Volkskrankheit Bluthochdruck: was können Sie tun

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Sie leiden unter Bluthochdruck, möchten bei seiner Bekämpfung aber am liebsten auf Medikamente verzichten, weil sie deren Nebenwirkungen fürchten? Dann haben wir hier ein paar Tipps, mit welchen natürlichen Mitteln Sie Ihre Blutdruckwerte senken können.  

Die Blutgefäße in unserem Körper bilden ein weit verzweigtes, flexibles Rohrsystem. Es besteht einerseits aus Arterien, die sauer- und nährstoffreiches Blut zu den Organen transportieren, andererseits aus Venen, die das Blut von den Organen zur zentralen Pumpstation, dem Herzen, zurückführen. Damit das Blut alle seine Bestimmungsorte erreicht, muss in den Gefäßen ein bestimmter Druck vorherrschen. Dieser Blutdruck ist keine stabile Größe. Er schwankt in Abhängigkeit von der Leistung, die das Herz-Kreislauf-System erbringen muss. Deshalb ist er im Normalfall im Schlaf niedriger als tagsüber und in Ruhe niedriger als bei körperlicher Anstrengung.

Was bedeutet Bluthochdruck?

Der Blutdruck, d.h. Druck auf die Arterienwände, wird in zwei Werten gemessen. Der erste, höhere Wert entspricht dem systolischen Druck (Druck beim Herzschlag), der zweite, niedrigere dem diastolischen Druck (Druck, bei dem sich das Herz entspannt und mit Blut füllt). Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) ist definiert als Erhöhung des Blutdrucks auf Werte ab 140/90 mm Hg aufwärts. Er kann die Folge einiger Grunderkrankungen oder der Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. Schmerzmittel, Antidepressiva) sein. Dann spricht man von einer sekundären Hypertonie.

Viel häufiger aber liegt eine sogenannte primäre Hypertonie vor, d.h. die Ursache des Blutdruckanstiegs liegt im Dunkeln. Sehr wohl bekannt sind jedoch Faktoren, die die Entstehung bzw. Aufrechterhaltung dieser Erkrankung begünstigen. Hier setzt zum Teil die medikamentöse Therapie der Hypertonie (z.B. Beeinflussung des Wasser- und Salzhaushaltes) an, viel mehr noch aber gewisse Änderungen der Lebensgewohnheiten, die erfolgreich dazu beitragen, den Blutdruck zu senken. Und das ist unbedingt notwendig, denn Bluthochdruck stellt einen wichtigen Risikofaktor für die Entwicklung von potenziell tödlichen Nieren-, Gefäß- und Herzleiden (z.B. Schlaganfall, Herzinfarkt) dar. Dabei gilt: Je höher der Druck, desto höher das Risiko für Folgeschäden. Unglücklicherweise verursacht Bluthochdruck häufig lange Zeit keine Beschwerden (“stummer Killer“), wird deshalb meist erst spät entdeckt und bleibt in der Folge oft über Jahre unbehandelt.

Bluthochdruck behandeln

Zur Therapie einer arteriellen Hypertonie steht eine Reihe von Medikamenten verschiedener Substanzklassen (z.B. ACE-Hemmer, Betablocker, Diuretika) zur Verfügung, die trotz unterschiedlicher Wirkmechanismen eines gemeinsam haben: Sie können unerwünschte Nebenwirkungen (z.B. Schwindel, Kopfschmerzen, Hüsteln) verursachen. Die Furcht davor bewegt so manchen Hypertoniker dazu, die Arzneien nicht oder nur nach eigenem Gutdünken einzunehmen oder eigenmächtig abzusetzen. Eine nicht ordnungsgemäße Anwendung führt aber zu einer gefährlichen unzureichenden Behandlung der Hypertonie. Garantiert nebenwirkungsfrei sind – rechnet man positive gesundheitliche Effekte abgesehen von der Blutdrucknormalisierung nicht mit ein – vernünftige Bestrebungen, gesund zu leben. Allein hierdurch kann eine medikamentöse Bluthochdrucktherapie oft vermieden oder zumindest minimiert werden. Wie sehen solche Lebensstiländerungen, die den Blutdruck günstig beeinflussen, aus? Hier zehn Tipps:

