Gesund reisen: Reisen mit Herzerkrankungen

© leungchopan - Fotolia.com

Herzkrank, aber reiselustig? Das muss kein Widerspruch sein. Sofern das Urlaubsziel passt, man einige Vorbereitungen trifft und bestimmte Umstände beachtet.

An sich spricht auch für Herzkranke nichts gegen eine Urlaubsfahrt. Um diese gut zu überstehen, braucht es jedoch entsprechende (medizinische) Vorbereitungen. Auch die Wahl des Ferienortes will wohlüberlegt sein. Nicht zuletzt sollte das Transportmittel der Art und Schwere der Herzerkrankung gerecht werden. Da Fernreisen meist auf dem Luftweg stattfinden, stellt sich für viele Herzkranke daher zunächst die Frage nach ihrer Flugtauglichkeit.

Flugtauglich?

Flüge entsprechen in gewisser Weise einem Aufenthalt in großer Höhe. Die Atmosphäre im Flugzeug mit dem geringeren Luftdruck und der niedrigen Luftfeuchtigkeit bewirkt z.B., dass die Sauerstoffsättigung des Blutes sinkt, woran sich auch gesunde Menschen erst anpassen müssen. Der daraus folgende leichte Sauerstoffmangel führt zu einem beschleunigten Herzschlag und einer Weitstellung der Gefäße. Auf die Art zirkuliert mehr Blut im Kreislauf, um die adäquate Sauerstoffversorgung sämtlicher Organe zu sichern. Auch die Druckverhältnisse ändern sich. So steigt der systolische Blutdruck leicht an, ebenso der Druck im rechten Herzen und in den Lungenarterien. Herzleistung und Durchblutung der Herzkranzgefäße nehmen zu, was – zwar vorübergehend, aber doch – zu Lasten der Leistungsreserven des Herzens geht. Das kann bei Menschen mit schweren Herzleiden Probleme verursachen.

Ob Herzkranke befürchten müssen, dass ihr Gesundheitszustand den Belastungen einer Flugreise nicht stand hält, kann man anhand einer Faustregel abschätzen, die als Minimalanforderungen fürs Fliegen nennt, dass die bestehende Herzerkrankung sich als stabil erweist, 100 Meter ohne Hilfe gegangen und 10 bis 12 Stufen beschwerdefrei erklommen werden können. Außerdem sollen bestimmte Lungenparameter gewisse Werte (SO2: 85 Prozent, pO2: 70 mmHg, Vitalkapazität: 3 l, FEV1: 70 %) nicht unterschreiten. Andernfalls muss während des Fluges Sauerstoff verabreicht werden.

Die Schwere der Herzerkrankung ist ausschlaggebend, ob eine uneingeschränkte, bedingte oder fehlende Flugtauglichkeit vorliegt. Bei einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) oder koronaren Herzkrankheit (krankhafte Verengung der Herzkranzgefäße) im beschwerdefreien Stadium (NYHA I bzw. CCS I) spricht nichts gegen das Fliegen. Flugtauglich ist man in der Regel bei beiden Erkrankungen auch, wenn sie Beschwerden erst bei stärkerer körperlicher Belastung nach sich ziehen (Stadium NYHA II bzw. CCS II). Kommt es hingegen bereits bei leichter Anstrengung schon zu Symptomen (Stadium NYHA III bzw. CCS III), kann nur noch eine bedingte Flugtauglichkeit mit ev. erforderlicher Sauerstoffgabe attestiert werden. Treten bereits im Ruhezustand Beschwerden auf (Stadium NYHA IV bzw. CCS IV), sollte man auf Flugreisen besser verzichten bzw. nur in Ausnahmefällen – mit ärztlicher Begleitung und Sauerstoff – fliegen.

Nach Durchleben eines Herzinfarkts ist man in der Regel – abhängig von dessen Intensität – nach allerspätestens zwölf Wochen uneingeschränkt flugfähig. Wann nach Herzoperationen wie beispielsweise dem Setzen von Bypässen oder der Korrektur von Herzklappenveränderungen oder Septumdefekten (Lücken in der Herzscheidewand) geflogen werden darf, ist mit dem behandelnden Arzt abzustimmen, aber oft schon wenige Wochen danach möglich. Unkorrigierte Herzfehler hingegen erlauben Flüge nur, wenn sie kaum Beschwerden auslösen.

Bei entzündlichen Herzleiden wie der Myokarditis (Herzmuskelentzündung) oder Endokarditis (Herzinnenhaut- bzw. Herzklappenentzündung) sollte bezüglich Reisetauglichkeit der Kardiologe  das letzte Wort haben. Ebenso bei Herzrhythmusstörungen, wo die Flugtauglichkeit von der Art der jeweiligen Störung abhängt. Nur stabile, nicht lebensbedrohliche Arrhythmien machen uneingeschränkt flugfähig. Für Träger eines Herzschrittmachers bestehen keine Einwände gegen das Fliegen, sofern davor eine Funktionsprüfung des Gerätes erfolgt. Der Schrittmacherausweis sollte mitgeführt und bei der Sicherheitskontrolle vorgewiesen werden, damit es zu keinen Missverständnissen kommt, wenn der Alarm anspringt. Auch die erhöhte Gefahr der Entstehung einer Reisethrombose gilt es zu beachten und ggf. ist – nach ärztlicher Rücksprache – eine entsprechende Vorsorge (z.B. Verabreichung eines  Blutverdünnungsmittels) zu treffen.

