Windeldermatitis: wie ein wunder Po entsteht, was dagegen hilft

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Das schreckt wohl alle Eltern: der zarte Po ihres Babys ist rot und wund. Er schmerzt beim Säubern und Wickeln. Dieser Zustand tritt ein, wenn Kinder fast immer Windeln tragen. Die halten zwar Kot und Urin von der Umgebung fern, doch haben die Ausscheidungen dadurch längeren Kontakt zur Haut und reizen sie. Die büßt somit ihre Schutzfunktion ein und kann sich entzünden. Was gegen eine solche Windeldermatitis hilft? Vor allem Luft. Und die richtige Pflege.

Windeln sind eine prima Erfindung. Sie fangen die Ausscheidungen von Menschen auf, die noch nicht oder nicht mehr die Kontrolle über ihre Schließmuskeln innehaben. Doch ihr Tragen hat auch einen gravierenden Nachteil: es kommt dabei zu einem engen Kontakt von Urin und Kot mit dem Po- und Genitalbereich. Vor allem bei enganliegenden, keine Nässe durchlassenden (z.B. Höschenwindeln), also perfekt abdichtenden, womöglich auch noch parfümierten Windeln weicht das feuchte Klima die Haut, die sonst als Schutzmantel dient, auf und macht sie anfälliger für Schädigungen.

Dann haben Mikroorganismen wie Pilze (v.a. Candida albicans) oder Bakterien (v.a. Staphylococcus aureus), die sich in warm-feuchter Umgebung sehr wohl fühlen sowie reizende oder toxische Substanzen (z.B. Proteine im Stuhl, bestimmte Salben oder Puder), die nun ungehindert in sie eindringen können, leichtes Spiel. Rötungen und Entzündungen, nässende Knötchen und Krusten am Po und Unterleib können aber auch durch das Zufüttern einer neuen Beikost (Zitrusfrüchte!), über die Muttermilch weitergegebene, bestimmte Inhaltsstoffe in der mütterlichen Nahrung (z.B. säurehaltige Lebensmittel, scharfe Gewürze) oder eine Überempfindlichkeit auf Windelmaterialien ausgelöst werden.

Diesen schmerzhaften und juckenden Ausschlag, der durch mechanische Irritationen (z. B. Scheuern der Windelränder an den Beinen), Durchfall, die Einnahme von Antibiotika, eine allgemeine Abwehrschwäche oder vorbestehende Hautleiden (z.B. Neurodermitis) noch gefördert wird, nennt man Windeldermatitis (Windelentzündung, Windelausschlag). Oder, da das aus dem Harnstoff im Urin abgespaltene beißende, Ammoniak, das die Haut reizt (verschiebt den pH-Wert in den basischen Bereich, was den natürlichen Säureschutzmantel der Haut stört), daran beteiligt ist, auch Dermatitis ammoniacalis. Wenn eine Pilzinfektion mitspielt, spricht man von einer Windelsoor, Candidosis genito-glutealis infantum oder einem Erythema mycoticum infantile.

Die Windeldermatitis ist trotz moderner Wegwerfwindeln keine Seltenheit. Weder bei Babys, noch bei (meist älteren) harn- oder stuhlinkontinenten Menschen. Und häuft sich natürlich, wenn die Windeln nur selten gewechselt werden oder danach kein gründliches Waschen und Trocknen erfolgt. Konsequent gepflegt und gezielt behandelt heilt ein wunder Po aber im Regelfall innerhalb weniger Tage aus.

Kennzeichen einer Windeldermatitis

Zu Beginn rötet sich – vor allem perianal (um den Darmausgang) und in den Leisten – die Haut. Später bildet sich ein nässender Ausschlag mit oft glänzender Oberfläche, stecknadelkopfgroßen Knötchen oder auch Bläschen oder Pusteln, die platzen und schließlich schuppen. Die geschwollene, wunde, entzündete Haut juckt und brennt. Der Ausschlag beschränkt sich zunächst weitgehend auf die von der Windel bedeckten Hautregionen, wobei die Hautfalten am Oberschenkel typischerweise ausgespart bleiben. Das Baby ist unruhig und schläft schlecht.

