Erbrechen

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Zusammenfassung
Kurz dauerndes Erbrechen hat meist eine harmlose Ursache; bei schmerzhaftem, blutigem, anhaltendem oder wiederholtem Erbrechen ist ein Arztbesuch erforderlich.

Was passiert beim Erbrechen?

Erbrechen kündigt sich meist durch Übelkeit, Würgen und einen erhöhten Speichelfluss an und kann willkürlich nicht zurückgehalten werden. Im Gegensatz dazu kann eine Regurgitation unterdrückt werden. Dabei handelt es sich um das Zurückfließen von Nahrungsbrei aus dem Magen, das zum Beispiel aufgrund des schlecht schließenden Mageneingangs bei Refluxkrankheit (Sodbrennen) vorkommt, wenn man sich nach vorne beugt.

Erbrechen ist bei kurzer Dauer zumeist auf eine Infektion oder Unverträglichkeit zurückzuführen; in diesem Fall kann Durchfall begleitend auftretend. Es kann aber auch Anzeichen einer ernsten Erkrankung sein, besonders wenn heftige Bauchschmerzen oder Blutbeimengung beim Erbrochen auftreten.

 

Wie kommt es zum Erbrechen?

Am Übergang vom Rückenmark zum Stammhirn und damit in einer der entwicklungsgeschichtlich ältesten Regionen des Gehirns liegt das Brechzentrum, das von sehr vielen und sehr verschiedenen Reizen aktiviert werden kann. Dazu gehören chemische oder Nervensignale aus dem Verdauungstrakt (z.B. Alkohol, Medikamente, Erkrankungen), dem Gleichgewichtsorgan („Reisekrankheit“) oder dem Großhirn (psychogenes Erbrechen: „Das kotzt mich an!“). Mechanische Reize im hinteren Rachenbereich oder chemische Substanzen können das Brechzentrum direkt stimulieren. Erbrechen kann auch durch mechanische Hindernisse im Magen-Darm-Trakt (z.B. Tumore, Darmverschluss), durch andere Faktoren wie einen Anstieg des Gehirndrucks, durch extreme Schmerzen (z.B. Nierenkolik) oder Stoffwechselentgleisungen hervorgerufen werden.

 

Wie wird Erbrechen behandelt?

Wenn keine ungewöhnlichen zusätzlichen Beschwerden auftreten, geht es bei akutem Erbrechen vor allem darum, dem Körper eine Erholungsphase zu verschaffen und für ausreichend Flüssigkeitszufuhr zu sorgen. Daher gilt es, nach Möglichkeit

  • sobald wie möglich Wasser oder Tee in kleinen Schlucken zu trinken,
  • starke Gerüche, Hitze oder Rauch zu meiden und
  • erst nach einigen Stunden wieder etwas zu essen (leicht verdauliche, wenig gewürzte Speisen).

Bei anhaltendem Erbrechen muss der Flüssigkeitsverlust durch Infusionen ersetzt werden, besonders, wenn gleichzeitig auch Durchfall auftritt.

Bei wiederholtem Erbrechen ist eine Abklärung der zugrundeliegenden Ursachen notwendig.

Es gibt Medikamente, die das Erbrechen lindern und vom Arzt als Infusion eingesetzt werden können.

 

Wie kann ich Erbrechen vermeiden?

Sind Übelkeit und Brechreiz vorhersehbar, können vorsorglich Maßnahmen getroffen werden. Zum Beispiel:

  • Bei Reisekrankheit (Auto, Schiff usw.) ein Mittel dagegen einnehmen.
  • Wenn Medikamente wie Krebs- oder Schmerzmittel die Ursache sind und es keine Alternative gibt, kann der Arzt ein Anti-Brechmittel (Anitemetikum) verschreiben.
  • Die Morgenübelkeit in der Schwangerschaft kann eventuell durch etwas Zwieback oder Knäckebrot vor dem Aufstehen gelindert werden. Auch Ingwer ist in dieser Situation hilfreich.

 

Wann sollte ich einen Arzt bei Erbrechen aufsuchen?

Es ist angeraten, umgehend einen Arzt aufzusuchen, wenn

  • Übelkeit und Erbrechen länger als 24 Stunden anhalten,
  • das Erbrochene Blut enthält oder nach Kot riecht,
  • sehr starke Bauchschmerzen auftreten,
  • heftigste Kopfschmerzen, Fieber und ein steifer Nacken auftreten,
  • es auch nach ca. 12 Stunden nicht möglich ist, Flüssigkeit aufzunehmen.

 

Wie erfolgt die Diagnose ungewöhnlichen Erbrechens?

Abgesehen von der Beschreibung der Symptome und möglicherweise damit in Zusammenhang stehenden Ereignissen können für die Diagnose unter anderem Untersuchungen wie

  • Blut- und Leberfunktionstests,
  • Harnanalyse sowie
  • Röntgenuntersuchung, endoskopische Untersuchungen oder andere bildgebende Verfahren erforderlich sein.

 

Welche Hausmittel gibt es bei Erbrechen?

Zur „Beruhigung“ des Magens können Tees und andere Zubereitungen aus Pflanzen, die Karminativa enthalten, beitragen. Dazu gehören Fenchel, Anis und Melisse. Ingwer ist bei Schwangerschaftsübelkeit hilfreich (frische Wurzel in Scheiben schneiden und 10 Min. kochen).

 

Weitere Informationen:

Redaktion: Dr. Karin Gruber

Fachliche Freigabe: Univ.-Prof. Dr. Heinz Hammer, Medizinische Universität Graz, Universitätsklinik für Innere Medizin, Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, 8036 Graz