Notfall Herzinfarkt: Richtig handeln rettet Leben

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Schmerzen im Brustbereich, Angst und Beklemmung – bei solchen Symptomen muss man an einen Herzinfarkt denken. Dann zählt jede Sekunde, denn es besteht Lebensgefahr. Wie man einen Myokardinfarkt erkennt und was bis zum Eintreffen des Notarztes zu tun ist, erfahren Sie hier.

Es kann jeden treffen. Überall und jederzeit. Plötzlich kommen heftige Schmerzen in der Brust, Nervosität und Angst oder auch noch andere Begleitsymptome. Dann entscheidet über Leben und Tod, ob Umstehende den Ernst der Lage erkennen und rasch effektive Erste Hilfe leisten.

Wie äußert sich ein Herzinfarkt?

Bewirkt ein Blutgerinnsel oder eine fortgeschrittene Arteriosklerose den Verschluss einer Herzkranzarterie, wird das von dem Blutgefäß versorgte Herzmuskelareal nicht mehr mit lebensnotwendigem Sauerstoff beliefert und stirbt ab. Dann spricht man von einem Infarkt. Welche Symptome dadurch auftreten, hängt von der Größe und Lage der verstopften Koronararterie ab. Die Palette reicht vom stummen, also symptomlosen Infarkt bis hin zum plötzlichen Herztod.

Als charakteristisches Leitsymptom eines Herzinfarkts gilt ein akut auftretender, heftiger Schmerz im Brustbereich (oder Brennen, starkes Engegefühl im Brustkorb), der in den linken Arm, die Schulter oder den Hals, aber auch in den Unterkiefer, Rücken oder Oberbauch ausstrahlen kann. Vor allem bei Diabetikern und Senioren können diese Beschwerden aber durchaus auch fehlen. Mit dem Geschehen verbunden sind häufig Symptome wie Unruhe und (Todes-)Angst, eine kaltschweißige Haut (v. a. an Stirn, Oberlippe, Gesicht), blasse oder fahle Gesichtsfarbe und feuchtkalte Hände. Luftnot, Übelkeit, Erbrechen oder Schwäche können ebenfalls einen Myokardinfarkt begleiten.

Frauen zeigen zum Teil weniger typische Beschwerden wie Übelkeit, Kurzatmigkeit, Schmerzen im Rücken oder ein Druckgefühl im Brustkorb.

Was tun bei einem Herzinfarkt?

Die erste und wichtigste Maßnahme heißt: die Rettung über den Notruf 144 alarmieren und die Fragen des Mitarbeiters der Rettungsleitstelle beantworten. Gegebenenfalls erfolgt hier auch eine telefonische Anleitung für Wiederbelebungsmaßnahmen.

Bis zur Ankunft des Notarztes zuerst prüfen, ob der Betroffene bei Bewusstsein ist, indem man ihn anspricht. Ist das der Fall, muss er – zur Entlastung des Herzens – bequem und mit erhöhtem Oberkörper gelagert werden. Beengende Kleidung (z.B. Hemdkragen, Krawatte, Gürtel, Hosenbund etc.) öffnen. Nach Möglichkeit Hektik vermeiden und für ein ruhiges Umfeld sorgen (z.B. Fernseher ausschalten), denn der verständlicherweise aufgeregte Infarktpatient leidet meist ohnehin an Unruhe und Angst. Ruhiges Reden mit ihm – z.B. sich vorstellen, ihn nach seinem Befinden fragen, ihm versichern, dass professionelle Hilfe kommt – beschwichtigt ihn, überbrückt die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes und gewährleistet darüber hinaus die Überwachung seines Bewusstseinszustandes und seiner Atmung bzw. die Erkennung einer ev. Verschlechterung seiner Verfassung (z.B. Bewusstlosigkeit), denn allein gelassen werden darf er nun keinesfalls.

Wann muss reanimiert werden?

