Wie gefährlich ist ein Zeckenbiss?

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Der Biss bzw. Stich einer Zecke selbst ist nicht gefährlich, aber während des Saugaktes können mit ihrem Speichel Krankheitserreger übertragen werden. Die hierzulande wichtigsten auf diese Art verbreiteten Erkrankungen sind die Borreliose und die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME). Selten lauern aber auch noch andere Infektionen.

Von den weltweit rund 850 Zeckenarten haben einige auch in unseren Breiten Bedeutung als Krankheitsüberträger. Allen voran die Schildzecken und da vorwiegend der gemeine Holzbock (Ixodes ricinus; im vollgesaugten Zustand Ähnlichkeit mit einem Rizinus-Samen, daher die Bezeichnung ricinus). Zunehmend aber auch die aus dem Mittelmeerraum stammende Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus), die außer von FSME-Viren und Borrelien auch von Rickettsien (Bakterien, die z.B. Fleckfieber verursachen) befallen sein kann.
Darüber hinaus führen Reiselust und Importe herrenloser Hunde vermehrt dazu, dass sonst in den Subtropen und Tropen heimische Arten wie die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) hierzulande Fuß fassen. Und weitere, in Österreich bislang kaum relevante Infektionen wie z.B. die Ehrlichiose oder Rickettsiose auslösen. Klingt bedrohlich. Ist es aber nur begrenzt.

Welche Infektionen sind möglich?

Am bedeutsamsten in Österreich sind die Borreliose  und die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME). Darüber hinaus können Zecken auch noch folgende Infektionen übertragen:

Babesiosen: Sie werden durch einzellige Parasiten (z.B. Babesia microti, Babesia divergens) hervorgerufen und v.a. durch Zecken vom Typ Ixodes übertragen. Babesien befallen die Erythrozyten (rote Blutkörperchen; charakteristisch für eine Babesiose: ringförmige Strukturen in den Erythrozyten) und rufen zunächst Allgemeinsymptome wie Unwohlsein, Übelkeit, Appetitverlust und Müdigkeit hervor. Später kommt es zu malariaähnlichen Beschwerden wie hohes Fieber, Schweißausbrüche, Muskel- und Kopfschmerzen. Ebenso wie bei der Malaria können diese Krankheitszeichen mehrmals kommen und gehen. Auch die Therapie ist dieselbe: Malariamittel wie z.B. Chinin oder Clindamycin. Ist die Milz intakt, scheint das zumindest in Europa ein Schutz vor Babesiosen zu sein, denn schwere bis tödliche Fälle wurden nur bei Menschen mit entfernter Milz oder Immunschwäche beobachtet. In den USA hingegen gibt es auch schwerwiegende Babesiosen trotz gesunder Milz (Ursache: virulentere Babesienstämme?).

Humane granulozytäre Ehrlichiose (HGE): Verursacher der Ehrlichiose sind die zur Familie der Rickettsien gehörenden Ehrlichien, wovon vier Arten der kugelförmigen Bakterien als für den Menschen krankheitserregend gelten. Eine davon findet sich auch in Europa und zwar in Schildzecken wie dem gemeinen Holzbock. Diese Ehrlichien befallen für die Abwehr zuständige weiße Blutkörperchen (Granulozyten, Monozyten) und führen zur humanen granulozytären Ehrlichiose, die sich bis zu vier Wochen nach dem Zeckenstich mit hohem Fieber, starken Kopfschmerzen, Unwohlsein, Muskelschmerzen, Gelenkbeschwerden, Frösteln, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall oder auch einer Lungenentzündung zeigt. Selten (bei Senioren, Immunschwäche) kommt es bei der Infektion, die ein intaktes Immunsystem in der Regel selbst ohne Behandlung überwinden kann, zu ernsten Komplikationen wie einer Herz- oder Niereninsuffizienz, einer Herzbeutel- oder Brustfellentzündung oder einem toxischen Schock. Nachgewiesen werden Ehrlichien mittels Laboruntersuchungen (Blutausstrich: Veränderungen der weißen Blutzellen, Antikörpernachweis und PCR= Polymerase Chain Reaction, ein gentechnisches Verfahren), therapiert mit Antibiotika.

Krim-Kongo-Fieber: Die von Bunyaviren (Nachweis: Zellkultur oder molekularbiologisch) ausgelöste Erkrankung tritt vor allem in Südosteuropa, der Türkei, im Nahen und Mittleren Osten sowie in Asien auf. Sie zeigt sich mit plötzlich einsetzendem Fieber, Schüttelfrost, Kopf-, Glieder- und Oberbauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie einer typischen Gesichtsrötung und –schwellung sowie Rötung der Bindehaut und des Rachens. Die Krankheit kann einen schweren, d.h. hämorrhagischen (mit Blutungen verbundenen) Verlauf nehmen mit Darmblutungen, Bluterbrechen, Hauteinblutungen und schlimmstenfalls Tod durch Multiorganversagen. Sie erfordert die Aufnahme auf eine Isolierstation und Behandlung mit antiviralen Medikamenten.