Bei Fortbestand der Hautreizung kann sich die Haut in Form größerer Blasen ablösen, sodass es zu offenen, leicht blutenden Wunden kommt. Und die Windeldermatitis kann sich auf andere Hautbezirke ausdehnen. Meist auf Unterbauch und Oberschenkel, seltener auch auf Stamm, Beine, Arme, Gesicht und Kopf, im Extremfall auf die ganze Haut.

Bei schwerem Verlauf bilden sich im Randbereich des Ausschlags wie ausgestanzt wirkende Geschwüre (Jaquets-Ulcera, Jaquets-Dermatitis). Darunter leidet oft das Allgemeinbefinden und die Temperatur kann erhöht sein.

Welche Keime an einer Windeldermatitis beteiligt sind, darauf geben die Hautläsionen Hinweise. Für eine Candida-Infektion sprechen scharf abgegrenzte, feuchtglänzende Hautrötungen mit schuppendem Saum und stecknadelkopfgroßen Papeln (Knötchen), gelegentlich auch kleinen Pusteln an den Übergängen zur gesunden Haut. Sie sind vorwiegend in der Gesäßfalte und im Genitalbereich lokalisiert und der Ausschlag streut (“Satellitenpapeln“). Während hartnäckig nässende Hautrötungen, eventuell Eiter (gelbliche Krusten) absondernde Pusteln und Blasen oder auch blutende, unter Narbenbildung abheilende Hautstellen eher auf eine bakterielle Besiedelung hinweisen.

Eine Windeldermatitis erkennen

Wenn sich der Zustand der Haut über mehrere Tage nicht bessern will, sich der Ausschlag über den Windelbereich ausbreitet, Zeichen einer Pilzinfektion aufweist, offene Hautstellen oder Geschwüre auftreten, die Haut stark blutet oder das Kind insgesamt beeinträchtigt erscheint, ist es höchste Zeit, einen Arzt aufzusuchen. Lokalisation und Aussehen der Hautläsionen lassen ihn in der Regel gleich die Windeldermatitis erkennen.

Kehrt der Windelausschlag ständig wieder, kann das ein Zeichen für eine Abwehrschwäche oder eine Erkrankung wie etwa eine Allergie, Schuppenflechte oder Mukoviszidose sein, was es abzuklären gilt.

Bei Verdacht auf eine Ansteckung mit Hefepilzen oder Bakterien erfolgt ein Abstrich für mikrobiologische Untersuchungen.

Eine Windeldermatitis besiegen

Für leichtere Fälle (z.B. mäßige Rötung) genügen häufig Pflegeprodukte wie bestimmte Salben oder Cremes mit entzündungshemmenden oder antimikrobiellen Zusätzen (z.B. mit dem Wirkstoff Dexpanthenol) oder spezielle Badezusätze. Auch etwas Muttermilch, auf wunden Stellen aufgebracht, lindert Hautreizungen. Bei nässenden Ausschlägen hilft eine Paste aus Mandelöl, Zinkoxid und Fettcreme oder aus Kamille, Lebertran, Schwefel, Wollwachs und Zinkoxid oder eine Lebertransalbe.

Natürlich kennt auch die Alternativ- bzw. Pflanzenmedizin einige Mittel gegen das Problem. Beispielsweise Eichenrinde und Heidelbeerpresssaft, die zusammenziehend und heilungsbeschleunigend wirken. Oder Bäder mit Kamillen-, Schafgarben- oder Thymiantee. Und das Abtupfen nässender Stellen mit schwarzem Tee, der davor eine halbe Stunde ziehen durfte. Zudem bestimmte Schüßler Salze. Etwa die Nr.22 (Calcium carbonicum), die gegen empfindliche, trockene, rissige und gerötete Haut helfen soll. Oder die Nr. 5 (Kalium phosphoricum) bei nässendem Hautausschlag, wie er oft bei Durchfall vorkommt.

