Herzrhythmusstörungen: Wenn der Herzschlag außer Takt gerät

©panthermedia.net, Edwin Verin

Schlägt das Herz zu schnell (Tachykardie, Tachyarrhythmie), zu langsam (Bradykardie, Bradyarrhythmie) oder unregelmäßig, ist eine ärztliche Abklärung notwendig, denn manche Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) sind lebensbedrohlich.

Ein gesundes Herz schlägt in Ruhe 60- bis 80-mal pro Minute (Herzfrequenz), um das Blut durch den Körper zu pumpen. Diese Herzaktionen verlaufen normalerweise unbemerkt, sind aber an bestimmten Stellen (z.B. Halsschlagader) als Puls tastbar. Verschiedene Umstände wie z.B. Sport, Aufregung oder Entspannung führen vorübergehend zu einer Beschleunigung bzw. Verlangsamung der Herzfrequenz, ohne dass das krankhaft wäre.

Symptomlos bis beängstigend

Eine passagäre Herzrhythmusstörung, die fast jeder im Laufe seines Lebens einmal kennen lernt, ist Herzstolpern. Diese spürbaren Herzschläge (Palpitationen) sind – sofern nicht begleitend Beschwerden auftreten – in den meisten Fällen harmlos.

Andere Herzrhythmusstörungen können symptomlos verlaufen. Solche mit einer Herzfrequenz von rund 160/min oder mehr bzw. rund 40/min oder darunter sowie mit Kreislaufstörungen einhergehende Unregelmäßigkeiten des Herzschlags verursachen jedoch in der Regel Beschwerden wie

  • einen unregelmäßigen Puls (Herzklopfen, -stolpern)
  • einen spürbar zu schnellen (Herzrasen, -jagen) oder zu langsamen Herzschlag
  • Schmerzen in der Brust, Kurzatmigkeit bis hin zur Atemnot, Schweißausbrüche
  • Schwäche, Schwindel, Benommenheit
  • Beklemmungszustände, Unruhe, Nervosität
  • vorübergehende Seh- oder Sprachstörungen, Ohnmachtsanfälle, plötzliche Stürze.

Diese Palette an Symptomen lässt erahnen, dass es sich nicht bei allen Arrhythmien um harmlose Erkrankungen handeln kann. Gefährlich wird eine Herzrhythmusstörung vor allem dann, wenn sie die Herzfunktionen (z.B. Pumpleistung) beeinträchtigt wie z.B. beim lebensbedrohlichen Kammerflimmern, das ohne sofortige Notfallversorgung in einem Herzstillstand, d.h. tödlich, endet.

Unterscheidungsmerkmale: Entstehungsort und Herzfrequenz

Einer veränderten Herzschlagabfolge liegen in der Regel Störungen der Erregungsbildung (z.B. Sinusknoten-Syndrom) oder der Erregungsleitung (z.B. Wolff-Parkinson-White-Syndrom) zugrunde. Sie wirken sich aus als:

  • Tachykardie: Puls mit über 100 Schlägen pro Minute
  • Bradykardie: Puls mit unter 60 Schlägen pro Minute (normal bei Leistungssportlern)
  • Arrhythmie: Unregelmäßigkeit des Herzschlages
    o Supraventrikuläre Arrhythmien (ausgehend vom Herzvorhof, z.B. Vorhofflimmern, Vorhofflattern)
    o Ventrikuläre Arrhythmien (ausgehend von der Herzkammer, z.B. Kammerflimmern, Kammerflattern)
  • Extrasystolen: plötzlich auftretende einzelne oder mehrere aufeinanderfolgende unregelmäßige Schläge („Herzstolpern“).

Unzählige Ursachen

Ebenso vielfältig wie die Symptome der Herzrhythmusstörungen sind ihre Ursachen wie z.B.:

  • Herz-Kreislauf-Krankheiten wie Anomalien der für die Erregungsbildung bzw. –leitung zuständigen Herzstrukturen (z.B. Wolff-Parkinson-White-Syndrom, AV-Block), Herzklappenfehler, Herzmuskelentzündungen, die koronare Herzkrankheit (KHK), ein Herzinfarkt oder Bluthochdruck
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Störungen im Salzhaushalt (z.B. Kalium-, Magnesiummangel)
  • Medikamente, Koffein, Nikotin, Alkohol, Drogen oder Gifte
  • Stress und psychische Störungen (z.B. Panikattacken)

Harmlos oder ernst?