Verliert ein ursprünglich ansprechbarer Infarktpatient das Bewusstsein oder zeigt er von vorneherein trotz direkten Ansprechens und des Setzens taktiler Reize (z.B. Anstupsen, Kneifen) keine Reaktionen, ihn in sie stabile Seitenlage bringen. Fehlen auch Lebenszeichen wie Atmung (Atemgeräusche? Heben und Senken des Brustkorbs?) und Herzschlag (Puls?), muss er schnellstens wiederbelebt werden. Andernfalls kommt es bei einem Herzstillstand bereits innerhalb weniger Minuten infolge einer Unterversorgung mit Sauerstoff zum Absterben von Gehirnzellen. Grundsätzlich sind die Erfolgsaussichten einer Reanimation und damit die Überlebenschancen des Patienten umso größer, je früher die Herzdruckmassage erfolgt.

Wiederbeleben – aber wie?

Für eine effiziente Reanimation ist es wichtig, dass sie möglichst auf einer harten Unterlage durchgeführt wird. Liegt der zu Reanimierende auf weichem Untergrund (z.B. im Bett), sollte er auf dem Boden gelagert werden.

Gibt es nur einen Helfer, empfiehlt der European Resuscitation Council (ERC) diesem, sich seitlich neben dem Betroffenen hinzuknien, die Atemwege freizumachen (Kopf überstrecken, Kinn anheben), zu prüfen, dass sich keine Fremdkörper in Mund und Rachen (z.B. Zahnprothese, Erbrochenes) befinden, die die Atmung behindern, und diese gegebenenfalls zu entfernen. Dann kann er mit der Wiederbelebung starten:

  • Den Ballen einer Hand auf die Mitte des Brustbeins der Person und den anderen Handballen darüber legen.
  • Mit gestreckten Armen und geradem Rücken den Brustkorb fünf bis sechs Zentimeter tief eindrücken. Nach jedem Druckstoß den Brustkorb vollständig entlasten. Im Tempo von etwa zwei Kompressionen pro Sekunde (100 – 120 pro Minute). Das entspricht z.B. dem Rhythmus des Bee Gees-Hits Stayin´alive.
  • Nach 30 Druckstößen den Kopf der Person überstrecken, um die Atemwege frei zu machen.
  • Beatmen: Normal einatmen und dann gleichmäßig in Mund oder Nase blasen. Bei der Mund-zu-Mund-Beatmung mit Daumen und Zeigefinger die Nase des Betroffenen verschließen. Bei der Mund-zu-Nase-Beatmung mit einer Hand den Unterkiefer halten und mit deren Daumen den Mund zuhalten. Damit die Atemspende nicht via Nase respektive Mund verloren geht. Der Erfolg einer Beatmung zeigt sich, indem sich der Brustkorb beim Entweichen der Luft senkt.
  • Nach zwei Atemspenden neuerlich 30 Kompressionen durchführen. Dann wieder zwei Atemspenden usw. Diesen 30:2-Rhythmus fortsetzen bis der Reanimierte wieder selbst atmet bzw. aufwacht, andernfalls bis zur Ankunft der Rettungskräfte.
  • Nach Beendigung der Herzdruckmassage, weil der Patient Lebenszeichen zeigt, weiter auf seine Atmung achten, bis zum Eintreffen der Rettung bei ihm bleiben und – falls nötig (z. B. neuerlicher Herzstillstand) – wieder mit der Wiederbelebung beginnen.

Stehen zwei Helfer zur Verfügung, sollten diese alle zwei Minuten ihre Aufgaben (zwei Minuten Herzdruckmassage, zwei Minuten Beatmung) wechseln. Das beugt einer Ermüdung vor. Eine cardiopulmonale Reanimation (CPR, Herzdruckmassage und Beatmung) darf nicht länger als fünf Sekunden unterbrochen werden.

Kann ein potenzieller Lebensretter Scheu oder Ekel vor der Beatmung nicht überwinden, ist es allemal besser, sich auf die alleinige Herzdruckmassage zu konzentrieren als nichts zu unternehmen. Auch sie verbessert nachweislich die Überlebenschancen des Betroffenen.

 

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Herzinfarkt