Wer soll nicht reisen?

Einige Umstände erfordern in der Regel zumindest ein Verschieben etwaiger Reisepläne. So sollte man nicht reisen

  • je nach Befund innerhalb der ersten drei Wochen nach einem Herzinfarkt
  • innerhalb der ersten drei Wochen nach Eingriffen wie der Ballondilatation (Aufdehnung verengter Herzkranzgefäße), Stentimplantation (Einbringen eines Röhrchens in Herzkranzgefäße zum Offenhalten), des Einsetzens eines Herzschrittmachers oder Defibrillators bzw. je nach Befund innerhalb der ersten sechs Wochen nach einer Herzoperation
  • bei zunehmender oder bereits infolge niedriger Belastung (ebenerdiges Gehen, Steigen weniger Treppen) auftretender Angina pectoris
  • bei zunehmender oder bereits infolge niedriger Belastung (ebenerdiges Gehen, Steigen weniger Treppen) auftretender Atemnot
  • bei zunehmenden Ödemen (Wasseransammlungen z.B. in den Beinen)
  • bei wiederholtem Schwindel oder plötzlichen Anfällen von Bewusstlosigkeit

Der richtige Urlaubsort

Reisen bei Herzleiden ist zwar in vielen Fällen erlaubt, doch nicht jeder Ort eignet sich für jeden Herzkranken. Kommt man beim Spazierengehen schon nach wenigen Metern aus der Puste, belastet ein Aufenthalt in tropischen Regionen, Gebieten mit hoher Luftfeuchtigkeit oder starken Temperaturschwankungen oder großen Höhen (z.B. Bergtour, sauerstoffarme, “dünne“ Luft) das Herz-Kreislauf-System zu sehr und man tut gut daran, ein Reiseziel in gemäßigtem Klima mit eher kurzer Anfahrtszeit zu wählen. Und nicht allein zu reisen.

Liegt ein gesundheitliches Ereignis wie ein Herzinfarkt oder eine Herzoperation erst recht kurz zurück, sollte besonderes Augenmerk auf die Qualität der medizinischen Versorgung im Urlaubsland gelegt werden bzw. sich die Wahl desselben auch danach richten, um im Fall etwaiger Komplikationen (Anzeichen: z.B. ungewohnte Schwäche, Beklemmungsgefühl, Luftnot etc.) adäquat ärztlich versorgt zu werden.

Besteht hingegen eine gute Pumpfunktion des Herzens und Durchblutung der Herzkranzgefäße, ein normaler Herzrhythmus und eine einwandfreie körperliche Leistungsfähigkeit, sind auch Thermen- und Saunabesuche, ja sogar Abenteuerurlaube und Weltreisen vertretbar.

Und sonst…

Ein letzter ärztlicher Check vor der Fahrt oder dem Flug gibt grünes Licht für den Aufenthalt in fremden Gefilden. Der landestypisch notwendige Impfschutz ist aufgefrischt, der Versicherungsschutz (z.B. Reiseversicherung, Rückholdienst) geklärt. Die Reiseapotheke im Handgepäck ist aktualisiert und enthält einen großzügigen Vorrat an den notwendigen Herz- und Notfallmedikamenten (z.B. Nitro-Spray: Vorsicht!: wirkt im Flugzeug stärker blutdrucksenkend). Auch wichtige Unterlagen wie ärztliche Atteste (z.B. beim Mitführen von Spritzen oder bestimmten Arzneien), die Diagnosen und allfällige andere Informationen – möglichst in der Sprache des jeweiligen Urlaubslandes, zumindest aber in englisch – enthalten, sind erstellt und die Wirkstoffe der Herzmedikamente notiert, um – wenn nötig – im Urlaubsland adäquate Präparate, die anderswo oft andere Handelsnamen aufweisen als daheim, zu erwerben. Dann bleibt nur noch, in Erfahrung zu bringen, wo sich für den Bedarfsfall am Zielort Apotheke, Arzt, Herzklinik oder Schrittmacher-Zentrum befinden, um für alle Eventualitäten gut gerüstet zu sein.

 

Weiter führende Links:
Bürgerservice des Außenministeriums für gesundheitliche Notfälle
Formular: Flugreisetauglichkeit
Formular. Medikamentenmitnahme
Bescheinigungen für das Mitführen von suchtgifthalten oder psychotropen Arzneimitteln

Links zu unserem Lexikon:
Herzinsuffizienz
Koronare Herzkrankheit
Herzrhythmus-Störungen

Verwandte Ratgeber:
Angina pectoris
Herzinfarkt (Myokardinfarkt)
Herzschrittmacher (Pacemaker)
Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
Herzrhythmusstörungen: Wenn der Herzschlag außer Takt gerät
Hitze belastet den Kreislauf
Myokarditis: Welche Symptome weisen auf eine Herzmuskelentzündung hin?
Perikarditis: Dauer der Herzbeutelentzündung hängt von Komplikationen ab
Notfall Herzinfarkt: Richtig handeln rettet Leben
Thrombose (TVT, tiefe Venenthrombose, Phlebothrombose)
Reisethrombose: Richtige Prophylaxe schützt