Rosskastanie stärkt und schützt die Venen

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Schwere Beine, Krampfadern oder Hämorrhoiden plagen viele Menschen. Ein natürliches Mittel gegen diese unangenehmen Begleiterscheinungen überstrapazierter Blutgefäße fällt quasi von den Bäumen. In Form von Rosskastanien, die mit ihren wertvollen Inhaltsstoffen vor allem die Venenwände stärken.

Im Herbst, wenn die bunten Blätter fallen, finden sich auf vielen Straßen und Wegen zahlreiche rundliche, rotbraune, glatte und glänzende Gebilde, die die Kinder eifrig sammeln, um damit zu spielen und zu basteln. Für das Wild und die Pferde sind diese Kastanien ein Leckerbissen, weshalb sie auch Pferde- oder Rosskastanien heißen. Für Menschen taugen sie – im Gegensatz zu den trotz der Namensähnlichkeit nicht mit ihnen verwandten Edelkastanien (Maroni) – kaum als Imbiss, wohl aber als Heilmittel gegen verschiedene Gefäßleiden.

Städtebaum mit Flair

Die ursprüngliche Heimat der Kastanie liegt in Asien und Südosteuropa. Der bis zu 30 Meter hohe Baum mit seinen großen, fünf- bis siebenfingrigen Blättern und im Mai in kerzenartigen Rispen wachsenden, weißen bis rosaroten Blüten hat etwas Prächtiges an sich, weshalb er in vielen europäischen Städten angesiedelt wurde. Dort trotzt er den Autoabgasen und spendet im Herbst seine von einer stacheligen grünen Hülle umgebenen rotbraunen Früchte.

Die zur Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae) bzw. Unterfamilie der Rosskastaniengewächse (Hippocastanaceae) gehörende (gemeine) Rosskastanie hat im Volksmund viele Namen wie z.B. Kastanie, Drusen- oder Saukesten, Gicht-, Kesten- oder Zierkestenbaum, Pferde-, Wild-, Venen-, Fopp- oder Saukastanie, weiße oder wilde Kastanie.

Freund der Venen

Von den zahlreichen heilsamen Effekten, die der Rosskastanie zugeschrieben werden, wie adstringierend, antibakteriell, blutreinigend, blutstillend, entzündungshemmend, harntreibend, krampf- und schleimlösend, schmerzstillend und tonisierend sind vor allem diejenigen bedeutsam, die sich auf die Blutgefäße auswirken, denn dort liegt das Hauptanwendungsgebiet der Heilpflanze. Sie eignet sich hervorragend zur Linderung von Krampfadern, Venenentzündungen, Hämorrhoiden, geschwollenen, schweren oder offenen Beinen und Arteriosklerose.

Darüber hinaus nutzt die Volksheilkunde die Rosskastanie zur Bekämpfung von Augenringen, Fieber, Erkältungen, Keuchhusten, Durchfall, Magenkrämpfen, Leberschwäche, Ischialgien und anderen Nervenschmerzen, Ausfluss, Frostbeulen, Hautproblemen wie z.B. Ekzemen, Geschwüren und Wunden sowie zur unterstützenden Behandlung von Diabetes. Nach altem Volksglauben genügt bereits das Tragen von Kastanien in der Hosentasche zur Vermeidung von Gicht und Rheuma.

Zu Heilzwecken werden fast alle Pflanzenteile der Kastanie genutzt: die im September und Oktober geernteten Samen (Früchte), im Mai gepflückten Blüten, die Blätter und Wurzeln sowie die im März gesammelte Rinde.

Spezielle Wirkstoffe

Für die Heilwirkungen des Aesculus hippocastanum, wie die Rosskastanie wissenschaftlich heißt, sind Substanzen wie Allantoin, Angelinsäure, Bitterstoffe, Kampferöl, Cholin, Cyanidin, Flavone, Cumarine (Aesculin, Fraxin), Linolensäure, Gerbstoffe und –säuren sowie die – in hohen Mengen vorhandenen – Saponine (Aescin) verantwortlich. Letztere erzeugen beim Schütteln mit Wasser meist einen seifenartigen Schaum, der als Detergens (Tensid) wirkt. Aufgrund dieses waschmittelähnlichen Effektes, der auch die Durchlässigkeit biologischer Membranen beeinflusst, sollten an Saponinen reiche Teile der Rosskastanie (v.a. die Samen) nicht im Übermaß, sondern nur wohldosiert eingenommen werden. Andernfalls kann es zu Schleimhautreizungen, Juckreiz, Magenproblemen, Übelkeit und Durchfall kommen. Die tensidartige Wirkung lässt sich aber z.B. im Haushalt positiv nützen. Etwa indem man kleingeschnittene Rosskastanien mit kochendem Wasser übergießt, denn dann wird das Wasser seifig und kann zum Waschen von Kleidungsstücken dienen.

