mag. Alexandra Wimmer

Fachliche Freigabe: Univ.-Prof. Dr. Daisy Kopera von der Universitätsklinik für Dermatologie und Vernerologie an der Medizinischen Universität Graz.