Maiglöckchen: vom Allheilmittel zum Heilkraut fürs Herz

© panthermedia.net, Birgit Reitz-Hofmann

Schon mit seinem Namen verrät das Maiglöckchen, wann es blüht. Seine unschuldig weißen Blüten wollen so gar nicht dazu passen, dass die “Universal-Heilpflanze“ vergangener Tage eigentlich giftig ist.

Das Maiglöckchen (Convallaria majalis) ziert viele Gärten, wird aber auch in Gärtnereien gezogen. Wächst es – z.B. in Laubwäldern – wild, steht es unter Naturschutz. Es besteht aus zwei Blättern, und einem Stengel, der eine einseitig hängende Traube aus weißen Blüten, die aussehen wie kleine Glöckchen, trägt. Heimisch ist die Blume mit ihren stark und angenehm riechenden Blüten, aus denen sich später intensiv rote Beeren entwickeln, in Europa, Kleinasien, China, Japan und Nordamerika.

Die Pflanze aus der Familie der Convallariaceae (Maiglöckchengewächse) hat im Volksmund viele Namen wie Augenkraut, Chaldron, Faltrianblume, Faldron, Galleieli, Glasblümli, Herrenblümli, Maiblume, Maiblümchen, Mai(en)lilie, Maizauken, Marienglöckchen, Marienriesli, Niesekraut, Schillerlilie, Schneetropfen, Springauf, Talblume, Tallilie, Zaucken oder Zauke.

Ebenso vielfältig wie seine Bezeichnungen waren einst die medizinischen Anwendungsgebiete des Maiglöckchens, denn der duftende Frühlingsbote wurde früher in der Volksheilkunde gegen die verschiedensten Krankheiten verwendet. Davon ist nach der Entdeckung seiner Giftigkeit wenig übrig geblieben. Heute werden dem Gewächs nur noch Heilkräfte gegen Erkrankungen wie Herzschwäche, Herzwassersucht, Herzrhythmusstörungen oder auch Asthma, Verstopfung, niedriger Blutdruck, Nervenschwäche und Epilepsie zugeschrieben. Ebenso soll das Maiglöckchen bei der Vorbeugung und Nachsorge von Schlaganfällen dienlich sein. Für medizinische Zubereitungen wird sein Kraut genutzt. Seine Sammelzeit ist – nicht verwunderlich – der Mai.

Maiglöckchen macht schwache Herzen stark

Die im Maiglöckchen enthaltenen Wirkstoffe heißen Convallatoxin, Convallarin, Convallatoxol, Asparagin, Flavonoide, Saponine und Digitalis-Glykoside. Letztere stärken schwache Herzen und lassen aus dem Takt geratene Herzen wieder regelmäßig schlagen. Deshalb werden ärztlich verschreibbare Fertigpräparate mit Glykosiden gegen verschiedene Herzbeschwerden eingesetzt.

Zu Recht sind diese Arzneien nicht frei erhältlich, denn es gibt eine Reihe von Faktoren, die deren Selbstmedikation verbieten. So dürfen etwa diese Präparate keine Verwendung finden in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern. Außerdem bei schweren Störungen der Herzleistung (Herzinsuffizienz NYHA III und IV), zu langsamem Herzschlag (Bradykardie) oder ventrikulären Tachykardien (vom Reizleitungssystem der Herzkammern ausgehende Rhythmusstörungen) und Störungen des Elektrolythaushalts (zu hoher Calcium- oder zu niedriger Kaliumspiegel im Blut). Ob solche Veränderungen vorliegen, kann nur ein Arzt mittels EKG und Blutanalyse abklären. Zudem sind – wie bei allen anderen Medikamenten auch – etwaige negative Wechselwirkungen mit anderen Arzneien (z.B. harntreibende Mittel) zu beachten.

Die Dosis macht das Gift

Gerade die herzwirksamen Glykoside sind für die Giftigkeit des Maiglöckchens verantwortlich. Eigentlich können sie im Magen-Darmtrakt nur schlecht aufgenommen werden, weshalb der Verzehr von Teilen des Maiglöckchens in der Regel nicht auf der Stelle zum Tod führt. Nach ihrem Genuss oder nach Überdosierung eines Maiglöckchenpräparates kann es aber zu Symptomen wie Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Schwindel, Störungen des Farbsehens und beschleunigtem Puls kommen.

Eine schwere Vergiftung äußert sich zuerst in einem Blutdruckanstieg, dann -abfall und Herzrhythmusstörungen bis hin zum Tod infolge Kammerflimmerns. Auf jeden Fall muss, wenn auch nur der leiseste Verdacht auf eine Vergiftung besteht, der Notarzt (Tel.: 144 oder 112) verständigt bzw. fachkundiger Rat eingeholt werden (Vergiftungsinformationszentrale: Tel.: 01 406 43 43).

Convallaria: Homöopathische Power fürs Herz

Tagsüber häufig Erschöpfung und Schläfrigkeit bei nächtlicher Unruhe, vor allem aber das Gefühl, als ob das Herz aussetzt – wenn Patienten solche Zustände beschreiben, denkt der Homöopath an Convallaria als Heilmittel. Die Substanz kommt bei Herzschwäche, Ödemen (Wasseransammlungen im Gewebe) und Herzrhythmusstörungen zum Einsatz. Außerdem bei Bluthochdruck, Morbus Basedow und Schlafstörungen.

 

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Links zu unserem Lexikon:
Herzschwäche
Convallaria