Der bedeutendste pharmakologisch wirksame Inhaltsstoff der Rosskastanie ist Aescin. Es besteht aus einer Mischung verschiedener Saponine und beeinflusst – allerdings wissenschaftlich nicht unumstritten – die Permeabilität (Durchlässigkeit) der Venenwände dahingehend, dass sie deren Tonus erhöht. Somit kommt es zu keinen Wassereinlagerungen im Gewebe bzw. bilden sich allfällige Schwellungen zurück (“Ödemprotektivum“), indem Aescin das Enzym Hyaluronidase, das die Proteoglykane der Kapillarendothelien abbaut, hemmt. Zudem besitzt die Substanz entzündungshemmende Eigenschaften und erhöht die Fließgeschwindigkeit des Blutes. Selten führt sie zu Nebenwirkungen wie Beschwerden im Magen-Darm-Trakt oder einer Nesselsucht (Urtikaria).

Ein weiterer wichtiger Wirkstoff der Kastanie, das Aesculin, ist ein den Stoffwechsel anregendes und durchblutungsförderndes, fluoreszierendes Glykosid in der Kastanienrinde und den Kastaniensamen, das UV-Licht bindet und daher als Sonnenschutzmittel gilt. Es gehört zu den Cumarinen (Abkömmlinge der Zimtsäure), die aufgrund ihres ausgeprägten Duftes in der Kosmetikindustrie Einsatz finden, aber auch Ausgangssubstanzen für blutverdünnende Arzneien und Rattenvertilgungsmittel bilden. In hohen Mengen konsumiert können Cumarine ernste unerwünschte Wirkungen verursachen wie Kopfschmerzen, Erbrechen, Schwindel bis hin zur Atemlähmung.

Heilsam von der Rinde bis zu den Samen

Getrocknet und geschnitten dienen die rotbraunen Samen der Herstellung von Tees, Tinkturen, Salben und Cremes, die die Venenwände abdichten und die Blutgefäße stärken, sodass sie einer Venenschwäche entgegenwirken, Ablagerungen in Arterien lösen und Kapillaren zur Aufnahme von Gewebsflüssigkeit anregen, was Ödeme (Wasseransammlungen im Gewebe) reduziert. Sie fördern den Auswurf, weshalb sie als Hustenmittel eingesetzt werden. Zudem dienen sie als Schmerzstiller, z.B. bei Rheuma oder Neuralgien. Geschälte, getrocknete und pulverisierte Samen sollen ebenso wie Rosskastanientee oder –tinktur gegen Katarrhe der Verdauungsorgane und Durchfall helfen.

Die Blüten der Rosskastanie finden ähnliche Einsatzgebiete wie die Samen. Zu Tee verarbeitet helfen sie gut gegen Husten, als Tinktur angesetzt gegen rheumatische Schmerzen. Zur Zubereitung von einer Tasse Tee wird ein halber Teelöffel getrocknete oder ein Teelöffel frische Kastanienblüten mit heißem Wasser übergossen, fünf Minuten ziehen gelassen und bei Bedarf mit Honig gesüßt. Nicht zu stark aufgebrüht eignet sich der Tee auch vorzüglich zur Entspannung, z.B. wenn man infolge kreisender Gedanken schlecht einschlafen kann. Die Knospen und Blüten dienen auch zur Herstellung der Bachblüten Chestnut Bud, White Chestnut und Red Chestnut.

Tee aus Blättern der Rosskastanie wirkt gegen Fieber und Keuchhusten, stärkt, entwässert und fördert die Durchblutung.

Eingenommene Rindenpräparate sind entzündungshemmend, zusammenziehend, harntreibend, fiebersenkend, schmerzlindernd und stärkend, sodass sie bei fieberhaften Erkältungen und Entzündungen des Verdauungstraktes Anwendung finden. Äußerlich genutzte Mittel aus Kastanienrinde (z.B. Waschung, Bad, Creme) wirken gegen Venenprobleme, aber auch Ekzeme, Geschwüre und andere Hautleiden.

Handelspräparate enthalten in der Regel Extrakte der Rosskastanie bzw. der Samen und werden für die äußerliche Anwendung als Salben, Gels und Sprays, für den innerlichen Gebrauch als Tropfen, Tabletten, Kapseln und Dragees angeboten.

Vorsicht: giftige Schalen!

Die grünen Schalen unreifer Früchte sind aufgrund ihres Saponingehaltes giftig, sollten also v.a. nicht mit Kinderhänden, die gerne auch in den Mund gesteckt werden, in Kontakt kommen. Ebenso wenig mit größeren Hautverletzungen an den Händen. Sonst drohen Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen.

 

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