Welcher Stellenwert Unregelmäßigkeiten des Herzschlags beizumessen ist, klären Untersuchungen beim Kardiologen. Allen voran die Elektrokardiographie (EKG; Aufzeichnung der Herzströme), falls erforderlich auch über einen längeren Zeitraum (z.B. 24-Stunden-EKG, Event-Rekorder: Aufzeichnung selten auftretender Rhythmusstörungen) bzw. unter Anstrengung zur Prüfung der Herzleistung (Belastungs-EKG, Ergometrie). Über Struktur und Funktion des Herzens gibt eine Echokardiographie (Herzultraschall) Auskunft. Auch Blutuntersuchungen und Röntgenaufnahmen des Brustkorbs können der Ursachenfindung dienlich sein.

Therapie: Medikamente, Schrittmacher & Co.

Art und Ursache der Herzrhythmusstörung bestimmen deren Behandlung. Sie soll einerseits die Beschwerden beseitigen oder wenigstens mildern, andererseits mögliche Komplikationen der Rhythmusstörung (z.B. plötzlicher Herztod) verhindern. Medikamente der Wahl bei Tachykardien sind sogenannte Antiarrhythmika, die in vier Klassen (Natriumkanal-, Beta-, Kaliumkanalblocker und Kalziumantagonisten) eingeteilt werden. Sie verändern auf unterschiedliche Art die Erregungsleitung im Herzen. Ihre Verschreibung gehört in die Hand eines Fachmannes, d.h. Kardiologen. Tachykardien, die die Auswurfleistung des Herzens einschränken, können eine elektrische Kardioversion (Stromstoß mit einem Defibrillator) erforderlich machen, andere eine Ablation (Verödung der die Rhythmusstörung auslösenden Strukturen mittels Herzkatheter).

Bradykardien, die mit Beschwerden einhergehen, werden medikamentös (z.B. Sympathomimetika, Digitalis-Glykoside) bzw. wenn notwendig per Implantation eines Herzschrittmachers therapiert.

Bildet eine Krankheit (z.B. Schilddrüsenüberfunktion) die Ursache für eine Arrhythmie, muss diese adäquat eingestellt werden. Lösen Stress oder psychische Befindlichkeiten Herzrhythmusstörungen aus, besteht die Behandlung in Entspannungsmethoden (z.B. autogenes Training, progressive Muskelentspannung) bzw. einer Psychotherapie oder auch Psychopharmaka.

Häufigste bedeutsame Herzrhythmusstörung: Vorhofflimmern

Diese vorübergehend (paroxysmal) oder dauerhaft (permanent) auftretende Herzrhythmusstörung betrifft vor allem ältere Menschen. Ihr Kennzeichen sind schnelle (u.U. mehr als 350 pro Minute) und unkoordinierte Kontraktionen (Zusammenziehung der Muskulatur) der Herzvorhöfe. In der Folge kommt es zu unregelmäßigen Kontraktionen der Herzkammern und einem unterschiedlich großen Schlagvolumen (Blutmenge, die pro Herzschlag in den Blutkreislauf gepumpt wird). Das zeigt sich als Puls- und Blutdruckschwankungen. Vorhofflimmern ist kein akut gefährlicher Zustand. Der veränderte Blutfluss in den Vorhöfen bedeutet aber ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Thromben (Blutgerinnsel), die sich lösen und über die Blutbahn im Organismus Embolien verursachen können. Verschließt z.B. ein solcher Embolus (Gefäßpfropf) eine Hirnarterie, ist die Folge ein Schlaganfall. Deshalb bekommen Patienten mit Vorhofflimmern Medikamente zur Blutverdünnung. Vor allem bei paroxysmalem Vorhofflimmern kann eine – ein- oder mehrmalige – Ablation dieses beseitigen.

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