Arteriosklerose: Entstehung und Folgen

©panthermedia.net, Sebastian Kaulitzki

Zuerst haften Blutbestandteile an verletzten Blutgefäßwänden. Dann bilden sich Plaques. Sie verengen die Adern und beeinträchtigen den Blutfluss. So entsteht Arteriosklerose (Atherosklerose, Arterienverkalkung), die Ursache für Herzinfarkt, Schlaganfall und Co.

Arteriosklerose nennt man Veränderungen der Adern, die mit Ablagerungen (Plaques) von Blutfetten, Leukozyten (weiße Blutkörperchen), Thromben (Gerinnseln), Bindegewebe und Kalk in den Gefäßwänden einhergehen. Dabei handelt es sich um einen Alterungsprozess, dem wahrscheinlich eine sogenannte endotheliale Dysfunktion (Fehlleistung der innersten Gefäßwandschicht) vorangeht, die eine Schädigung der Gefäßwände begünstigt.

Dieser über Jahre verlaufende Vorgang ist verbunden mit einem Verlust der Elastizität und einer – durch Konfluenz (“Zusammenfließen“) der arteriosklerotischen Plaques unterstützten – zunehmenden Einengung des Durchmessers der Adern. Die Gefäße verhärten. Der Blutstrom in ihnen wird dadurch beeinträchtigt. Das geschieht zunächst symptomlos und bleibt deshalb meist lange unerkannt. Erst wenn hochgradige Verengungen oder gar Gefäßverschlüsse auftreten, macht sich die Arteriosklerose mit Funktionseinbussen oder Organschäden bemerkbar.

Schicksal Arteriosklerose?

Bis zu einem gewissen Grad ja, denn Arteriosklerose ist eine Alterserscheinung. Weitere unbeeinflussbare Gegebenheiten (Risikofaktoren der 1. Ordnung), die ihre Entstehung fördern, sind männliches Geschlecht und in manchen Fällen eine genetisch bedingte Veranlagung.

Es gibt aber eine Reihe von Umständen bzw. Krankheiten, die eine Arterienverkalkung vorantreiben. Diese Risikofaktoren der 2. Ordnung hängen größtenteils vom Lebensstil ab und sind deshalb beeinflussbar. Dazu zählen u.a. Bewegungsmangel, Rauchen, Übergewicht bzw. Fettleibigkeit, erhöhte Blutfettwerte (z.B. Hypercholesterinämie), Bluthochdruck, Gicht und Diabetes mellitus.

Die Gefahr für die Entwicklung einer Arteriosklerose bzw. ihrer Folgeerkrankungen steigt umso höher, je mehr Risikofaktoren zusammentreffen. Hier eine kleine Übersicht, wie sich die Arterienverkalkung in verschiedenen Körperteilen auswirken kann:

Arteriosklerose und Herz

Eine Arterienverkalkung der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit, KHK) kann Schmerzattacken (Angina pectoris) in der Herzgegend erzeugen. Kommt es zu einem Gefäßverschluss, geht das von diesem Gefäß versorgte Areal zugrunde. Dieses Ereignis nennt sich Herzinfarkt und kann symptomarm, mit typischen Beschwerden (Schmerz in der linken Brust, ev. in den linken Arm oder ins Kiefer ausstrahlend) oder atypischen Symptomen (z.B. Rückenschmerzen) verlaufen. Je nach Schwere des Infarkts sowie Ort und Größe des zugrunde gegangenen Gewebes können länger dauernde oder bleibende Schäden wie z.B. Herzrhythmusstörungen oder eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche) folgen. Ein Herzinfarkt ist ein Notfall, der tödlich enden kann und deshalb einer sofortigen notärztlichen und klinischen Versorgung sowie später laufender Kontrollen beim Kardiologen bedarf.

Arteriosklerose und Beine

Eine Arterienverkalkung der Beinadern zeigt sich zunächst in Form von Schmerzen in den Beinen nach größerer Belastung infolge der Durchblutungsstörung. Bei zunehmender Verengung des Gefäßlumens treten die Symptome (z.B. passagäres Hinken, daher auch die Bezeichnung Claudicatio intermittens) schon nach kurzen Strecken oder auch in Ruhe auf. Das Beschwerdebild heißt periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) bzw. umgangssprachlich Schaufensterkrankheit, da Menschen mit fortgeschrittener pAVK schmerzbedingt alle paar Meter stehen bleiben müssen, was so aussieht, als würden sie das tun, um Auslagen zu betrachten. Starke Verengungen der Beinarterien können deren Aufdehnung (Dilatation) oder auch einen Gefäßersatz (Bypass) erfordern. Schlimmstenfalls kann eine Beinamputation notwendig werden.

Arteriosklerose und Gehirn

Im Gehirn bewirkt eine Arterienverkalkung eine Minderdurchblutung, was mit Symptomen wie Gedächtnisstörungen, Schwindel oder Verwirrtheit einhergehen kann. Vorstufen eines Hirninfarkts, d.h. eine TIA (transitorisch ischämische Attacke) oder ein PRIND (prolongiertes reversibles ischämisches neurologisches Defizit), können mit vorübergehenden Funktionsausfällen zutage treten.

Kommt es tatsächlich zu einem Gefäßverschluss (z.B. akut durch ein Blutgerinnsel), ist die Folge ein Hirninfarkt, besser bekannt unter dem Namen Schlaganfall (Insult, Apoplexie). Seine Auswirkungen hängen davon ab, welches Hirnareal von der Blutzufuhr abgeschnitten ist und somit Funktionen einbüßt. Häufige Folgen eines Schlaganfalls sind z.B. Sprachstörungen oder eine Halbseitenlähmung. Auch bei dieser Krankheit handelt es sich um einen Notfall, der eine notärztliche Versorgung und ehebaldigste Aufnahme in eine dafür ausgerüstete Klinik (z.B. stroke unit) erfordert.

Arteriosklerose und Niere

In den Nierengefäßen verursacht eine Arterienverkalkung zunächst hohen Blutdruck, kann aber schlimmstenfalls auch ein Nierenversagen hervorrufen.

Das Risiko senken

Folgen der Arteriosklerose, d.h. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, stehen hierzulande – und laut Prognosen bald auch weltweit – nach wie vor an der Spitze der Todesursachen und sind häufiger Grund für bleibende Invalidität. Motivation genug, wenigstens die beeinflussbaren Risikofaktoren zu minimieren – etwa durch eine ausgewogene Ernährung, Normalisierung des Gewichts, regelmäßige sportliche Betätigung und einen Rauchstopp.

Haben sich bereits Zeichen einer Arteriosklerose eingestellt, kann zusätzlich helfen:

  • viel Bewegung (z.B. Gehen, Laufen, Nordic Walking, Gymnastik, Schwimmen), v.a. bei Durchblutungsstörungen in den Beinen.
  • die regelmäßige Kontrolle von Gewicht, Blutdruck, Blutzucker und Blutfettwerten.
  • die Einnahme von Ginkgo-, Knoblauch- oder Omega-3-Fettsäuren-Präparaten zur Verbesserung der Durchblutung und Fließeigenschaften des Blutes bzw. Senkung des Cholesterinwerts und Blutdrucks.
  • die regelmäßige Einnahme aller vom Arzt verschriebenen Medikamente wie z.B. Acetylsalicylsäure (ASS) zur Verbesserung des Blutflusses, Blutdruck- und Blutfettsenker oder Antidiabetika.

 

 

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