Rickettsiosen: Die durch Bakterien der Gruppe der Rickettsien (Rickettsiaceae; manche kommen weltweit vor, andere nur regional) hervorgerufenen, von verschiedenen Spinnentieren (also auch Zecken) übertragenen Krankheiten (z.B. Queensland-Zeckenfieber, asiatisches Zeckenfieber) haben ähnliche Erscheinungsbilder: punktförmige Einblutungen in die Haut und Schleimhäute, weil Rickettsien menschliche Gefäßwände durchdringen. Oft kommt es auch zu einer Lymphadenitis (Lymphknoten-Entzündung). Bestimmte Arten von Rickettsien (z.B. Rickettsia rickettsii: Verursacher des Rocky Mountain Spotted Fever, v.a. in Nord- und Südamerika) können schwere Krankheitsverläufe verursachen, die z.B. starke Hautschäden bis hin zu Nekrosen (Gewebsuntergang) oder eine Enzephalitis beinhalten und recht häufig tödlich enden. Therapie der Wahl bei Rickettsiosen ist die Verabreichung von Antibiotika.

Warum Zeckenstiche trotzdem nur bedingt gefährlich sind

Auch wenn von Zecken übertragene Krankheiten schwerwiegende Folgen haben können, gilt zu bedenken:

  • Nicht an jedem Ort droht eine Zeckenplage, denn die Spinnentierchen bevorzugen Gebiete mit einer mittleren Jahrestemperatur von mindestens acht Grad Celsius und – hierzulande – eine Vegetation aus Eichen-, Buchen- und Tannenwäldern mit Farnen sowie Holunder-, Brombeer- und Haselsträuchern. Deshalb zählen zu den zeckenverseuchten Gebieten vorwiegend Flussniederungen v.a. entlang der Donau von Passau bis Linz, in der Wachau, in St. Pölten und Wien bis zur slowakischen Grenze, Teile Kärntens, der Steiermark und des Burgenlandes (z.B. entlang der slowenischen und ungarischen Grenze).
  • Weit nicht jede Zecke ist mit Krankheitserregern verseucht.
  • Bei einem Teil der von Zecken übertragenen Krankheitserregern bestimmt die Dauer des Saugvorgangs, ob es zu einer Infektion kommt oder nicht, weil sich die Keime in unterschiedlichen Organen der Zecke aufhalten. So sitzen etwa FSME-Viren in ihren Speicheldrüsen, was erklärt, dass sie gleich beim Stechakt übertragen werden. Borrelien hingegen befinden sich zunächst im Mitteldarm des Blutsaugers und müssen erst in Richtung Rüssel der Zecke kommen, damit sie in das Stechopfer gelangen können. Deshalb ist es wichtig, Zecken möglichst sofort zu entfernen.
  • Die Symptome einer via Zecke übertragenen Infektion hängen von der Erregermenge ab, d.h. die Bakterien- oder Virenladung muss groß genug sein, um überhaupt erst ernste Symptome (z.B. eine Hirnhautentzündung) auszulösen. Deshalb verläuft z.B. der Hauptteil aller FSME-Infektionen symptomarm (Beschwerden ähnlich einer leichten Grippe) bis symptomlos.

Sind also Warnungen vor den Blutsaugern aus Wald und Flur bloße Hysterie und Impfempfehlungen nur ein lukratives Geschäft für die Hersteller der Impfstoffe?

Warum gewisse Vorsichtsmaßnahmen dennoch ratsam sind

Sieht man sich die zwar zahlenmäßig eher geringen, aber doch vorhandenen Komplikationen oder gar bleibenden Schäden der von Zecken übertragenen Krankheiten an, ist doch etwas Vorsicht vor den Spinnentieren respektive deren Inhalt durchaus angebracht.

  • FSME-Infektionen verlaufen zwar nur in einem geringen Bruchteil aller Fälle mit ernsten bis lebensbedrohlichen Folgen, doch die lassen sich nur per aktiver Impfung zuverlässig verhindern. Deshalb sind v.a. Menschen, die sich regelmäßig in FSME-Risikogebieten aufhalten (z.B. Forstarbeiter) gut beraten, sich immunisieren zu lassen.
  • Auch die Borreliose kann unbehandelt in ein chronisches Stadium mit Beteiligung verschiedener Organe (z.B. Gelenke, Herz, Nervensystem) übergehen, weshalb es sich empfiehlt, nach einem Zeckenstich auf Hautveränderungen zu achten, um rechtzeitig eine Antibiotikagabe in die Wege zu leiten.
  • Zeckenstiche sind zwar kaum ganz zu vermeiden, denn kein österreichisches Bundesland ist zeckenfrei und auch in vielen ausländischen Regionen lauert die “Gefahr aus dem Unterholz“. Sie brauchen jedoch, um Blut saugen zu können, nackte Haut. Was liegt hier näher, als ihnen und damit potenziellen Krankheitserregern durch entsprechende Maßnahmen erst gar keine Angriffsfläche zu bieten?

Apropos: Ein Zeckenbiss ist eigentlich ein Zeckenstich, denn die Zecken besitzen stechend-saugende Mundwerkzeuge (Cheliceren und Hypostom).

 

Weiter führende Links:
Zentrum für Reisemedizin: FSME, Übersichtskarte über Zecken-Verbreitungsgebiete
Babesien & Babesiosen
Rickettsiosen
Krim-Kongo-Fieber
Anatomie der Zecken

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Link zu unserem Lexikon:
Babesiose, Borreliose und FSME