Durchfall

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Zusammenfassung
Akuter Durchfall ist meist Folge einer Infektion oder Unverträglichkeit, chronischer Durchfall oft Folge einer anderen körperlichen oder seelischen Erkrankung.

Was ist Durchfall?

Bei erhöhter Stuhlfrequenz (mehr als drei Stuhlgänge pro Tag) und/oder breiiger oder flüssiger Stuhlkonsistenz und/oder erhöhtem Stuhlgewicht (mehr als 200 Gramm pro Tag) spricht man von Durchfall. Beim akuten Durchfall kann der Verlust von Flüssigkeit und Salzen (Natrium, Kalium, Magnesium, Chlorid) beträchtlich sein, vor allem wenn gleichzeitige Übelkeit das Trinken verhindert. Besonders gefährdet sind dadurch kleine Kinder und betagte Personen. Für den chronischen Durchfall kann eine Vielzahl an Magen-Darm-Erkrankungen und anderen körperlichen oder seelischen Erkrankungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten verantwortlich sein, die abgeklärt werden müssen.

Akuter Durchfall verschwindet meist von alleine. Wenn Durchfall länger als vier Wochen anhält oder häufig wiederkehrt, spricht man von chronischem Durchfall. Akuter und chronischer Durchfall haben völlig verschiedene Ursachen.

 

Wie entsteht Durchfall?

Grundsätzlich entsteht ein Durchfall durch

  • eine ungenügende Aufnahme und/oder erhöhte Ausscheidung von Flüssigkeit und Salzen durch den erkrankten Darm oder durch
  • eine Störung der Bewegungsabläufe im Darm.

Ein akuter Durchfall kann u.a. folgende Ursachen haben:

  • Eine übermäßige Aufnahme bestimmter Nahrungsmittelbestandteile (Zuckerarten in Obst oder Hülsenfrüchten),
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Resorptionsstörungen,
  • manche Medikamente wie Magnesium oder entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR),
  • Bakterien, andere Mikroorganismen oder Viren (z.B. „Reisedurchfall“, „Darmgrippe“). Dazu gehören Bakterien wie enterohämorrhagische E. coli (z.B. EHEC), Campylobacter, Salmonellen, Clostridium difficile, Parasiten wie Lamblien oder Amöben oder Viren wie Noro- oder Rotaviren.

Für einen chronischen Durchfall können unter anderem Entzündungen, Tumore, Störungen der Darmfunktion oder Störungen des Gleichgewichts bestimmter Hormone verantwortlich sein. Es gibt mehr als 100 mögliche Ursachen des chronischen Durchfalls.

 

Wie erfolgt die Diagnose von Durchfallerkrankungen?

Art und Auftreten des Durchfalls, Nahrungsaufnahme, Medikamenteneinnahme und kürzlich unternommene Reisen sowie zusätzliche Symptome sind wichtige Hinweise auf die Ursache. Weiters können

  • Analysen von Stuhlproben und Blutuntersuchungen,
  • Ultraschall-, Röntgen- und Darmspiegelungen sowie
  • Tests auf Nahrungsmittelunverträglichkeit sinnvoll sein.

 

Wie wird Durchfall behandelt?

Bei akutem Durchfall ist der Ausgleich von Flüssigkeits- und Salzverlusten von zentraler Bedeutung.

  • Dafür eignet sich z.B. verdünnter Saft mit einem Teelöffel Salz oder gezuckerter Tee mit salzigen Keksen. Die Art der Flüssigkeit (Wasser, Saft, Cola, Tee oder Suppe) ist weniger wichtig. Bei Reisedurchfall nur abgekochte oder verschlossene (Flaschen, Dosen) Flüssigkeiten verwenden.
  • Bei sehr starkem Flüssigkeitsverlust oder gleichzeitigem Erbrechen können Infusionen von Elektrolytlösungen und ein Aufenthalt im Krankenhaus erforderlich sein.
  • Fasten ist nicht sinnvoll.
  • Das Medikament Loperamid senkt die Durchfallhäufigkeit und kann bei Reisedurchfall oder Wundsein am After hilfreich sein.
  • In manchen Fällen können Antibiotika helfen.

Bei chronischem Durchfall muss die Ursache durch Spezialisten ergründet und behandelt werden. Kann die Ursache nicht identifiziert oder beseitigt werden, kann z.B. das Medikament Loperamid im Bedarfsfall oder dauerhaft sinnvoll sein.

 

Wie kann ich Durchfall vorbeugen?

In bestimmten Situationen ist eine Vorbeugung möglich.

  • Auf Reisen in südliche Länder (südliches Mittelmeer, Karibik, Süd- und Südost-Asien, Afrika) empfiehlt es sich, sich nach dem Grundsatz „gekocht, geschält oder gar nicht“ zu ernähren. Das heißt u.a. Verzicht auf ungekochtes offenes Wasser, Eiscreme, gepresste Fruchtsäfte, Salate/Rohkost. Gegen Cholera oder Typhus gibt es Impfungen.
  • Besonders in der warmen Jahreszeit ist vor allem bei Eiern und Geflügel eine sorgfältige Küchenhygiene wichtig.

 

Wie verläuft Durchfall?

Im Allgemeinen legen sich die Beschwerden bei einem akuten Durchfall innerhalb einer Woche. Als Folge eines großen Flüssigkeits- und Salzverlusts kann der Blutdruck so stark sinken, dass es zu einem Kreislaufkollaps, also einer kurzen Ohnmacht, kommt.

 

Wann sollte ich einen Arzt bei Durchfall aufsuchen?

Ein Arzt sollte so rasch wie möglich aufgesucht werden, wenn

  • der Durchfall länger als zwei bis drei Tage anhält oder
  • sehr starke Bauchschmerzen und -krämpfe,
  • Erbrechen,
  • Blut im Stuhl,
  • hohes Fieber und/oder
  • Nackensteifigkeit auftreten.

Dies gilt besonders nach Reisen in südliche Länder.

 

Welche Hausmittel gibt es bei Durchfall?

Getrocknete Schwarzbeeren/Heidelbeeren können direkt gegessen oder als heißer Aufguss zubereitet werden. Geriebene Karotten und Äpfel tragen dazu bei, schädliche Stoffe aus dem Darm zu entfernen. Dasselbe gilt für Karottensuppe, die leichter verträglich ist.

 

Weitere Informationen:

Unger F., Viernstein H.: Darmgesundheit. Wien 2013

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Redaktion: Dr. Karin Gruber

Fachliche Freigabe: Univ.-Prof. Dr. Heinz Hammer, Medizinische Universität Graz, Universitätsklinik für Innere Medizin, Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, 8036 Graz