Bei schwerer Entzündung können kurzfristig Cortison-Salben oder -Tinkturen zum Einsatz kommen.

Infektionen mit Pilzen und Bakterien erfordern die Anwendung von Antimykotika respektive Antibiotika, meist in Form von Cremes, in schweren Fällen als Tabletten. Bei Pilzbefall ist es ratsam, den Magen-Darm-Trakt mitzubehandeln, weil dieser das Erregerreservoir für Candida & Co. darstellt. Besonders, wenn auch ein Mundsoor besteht.

Bei häufigerem wunden Po kann manchmal der Wechsel zu einer anderen Windelmarke das Problem beseitigen. Nämlich dann, wenn eine in der ursprünglich verwendeten Windel enthaltene Substanz zu Unverträglichkeitsreaktionen beim Windelträger führt.

Vorbeugung: nackter Po statt nasser Po

Wichtigste prophylaktische Maßnahme ist ein oftmaliger, d.h. täglich mindestens sechsmaliger, bei Bedarf (z.B. Durchfall) auch häufigerer Windelwechsel, denn nichts reizt den Po so sehr wie eine volle Windel.

Am besten kombiniert mit einer mehrmals täglichen gründlichen, aber schonenden Reinigung der Haut im Genital- und Pobereich sowie an den Oberschenkelinnenseiten. Mit warmem Wasser und einer milden Seife bzw. bei trockener Haut mit einer ölhaltigen Waschlotion, von vorne nach hinten, mit anschließendem Abspülen mit klarem Wasser. Mit Babyöl oder hautfreundlichen Öltüchern Stuhlreste sorgfältig entfernen. Danach die Windelregion sanft mit einem weichen Handtuch abtrocknen oder vorsichtig mit einem Abstand von 40 bis 50 cm von seitlich föhnen. Schließlich die Haut mit fettreicher (nicht bei Pilzbefall!) Wund- und Hautschutzcreme (z.B. Ringelblumenöl) einreiben, damit die Haut nicht so stark aufweicht oder mit zinkhaltiger Hautcreme, die Feuchtigkeit von der Haut fernhält. Oder mit Puder bestäuben, der aber nicht vom Kind eingeatmet werden darf.

Vor allem aber sollte jedes Baby auch ungewickelte Phasen verbringen, in denen sich der Po vom feuchtwarmen Windelklima, in dem gern Pilze gedeihen, erholen kann. Beispielsweise nach dem Baden, damit die Haut gut trocknet, sofern es dafür nicht zu kalt oder zugig ist. Kurz vor dem Anlegen einer Windel können dann Salben oder Cremes zur Anwendung kommen. Ebenso sollten kleine Erdenbürger – auch oder gerade bei bestehender Windeldermatitis – immer wieder mal in einem warmen Raum auf einer Decke oder unter einer Wärmelampe nackt strampeln oder krabbeln dürfen, damit frische Luft an ihre Haut gelangt.

Staunässe vermeiden lässt sich am besten mit Stoffwindeln. Wird lieber Wegwerfwindeln der Vorzug gegeben, sollte die Wahl auf gut saugende, luftdurchlässige Einmalwindeln fallen. Am ungünstigsten in puncto Windeldermatitis sind Höschenwindeln aus Plastik oder Gummi, die womöglich auch noch sehr straff anliegen.

Da die Beschaffenheit des Stuhls eine Rolle spielt bei der Entwicklung einer Windeldermatitis und diese wiederum von der Ernährung des Kindes, aber auch der stillenden Mutter abhängt, empfiehlt sich für Mütter, auf Zitrusfrüchte und saure Fruchtsäfte zu verzichten. Die Säuglingsnahrung sollte zumindest die ersten sechs Monate vorwiegend aus Muttermilch bestehen, nicht stark gewürzt, möglichst zuckerfrei und hypoallergen (sogenannte HA-Nahrung bei Flaschenkost) sein.