Tipp Nr.1: Weg mit überflüssigen Kilos

Übergewicht (BMI>25 kg/m2) schadet der Gesundheit in vielerlei Hinsicht. Mit zunehmendem Gewicht steigt z.B. oft auch der Blutdruck. Zum Glück geht´s auch umgekehrt. Für jedes Kilo, das man verliert, winkt eine Blutdrucksenkung um bis zu 2 mm Hg. Um abzunehmen muss man natürlich den inneren Schweinehund überwinden und so mancher kulinarischen Versuchung widerstehen. Zu schnell soll man aber ohnehin nicht abspecken. Crash-Diäten sind höchstens kurz von Erfolg gekrönt und schaden der Gesundheit mehr als sie nützen. Eine kalorienreduzierte Mischkost mit viel Vollkornprodukten, Obst und Gemüse sowie an Omega-3-Fettsäuren reichem Seefisch (Makrelen, Lachs), die pro Woche rund ein halbes Kilo purzeln lässt, garantiert dauerhaftere Ergebnisse.

Tipp Nr.2: Bewegung!

Ebenso wenig wie Muskeln und Knochen sind Herz und Blutgefäße dafür gedacht, stundenlang vor dem Computer und/oder Fernseher zu sitzen. Damit das biologische Rohrsystem mit dem Lebenssaft nicht zu viel Kalk ansetzt, sprich von Arteriosklerose heimgesucht wird, ist regelmäßig ausreichend Bewegung angesagt. Mindestens dreimal pro Woche ungefähr 30 bis 45 Minuten Ausdauersport wie z.B. Schwimmen, Joggen, Radfahren oder Nordic Walking und die Blutdruckwerte rutschen wieder in Richtung Normalbereich. Abgesehen davon, dass Sport gleichzeitig Stress und Übergewicht abbaut, den Cholesterinspiegel senkt und auch vor anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt. Das gilt ebenso für Menschen, die körperliche Arbeit verrichten, denn die hat Studien zufolge nicht dieselben positiven Effekte wie Sport.

Eher ungeeignet für Hypertoniker sind Sportarten mit hohem Kraftaufwand wie z.B. Rudern oder intensives Krafttraining. Außer der Sportart sollte auch die Trainingsintensität zum persönlichen körperlichen Zustand passen. Daher empfiehlt es sich, v.a. wenn man längere Zeit inaktiv war, vor Trainingsbeginn sportärztlichen Rat einzuholen.

Tipp Nr. 3: Salz einsparen

Ein hoher Salzkonsum – z.B. durch den Genuss von Fertiggerichten, Fast Food oder Räucherwaren – bewirkt bei vielen Menschen einen Blutdruckanstieg, da Natrium Wasser bindet und so das Blutplasmavolumen erhöht. Eine Umstellung auf salzarme Ernährung (max. sechs Gramm täglich) wirkt diesem Effekt entgegen. Schmeckt fad? Muss nicht sein. Gewürze und Kräuter können – geschickt ausgewählt – Salz weitgehend ersetzen, wie die gesunde und gleichzeitig köstliche mediterrane Küche beweist.

Tipp Nr.4: Genuss in Maßen statt in Massen

Genussmittel wie Kaffee bzw. Koffein, Nikotin oder Alkohol gehören zum Leben, können aber, so sie im Übermaß konsumiert werden, den Blutdruck erhöhen. Kaffee ist unter den dreien noch die harmloseste Substanz, sollte aber die Tagesmenge von vier Tassen nicht übersteigen. Rauchen ist da schon ein anderes Kaliber. Nikotin beeinflusst das vegetative Nervensystem dahingehend, dass der Blutdruck steigt. Andere Rauchinhaltsstoffe sorgen für die Entstehung von Arteriosklerose in den Gefäßwänden und damit Herz-Kreislauf-Leiden, nebst Krankheiten wie Thrombosen, Lungen- oder Blasenkrebs. Eine Einschränkung des Zigarettenkonsums erscheint also sehr ratsam. Noch besser ist natürlich ein Rauchverzicht, auch wenn die Entwöhnung schwerfällt.

Auch beim Alkohol besteht eine Dosis-Wirkungsbeziehung. Ab und zu ein Glas Wein (vorzugsweise Rotwein mit gefäßschützenden Polyphenolen) entspannt, erweitert die Gefäße und senkt so eher den Blutdruck. Größere Alkoholmengen stimulieren aber das vegetative Nervensystem in Richtung Blutdruckerhöhung, sind außerdem Magnesiumräuber. Experten raten Männern daher zu einem Alkoholkonsum von maximal 20 Gramm (entspricht einem halben Liter Bier) täglich. Frauen, die Alkohol langsamer abbauen, sollten 10 Gramm pro Tag nicht übersteigen.

Tipp Nr. 5: Stress abbauen

Chronischer Stress überfordert permanent das vegetative Nervensystem und führt zu einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen (z.B. Adrenalin). Beides lässt den Blutdruck steigen. Dann ist zur Schonung des Organismus Abschalten angesagt. Dazu gibt es viele Wege wie z.B. Spaziergänge, ein Mittagsschläfchen, Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation, Yoga, Meditationen usw.

Tipp Nr. 6: für guten Schlaf sorgen

Schlafmangel (z.B. bei Schichtarbeitern, häufigen Reisen mit Überquerung von Zeitzonen) kann die Blutdruckwerte in die Höhe treiben. Mehr noch Schlafstörungen oder Schnarchen, deren Ursache in einem Schlaflabor geklärt werden sollte, um die lebensnotwendige Regenerationsphase wieder erholsam zu gestalten. Dem gleichen Zweck dienen Maßnahmen zur Schlafhygiene.

Tipp Nr. 7: Bluthochdruck “wegessen“

Unterschiedliche Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass bestimmte Nahrungsmittel den Blutdruck senken können. Unter anderem ist dabei die Rede von Nüssen, Cayenne-Pfeffer/Chilis, Hibiskus- oder Jamaica-Tee, Rosinen, Kiwis, rotem Wurzelgemüse (z.B. rote Kartoffeln, rote Rüben), Knoblauch, Zwiebel, Wassermelonen, Bananen, Honig, Apfelessig, Weißdornextrakt, Mistel- , Hirtentäschel- oder Pfefferminztee, Ananassaft, Schwarzkümmel-Öl und dunkler Schokolade. Zum Teil enthalten die genannten Delikatessen viel Kalium, das dem blutdruckerhöhenden Natrium entgegenwirkt oder viel Magnesium, das nachweislich den Blutdruck senkt.

Tipp Nr. 8: den Blutdruck “niederkuscheln“

Liebkosungen und ein erfülltes Sexualleben tun Körper und Seele gut. Auch dem Blutdruck, denn angenehme Berührungen setzen das “Kuschelhormon“ Oxytocin frei, das den Cortisonspiegel senkt. Ein gutes Argument für mehr Zweisamkeit! Oder Streicheleinheiten für Haustiere.

Tipp Nr. 9: alternative Wege einschlagen

Auch die Komplementärmedizin weiß Rat, wie sie hohem Blutdruck entgegentreten kann. Und das mit risikoarmen Methoden wie Akupunktur, die aufs Herz-Kreislauf-System beruhigend wirkende Botenstoffe im Gehirn freisetzen soll, Kneipp´schen wechselwarmen Arm- und Kniegüssen oder Schüssler Salzen (z.B. Kalium phosphoricum, Magnesium phosphoricum, Natrium chloratum).

Tipp Nr. 10: Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen

Zum A und O der rechtzeitigen Erkennung, Kontrolle und Einstellung eines Bluthochdrucks gehören regelmäßige Blutdruckmessungen – beim Arzt, in der Apotheke oder im Selbstverfahren.

 

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Links zu unserem Lexikon:
Bluthochdruck
Raucherentwöhnung